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Datum: 12.12.2010

Fest van Cleef Interviews (5/5): Thees Uhlmann

Bielefeld (m2w)    von Marcel Linke

Nach dem Fest van Cleef hatten wir noch die Gelegenheit ein Interview mit Thees Uhlmann zu führen. Wir sprachen mit ihm über das Fest selber, sowie sein kommendes Soloalbum.

Foto: Britta Flachmeier

Bericht zum Festival
Thees Uhlmann bei MySpace


Was waren deine persönlichen Highlights während der vier Tage in denen du mit dem Fest van Cleef beziehungsweise A Night At The Opera unterwegs warst?
Die Highlights waren hinter der Bühne, dass sich alle mit allen unterhalten haben. Dass man es wieder geschafft hat, wo 8 Bands unterwegs waren und keiner so heraus sticht, sondern sich auch alle gegenseitig ihre Konzerte angucken, wo sich keiner als Star begreift. Es war für mich ein Highlight, dass das so offensichtlich funktioniert, das was wir machen. Und dann war das Highlight noch für mich, dass wir das ja mit zwei Räumen geplant haben, der kleinere Raum und der größere Raum und dass das Konzept halt auch aufgegangen ist. Dass wirklich die Leute sich auch die kleineren Bands angeguckt haben und die Räume echt voll waren und die Besucher nicht wie Schafe vor der großen Bühne geblieben sind. Das macht mich ganz stolz, dass wir so ein Publikum haben, dass die sich nicht nur wegen Kettcar und wegen meiner neuen Platte da hin stellen.

Das hat uns auch beeindruckt. Wer hatte von euch denn die Idee das Fest van Cleef in den Winter zu legen?
Ich möchte nicht bescheiden sein. Das war ich. Ich kenne das von diesen Metal Christmas Tours. Außerdem gibt es so viele Festivals, dass es reichlich sinnlos ist im Sommer dann noch ein Festival zu machen.

Nach welchen Kriterien habt ihr euch dann die Konzerthallen ausgesucht?
Ein bisschen lokale Streuung. Auch danach, was mit den Bussen an Strecken zu bewältigen ist und danach, wo man dieses Zwei-Raum-Konzept machen kann.

Das sind ja in Deutschland recht wenig Hallen, wo man dieses Konzept durchführen kann. Kann es passieren, dass ihr nächstes Jahr dann wieder in den gleichen Hallen auftretet? Das Fest van Cleef war ja bisher immer in anderen Städten. Könnte es jetzt sein, dass es sesshaft wird?
Das glaube ich nicht. Da ist dann unser Ehrgeiz schon geweckt, dass man das in verschiedenen Räumen macht. Aber es sind halt immer total gute Städte für uns. Berlin, Mainz, Wiesbaden und Bielefeld. Das sind halt Städte in denen wir echt gerne Konzerte spielen.

So weit zum Fest van Cleef. Dann einige Fragen zu deinem Soloalbum, was du nächstes Jahr heraus bringst. Wie kam es dazu und warum gerade jetzt?
Das kommt einfach davon, dass bei Tomte alle schon immer ihre eigenen Sachen auch gemacht haben. Dennis hat ja Techno gemacht, oder macht Techno. Max Schröder hat ja immer Der Hund Marie gemacht, bei Olli Schulz mitgespielt und Kinderlieder gemacht. Ich wollte jetzt einfach auch mal eine Sache machen, wo mein eigener Name drauf steht. Es ist auch ein bißchen andere Musik als bei Tomte. Das wird dort gefiltert durch mehrere Leute und hier wird das nur durch mein Gehirn gefiltert und da hab ich irgendwie Bock drauf. Also no hard feelings, aber ich wollte einfach mal so eine Sache allein machen.

