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Datum: 18.05.2007

Wortwechsel mit Fotos

Interview mit den Fotos

Bielefeld (ml)    Die Fotos sind derzeit wohl eine der hoch gehandeltsten Newcomer-Bands Deutschlands. Liesa und ich haben uns nach dem Konzert auf dem Leinewebermarkt Fest (eine Art Innenstadtfete in Bielefeld) mit Tom und Beppo von der Band unterhalten.

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Liesa: Erstmal schönes Konzert.
Tom und Beppo: Danke.

Liesa: Ich hab euch jetzt zum ersten Mal gesehen und es war echt toll.
Beppo: Hat doch echt Spaß gemacht. Wir sind ja eine Band, die sich manchmal auch zwischendurch nicht sieht und nicht probt und gestern war dann sozusagen das Aufwärmen für heute. Vielleicht war es auch heute besser vom Gefühl.

Liesa: Wo habt ihr gestern gespielt?
Beppo: Gestern waren wir in Kassel.

Marcel: Wie fandet ihr hier das Publikum?
Tom: Ja, ich hatte ja ein bißchen Angst im Vorfeld wegen Stadtfest und so.
Liesa: Stadtfest und dann auch noch in Ostwestfalen!
Tom: Ja und das in Ostwestfalen, genau, wollte ich auch gerade sagen. Aber beides hat sich nicht bewahrheitet, keine pöbelnden Vollidioten, sondern die ersten paar Reihen Leute, die vor unserem Konzert schon wieder gekommen sind und mit Kindern und so.
Beppo: Die haben gut zugehört glaube ich.
Tom: Ja, die waren ganz entspannt da, haben mitgenickt und gut zugehört. Da waren auch Familien.
Beppo: Man kennt das ja oft von Stadtfesten, dass dann so Laufpublikum ist, dass dann fünfzig Meter vor der Bühne immer die Leute durchströmen.
Tom: Oder dass man mal ein Stück spielt, welches nicht ganz so kompatibel ist und das dann die Hälfte der Leute einfach geht, weil die dann doch zum Karussell wollen. Das ist alles nicht passiert, im Gegenteil, da waren viele Leute.

Marcel: Habt ihr schonmal auf einem Stadtfest gespielt?
Tom: Ich hab mal mit einer anderen Band auf einem Stadtfest in Lüneburg gespielt, weil wir sonst unsere Tour nicht hätten finanzieren können. Das war echt eine der schlimmsten Erfahrungen in meiner kompletten musikalischen Laufbahn.
Marcel: Oh.
Tom: Da war dann Zwischenprogramm mit Karatevereinen. Zu dem Zeitpunkt war auch WM, mit Verlosung und Spielstandsdurchgabe und dann kamen wir und wurden angesagt mit "Sie schreiben sogar ihre Songs selbst. Sie spielen keine Coverversionen."
Beppo: Wow.
Liesa: Schade.
Tom: Und dann ist die Hälfte schonmal gegangen.
Beppo: Kein "Summer of 69", kein Bryan Adams.
Tom: Das wurde dann total bitter, weil irgendwann war niemand mehr da, nur noch drei Kinder die geguckt haben und der Rest ist halt gegangen. Es war total deprimierend.
Beppo: Für uns ist es eigentlich der erste Festivalsommer. Letztes Jahr ging es ja bei uns gerade erstmal los. Da haben wir noch wenig Festivals gespielt. Wir hoffen natürlich insgeheim, dass es nicht so viele Stadtfeste werden, sondern eher Festivals mit musikinteressierten Leuten und nicht kirmesinteressierten Leuten.
Tom: Werden es aber auch nicht, wir haben ja schon einen Überblick und da ist eigentlich keines mehr dabei in dieser Art.

Liesa: Worauf freut ihr euch am meisten?
Tom: Gutes Wetter. Ein paar Leute, die man vielleicht wieder trifft, die auf der letzten Tour auch da waren. Wir spielen ja auch ein paar große Festivals, Hurricane und Southside. Man hat dann auch ein gutes Gefühl, wenn vielleicht fünfzig Leute da sind, die dann wirklich aus dem Zelt aufstehen und dann vor die Bühne gehen. Es ist schön, wenn man sich auf ein paar Leute verlassen kann, weil die uns vielleicht schon kennen.
Beppo: Sonst kann das Hurricane auch schnell zum Stadtfest Lüneburg werden.

