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Datum: 22.07.2018

Ed Sheeran in Gelsenkirchen

Von Singvögeln, Bäumen und einem Megastar

Gelsenkirchen (ml)    Ed Sheeran absolvierte gestern das erste seiner zwei Konzerte in der Veltins Arena Gelsenkirchen. Nach einigem Hin und Her im Vorfeld des Konzertes konnte er am Ende dann doch noch im Ruhrpott auftreten. Und das notgedrungenerweise an zwei Abenden.

Ed Sheeran gibt sich als absoluter Sympathieträger zum ersten der beiden Konzerte in der Veltins Arena Gelsenkirchen. Foto: Marcel Linke

Aber mal zurück auf Anfang. Schon im Sommer 2017 wurden die Konzerte von Ed Sheeran in Deutschland
Fotos zum Konzert
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angekündigt. Dass er neben Berlin, Hamburg und München ausgerechnet nach Essen kommt war dann schon eine kleine Sensation. Immerhin sollte hier ein neues Konzertgelände auf dem Gelände des Flughafen Mülheim erprobt werden. Daraus wurde nichts wegen eines bodenbrütenden Vogels.
Ein neuer Plan musste her. Die Stadt Düsseldorf bot ein Gelände neben dem Stadion an, welches 2019 ein großer Event Park werden soll. So oder so müssen, wenn die Pläne Düsseldorfs aufgehen sollen, ca. 100 Bäume versetzt oder gefällt werden. Die Lokalpolitik konnte sich dann aber doch nicht mehr zu einer für das Konzert positiven Entscheidung durchringen und so scheint auch der Traum eines Event Parks für Düsseldorf gescheitert zu sein.
 
Im Hintergrund tat sich aber was und kurz nach der Bekanntgabe, dass das Konzert nicht in Düsseldorf stattfinden kann, hat man es kurzerhand nach Gelsenkirchen in die Veltins Arena verlegt und auf zwei Abende aufgeteilt. Die Aufteilung war notwendig, da im Vorfeld 80.000 Tickets verkauft wurden und die Veltins Arena zum Konzert von Ed Sheeran etwas mehr als 50.000 Besucher fasst.
 
Klar sorgte das für Chaos. Für weiteres Chaos sorgte die Personalisierung der Tickets auf Wunsch von Ed Sheeran, der damit der Ticketmafia wie Viagogo einen Strich durch die Rechnung machen möchte. Dabei gerieten leider auch einige der Fans zwischen die Mühlen. Auf alle Fälle bildeten sich lange Schlangen an den Troublecountern.
 
Drinnen ging währenddessen schon Jamie Lawson auf die Bühne. 2015 landete er als erstes Signing auf Ed Sheerans eigenem Label einen Hit mit "Wasn't Expecting That". Der Song darf auf keinen Fall in dem kurzen Set von ihm fehlen.
 
Mittlerweile sind auch draußen die Schlangen an den Troublecountern kürzer geworden. Die Halle ist nun mittlerweile fast voll als Anne-Marie auf die Bühne geht. Im Gegensatz zu Jamie Lawson, der musikalisch eher die Singer-Songwriter-Ecke bedient, ist Anne Marie mit Songs, wie "Ciao Adios" eher ein richtiges Popsternchen mit dem passenden Beat zum aktuell sehr sonnigen Wetter.
 
Gegen 20:40 Uhr kam dann Ed Sheeran endlich mit "Castle on the Hill" aus seinem 2017 erschienenen und aktuellem Album ÷ auf die Bühne. ÷ ist ein absolutes Rekordalbum. Sämtliche Songs des Albums konnten sich als Single gleichzeitig in den Top 20 positionieren. Die ersten fünf Plätze der britischen Billboards gehörten allein Ed Sheeran. Sehr früh entschuldigt sich der Top-Act des Abends dann auch beim Publikum für das Verlegungschaos und stichelt dabei dennoch, dass es das größte Düsseldorfer Konzert ist, welches nicht in Düsseldorf stattfindet.
 
Aber zurück zum musikalischen. Mit "Eraser" folgt direkt eines der Stücke, die aus einem Singer-/Songwriter, der Ed Sheeran ja eigentlich ist, eine Ein-Mann-Band macht. Musik von Keyboard und von seinem Looper begleitet ihn. Dennoch ist alles live, wie Ed Sheeran vorab betont. Nichts kommt von Band. Die Musik wird von den Instrumenten auf der Bühne im Augenblick erzeugt. Und gerade der Looper ist mittlerweile zu einem Markenzeichen Ed Sheerans geworden.
 
