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Datum: 12.12.2010

Fest van Cleef Interviews (2/5): Nils Koppruch

Bielefeld (m2w)    von André Siekmeier und Marcel Linke

Teil 2 von 5 Teilen mit den Musikern des Fest van Cleef 2010. Dieses Mal sind wir mit Nils Koppruch im Gespräch.

Foto: Britta Flachmeier

Bericht zum Konzert
Homepage von Nils Koppruch


Bitte stell dich und deine Musik doch erstmal vor.
Mein Name ist Nils Koppruch. Ich habe, bevor ich Musik gemacht habe, schon viele andere Sachen gemacht. Ich bin nicht so ein Typ, der mit 13 schon wusste, dass er Musiker werden will. Eigentlich weiß ich das auch bis heute noch gar nicht. Das bekannteste, was ich an Musik gemacht habe, ist eine Band namens Fink. Die gab es von 1996 bis 2005. Seitdem mache ich das als Solokünstler mit weiteren Musikern. Es ist also kein klassisches Bandkonzept. Die Musik, die ich mache ist gute Musik. Die Beschreibung fällt mir sehr schwer, weil ich mache das ja schon. Das müssen andere Leute beschreiben. Manchmal bin ich damit nicht zufrieden, was anderen Leuten dazu einfällt, aber ich hab da sowieso keinen Einfluss drauf, sobald ich das gemacht habe. Wenn es raus geht an die Öffentlichkeit ist ja mein Einfluss sowieso relativ begrenzt darauf.

Was findest du denn an altertümlicher Folk-Musik so interessant?
Wir in Deutschland haben ja keine Tradition, die die USA und England haben. Also eine Folk-Musik-Tradition, die auch ein bisschen gefährlich ist und die auch ein bisschen finster ist und auch tief ist. Wir haben Am Brunnen vor dem Tore. Das meiste ist von den Nazis vereinnahmt worden. Unsere deutsche Popmusik-Tradition fängt eigentlich erst nach dem zweiten Weltkrieg an und ist dann aber auch importiert worden aus den USA und aus England und setzt dann genau nach dem zweiten Weltkrieg mit Jazz und Rock'n'Roll dann ein. Und ich finde es so bedauerlich, dass wir selber keine interessante Musiktradition haben, wo man sagen kann, dass das ein Song ist, mit dem man sich hinstellt und die Leute wissen, was damit gemeint ist. Ein Mädchen stürzt sich von der Brücke, weil sie schwanger ist und es niemand wissen darf. Das ist Folk-Musik und Blues, den ich so gerne selber erfinden würde.

Was wäre denn jetzt relativ falsch, wenn man es zu deiner Musik schreibt?
Dass es Indie-Rock ist. Mich interessiert vor allem alte Musik, die sich hauptsächlich aus dem Folk speist, dass man sich als Musiker bewusst in eine bestimmte Tradition stellt. Das kann man natürlich mit Rockmusik auch. Mich hat aber immer mehr interessiert, was vor den Beatles und den Rolling Stones war. Es gibt Leute, die fangen an Musik zu machen, weil sie Band XY cool finden. Alter, wir wollen auch so klingen, wie XY. Dann machen sie das so und so. Das hat mich aber nie so interessiert. Mich interessiert, wo haben die Beatles das her und wo kam es davor noch her und kann ich nicht heute Versatzstücke davon nutzen, also die Beatles aus lassen? Ich erfinde meine eigene Folkmusik-Geschichte nochmal neu.

Es ist für dich ja das erste Mal, dass du das Fest van Cleef mitspielst. Warst du vorher schonmal da als normaler Besucher?
Nein. Ich habe vorgestern zum ersten Mal die Band Kettcar gesehen. Ich kenn die Musik, aber ich habe zuvor noch kein Konzert von denen gesehen. Ich habe Thees, obwohl er jetzt ohne Tomte auf der Bühne steht, bestimmt erst seit 8 Jahren wieder auf der Bühne gesehen. Für mich ist das neu. Es ist super schön aus verschiedenen Gründen. Einmal, weil es eine riesen Produktion ist und ich schon lange nicht mehr Teil einer solch großen Produktion war. Das ist immer total interessant. Dann meine Labelkollegen kennen zu lernen und meine Labelchefs in anderen Zusammenhängen kennen zu lernen. Das ist total interessant und sehr angenehm. Es ist super entspannend und es ist alles super organisiert hier. Alles geschmeidige Leute.