Marcel: Ich habe heute erstmal das Fotos-Spezial auf wuerfelzucker.tv gesehen. Die haben ganz interessante Dinge zu euren Anfängen gezeigt, aber das war mir dann sehr komplex. Könnt ihr mir nochmal erläutern, wie das zwischen der Bandgründung Anfang 2006 und dem Plattenvertrag war?
Deniz (Zwischenruf): Einladen.
Beppo und Tom: Interview.
Beppo: Deniz ist raus, der hat überhaupt kein Gefühl.
(allgemeines Gelächter)
Tom: Wir haben uns kennen gelernt, 2005 in Hamburg, aber da war Deniz noch nicht dabei. Der kam Ende 2005 hinzu, weil unser erster Gitarrist, Matthias, ausgestiegen ist, um seine Band Lichter zu gründen. Einen Freund von Matthias, Deniz aus Köln, den haben wir dann kennen gelernt und sofort super verstanden und er hat uns auch super geholfen. Wir waren ja total unter Druck. Wir sind uns Studio gegangen und dachten uns dann "Oh Shit! Kein Gitarrist" und dann auch gleich mit der Tour danach. Dann haben wir die Platte aufgenommen, im Januar 2006 und haben die ein paar Leuten vorgespielt aus der Plattenindustrie, Record Industrie.
Beppo: Die Branche.
Tom: Zufälligerweise sind die alle total darauf abgegangen, aber das hat uns nicht davon abgehalten uns ein sehr angenehmes Label auszusuchen, bei dem mittlerweile alle gefeuert worden sind, weil wir halt keine 3 Millionen Platten verkauft haben.
(allgemeines Gelächter)

Liesa: Wie kam es dazu, dass ihr euch grad in Hamburg kennen gelernt habt?
Tom: Also ich bin grad dahin gezogen und Frieder war schon da und Deniz haben wir, wie gesagt, über einen Freund kennen gelernt und Beppo war auch da. Das war so in der Art, viele Musiker sind da, weil sie gerade nichts besseres zu tun haben, als mit anderen Musikern zusammen zu spielen und zu gucken, ob man vielleicht eine Band gründen könnte. So eine Art Musikerkontaktbörse, weil es ja oft ganz schwer ist, Leute zu finden, die gerade nicht in einer Band spielen und seit Jahren ihre ganze Zeit in die eine Band stecken. Deswegen hatten wir dort gerade eine gute Möglichkeit Leute zu treffen, die frei waren.
Beppo: Und die es vor allen Dingen auch ernst meinen. Man kennt das ja aus Bands, dann geben alle Gas und dann sagt auf einmal der eine, dass er nach Greifswald zum Studium muss oder, dass er seine Freundin geschwängert hat und raus muss aus der Band, weil es sonst Ärger gibt. Mal im ernst, oft ist es ja so, mitte 20 entscheiden sich viele ja auch für den Job und für den sicheren Weg und ich glaube da waren Leute, die es ernsthaft nochmal mit der Musik versuchen wollten.

Marcel: Könnt ihr derzeit von der Musik leben oder müsst ihr nebenbei jobben um das ganze zu finanzieren?
Beppo: Auf jeden Fall jobben. Wir sind in Deutschland und da ist es ganz schwer sich richtig auszuruhen und nur Musik zu machen.
Tom: Man muss sagen, dass wir in diesem Jahr sehr gut dazu verdienen, so dass man die Miete zahlen kann von der Musik, aber um dann auch noch den Kühlschrank zu füllen oder in den Urlaub fahren zu können, muss man einfach noch nebenher jobben.

Liesa: Jobben im Sinne von jobben oder seid ihr ausgebildet oder studiert?
Beppo: Teils, teils. Frieder hat studiert. Der ist fertig, arbeitet aber gar nicht in dem Bereich, in dem er studiert hat. Er arbeitet im Wirtschaftsinstitut und telefoniert mit Menschen und überzeugt die von irgendwelchen Produkten. Deniz studiert Jazzgitarre, hat in einem Rucksackgeschäft gearbeitet. Ich hab eine Ausbildung gemacht und jobbe beim Fernsehen manchmal. Und Tom...
Tom: Ich zock die Band ab und leb von der Musik.
Beppo: Richtig, Tom hat die Band-EC-Karte. Tom schreibt, er ist richtiger Musiker.
Tom: Ich hab "Das Beste" (Anm. Red.: Hier ist wohl das Lied von Silbermond gemeint. Natürlich ironisch zu verstehen.) geschrieben. Falls es jemanden interessiert. Seitdem geht es mir ziemlich gut. Also, das war jetzt natürlich nicht echt, was ich gesagt habe.
Liesa: Schon klar.
Tom: Es gibt Leute, die drucken sowas ab und dann wird man darauf angesprochen. Wir haben mal in der Bandinfo geschrieben, dass Deniz in Frühwerken von Fatih Akin mitgespielt hat, um mal so ein Bild zu malen, dass Deniz immer Hunger hat und deutsch-türkischer Bremer ist, der in Köln wohnt und Jazzgitarre spielt. Das alles in einem Satz und das hat keiner kapiert und jetzt werden wir immer darauf angesprochen, in welchem Fatim Aki Film er denn mitgespielt hat.

