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Enno Bunger
Jamie Cullum

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Zentralwerkstatt

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Konzertbericht



Datum: 01.05.2010

„I’ll tell you in secret : There’s a bus behind the stage”

Jamie Cullum in Bremen

Bremen (m2w)    ein Bericht von Wiebke Boberg
Foto: Jochen Melchior

Der Bus hinter der Bühne war allerdings nicht zu übersehen. Genauso wenig wie der mitten im Zuschauerraum. Oder die drei, die an der Seite auf Hebebühnen standen. Nicht zu übersehen, aber auch nicht wirklich verwunderlich, hatte die Telekom doch zum nächsten Streetgig in die Zentralwerkstatt der Bremer Straßenbahn AG geladen. Zwar erstrahlte die Halle in leuchtendem Pink, und die schon erwähnten Busse waren kurzerhand zu Beleuchtungselementen und Projektionsflächen für zahlreiche Beamer umfunktioniert worden – aber Werkstatt bleibt Werkstatt. Könnte man denken. Die glücklichen Gewinner der Streetgig-Karten waren aber nicht gekommen, um an einem regnerischen 01. Mai in der Bremer Neustadt Linienbusse zu bestaunen. Sie freuten sich auf ein Konzert in einer ziemlich ungewöhnlichen Location und auf einen ziemlich ungewöhnlichen Musiker: Jamie Cullum.

Homepage von Jamie Cullum
Homepage von Enno Bunger
Homepage der Telekom Streetgigs


Zuerst aber hatte die Vorband die Bühne für sich. Die drei Jungs von Enno Bunger spielten Stücke aus ihrem Debütalbum „Ein bisschen mehr Herz“ und hatten die Zuschauer mit teilweise autobiographischen Texten und eingängigem Indiepop schnell auf ihrer Seite. Ein bisschen Werbung machten sie aber nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Heimatstadt Leer, offenbar eine Talentschmiede. Denn nicht nur die Band selbst, auch Scooter-Frontmann H. P. Baxxter stamme aus der ostfriesischen Kleinstadt, wurde das Publikum aufgeklärt. Und bekam sogleich eine wohl nicht ganz ernst gemeinte Hommage an eben jenen Megaphonvirtuosen zu hören. Hyper, hyper! Enno Bungers eigene Musik (z. B. „Herzschlag“ oder „Pass auf dich auf“) kam dann aber doch verdientermaßen besser an. Schließlich haben manche ihrer Songs nach eigener Aussage etwa das Hitpotential des Flohwalzers, und das will doch schon was heißen.

„Wir dürfen vor einer lebenden Legende spielen“, freute sich der Frontmann des Trios auf den eigentlichen Star des Abends. Und der kam dann auch. Gleich zu Beginn machte Jamie Cullum mit zwei Hits aus seinem aktuellen Album ordentlich Stimmung: Dem Ohrwurm-Cover von Rihannas „Don’t Stop The Music“ folgte „I’m All Over It“ und natürlich der erste obligatorische Sprung vom Flügel. Danach war aber erstmal der ungewöhnliche Ort des Konzertes Thema: „It’s probably the weirdest place we’ve ever performed in. There are busses over there! You probably didn’t notice.” Übersehen hatte man die Busse zwar wirklich nicht, allerdings tatsächlich kurzzeitig vergessen. Denn Jamie und seine vierköpfige Instrumentalverstärkung zogen das Publikum in ihren Bann. Saxophon, Trompete, Kontrabass, Gitarre, ein oder auch mal zwei Schlagzeuge und natürlich allerhand Tasten auf Flügel, E-Piano und Hammond-Orgel sorgten in ständig neuen Kombinationen für ein abwechslungsreiches Set. Schließlich sei die Bremer Straßenbahnwerkstatt eine genauso ernstzunehmende Konzerthalle wie die Carnegie Hall, bemerkte der Star des Abends, und die verlange nun einmal „some serious jazz“. Den gab es dann auch, beispielsweise bei „High And Dry“, fast schon einem Evergreen. Die neueren Songs vom aktuellen Album „The Pursuit“ wechselten sich am Samstagabend nämlich mit zahlreichen älteren Stücken ab. Vielleicht ein besonderes Highlight: „I Get A Kick Out Of You“, ausschließlich zusammen mit dem Kontrabass, dessen Solobegleitung das eigentlich Altbekannte ziemlich spannend machte. Überrascht wurde man auch immer wieder durch kleine Anspielungen zwischen den eigentlichen Stücken, so zum Beispiel ein kurzes Cover von „Gold Digger“ bzw. Ray Charles‘ „I Got A Woman“. Aber auch Jamie Cullums aktuelle Single „Wheels“ durfte natürlich nicht im Programm fehlen – wobei sich bei diesem Titel eine Anspielung auf den uns umgebenden Fuhrpark natürlich auch nicht vermeiden ließ.

Jamie Cullum live war einfach ein Erlebnis. Quirlig und gut gelaunt sorgte der kleine Entertainer auch für gute Laune im Publikum von der ersten Minute bis zu den Zugaben. Denn man musste einfach mitgehen, wenn er wie ein kleiner Flummi auf der Bühne hin und her hopste und dann blitzartig wieder am Flügel saß, um für neue Ohrwürmer zu sorgen. Oder auf dem Instrument herumkletterte, so wie man es von ihm kennt. Dabei spielte und sang er mal wie nebenbei, ganz lässig, dann wieder ganz in sich versunken und begeistert von der Musik. Und das steckte an. Spätestens bei „Mixtape“, der ersten Zugabe nach knapp anderthalb Stunden, hüpften und sangen dann auch alle in der Straßenbahnwerkstatt mit. Und die meisten werden wohl auch ein paar Ohrwürmer mit nach draußen genommen haben. Oder vielleicht sogar in den Nachtbus?

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Datum: 01.05.2010

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