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Red Hot Chili Peppers

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Datum: 05.05.2006

Red Hot Chili Peppers mit Doppelalbum

Hier spielen Gottheiten auf dem Jupiter

Bad Oeynhausen (ml)    Und wenn keine Gottheiten hier spielen, dann zumindest ihr Botschafter. Gemeint sind natürlich die Red Hot Chili Peppers, deren Album das wohl erwartetste Album dieses Jahres ist. Stadium Arcadium ist heute offiziell veröffentlicht worden und hat damit bei vielen Fans eine lange Zeit des Leidens beendet. Und da dieses Album auch für unseren Admin seit mindestens drei Jahren, wie er ausdrücklich betont, heiß ersehnteste Album ist, hat er es sich nicht nehmen lassen, selbst darüber zu berichten.

Erstmal muss ich anmerken, dass ich wirklich mindestens drei Jahre lang nur auf dieses Album gewartet habe. Zwischenzeitlich habe ich natürlich auch viele andere Sachen gehört. So war ich umso erfreuter, dass heute Morgen
Stadium Arcadium bei Amazon
Homepage der Red Hot Chili Peppers
kurz nach dem Aufstehen schon der Postbote vor der Tür stand mit dem Amazon-Paket, wo neben zwei anderen CDs auch das Stadium Arcadium Doppelalbum drin war. Erstmal wurde dieses geöffnet und die beiden CDs begutachtet. Das ganze Ding ist ja ein Gesamtwerk. Eine gute Einleitung dafür, dass sich hier die wahrscheinlich beste Band der Welt in den Himmel, oder eher Universum, spielen wird, war schon die Aufmachen und Benennung der beiden CDs. So heißt die eine CD Jupiter und die andere CD Mars (toller Name, findet ihr nicht auch?). Bevor ich in Details auf das Album eingehe, beschreibe ich erstmal den Sound im gesamten.
Die Peppers haben sich noch weiter entwickelt, als bisher möglich schien. Der Sound unterscheidet sich stark von By The Way und auch von Californication. Jedoch ist er auch mit keinem der anderen Album wirklich zu vergleichen. Zu viele Gegensätze und Pole gibt es auf dem Album. Neben sehr poppigen Stücken, gibt es auch sehr funkige und rockige Stücke. Auch ruhige Balladen, sofern man sie so bezeichnen kann, kommen nicht zu kurz. Somit ist das Doppelalbum von vorne bis hinten wirklich sehr abwechslungsreich.
Auch die Bandmitglieder haben sich in den vier Jahren seit By The Way deutlich weiter entwickelt. So behält Flea seine Klasse bei, bedient den Bass jedoch viel viel sauberer als bei den Vorgängeralben. In den ruhigen Liedern hat er zwar leider nicht so viel Gelegenheiten sich zu entfalten, dafür geht es in den schnellen Liedern, die dem Bereich Funk zuzuordnen sind ordentlich ab.
Deutlich weiter entwickelt hat sich John Frusciante. Er hat auf diesem Album ungefähr so viele Soloparts, wie in allen RHCP-Alben zusammen und dabei klingt jedes Solo sogar sehr gut und auch perfekt. Einige Soli erinnern hier sogar sehr an einen zweiten Jimi Hendrix, auch wenn John seinen eigenen Stil ganz gut beibehält. Auf alle Fälle hat er auf diesem Album bewiesen, dass er zu den ganz großen E-Gitarristen gehört und er hat sich damit auf alle Fälle in meiner persönlichen E-Gitarristen-Top-Ten gefestigt.
Kommen wir zum für den Rhytmus wichtigsten Part der Band: Chad Smith. Er hält in jedem Fall das Tempo, spielt dabei Rhytmen, die nicht jeder Schlagzeuger dieser Welt spielen kann, er spielt so sauber, wie er noch nie zuvor gespielt hat und die Breaks und Fills sind mehr als gut gesetzt.
Zu guter letzt kommt der Frontmann: Anthony Kiedis. Seineszeichens Sänger. Auch er hat sich weiter entwickelt. So war er früher dafür bekannt manchmal Gesangstöne schief rein zu zaubern. Aber nein, alles richtig. Und auch die "Rapeinlagen" sind rhythmisch alle vollends okay. Extrem toll sind auch die Parts geworden mit Backgroundgesang und Choruseffekten.
Nun in die Details. Angefangen mit der Single Dani California, die ja mittlerweile auch auf und ab gespielt wird und nur bedingt in den Gesamtsound passt, wie vorher ja auch immer bei den Debütsingles eines Peppersalbums üblich, kann man über diese nur sagen, dass es eine gute Einleitung ist seine erste Single auch als erstes Lied zu nehmen. Weil man sich so besser ans Album gewöhnt, wenn einem gleich etwas Bekanntes entgegen geworfen könnt. Dani California gehört zu den sehr rockigen Sachen des Albums, jedoch kommt hier eindeutig der Funk zu kurz, was der Klasse dieses Liedes keinen Abbruch tut.
Weiter geht es zum mittellangsamen Snow, welches mit einem Sprechgesang von Anthony Kiedis langsam einsteigt und in den einprägsamen Refrain (Hey Oh) überleitet. Auch hier wird deutlich, nur die Peppers können so abwechslungsreich und gleichzeitig gut sein, wie eigentlich noch keine Band zuvor.
