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Anouk

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Datum: 14.10.2006

Live-DVD von Anouk

90er-Jahre-Rock lebt doch noch

Bad Oeynhausen (ml)    Hierzulande noch fast gänzlich unbekannt ist Anouk in den Niederlanden ein Superstar. Dies lässt sich nicht nur an ihrer Dienstzeit von mittlerweile 10 Jahren fest machen, sondern auch an ihrem Musikstil, der an die Rockgrößen der 90er Jahre erinnert, wie zum Beispiel die Cranberries oder Alanis Morissette.

Auf Grund der Unbekanntheit in unserem Land sind wir dann von der Redaktion auch leider relativ spät auf ihr neues Album "Hotel New York" gestoßen, haben aber gleich beim ersten Hören einen riesen Gefallen daran gefunden. Es
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macht richtig Spaß sich dieses Album anzuhören, was neben der wirklich qualitativ hohen Musik, in Zeiten von eher qualitativ minderwertiger Musik, vor allem an der musikalischen Vielfalt der LP liegt. Neben Rock und Pop, werden auch viele Soul- und Reggaeelemente eingesetzt, was das Gesamtbild extrem interessant macht.
Die CD startet verhältnismäßig laut, schnell und straight mit dem ersten Lied "Girl".
Schon mit dem zweiten Lied "Heaven Knows" wird ein Schnitt gesetzt und die HiFi spielt auf einmal einen Rock-Reggae-angehauchten Song ab, der sehr an moderne Reggae-Lieder des aktuellen Best-Of-Albums der Kölschrock-Gruppe BAP erinnert. Außerdem sind gerade hier auch die Backing Vocals sehr im Soul-Bereich einzuordnen. Auch die Stimme von Anouk lässt hierbei mit zum ersten Mal auf eine richtige Rockröhre schließen. Besser als Tina Turner oder andere Rockröhren der 80er und 90er.
Ganz anders ist "More Than You Deserve", welches man schon fast in den Bereich Psychedelic Rock einordnen kann. Gerade ein schnelles E-Gitarren-Solo zeigt aber auch, dass die Band die hinter Anouk steht aus Top-Musikern besteht und sehr durchdacht und organisiert ist. (Ich hab schon lange kein so gutes Rocklied mehr gehört.)
Auch ruhige und poppige Akkustikstücke dürfen auf einem guten Album nicht fehlen. Hat die Dame eigentlich schon ein MTV Unplugged Konzert hinter sich? Wenn nicht, wird es jedoch langsam mal Zeit. "Falling Sun" zeigt auf alle Fälle, dass wir es bei Anouk mit einer multifunktionalen Rockmusikerin zu tun haben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich bei Eingabe des Namen Anouks in das Similar Artist Radio von last.fm, die verschiedensten Musiker aus den verschiedensten Musikbereichen als Ergebnis kriege.
Noch eine Nummer ruhiger ist "Lost". Gerade der Refrain ist sehr pathetisch und der Gesang ist schon fast vergleichbar mit Popsängerinnen, wie Whitney Houston und Mariah Carey, nur halt rockiger.
"Alright" fängt mit einem rockigen Bass- und E-Gitarren-Riff an. Das Lied wird während der ersten Strophe verhältnismäßig ruhig angegangen, so dass der Refrain, so wie es sein sollte, den absoluten Höhepunkt bildet. Gerade in diesem Lied finden sich wieder sehr viele Rock- und Soulelemente vor.
"Help" lässt sich dagegen schon eher in einen sehr funkig rockigen Bereich einordnen. Dieser Eindruck wird durch eine leicht verzerrte Gitarre verstärkt, die einen komplexen Rhythmus mit sehr vielen Dead Notes spielt.
Wer unbedingt schonmal einen schönen rockigen Walzer haben wollte, ist gerade mit diesem Album ziemlich gut bedient. Ruhig, aber halt rockig und poppig, kommt "Our Own Love" mit einem 3/4-Takt aus.
Dagegen wieder progressiv rockig ist "Jerusalem". Wie schon der Titel und auch der Textinhalt ("Can you help me find my way back Jerusalem?") aussagen, kommen in dem Album, gerade in diesem Lied sogar leicht christliche Elemente drin vor.
Den Eindruck von schönen gut klingenden Unpluggedliedern unterstützt "One Word", welches man sich auch wieder schön leicht auf einem MTV Unplugged vorstellen könnte. Wenn Anouk mal ein MTV Unplugged machen sollte, werden wir auf alle Fälle versuchen an Karten ran zu kommen.
Eher wieder funkiger und psychedelic(er) wird es in "I Spy". Assoziationen werden zu Liedern von Alanis Morissette wach.
Bei "Fading" handelt es sich um mein persönliches Lieblingslied. Wieder schön ruhig, wieder mit Unpluggedgitarren versehen und einer sehr schönen Geräuschkulisse im Hintergrund. Gerade "Fading" stimmt irgendwie schön melancholisch und ist gerade für depressive Phasen nicht wirklich zu empfehlen. Auch der Text passt gut zum Lied ("Nothing last forever","Stop our dreams from fading").

Wer sich "Hotel New York" geholt hat, hat mit seiner Wahl eigentlich alles richtig gemacht. Es hat lange kein so gutes Rockalbum mehr gegeben, was man nicht gleich in Punkkategorien einordnen muss. Wer mal wieder was sucht, was in Richtung 90er-Rock geht und vor allen Dingen klingt, wie die damaligen Ikonen Cranberries, Alanis Morissette oder für die jetzige Zeit auch manche Songs von Avril Lavigne, sollte sich unbedingt das Album "Hotel New York" von Anouk besorgen.
Anouks Album lebt vor allen Dingen von seiner Vielfalt, so dass hier für jeden Musikgeschmack irgendwas mit dabei ist. Es ist dabei sehr qualitativ geraten, aber auch wieder nicht zu intelektuell, so dass man eventuell mitdenken müsste, was man da hört. Gerade für den Spaß nebenbei oder auf einer Party eignen sich viele Lieder sehr gut.
Es handelt sich hier mal wieder um ein Album, welches man rauf und runter hören kann. Komisch also, dass man Anouk hier noch nicht kennt. Wir mögen die Musik auf alle Fälle.