Marcel: Das muss ich wohl doch noch als Audio auf der Seite einfügen, sonst geht da der Witz verloren. Was sagt ihr so, wenn man euch mit anderen Bands vergleicht? Ihr werdet oft mir Wir sind Helden verglichen.
Beppo: Es ist natürlich eher eine angenehme Band mit der man verglichen wird, weil die halt auch einige der besseren deutschsprachigen sind.
Tom: Man könnte ja auch mit Böhse Onkelz verglichen werden, das wär nicht so schön, oder Modern Talking.
Marcel: Naja, lieber nicht.
Beppo: Also ich glaube, den Vergleich sehen wir jetzt selber nicht unbedingt so, aber ich glaube die Leute mögen es halt gern, Bands zu vergleichen, auch als Orientierungshilfe. Helden singen halt nunmal auch auf Deutsch und machen nicht unbedingt mainstreamigen Pop.
Tom: Das würden wohl einige Leute anders sehen.
Beppo: Sie schaffen halt sozusagen einen Spagat.
Tom: Und ich glaube, dass ist auch der Vergleich, weil wir sind auch ein bißchen eine Spagatband, weil wir nicht total Indie sind, aber auch keine Band, die total auf die Kommerzkeule haut, um mehr Aufmerksamkeit zu kriegen, sondern eine geschmackvolle Alternative fährt. Wir machen auf jeden Fall irgendwas anders, aber irgendwas auch, was viele Leute anspricht. Ansonsten, ich bin ja keine Sängerin, sondern ein Sänger, wie eben nicht in den meisten deutschen erfolgreichen Bands und wir machen auch ein bißchen andere Musik würde ich mal sagen.

Liesa: Habt ihr irgendwelche Vorbilder, die euch beeinflussen?
Tom: Nee, wir haben keine konkreten Vorbilder.
Beppo: Total unterschiedliche Musikgeschmäcker und man pickt sich halt immer die Sachen, die einem gut gefallen raus.

Marcel: Wo würdet ihr euch rein musikalisch einordnen? Die Einordnung fällt ja oftmals auch in den New Wave-Bereich.
Tom: Das ist aber auch Quatsch. Wir haben immerhin auch eine Platte. Auf der sind zwei Stadionrockstücke drauf, kann man schon fast sagen. Mehr ziemlich new-wavig anmutende Stücke, aber dann halt auch ganz normale Pop-Songs, bis zu Songs, die house-beeinflusst sind und elektronisch anmuten, aber da kann man nicht so genau eine Schublade aufmachen, aber das ist dann halt genau die Schublade, die dann halt Indie-Pop-Rock ausmacht. Das man halt irgendwie etwas unkonventionellere Musik macht, die halt mehrere Felder bedient, weil man heutzutage eigentlich kein reines Rock/Pop/Alternative/sonstwas-Feld mehr bedienen kann, ohne total langweilig zu werden.

Liesa: Werdet ihr schon auf der Straße erkannt?
Tom: Unterschiedlich, manchmal ja, aber das ist dann halt Zufall, weil man jemanden trifft, der auf dem Konzert war oder der das Video im Fernsehen gesehen hat. Aber nicht so richtig. Mir ist es schon zwei, dreimal passiert. Zum Beispiel in Berlin, da läufst du aus der U-Bahn-Station, da meint so ein Typ "Ey, kannst du dich noch an mich erinnern. Ich war letzte Woche auf eurem Konzert. Ich hab wegen euch meine Matheklausur in den Sand gesetzt." - "Ach ja stimmt, du bist das."
Marcel: Och, ich war auch zwei Tage vor einer Klausur auf eurem Konzert und das war eine heftige Klausur und die hab ich nicht in den Sand gesetzt.
Tom: Na, Gott sei dank.
Beppo: Wegen euch ist aus mir nichts geworden.
Liesa: Verdammt.
Tom: Mein Vater möchte mit euch reden.
(allgemeines Gelächter)

