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Datum: 10.09.2009

Im Gespräch mit Muff Potter

Muff Potter im Interview Teil 1

Bielefeld (ml)    Vor ihrem Bielefeld-Konzert haben Britta und ich mit Dennis Scheider von Muff Potter gesprochen. Im ersten Teil des Interviews geht es um ihr aktuelles Album und um ihre Bandgeschichte.

Interview Teil 2
Homepage von Muff Potter


Euer Album Gute Aussicht ist im April diesen Jahres heraus gekommen. Was bedeutet der Albumtitel für euch?
Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse oder der aktuellen Pressemitteilung, dass wir die Band auflösen mag das so ein bißchen zynisch klingen. Aber eigentlich ist es schon auch ein positiver Titel und das ist auch beabsichtigt. Das ist ja dem Song Gute Aussicht entnommen und da geht es auch schon um dein Aufprall wird härter als meiner sein. Das ist, wie eh und je, Muff Potter. Es behandelt ein Thema, was durchaus negativ ist, aber mit einer positiven Note. Sozusagen, das Gute im Negativen finden.

Beschreib Gute Aussicht in drei Sätzen.
Rough. Laut. Spontan.

Drei Sätze, nicht drei Worte.
Das Album ist schon eine ziemliche Ansage. Es ist nicht jedermann zugänglich und das ist aber auch gut so.

Ihr habt euer Album live aufgenommen. Warum?
Gerade, weil wir uns auch ein bißchen gedacht haben, was kann man jetzt machen. Man will ja auch immer eine Daseinsberechtigung haben. Was machen, was irgendwie auch einen Sinn hat und wo die Leute dann auch sagen, das hör ich mir jetzt an, das ist gut. Man hätte auch wieder was machen können, wie vorher. Also Steady Fremdkörper oder Von Wegen. Steriler, offener und transparenter und so was oder auch reduzierter und poppiger. Das haben wir alles schon gemacht. Wir hatten Lust darauf, das einfach mal so brachial wie es geht zu machen. Also eben auch live, so wie es jetzt halt klingt.

Du hast es gerade schon richtig angesprochen. Dadurch klingt das Album wesentlich rauer. Und das war auch die Intention von euch. Dass es einfach weg geht von Von Wegen und von Steady Fremdkörper, die jetzt dagegen schon auf jeden Fall glatter produziert waren und definitiv eingängiger waren.
Genau, das war der Plan. Wir haben so eine Vorproduktion gemacht, das war dann auch so rough. Und da haben wir wirklich gemerkt, dass man das so lassen müsste, dass es richtig so scheppert. Wo man halt so denkt, das will ich jetzt nochmal hören, weil es was hat.

Es ist auf jeden Fall eine gute Sache. Ihr blickt jetzt seit der Bandgründung auf einige Alben zurück. Was wäre denn die Top 5 deiner Lieblingslieder?
Oh, schwer zu sagen. Da müsste ich jetzt überlegen. Also ohne Reihenfolge. Von Wegen gehört dazu. Den finde ich super, den Song. Er ist halt irgendwie aufgeräumt. Es ist so ein Erzählsong. Das finde ich irgendwie ganz cool. Es gibt auch immer wieder Songs, die man auch gerne spielt, zum Beispiel, weil die Leute es mögen. 100 Kilo ist auch so ein Hit von uns, wo man denkt, wenn man den nicht spielt, dass dann die Leute traurig sind. Ich finde, nach wie vor, dass das Von Wegen-Album mein Lieblingsalbum ist.

Okay, Lieblingsalbum und drei weitere Lieblingslieder?
Herrje.

Ach, such dir einfach drei Lieder von dem Album aus. So würde ich das jetzt machen.
Das kann ich nicht sagen. Ich habe keine richtigen Lieblingslieder. Ich finde halt die Platte super. Spezielle Lieblingslieder wären dann alle. Ich finde halt viele Lieder gut.

Sind Alben denn dann für dich auch eher ein Gesamtwerk oder findest du es okay, wenn man einzelne Lieder auskoppelt und wirklich allein auf den Markt los lässt?
Ja, das ist ja immer noch was anderes. Aber natürlich ist so ein Album geprägt durch eine Zeit, oder ganz speziell durch eine Studiosession. Und deswegen ist das ja schon alles in einem Kontext. Es ist auch nicht so, dass man unbedingt sagt, jetzt kommt Song 1 und dann muss unbedingt Song 2 kommen, sonst macht es keinen Sinn und dann kommt Song 3. Ich sehe es halt schon so, dass das eine Phase ist, die man gemacht hat.

