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100 Kilo Herz

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Datum: 07.08.2020

Ska-Punk aus Leipzig (VÖ: 07.08.2020)

100 Kilo Herz legen mit Stadt Land Flucht nach

Bad Oeynhausen (ml)    Wer sich "100 Kilo Herz" nennt muss abliefern. Definitiv. Immerhin haben sie sich nach DEM Song von Muff Potter benannt. Dem Song, der die Ära Muff Potter für zehn Jahre beenden sollte. Der Name weckt aber definitiv Interesse in das aktuelle Album der Leipziger Band reinzuhören. Und was hört man da? Deutschsprachigen Ska-Punk von feinstem.

Foto: Michael Bomke

Mit "Stadt Land Flucht" veröffentlichen 100 Kilo Herz bereits ihr zweites Album. Für viele wird es der Erstkontakt mit dem Album sein. Das Debütalbum "Weit weg von zu
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Hause" hat die Band auf den Schirm in der deutschen Musiklandschaft gebracht. Mit "Stadt Land Flucht" kommt jetzt aber der Durchstarter mit zwei (trotz Corona) ausverkauften Release-Shows auf der Parkbühne Leipzig und Thorsten Nagelschmidt, der den zweiten Abend eröffnen darf.

Aber genug der Vorschusslorbeeren. Einfach mal rein hören in das Album. Dieses beginnt direkt mit richtig gutem Punk-Tempo, Bläsern und einer klar politischen Message gegen diejenigen, die besorgte Bürger verstehen wollen und sich von der Bild ihre Meinung bilden lassen. Die Nummer heißt "Drei Jahre ausgebrannt" ("Ich will kein Teil von eurem Leben sein. Ich schenke euch maximal den Schierlingsbecher ein.".)

Während tatsächlich einige Punkbands den Alkoholismus durchaus propagieren ("Das schlimmst ist, wenn das Bier alles ist."), schlagen 100 Kilo Herz in "Tresenfrist" andere Töne an. Der Song beschäftigt sich kritisch mit übermäßigem Alkoholkonsum ("Dein Abend endet jedes Mal mit der Barkeeperschicht.").

Politische Songs wechseln sich auf dem Album gekonnt ab mit Liedern die andere Themen behandeln. Und ja, auch die Romantik wird nicht zu kurz kommen. Aber bei "Drei vor Fünf vor Zwölf" wird es, wie der Titel angibt nochmal politisch. Die Band setzt sich mit dem teils systemischen Rechtsextremismus ihrer Heimatstadt und ihres Bundeslands auseinander.

"An Ampeln" ist dann der versprochene romatische Song. "Der Weg zu dir war endlos lang, zwei Stunden für zwei Kilometer, weil ihr an jeder Ampel stehen geblieben seid, um euch zu küssen.".

Der Song "Das ist ein Ende" weckt bei aktuell sommerlichen Temperaturen dann auch das Bedürfnis die Nachbarn mit guter Musik zu beschallen, zu tanzen und die Hoffnung, dass es bald mit Festivals weiter geht. Auch wenn die Protagonisten des Songs mit dem Zug unterwegs sind, würde ich das Lied für eine Road-Trip-Playlist unbedingt weiter empfehlen.

Mit "...und aus den Boxen ...But Alive" hat es eine weitere Nummer auf das Album geschafft, die dazu anregt vom nächsten Festival (2021 dann) zu träumen ("Und alle wollen glücklich sein."). Das ist übrigens die erste Marcus Wiebusch-Hommage. Die nächste folgt mit "Sowas wie ein Testament", in dem Sänger und Bassist Rodi beschreibt, wie irgendwann mal seine Beerdigung aussehen soll ("Und alles was ihr über Begräbnisse wissen müsst hat Marcus Wiebusch schon gesagt.").

In den beiden letzten Liedern es Albums wird es noch einmal ernst und politisch. Ein guter Parabelschluss für dieses Album, welches ja auch politisch begonnen hat. Die Songs behandeln die Themen Pegida, das Geschichtsvergessen ("Scheren fressen") und eine Zukunft in der die AfD gewonnen hat und ihre politischen Gegner fliehen müssen, um nicht vom Militär deportiert zu werden ("Wenn es brennt"). Der Schluss stimmt nochmal nachdenklich. Das ist gut so und muss in der heutigen Zeit auch so sein.

Insgesamt würde ich das Album auf alle Fälle weiter empfehlen. Nehmt euch einen sonnigen Tag, einen Eistee und dann drückt auf Play. Ja, die Themen sind auf "Stadt Land Flucht" oftmals Ernst. Bei geschlossenen Augen ist es dann aber trotzdem ein wenig wie Open Air- und Festivalfeeling. Dafür sorgen nicht zuletzt die vielen Bläser. 2021 schauen wir uns 100 Kilo Herz dann auch mal live an, wenn es einen Impfstoff gibt und die Pandemie vorbei ist. Versprochen!

Veröffentlichungstermin: 07.08.2020

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Bands: 100 Kilo Herz
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Allgemein: Rezension

Datum: 07.08.2020