Ed Sheeran freut sich in Deutschland auftreten zu dürfen. Sein Durchbruch hier hat länger auf sich warten lassen als in England. Dennoch findet er, dass das deutsche Publikum eines der Besten der Welt ist, da man hier mehr an seiner Musik als an seiner Person interessiert ist. "The A Team" stammt aus einer Zeit, als Ed Sheeran zwar schon im Radio gespielt worden ist, ihn aber noch kaum jemand in Deutschland kannte und er, wie er sagt beim Rolling Stone Weekender vor rund 100 Personen aufgetreten ist.
 
Wenn man diese riesen große Arena sieht und vorne entsprechende Bühne steht, dann ist es im Allgemeinen schwer zu glauben, dass ein Solomusiker diese ausfüllen kann. Ed Sheeran kann. Er hat es perfektioniert als Alleinunterhalter die Massen zu begeistern. Ruhige Songs, wie "Happier" wechseln sich mit seinen poppigeren Nummern, wie "Don't" im Medley mit "New Man" ab. Zu diesen rennt er dann auch schonmal gerne auf der Bühne umher und tritt näher an die erste Reihe heran.
 
Und immer wieder die Rückblende. Für Ed Sheeran ist es die ersten Stadiontour in Deutschland. "I See Fire" von seinem zweiten Album bezeichnet Ed als Durchbruch in Deutschland. Damals wurde er in Interviews wirklich noch gefragt: "Dein erstes Album war scheiße. Das ist gut. Was ist passiert?" - Eine Frage, die heute wahrscheinlich niemand mehr so formulieren würde. Und dann spielt Ed Sheeran seinen einzigen Song mit E-Gitarre. Neben "I See Fire" hat ihm "Thinking Out Loud" wohl ebenfalls zum Durchbruch in Deutschland verholfen. Beide Songs wurden in kurzer zeitlicher Abfolge veröffentlicht und lieferten sich ein Airplay-Battle, wenn man es so nennen kann. Dem Publikum scheinen die ruhigeren Songs insgesamt auch besser zu gefallen, als die schnellen. Es passt mehr in dieses Singer-/Songwriter-Gefüge. Und es ist auch echt atmosphärisch, wenn zu "Perfect" jeder sein Smartphone raus holt und die Halle im Sternenmeer der LED-Leuchten hell erleuchtet ist. Einem Großteil des Publikums und auch Ed Sheeran bleibt ein Heiratsantrag, der mitten unter den Besuchern zu diesem Song stattfindet, verborgen. Die beiden Verlobten werden diese Story wohl aber noch ewig erzählen können.
 
Mit "Sing" geht Ed Sheeran dann knapp 90 Minuten nach Beginn des Konzerts in die Zugabenpause und hinterlässt ein begeistertes Publikum, welches nach all dem hin und her im Vorfeld nun sehr glücklich zu sein scheint.
Die Hookline des Songs singt das Publikum dann auch weiter, um Ed Sheeran wieder zurück auf die Bühne zu holen und Ed kommt auch nochmal zurück, mit "Shape Of You" und "You Need Me, I Don't Need You". Beide Songs performed im Deutschland-Trikot.
 
Ja, es hat nicht alles reibungslos geklappt. Das muss man einfach so sagen. Dass einige Fans nach den Konzertverlegungen und eventuell ungewollter Terminverschiebungen sowie einer Indoor- statt Outdoor-Location hinterher enttäuscht waren, steht außer Frage und ist auch voll verständlich.
Dennoch muss man vor dieser grandiosen Leistung aller, in kürzester Zeit diese Umorganisation zu stemmen, den Hut ziehen. Und gerade Ed Sheeran macht es sehr sympathisch, dass er sich einerseits für das Doppelkonzert entschieden hat und sich andererseits für Dinge, die noch am wenigsten in seiner Macht stehen, auf der Bühne entschuldigte.
Alles in allem wurde eine etwas chaotische Veranstaltung doch noch zu einem super Konzert.

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Bands: Anne-Marie Ed Sheeran Jamie Lawson
Locations: Veltins Arena
Allgemein: Konzertbericht

Datum: 22.07.2018

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