Rein interessehalber. Beruht das Lied Von Wegen auf einer wahren Geschichte?
Nein. Es gibt die Orte aber wirklich und es gibt auch Münster wirklich. Aber es ist eine erdachte Geschichte. Aus Fleisch und Blut. So, ein Zitat!

Ihr habt jetzt seit eurer Gründung 1993 viele Städte betourt und viele Festivals gespielt. Was sind denn so die Lieblingsclubs oder auch die Lieblingsfestivals?
Schlachthof Wiesbaden ganz klar. Vielleicht spreche ich da sogar für alle gerade. Das ist glaub ich unser Lieblingskonzertort. Dann natürlich auch immer das Saarland. So als Region. Wir spielen aber morgen zum Beispiel in Dortmund, im FZW. Das ist halt auch immer ganz cool. Es gibt so ein paar Venues oder Städte, die man mag und zu denen man einen persönlichen Bezug hat. Und Bielefeld, wir saßen vorhin da und haben uns überlegt, was man über Bielefeld sagen kann.

Bielefeld existiert nicht. Aber ich glaube, damit macht man sich nicht so viele Freunde.
Das darf man nicht sagen. Es ist echt schwierig. Wir haben einfach schon so viel gespielt und haben gerade gedacht. Was sagen wir denn da? Erzählen wir was von der Von Wegen-Aufnahme? Ach nee, das haben wir letztes Mal schon hier erzählt.

Ihr wart schon im Kamp, im Forum, in der Seidensticker Halle. Ihr habt hier schon einiges mitgenommen.
Richtig. Die Wien Arena ist auch immer sehr toll, fällt mir gerade ein. Wir hatten immer gute Konzerte in Wien.

Jetzt nochmal zu euren Konzerten. Ihr habt unter anderem in Afrika gespielt. Wie war es da so für euch?
Wir haben auch in England gespielt und Frankreich und Spanien. Die Frankreich-, Spanien- und England-Sache ist schon richtig lange her und das war damals eher so ein Urlaub. Finanziert durch ein paar Konzerte. Afrika war schon cool. Das war in Nordafrika, da sind ja auch ein paar französische Kolonien, wo viel Französisch gesprochen wird. Es waren witzigerweise auch alles Tokio Hotel-Fans, weil Tokio Hotel ja da jetzt auch so bekannt sind, wegen ihren Erfolgen in Frankreich. Die haben auch die deutsche Sprache mitgebracht. Und dann kamen wir da hin und uns wurde gesagt, dass die Kids gerade alle anfangen Deutsch zu lernen wegen Tokio Hotel. Als wir dann da hin gekommen sind und da gespielt haben. Die Leute sind ausgeflippt. Das kann man sich nicht vorstellen. Algier in Algerien, das ist halt auch alles sehr streng. Als wir da gespielt haben war das dann alles bestuhlt. Das war ein Kino. An den Seiten waren Leute und die haben aufgepasst, dass keiner aufsteht. Wir haben angefangen zu spielen und irgendwann haben wir behauptet, dass der nächste Song davon handelt, dass man auch mal aufsteht. Das hatte natürlich nichts mit dem Song zu tun, aber die Leute sind alle aufgestanden und die Ordner haben sich nur noch angeguckt und die Leute sind durchgedreht. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Die Leute waren einfach so glücklich und dankbar dafür, dass mal was passiert oder ein frischer Wind weht. Eine Band, die die gar nicht kannten, die aber aus Europa kommt. Wo die so ein bißchen was rein interpretiert hatten. Vielleicht die Tokio Hotels, die sie gerade nicht sehen können. Das war sehr witzig. Die konnten natürlich mit den Texten nichts anfangen, aber das war schon ein Spaß.

Es gibt halt doch noch den Unterschied zwischen Muff Potter und Tokio Hotel. Darf man jetzt nicht vergessen. Ihr habt Von Wegen ja auf Englisch aufgenommen und dann über Solitary Man Records in Japan veröffentlicht. Wie ist es dazu gekommen?
Ingo Knollmann von den Donots macht das Label ja. Wir sind halt gut befreundet. Er hat uns das dann vorgeschlagen und dann haben wir das einfach mal gemacht.

Welche CDs laufen bei euch im Tourbus?
Gar keine. Wir haben keine Musik im Bus. Das ist auch richtig interessant. Letztens hat das mal wieder einer vorgeschlagen. So wie in alten Zeiten, aber dann sagt jemand, ich will hier gerade einen Film gucken oder ich lese gerade etwas. Lasst das mal.

Also, wenn dann gibt es was eigenes auf die Ohren?
Ja, das ist halt so, wenn m