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Konzertbericht

Bands
The Blanks

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 02.02.2012

The Blanks erobern die Perle Ostwestfalens

"Acapella is really geil (and really unnerdy)!"

Bielefeld (as)    Noch nie haben wir den Ringlokschuppen bestuhlt gesehen, vor allem nicht den großen Saal. Ein ungewohnter Anblick, aber bei "The Blanks" ist vieles anders. Die vier US-Amerikaner machen Musikkabarett, sogar TV erprobt. Vor fast ausverkauftem Haus zeigen sie eine unterhaltsame Mischung aus Acapella Musik und Stand Up-Comedy.

Selten waren tanzende Männer so stilvoll und unpeinlich wie The Blanks Foto: Marcel Linke

Für die meisten Besucher spielt heute wohl weiterhin "Ted's Band", bekannt aus der der Erfolgssitcom "Scrubs". Dort geben Sam Lloyd (als Ted Buckland), Paul F. Perry, George Miserlis und Philip McNiven Acapellaversionen von

Fotos zum Konzert
Homepage von The Blanks

80er-Jahre Cartoon-Themesongs, Sitcom-Jingles und später auch Classic-Rock zum Besten. Damit untermalen sie kongenial die besonderen Momente der Serie. Aber "The Blanks" sind mehr als nur Ted. Die vier Vollblutmusiker sind zu einer harmonischen Einheit verschmolzen und präsentieren ein abwechslungsreiches Programm aus Acapellamusik und Stand-Up Comedy, garniert mit einer unwiderstehlichen Choreografie. Selten waren tanzende Männer so stilvoll und unpeinlich. Ungezwungen und sympathisch zeigen sie eine einfallsreiche Bühnenshow, die zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lässt.

Pünktlich um 20 Uhr verdunkelt sich die Bühne des Ringlokschuppen und im tiefen Nebel erscheinen vier, wie Riesen wirkende, Gestalten. Von einer an Boxkampfansager erinnernden Stimme als "die beste Accapellaband der Welt, die in einer Sitcom aufgetreten ist, die in einem Krankenhaus spielt" angekündigt, beginnen "The Blanks" mit dem aus der Serie bekannten Hit "Underdog". Selbstironie trifft auf Selbstbewusstsein. In erstaunlich sauberem deutsch begrüßen sie das Publikum: "Guten Abend Bielefeld – Die Perle Ostwestfalens". Spätestens jetzt ist man Fan.
Den Rahmen der Show bildet der Versuch einen Plattenvertrag zu bekommen, um endlich am "Broadway" zu landen. Dazu müssen sie eine Liste mit Aufgaben abarbeiten, darunter Gastauftritte von Prominenten, oder einen "dramatic moment" ins Gesicht zu schauen, um dann eine Lösung zu finden. Diese Liste ist der rote Faden des Abends. Doch die wahren Highlights bleiben die Songs. Hier wird fast alles geboten, was man sich im Vorfeld gewünscht hat. Über "Facts of Life" und "Charles in Charge" bis zum Emmy-nominierten "Guy Love". Dazu Gastauftritte von einem Halloween-Kürbis und Major Lee Hazard aus "Small Soldiers"! Selten zuvor waren Spielzeuge die Protagonisten von Acapella Songs.


Mehr als nur Scrubs

Natürlich darf das Scrubs-Theme "Superman" nicht fehlen. Doch dann passiert etwas unvorhergesehenes. Sam reicht es, immer nur auf seine Rolle in Scrubs reduziert zu werden. Er will den Song nie wieder singen und verlässt kurzerhand die Band. Das ist dann der ersehnte "dramatic moment", der grandios überwunden wird. Sam wird von einem plötzlich auftauchenden, italienischen Eisverkäufer ersetzt, der Sam unheimlich ähnlich sieht, nur mit einem falschen Schnurrbart. Der Eisverkäufer ist zufällig der größte Fan der Band und kann alle Texte. So wird beschlossen ihn Sam zu nennen und so zu tun, als wäre nichts passiert (sucess!). Einfälle wie dieser machen die Show unberechenbar und spannend.
Bielefeld zeigt sich von der bilingualen Seite. Ein großer Teil des Programms besteht aus Gesprächen, dennoch lacht das Publikum an den richtigen Stellen und der Applaus ist auch bei kleinen Pointen groß.
Nach den ersten 50 Minuten tauchen die ersten "echten" Songs auf. Nach "Take on Me" von A-Ha, folgt ein Medley aus den "Five Greatest Rocksongs". Und das ist wirklich eine erlesene Auswahl: The Who - Who Are You / ABBA – Dancing Queen / Blue Oyster Cult – Don't Fear The Reaper / Chordettes – Lollipop / Kansas – Carry On My Wayward Son!" Ein Genuss für jedes Ohr. Aber auch das wird noch getoppt durch das "Solid Gold Party Rock" Mixtape aus dem Jahr 1983. Das sind 23 Songs in guten 2 Minuten! Und das beste daran: "Not available in Osnabruck". Die Blanks haben sich über die lokalen Freundschaften informiert und gewinnen dadurch noch mehr an Sympathie.
Der letzte Song ist dann "Maniac" aus dem Film "Flashdance" und den dazugehörigen Tanzpart übernimmt eine elektrische Puppe, die einen wirklich bezaubernden Hüftschwung hat. Die Requisiten haben heute Abend ausgezeichnet funktioniert, die Zuschauer sind begeistert.
Natürlich war das nicht das wirkliche Ende. Als Zugabe gab es noch "Hey Ya". Begleitet von Ukulele und Glockenspiel, singt Sam genauso schön, wie zur Hochzeit des Scrubs-Hausmeisters.
Das schlussendliche Finale ist das fulminante Pop-Medley "Teenagers forget Streisand because the only girl is cooler than dynamite". Ein bombastischer Mix aus aktuellen Popsongs und das Ende der heutigen Zeitreise.
Das Konzert endet passenderweise mit "Magic Fingers". Ja, das war weniger ein Konzert, als eine ausgereifte Show. Aber charmant und witzig dargeboten, war es auf jeden Fall eine lohnenswerte Abwechslung zum Konzertalltag. "The Blanks" sind eine höchst professionelle Band, die mit ihrer zweiten Europareise innerhalb von einem halben Jahr beweisen, dass sie auch am großen Broadway bestehen würden.