Marcel: Welche Bands könnt ihr sonst noch weiter empfehlen?
Tom: Phoenix, mit denen waren wir auf Tour. Das war super schön und ich glaube wir haben alle noch einen Brocken mehr Begeisterung für diese Band erfahren, als wir ursprünglich hatten. Also wir mochten die vorher schon zum Teil, aber einige kannten auch nicht alles von denen und so menschlich und musikalisch ist das so eine Band, wo man sich total freundschaftlich, zu Hause fühlt und wo man auch gerne Fan ist.
Beppo: Man kann halt unheimlich viel lernen von so Bands. Ich hab das Gefühl, nach der Tour hat man viel anders Musik gehört, also jetzt so im Detail. Wie jetzt, was jeder so an seinem Instrument macht, nicht nur, wie er es spielt, sondern halt so auch tiefe Details.
Tom: Das man halt auch offener gegenüber Funk ist, oder auch groovelastigere Musik als vorher hört. Natürlich hören wir auch alle mal Soulzeugs, wenn es gut ist, oder Boundzound. Aber das fließt dann manchmal mit ein in die eigene Musik und das ist schon cool.

Marcel: Auf unserem Musikmagazin klicken sich auch viele Leute rein, die in irgendwelchen kleineren Bands spielen. Was könnt ihr denen weiter empfehlen?
Tom: Wenn man einfach nur Musik machen will, ist das toll. Und man sollte Musik machen, weil es gut ist für die Seele und weil es gut ist für die anderen Leute. Überhaupt gibt es in Deutschland sehr viele Bands, aber sehr wenige Bands, die wirklich begeistert und ambitioniert an spannender Musik arbeiten, sondern viele die irgendwas sein wollen, das es schon gibt. Und ich glaube, das ist das Problem. Man sollte die Ohren aufmachen, aber keine Angst davor haben zu scheitern, wenn man sich selber an irgendwas versucht. Versuchen wach zu bleiben und spannende Musik zu machen, statt in der xten AC/DC-Coverband zu spielen. Nichts gegen AC/DC. Ich bin großer AC/DC-Fan, aber zur Zeit ist das glaube ich ein bißchen das Problem hierzulande. Weswegen wir kein Pop-Land sind, während England zum Beispiel ein Popland ist. Das könnte sich ändern, wenn man in den nächsten zehn Jahren daran arbeitet. Es hat sich ja schon viel getan. Ich meine von Pur zu Wir sind Helden als erfolgreichste deutsche Band ist ja schonmal ein großer Schritt. Hartmut Engler, wenn du das hörst. Wir mögen dich nicht.
(allgemeines Gelächter)
Beppo: Wobei Abenteuerland schon auch...
Tom: Ja, außer Abenteuerland, das ist echt großartig.
Marcel: Ich glaub, ich schreib morgen eine Mail an das Management von Pur.
Liesa: Denunziant.
Tom: Ohoh, Fotos starten Streit mit Hartmut Engler.
Marcel: Ich glaube dann steht das in der Bild.
Tom: Hartmut hat aber schonmal jemanden auf's Maul gehauen. Da muss man aufpassen. Der Typ ist aggressiv, der hat Aggressionspotential.
Beppo: Ich bin dann da mit Bushido, der hilft mir.
Marcel: Obwohl danach könnt ihr euch dann wirklich nur noch auf die Musik konzentrieren, wenn in der Bild steht "Hartmut Engler prügelt sich mit Newcomerband".

Liesa: Eine Frage hätte ich noch. Kam grad von einer Freundin: "Sag mal, hat der singen gelernt?"
Tom: Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich wurde sogar abgelehnt, als ich Gesangsunterricht haben wollte. Aber heute war ich auch extrem gut in Form, gestern hatte ich große Probleme. Ich bin manchmal wahnsinnig heiser, ich schrei ja auch viel rum, aber heute war ich ganz glücklich.
Beppo: Man war ich gut.
Liesa: Nö, war ganz gut.
Tom: Danke.
Liesa: So, vielen Dank für das Interview.
Marcel: Viel Erfolg weiterhin noch.