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Vainstream Rockfest 2011 in Münster

Viel Rockmusik und ein Hip Hopper

Münster (m2w)    von Kristof Linke - Vergangenen Samstag ging die 6. Auflage des Vainstream Festivals in Münster über die Bühne. Etwa 10.000 Fans besuchten unter anderem die Konzerte von Motörhead, Boysetsfire und The Gaslight Anthem. Es verspricht ein abwechselungsreicher Tag zu werden. Und das in jeder Hinsicht. Beginnen wir doch am besten von vorn.

Bilder von den Bands: Asking Alexandria, Boysetsfire, Casper, Comeback Kid, Flogging Molly, Kvelertak, Madball, Motörhead, Parkway Drive, Protest the Hero, Sondaschule, The Gaslight Anthem, The Sounds

Homepage vom Vainstream


Als wir in Münster ankommen steht bereits die erste Band auf der Bühne. Es ist Deetz Nuts aus Australien, sie haben als erste Band des Tages die undankbare Aufgabe die Meute anzuheizen. Die Band gibt ihr Bestes, das Publikum nimmt es dankend an. Gut gemachter Hardcore mit Crossover anleihen, das ganze energievoll vorgetragen. Ein insgesamt guter Anfang des Tages der noch einiges bereits halten wird.
Um lange Umbaupausen zu vermeiden wurden zwei Bühnen aufgebaut, die nahtlos bespielt werden. Heißt auf der einen Bühne wurde gespielt, auf der anderen gibt es die Umbaupause. Das ist zwar super für den geneigten Festivalbesucher, der in recht schneller Folge in den Genuss von Livemusik kommt, jedoch schlecht für den Schreiberling, der versucht jede Band mitzubekommen. Das bedeutet: Abstriche machen.

Als nächstes waren Protest the Hero (Fotos) dran. Die Jungs aus Kanada spielen ihre technisch versierte Mischung aus Progressive, Punk, Metal und Hardcore sauber runter. Der erste Eindruck der dem Schreiber noch unbekannten Band ist recht positiv. Besonderer Moment des 30 Minütigen Sets ist die unfreiwillige Dusche für den Sänger. Es hatte in der Nacht geregnet und durch den Wind wurde Wasser vom Bühnendach in einem ungünstigen Winkel auf den Sänger geweht. Na ja und das Resultat ist ein geduschter Sänger.

Um 11 Uhr schon die dritte Band: Kvelertak (Fotos) aus Norwegen. Ihr gut vorgetragener Rock N Roll mit ordentlich Metalleinflüssen machte den immer zahlreicher werdenden Besuchen sichtlich Spaß. Das teilweise auf Norwegisch vorgetragene Set war druckvoll und ehrlich gesagt nicht der frühen Spielzeit gerecht.

Der erste Ausreißer aus dem sonst sehr Metal - und Hardcorelastigen Line Up ist nun an der Reihe: Sondaschule (Fotos) aus dem Ruhrgebiet. Allerfeinst vorgetragener Ska Punk mit deutschen Texten und einer Band die Sinn für Ironie hat. Das doch eher auf Metall und Hardcore gepolte Publikum fängt an das Tanzbein zu schwingen und als ob es ein Drehbuch gibt: Die Sonne fängt an zu scheinen. Erste Bierduschen gibt es und ein kleiner Seitenhieb auf unsere niederländischen Nachbarn ist auch noch drin. Und zum guten Schluss gibt es eine wunderbare Version von Frank Sinatras My Way. Schönes Konzert von einer Band, die sich lohnt nochmal auf einem Einzelkonzert zu sehen.

Und nun der komplette Kontrapunkt: Suicide Silence aus den Staaten. Und nun wird der Schreiber doch etwas subjektiv. Es gibt Sachen die muss man mögen und nicht mögen. Mein Fall waren sie nicht, jedoch für einen nicht unerheblichen Teil der Festivalbesucher stellen Suicide Silence den ersten Höhepunkt des Tages dar. Grindcore ist halt nicht für jedermann.

Asking Alexandria (Fotos), die als nächstes auf dem Spielplan stehen, haben jedoch einen Positiven Eindruck hinterlassen. Ihre Mischung aus Metalcore und Elektronik war ein guter Kontrapunkt zu Suicide Silence. Die Band aus Großbritannien präsentiert sich in Spiellaune und geben ordentlich Gas, und es gibt die erste größere Anzahl von Crowdsurfern. Und wieder gibt es eine Dusche für den Sänger.

