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Vainstream Rockfest 2015

Saunatag statt Hitzefrei

Münster (as)    Dieses Jubiläum hat sich das Vainstream sicher anders vorgestellt. Trotz ausverkaufter Tickets, wurde es vor den Bühnen selten voll. Aber nicht der Regen spielte dieses Jahr den Spielverderber, sondern die Sonne, die das Gelände auf 38 Grad anheizte und damit einen erträglichen Konzertgenuss unmöglich machte. Ungeachtet dessen traten die Bands auf das Gaspedal und belohnten so den Kampf gegen die Hitze.

Trotz abartiger Hitze bringen die Donots nicht nur Apfelstrudel und Glühwein mit, sondern geben auf der Bühne auch noch alles. Foto: Marcel Linke

Die 10. Ausgabe des Vainstream Rockfest lockte erneut 15.000 Besucher (ausverkauft) an den Hawerkamp. Mit 26 Bands auf 4 Bühnen sollte es eine große Party werden. Dann kam die Wetterprognose: 40 Grad im Schatten! Bam.
Fotos zum Festival
Homepage vom Vainstream
Dass bei einer solchen Ausnahmesituation kein normaler Festivalalltag herrschen konnte, war allen Beteiligten schnell klar. Wie stark die Hitze diesen Tag prägen sollte, war dennoch überraschend [Hitzeempfänglichkeit ist selbstredend subjektiv, allerdings wird im Folgenden versucht eigene Beobachtungen zu generalisieren]. Die Bedingungen machen es für mich schwierig überhaupt etwas interessantes zu schreiben, es folgt also ein kurzer Abriss des Festivals mit einer längeren Coda.

Nach der Ankunft gibt es kaum Schlangestehen, weil viele erst später auf das Gelände kommen. Insgesamt wird es heute viele Späterkommer und Frühergeher geben, was dazu führt, dass vor den Bühnen viel mehr freie Fläche als in den Vorjahren zu sehen ist. Nachdem eine Band von der Bühne geht, bleibt die Menge nämlich nicht wartend stehen, sondern sucht sich schnell einen Platz im Schatten. Das mache ich zum Beispiel bei Feine Sahne Fischfilet (Fotos) für die ich so früh noch keine Aufmerksamkeit aufbringen kann. Die erste Band, die ich komplett sehe sind die Lokalhelden Neaera (Fotos). Nach einem Intro aus dem Film "Independence Day" (Schließlich ist ja 4th of July), bringt die Band wie immer eine gute Show auf die Bühne. Gut, dass die Jungs wieder Shows spielen, bewegen möchte ich mich trotzdem noch nicht. Denn ich schwitze im Stehen. Noch vor der Mittagssonne lähmt die Hitze den Körper und den Geist. Wirklich auf Musik kann ich mich nicht konzentrieren, zwischen jeder Band wandere ich mit der Herde zum Wasserloch, um mich abzukühlen und das Tetrapack wieder aufzufüllen. Diese Wasserstellen sind der Schlüssel zum Überleben. Eine wirklich gute Idee der Veranstalter und hiermit sind Lob und Dank verbunden.

Voll ist es selten, aber es kommt vor. Suicide Silence (Fotos) spielen vor einer beachtlichen Menge und stark umjubelt nicht gerade ihren besten Auftritt. Ansätze einer Party gab es bei den 257ers (Fotos), die auf der Bühne ein Kletter/Spiel-Gerüst aufbauten und auch eine Schneekanone mitbrachten. "Go Ninja" brachte die Menge in die richtige Laune für die drei derben Rapper und auch die folgenden Songs brachten viel Freude. Allerdings auf Dauer ermüdend. Lag das am Auftritt, oder der Sonne? Uneindeutig auch der Auftritt der Antilopen Gang (Fotos). Krachig und konditionell angeschlagen brachte der Gitarrenrap die Fans vor die Bühne und mich in die Schattenpause. So wandere ich zum Auto von mitgereisten Freunden, in ein Parkhaus. Dabei ist zu sehen, dass viele (sehr viele) Leute ebenfalls außerhalb des Festivalgeländes unterwegs sind und Schatten und/oder Getränke suchen. Das Parkhaus ist voll mit Sit-Ins und auch der Kanal wird oft angesteuert.