Du sprichst gerade deine Chefs an. Wie bist du als Musiker zum Grand Hotel van Cleef dazu gestoßen?
Ich hatte die Platte, die ich gemacht habe schon fast fertig. Ich habe die Dinge erst gerne fertig, bevor ich sage ich möchte daraus jetzt eine Platte machen und wer macht die eigentlich. Ich habe mir aber relativ früh gedacht, dass ich zumindest verkünden sollte, dass ich eine neue Platte machen möchte. Ich habe das dann ein bisschen gestreut. Ich mache eine neue Platte und wer hat daran Interesse? Unter anderem war das Grand Hotel van Cleef dabei. Es gab noch ein paar Leute, die das auch interessant fanden und auch machen wollten. Ich fand aber die interessanteste Möglichkeit war es, das beim Grand Hotel zu machen. Die Gründe sind hauptsächlich, dass das so nah an mir dran ist. Wir leben in der gleichen Stadt. Auch, dass ich die Leute schon ein bisschen kannte und dass es selbst Musiker sind, die eine Vorstellung davon haben, wie das Leben als Musiker ist. Also auch mit welchen Zwängen und mit welchen Problemen man da zu tun hat. Das sind die Hauptgründe gewesen. Ach ja, natürlich auch, dass die meine Platte toll fanden.

Es ist ja wahrscheinlich auch besser eher zu einem familiären Label zu gehen, als zu den großen Plattenfirmen, wo ständig ein Druck da ist.
Ich war schon bei vielen Plattenfirmen. Das waren eigentlich immer ganz kleine, sehr familiäre Unternehmen, bis auf meine letzte Platte Den Teufel tun. Die hab ich mit einem großen Indie gemacht. Mit V2 und da habe ich echt schlechte Erfahrungen gemacht, weil ich keine Musik mache, die sich sofort jedem erschließt. Es fällt auch den Leuten schwer eine Begrifflichkeit dafür zu finden. Es ist also relativ schwer das leicht zu vermarkten. Wenn du konkurrieren musst mit Bloc Party auf einem Stapel an Wichtigkeiten, dann ist ganz klar, die Nils Koppruch-Produktion hat nicht viel gekostet und wir wissen sowieso noch nicht genau, wie wir es verkaufen sollen, also konkurriert man mit solchen Bands. Dazu kommt noch, dass die Plattenfirma verkauft wurde. Plötzlich hatte ich niemanden mehr, wo ich hingehen konnte und sagen konnte, ich möchte gerne fünfzig Platten bestellen, weil ich auf Tour gehe. Dann waren die Platten plötzlich weg, weil sie wahrscheinlich in die Mülltonne geworfen worden sind. Der Lagerplatz war vielleicht zu teuer. Glücklicherweise hat das Grand Hotel van Cleef nochmal die Platte heraus gebracht.

Du hast auch schon etliche Konzerte hinter dir dieses Jahr. Welches waren die bisher beeindruckendsten?
Für mich war am schönsten, die Sache, die ich mit meiner Band machen konnte. Es war interessant mit Gisbert auf Tour zu sein, das Fest van Cleef ist auch interessant. Ich habe eine tolle Band, die auch noch in anderen Bands spielen. Das sind auch Leute, die ich schon lange kenne. Die haben zum Teil auch schon bei Fink gespielt. Und ich weiß, dass die nicht mit mir mitfahren müssten. Mein Schlagzeuger spielt zum Beispiel bei Fettes Brot. Er weiß, dass meine Backstage-Räume anders aussehen, als die bei Fettes Brot. Er weiß, dass er den Luxus erlebt bei mir nicht bekommt. Bei mir kriegt er Caruso-Style. Es sind auch alles Freunde von mir. Das ist ein großes Vergnügen und eine große Ehre für mich, dass die mit mir los fahren, weil die auch daran glauben, was wir da machen. Deswegen ist das für mich immer total besonders. Das hier ist was einzigartigeres und auf den ersten Blick beeindruckenderes, aber das sind meine Leute, meine Band.

Gab es in den letzten Tagen auch persönliche Highlights für dich?
Ja klar. Im Hamburger Schauspielhaus, vor so einer Kulisse zu spielen kommt auch nicht alle Tage vor. Es war nicht das erste Mal für mich. Ich war auch nicht so geplättet, weil ich da schonmal gespielt hab. Das ist total beeindruckend in so einem traditionellen großen Theater zu spielen. Dann war gestern Tim Neuhaus bei mir auf der Bühne. Mit Gisbert mache ich ja eh was. Ich glaube 55 Leute sind an dieser Produktion beteiligt. Ich hoffe, ich lerne noch alle kennen bis heute Nacht, weil morgen ist es ja zu Ende. Dass ich so viel interessante Leute kenne, die auch ihren Status, ob es der Mischer oder der Sänger ist, die es nicht nötig haben, ihren Status auszuspielen.

Welches sind denn deine musikalischen Favoriten hier beim Fest van Cleef?
Ganz klar, ich bin ja auch ein Fan von Gisberts Sachen. Die sind am nächsten an mir dran. Ich hab