Casper (Fotos) ist wieder einer der Sonderlinge im Lineup. Deutscher Hip Hop mit Gitarre, in den Neunzigern Crossover genannt, interessant gemacht und gut vorgetragen, so hat er letztendlich überzeugt. Besonders die Interaktion zwischen Künstler und Publikum war recht amüsant.

Comeback Kid (Fotos) aus Kanada hingegen spielen feinsten Hardcore, vorgetragen in energetischer Manier und grundsolide. Alles in allem ein gelungenes Konzert und mein erster Eindruck ist positiv. Auch ist dies die erste Band bei der sich am Bühnenrand viele andere Künstler tummelten. Nearea wurde aufgrund von Ermüdungserscheinungen, Hunger und Durst ausgelassen. Daher leider kein Bericht über sie. Callejon aus Deutschland haben guten Metallcore vorgetragen alles auf Deutsch und das Highlight war eindeutig eine Coverversion von Schrei nach Liebe von den Ärzten.

Und was soll man noch zu Madball (Fotos) sagen? Die seit 1988 bestehende Band aus New York City spielen straighten NY Hardcore, sauber vorgetragen, druckvoll und gut. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Ordentlich Stimmung im Publikum bestätigen den Schreiber.

Und nun wieder ein Ausreißer. The Sounds (Fotos) aus Schweden. Indiepop war irgendwie nicht richtig am Platz. Dementsprechend haben sie ein undankbares Standing, haben aber das Beste draus gemacht und zumindest Teile des Publikums auf ihre Seite bekommen. Nicht unerheblich dafür ist die Show der Sängerin Maja Ivarsson.

Und nun ein erstes wirkliches Highlight: Boysetsfire (Fotos). Die Post Hardcore Band aus Newark, Delaware präsentiert sich in bester Laune, sie gibt der Masse was sie verlangt, Walk astray, Release the dogs, Requiem, Empire, Rookie, einfach alles ist dabei. Sichtlich gut gelaunt spielen sie das Set runter, ohne dass es routiniert oder abgegriffen wirkt. Es gab zwar kaum Interaktion aber mal ehrlich, warum sollten sie? Wirklich ein gutes Konzert.

Parkway Drive (Fotos) haben im Anschluss wieder zu Metalcore gegriffen. Viel Stimmung vor der Bühne und der Wechsel zwischen harten, schnellen und Melodischen Parts ist sehr gut und der technisch versierte Leadgitarrist gibt der Masse was sie verlangt.

Und jetzt zu einem Kuriosum: Wer hat auf einem Metal / Hardcore Festival den größten Pit? Richtig Flogging Molly (Fotos)! Die Folk Punk Band aus den Staaten geben richtig Gas und es ist wunderbar zu sehen wie das Publikum abgeht. Bierduschen en masse, Crowdsurfer noch und nöcher und ein glänzend aufgelegter Dave King der munter Guinness in Publikum verteilt. Neben vielen Neuen Stücken werden auch einige Klassiker gespielt die die Masse dankbar annimmt und zum Tanzen/ Pogen animiert. Wer die Gelegenheit bekommt sie auf einem Konzert zu sehen, sollte sich das wirklich nicht entgehen lassen. Es ist ganz großes Kino.

The Gaslight Anthem (Fotos) haben im Anschluss die Meute wieder etwas runtergebracht, was aber auch nicht schlecht ist. Ein solides Konzert und der erste Eindruck, den ich von der Band habe macht Freude auf mehr. Allerdings war die Slotwahl eher schlecht, da direkt im Anschluss die Götter des Rock and Roll aufspielen.

Es sind Motörhead (Fotos), die das diesjährige Festival abschließen. Und wie sie es tuen. Ohne großen Schnickschnack auf die Bühne und Arschtritt olè. Geradeaus und direkt präsentieren die Engländer dass sie immer noch zu den größten Rock & Roll Bands der Welt gehören. Rotzig und kaum verständlich geht Lemmy am Bass voran, Wizzos Solis grandios und Mickeys drumming einfach herrlich. Nichts wird ausgelassen und auch ein neuer Song wird präsentiert.

Fazit: Alles in allem ein gutes Festival, wobei einige Bands etwas deplatziert wirkten und andere einfach zu kurz gesielt haben. Boysetsfire, Flogging Molly und Sondaschule hätten mehr Zeit verdient. Das nächste Mal lieber weniger Bands buchen und diese dafür länger spielen lassen.

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