Aber wir sind schließlich für die Musik hier und so geht es (un)freiwillig zurück aufs Gelände. Dort warten Fear Factory (Fotos) und Terror (Fotos). Die machen das, was sie sollen und das machen sie ordentlich. Auf der kleinen Bühne schaffen es Die Kassierer das Publikum zu versammeln. Es ist sehr voll vor der Bühne und natürlich zu Recht, denn diese Band ist gleichbedeutend mit Hits. Architects (Fotos) liefern wie gewohnt ab und spielen ebenso souverän, wie im letzten Jahr. Callejon (Fotos) finden Anklang, ich gehe aber lieber noch einmal zum Wasserloch. Dann kommen endlich die Donots (Fotos) und sorgen für eine kleine Enttäuschung. Die neuen Songs finde ich langweilig. Bis zu einem Featuresong mit der Antilopen Gang der den Wendepunkt des Auftrittes markiert. Danach besinnen sich die Ibbtowner auf alte Stärken und ballern mit Calling und We're not gonna take it die Menge zum Jubel. 

Nach diesem Auftritt geht es zum ersten Mal zur Clubstage. Dort spielen Der Weg einer Freiheit eine exklusive Saunashow. Die Sputnikhalle schwitzt, das Publikum schwitzt, ich schwitze. Es ist wirklich keine angenehme Situation, aber leider ein sehr gutes Konzert. Trotzdem gehen viele Besucher zwischendurch an die Luft: Es ist besser so. Draußen beginnt der Spätabend kühler zu werden. Bei lockeren 30 Grad waren die Auftritte von Sick of It All (Fotos) und Parkway Drive gut anzusehen. Während in der Halle noch Funeral For A Friend (Fotos) die letzte Luft zum brennen bringen. Danach ist für M2W der Tag vorbei. Die Kräfte sind am Ende.

Durch unser Leid haben wir viel gelernt und fühlen uns verpflichtet dies mit der Welt teilen. So präsentieren wir nun die Großen Fünf "Tipps gegen die Sonne"! Auf Platz 5: "Sonnencreme" - Kein falscher Stolz, das Eincremen rettet Euch vor einer neuen Hautfarbe, die vor allem mit Schmerzen verbunden ist. Platz 4 geht an Hüte. Kopfbedeckungen schützen vor Sonnenbrand und bieten wichtigen Schatten für das Gesicht. Gut gelöst wurde die auf dem Vainstream durch Reisbauernhüte. Clevere Idee und besser als eine Cap. Platz 3 gebührt dem Klassiker der Fieberbekämpfung. Der nasse Nackenlappen. Einfach ein keines Handtuch anfeuchten und über die Schultern bzw. den Nacken legen. Bedeckt die Haut vor der Sonne und kühlt den Körper. Ebenfalls klassisch auf Platz 2: Wasser trinken. Eine verrückte Idee, aber viel Trinken erhöht die Chancen viel zu Schwitzen und das hilft der Körpertemperatur. Socializing am Wasserloch gibt es gratis dazu. Die 1 tut am meisten weh, ist aber oft notwendig. Lasst den Alkohol weg. Saufen ist für viele ein Spaß, für den Körper ist es Arbeit. Moderates Trinken gibt dem Körper die Chance sich um die Hitze zu kümmern. - Auf dem Vainstream mussten viele Besucher betreut werden. Vom verbrannten Rücken bis zum Kreislaufkollaps birgt so ein Hitzetag viele Risiken. Mit unseren Tipps und ein paar Ruhepausen im Schatten, ist aber auch das zu überstehen. Passt auf euch auf.

Zusammenfassend betrachtet konnte auch dieses Jahr auf dem Vainstream ein schöner Tag verbracht werden. Sonnenresistente Menschen hatten viel Platz vor der Bühne, die Anderen waren leider nicht ganz bei der Sache. Doch kann dem Vainstream das Wetter vorgeworfen werden? Nein! Also Mund abputzen und nächstes Jahr wiederkommen. Schade um 2015, das Vainstream 2016 wird es aber nicht zu Fall bringen.

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