Charlie, der dritte Song, wird mit einem sehr coolen Bassintro eingeleitet und hier kommt die erste, aber nicht die letzte Sternstunde für Flea. Wieder sehr einprägsam ist der Refrain mit seinen wirklich vorzüglich gesetzten Call and Responses.
Sehr poppig ist das Lied, welches den Titel für die CD spendiert hat, auch hier gilt zu sagen, dass der Refrain wieder sehr eingängig ist.
Mit Hump de Bump ist der erste wirklich funkige Song auf dem Album, der vor allen Dingen an die Alben vor Californication erinnert und auch Flea hat hier wieder sehr komplizierte Bassläufe, während John auf aufgestylte Funk-Gitarre hochschraubt. Neben seinem Bass hat Flea auch noch einen Zweiteinsatz als Tompreter auf einer der vielen Tonspuren, die ein Tonstudio so mit sich führt. Und mittendrin gibt es sogar ein Percussionsolo, da muss sich auch Chad noch dringend weitere Arme wachsen lassen, wenn er das live hinkriegen will. Dieses Lied ist einer der Höhepunkte auf Jupiter.
Verzerrte Gitarren gibt es dann in She's Only 18 im Refrain. Der Song bleibt weiterhin ruhig.
Weiter geht es mit Slow Cheetah, der mit Akkustikgitarren versucht an Road Trippin' anzuknüpfen. Erst irgendwann ab Mitte setzt das Schlagzeug ein zusammen mit dem Bass und zerstört die aufgebaute Road Trippin'-Idylle, macht jedoch aus dem Lied eine etwas untypische RHCP-Ballade. Noch später wird auch der aufgebaute Rhytmus funkiger und man stellt fest, dass der Song gar nicht als zweites Road Trippin' geplant war, sondern eher als von Anfang an aufbauender Song.
Torture Me verspricht mit dem Anfang wieder funkig zu werden. Auch hier hat Flea wieder ne kurze Phase als Trompeter, die er neben seinem Bass wirklich wunderbar ausübt. John hat auch hier wieder ein sehr langes, abwechslungsreiches, schnelles E-Gitarren-Solo eingebaut. Wenn wir die vorher noch nicht erwähnt haben, so liegt das nicht daran, dass dieses Lied das erste mit Gitarrensolo ist, so liegt das eher an den unzähligen Gitarrensoli von John.
Nanu, haben wir bei Strip My Mind etwa von der erfolgreichsten deutschen Band BAP abgekupfert. Klingt doch etwas nach Verdamp lang her. Die ersten drei Akkorde schon, sobald das Schlagzeug einsetzt weiß man aber, dass auch dieses Lied wieder was ganz eigenes ist. Und selbst wenn, Vergleiche mit der erfolgreichsten deutschen Band muss die Formation aus Kalifornien nicht scheuen. John begleitet hier erstmal den Gesangspart komplett auf Gitarre und setzt danach mit einem gewollt dreckig klingen Solo an Größen, wie Jimi Hendrix an. Natürlich mainstreamkonform zurecht gestutzt, aber das ist ja nicht schlimm, live wird das dann hoffentlich länger.
Especially in Michigan ist wieder mal ein Lied, wo der klassische Crossover-Charakter der Red Hot Chili Peppers durchscheint. Also Crossover Rock und Funk und auch John frickelt sich wieder ganz kompliziert durch das Lied, dieses Mal allerdings mit typischem Frusciante-Sound.
Warlocks ist jetzt wieder absoluter Funk. Wieder mal eine Sternstunde für Flea, der sich hinter seinem Instrument richtig austoben kann. Und auch hier kommt Anthony mal wieder richtig zum Zuge, der wieder mal ein paar Soulähnliche Gesangseinlagen hat. Und, woah, dieser Wah-Effekt von John. Das kann nur die Reinkarnation von Jimi sein.
Schon geht es wieder mit RHCP-Crossover und C'mon Girl weiter. Um es mit den zwei Vorgängern zu vergleichen. Minor Thing und Parallel Universe passen zu diesem Sound, aber auch nur sehr bedingt.
Wet Sand ist danach mal wieder die Abwechslung. Eine der By The Way-typischen Balladen. Nicht Herausragend, aber ein guter Gegenpol zu den zuvor gehörten Liedern. Und auch am Ende wird dieses Lied wieder rockig. Und auch das E-Gitarren-Solo am Ende des Liedes unterstreicht, dass John es mit den ganz großen Gitarristen aufnehmen kann.
Das letzte Lied von Jupiter, ist auch das letzte Lied, welches heute besprochen werden soll. Hey! Es setzt sehr jazzig ein und man hört raus, dass die Peppers halt viele Einflüsse haben. Einer der Einflüsse ist Jazz. Auch wenn der Jazz sich hier in einer gekonnt-genialen Mischung mit Crossover Funk- und Rockelementen wieder findet, so scheint er dennoch durch. Und das Frusciante-Solo am Ende. Göttlich. Noch mehr Wah-Effekt als in Warlocks. Er kann nicht nur die Reinkarnation von Jimi sein. Er ist es auch.
So viel zur ersten CD von Stadium Arcadium. Der Erde nächstgelegener Planet folgt in der Rezension morgen.