Home

Taglist:

Allgemein
Konzertbericht

Bands
Herr Von Grau
Prinz Pi

Locations
Forum



Datum: 12.01.2012

Prinz Pi in Bielefeld

Auch ein müder Prinz kann begeistern

Bielefeld (m2w)    Vor wenigen Wochen erschien mit "Hallo Musik" ein akustisches "Best Of Pi". Eine Sammlung  seiner beliebtesten Songs, teilweise ausgewählt von den Fans selber. Da zu jedem neuen Release eine Tournee gehört, sollte man meinen, dass die aktuelle Konzertreihe eben das zu erfüllen sucht.  Das Konzert heute gehört allerdings, laut dem Prinzen, zum zweiten Teil der "Rebell ohne Grund"-Tour. Mit dabei als Vorgruppe das niedersächsische Duo "Herr von Grau".


Entgegen jeder Erwartung beginnt das Konzert sehr zeitig. Um 20:15 ist das Forum picke-packe voll und Herr von
Fotos zum Konzert
Homepage von Prinz Pi
Grau flowed auf der Bühne die Menge warm. Bielefeld gefällt die eher klassische Hip-Hop Performance sehr gut und lässt von der ostwestfälischen Trägheit ab. Die Stimmung ist jetzt schon gut und das Publikum laut. Ja, das ist wie damals. Ein DJ, ein MC, etwas Beatbox, etwas Scratching und überall in der Luft der süße Geruch von Kiffe.
Herr von Grau unterstützt das Klischee, indem Rapper Benny im ersten Teil des Sets mit dicker Goldkette und schiefer Cap zu sehen ist. In den ersten Reihen heben und senken sich die Arme zum Beat. Trotzdem ist das hier intelligenter Sprechgesang, der den Glauben an das Genre am Leben hält. Songs wie "Tanzen" und "Klebeband" geben einen guter Einstieg in den Abend.


Rebell ohne Grund

Das Akustik-Album "Hallo Musik" versuchte mit Band und leisen Tönen zu überzeugen. Für viele drückte die Frage, inwieweit dieses Album die Musik von Prinz Pi beeinflussen wird. Der Prinz des deutschen Hip-Hop war immer ein kreativer Kopf, der gerne Grenzen sprengt und neue Wege geht.  An diesem Abend merkt man davon kaum etwas. Keine raffinierten Ideen, simpler Bühnenaufbau, minimale Performance. Nun gut, das ist ja nicht gleich schlecht. Denn die Songs von Friedrich Kautz stehen für sich und wissen auch ohne Hilfsmittel zu überzeugen.

Das Konzert beginnt so, wie die aktuelle CD, mit der Hitsingle "Du bist". Atmosphärisch in Szene gesetzt, erscheint Pi, bebrillt und mit Beanie auf dem Kopf, aus einer Wand aus Nebel. Doch er wirkt irgendwie müde und ohne Backup MC ziemlich atemlos. Der Song selbst wird in einer ruhigen, langsamen Version gespielt, der Funke fehlt noch. Was das Publikum aber nicht zu stören scheint -  ca. 600 Arme werden hochgerissen und pumpen im Takt. Kreischen und Jolen.
So geht es weiter zu "Elfenbeinturm", ebenfalls zweiter Song auf "Hallo Musik". Der Verdacht kommt auf, dass der Prinz heute einen ruhigen Abend bestreiten will. Aber daraus wird nichts! Ein imposantes Intro-Medley aus "Illuminati", "Super Seiajin" und "Donnerwetter" überzeugt uns vom Gegenteil und lässt Pi langsam auftauen. Zwar gibt es "keine Liebe" noch in einer ruhigen Version, doch steigert er sich zu einem Doubletime-Gewitter und spätestens beim darauf folgenden "Marathon-Mann" ist Prinz Pi warm und ganz der Alte. Der Gesamtsound wirkt nun kräftiger und sowohl Friedrich, als auch das Bielefelder Publikum sind angekommen. Es folgt ein Rundumschlag mit Perlen wie "Nerdhymne", "Außer Pi" und "Spür die Wut", der schließlich, nach einem E-Rich Solopart, in "Laura" sein Ende findet. Gewohnt gefühlvoll präsentiert, wäre dieser Song ein guter Abschluss für dieses Konzert.

Aber das reicht uns noch nicht! Natürlich gibt es eine Zugabe. Und mit dieser Zugabe geht das Konzert erst richtig los. Jetzt kommen die Knaller, die Stimmung steigt weiter. Jetzt sehen wir den Prinz Pi, wie wir ihn kennen. Ehrensache, schließlich ist Bielefeld "Kumpelstadt" des Berliner Rappers. So darf dann Timmy Hendrix ein Feature, die Menge sich selbst  feiern. Bei "Spring!", "Rand" und "Rand 2" ist das Forum die in Bewegung gesetzte Generation Porno.
Prinz Pi bleibt also auch nach dem Akustik-Ausflug ein fester Teil der deutschen Rap-Monarchie. Er macht zwar Eingeständnisse an den Erfolg – was die kreischenden Mädchen in der ersten Reihe angeht -  bleibt sich sonst aber treu, zündet die Welt an und gibt dem Affen Zucker.

von André Siekmeier