Es hat uns dann auch etwas verwundert, als du auf der Bühne standest und da auf einmal wieder eine komplette Band hinter dir stand. Nach welchen Kriterien hast du diese Band zusammen gestellt?
Die habe ich gar nicht zusammen gestellt. Die hat Tobias Kuhn zusammen gestellt mit dem ich ja meine Platte zusammen mache, der auch schon die Heureka gemacht hat. Und es war auch einfach Absicht, dass ich mir nicht fünf Leute aus meinem persönlichen Umfeld zusammen suche die ich eh schon fünf Jahre kenne, sondern dass ich das mit neuen Leuten zusammen mache. Das Konzept ist auch voll aufgegangen, weil die Leute total nett sind mit denen ich zusammen spiele und ich wollte einfach in einen Proberaum rein gehen, mich erstmal um die Musik kümmern und mich dann ums persönliche kümmern. Das ist was anderes, wenn du jemanden schon fünf Jahre kennst, als wenn du jemanden ganz neu kennen lernst und den nur wegen deiner Musik kennen lernst. Das habe ich als extrem befreiend gefunden, extrem locker, vor allen Dingen weil es eh klar war nach ungefähr 20 Minuten, dass die anderen Leute auch wahnsinnig nett sind. Julia Hübel, meine Klavierspielerin, hat mir nach dem Konzert gesagt, du singst ja sehr muskulär, eigentlich sollte man ja total locker sein, wenn man singt, nur dann kann man das maximal mögliche aus der Stimmer heraus holen. Ich hab mir dann gedacht, dass das total cool ist, dass eine 20-jährige mir sagt, dass ich falsch singe und dass ich anders singen könnten. Das fand ich halt super. Und das würde sich auch nicht jemand trauen, der mich schon vier Jahre kennt, weil dem das auch gar nicht auffallen würde.

Du meintest ja beim Fest van Cleef, dass ihr euch erst seit einer Woche kennt. Wird denn das Album nächstes Jahr dann auch mit Band sein, oder wirst du das dann solo mit Gitarre sein?
Nee, das werden die ganzen Songs. Ich weiß noch nicht, wer die ganzen Gitarren einspielt, ob das nur ich bin, oder Tobi und ich, aber das wird auf jeden Fall eine organische Platte einfach werden. Es wird eine Bandplatte. Das wird auf keinen Fall eine Platte, ich und Akkustikgitarre mit Mundharmonika. Das wird eine richtige Rockplatte.

Dann hast du noch einige Liedtitel in Bielefeld genannt, wie zum Beispiel Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf. Sind das jetzt eher Arbeitstitel oder werden das dann auch wirklich die Liedtitel sein, die auf so auf dem Album erscheinen?
Das liegt relativ nahe. Zum Beispiel Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf, da hat irgendjemand geschrieben, dass man bei YouTube den Namen nicht so lang eingeben kann. Aber eigentlich heißt der Song so. Sommer in der Stadt soll auch Sommer in der Stadt heißen. Es kann sein, dass sich das noch ändert. Aber eigentlich ist es das so weit.

Dann gebe ich dir jetzt mal ein kurzes Zitat aus unserem Bericht. Der entsprechende Teil wurde von unserem Reporter André Siekmeier geschrieben: Die neuen Songs wirken insgesamt glatter, runder und auch pompöser. Der Punktouch alter Tomte-Tage ist fort, dafür hat eine große Portion Pop Einzug gehalten. Das ist seine Einschätzung. Wie würde denn deine Einschätzung zu den Songs von Thees Uhlmann & Freunde aussehen?
Ich weiß schon, was er meint, bloß ich wehre mich schon seit Jahren gegen das Wort Pop, weil ich war nie so Pop-Fan. Ich mag natürlich poppige Songs und ich liebe Hit-Singles und so etwas. Aber zum Beispiel habe ich neulich mit Tobias Kuhn auch über Hurts geredet, was ja sozusagen Mega-Pop ist. Weil das halt so Mega-Pop ist, ist das auch der Grund, warum das nicht so eine Lieblingsband von mir ist, auch wenn ich das zum Beispiel toll finde, aber ich bin da einfach mehr Rock-Fan. Und zum Thema Pop, man darf natürlich nie die Meinung eines Journalisten anzweifeln, ich würde das vielleicht genauso schreiben, aber ich würde Pop durch Rock ersetzen. Es hat eine große Portion Rock Einzug gehalten. Weil ich auch viel solcher Musik gehört habe, was Leute auch einfach als Rockmusik bezeichnen.

Das geht auch bei uns mittlerweile alles in einem durch. Was glatt gebügelt klingt, ist dann schon Pop und etwas rauere Lieder sind dann halt Rock.
Im Endeffekt hast du auch total Recht. Kings of Leon sind auch eine Rockband, aber die erste Single ist totaler Pop Pop Pop.

Dann sind wir auch schon bei der letzten Frage. Das Jahr ist fast vorüber, welche Vorsätze hast du dir denn für 2011 gefasst?
Da sag ich einfach, mehr Sport, weniger Rauchen, ein guter Vater sein, mein Fußballteam unterstützen und eine spitzenmäßige Platte machen. Außerdem noch ein Konzert mit Young Rebel Set in England spielen mit der kompletten Band. Auch dass ein englischer Bassist mit Marcus Wiebusch redet, das bedeutet mir auf eine ganz seltsame Art und Weise sehr sehr viel.

Dann bedanke ich mich ganz herzlich für das Interview.