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Konzertbericht

Bands
Deichkind

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 02.03.2012

Deichkind in Bielefeld

Kindergeburtstag mit Alkohol

Bielefeld (me)    Neonschminke, selbst gebastelte Kostüme, Accessoires aus Knicklichtern: Die Besucher, die vor dem Ringlokschuppen auf den Einlass warten, sehen aus wie die Gäste vom Geburtstag eines Dreijährigen – nur dass die Brause hier durch Bier und Schnaps ersetzt wird. Doch auf Deichkind-Konzerten sind verrückte Verkleidungen und ausgelassene Partystimmung ein absolutes Muss.

Leider geil: Deichkind feiern Kindergeburtstag in Bielefeld. Foto: Marcel Linke

Eine Vorband, um die Zuschauer anzuheizen brauchen Kryptic Joe, Ferris Hilton, DJ Phono und Porky von Deichkind daher nicht. Die Party beginnt bei ihnen schon in der Warteschlange vor der Halle und setzt sich im Ringlokschuppen
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fort. Dort wird das Publikum unter anderem von coolen Beats von Basement Jaxx und den Beastie Boys angeheizt. Auf einem großen, weißen Vorhang, der die Bühne verhüllt, werden die dazugehörigen Musikvideos gezeigt. Die Stimmung in der Halle kocht schon jetzt und man könnte meinen die Bands würde live auf der Bühne stehen – so jubelt und tanzt das Publikum mit. Dann ein kleiner musikalischer Stilbruch: "I want to break free" von Queen wird eingespielt und die Halle wird abgedunkelt.


Ein ewig langes Intro heizt die Stimmung an

Eine Videosequenz eröffnet die Liveshow der Band: surreal und verstörend wie man es von Deichkind gewöhnt ist. In Tierkostümen mit gruseligen Masken laufen die Mitglieder der Band am Strand entlang, sammeln angespülte Teile auf und schleppen sie durch den Wald. Auf einer Klippe bauen sie die Konstruktion zusammen: Es ist die Zitze, ein altbekanntes Element aus ihren früheren Bühnenshows. Ein Helikopter hebt sie in die Luft, die Bandmitglieder stehen im Halbkreis auf der Klippe, werden immer kleiner. Dann setzt ein Beat ein, Deichkind stehen hinter dem Vorhang, werden von den Scheinwerfern abwechselnd angestrahlt. Die Stimmung steigert sich ins Unermessliche, als der Vorhang sich öffnet und die fast zweistündige Show endlich beginnt.


Mit Mettbroten und Schnaps sorgt die Band fürs leibliche Wohl

Doch eines fällt dem eingefleischten Deichkind-Fan sofort auf: Die bunte, verspielte Bühnendeko ihrer letzten Tourneen mit Trampolin und Hüpfburg gehört der Vergangenheit an. On stage sind neben der Band als feste Elemente jetzt nur noch acht weiße Dreiecke in vier verschiedenen Höhen. Bei jedem Song werden diese in andere Positionen gebracht und bieten so immer wieder ein völlig neues Bühnenbild. Doch auch wenn die Deko cleaner geworden ist, die Performance und die Kostüme der Band sind noch genauso verrückt und wild wie früher. Bei "Papillon" tanzen sie synchron mit weißen Regenschirmen, bei "Hovercraft" bieten sie ein Live-Aerobic-Workout inklusive Bürostuhl-Tanz, bei "Herz aus Hack" verteilen sie als Köche verkleidet Mettschnitten mit Zwiebeln und bei "Hört ihr die Signale" hängen sie einen großen Kanister mit drei Schläuchen über der Bühne auf und versorgen das Publikum so mit Alkohol. Witzig: Mitten in der Säuferhymne kommt ein Fake-Frankie-goes-to-Hollywood auf die Bühne und singt im Anzug ein paar Takte aus "The Power of Love". Danach geht es dann aber nahtlos weiter mit Trinksongs à la "Gut dabei".


Massen-Tanz-Ekstase mit Federn

Nach über einer Stunde vollem Tanz- und Trinkprogramm verabschiedet sich die Band dann zum ersten Mal von der Bühne, um kurze Zeit später unter anderem mit "Arbeit nervt" und ihrem alten Hit "Bon Voyage" auf die Bühne zurückzukehren. Den krönenden Abschluss des Konzerts bietet bei einer zweiten Zugabe wie immer "Remmidemmi". Von einem Gummiboot aus wird die schweißnasse, konfettiverklebte Menschenmenge zum Abschied noch einmal gefedert. Dann verschwinden Deichkind endgültig von der Bühne. Wer die Band noch nie live erlebt hat, sollte das auf dieser Tour schleunigst nachholen – und das ist ein Befehl von ganz unten!