Home

Taglist:

Allgemein
Konzertbericht

Bands
Fettes Brot
Kraftklub

Locations
Halle Münsterland



Datum: 07.12.2010

Fettes Brot bringen die Sparkasse Münsterland zum beben

Münster (ml)    Fettes Brot sind derzeit auf Abschiedstour. Nein, sie lösen sich nicht auf, aber wollen zumindest im kommenden Jahr eine kreative Pause einlegen. Und so sieht es nach mehrjährigem ununterbrochenen Touren und Live-Alben produzieren erst einmal wie ein Abschied aus.
Am Dienstag ist der Tourtross, der live zur Stärke einer Fußballmannschaft wächst, in Münster vorbei gekommen und hat dort ein Erdbeben ausgelöst.

Bilder zum Konzert
Homepage von Fettes Brot
Homepage von Kraftklub


Die Halle Münsterland ist augenscheinlich ausverkauft. Zumindest lässt einen das der Stau auf den Umgebungsstraßen glauben. Schnell sind die Parkplätze am Gelände voll.
Nach dem Aussteigen aus dem Auto wundert sich der geneigte Fettes-Brot-Fan aber: "Seit wann ist das Publikum denn so alt geworden?" - "Egal, erst einmal folgen.".

Noch komischer wird dann das Gefühl, wenn man sich nur noch in Mitten von (angehenden) Rentenempfängern befindet und die Securities super schicke Anzüge tragen. Eine Abendkasse oder Gästeliste sucht man vergeblich.

Und so kann es dann auch zu folgendem Dialog kommen:
- "Wir stehen auf der Gästeliste."
- "Sparkasse?"
- "Was meinen Sie mit Sparkasse?"
- "Fettes Brot oder Sparkasse? Hier sind heute zwei Veranstaltungen."
- "Oh, Fettes Brot!"
- "Dann einmal bitte vorne raus und ein paar Meter weiter links."

Damit hat sich dann die Frage nach der geänderten Zielgruppe geklärt.


Am richtigen Standort angekommen, wird auch das Publikum jünger. Glücklicherweise. Hier ist man richtig und zum ersten Mal sieht man auch Wegweiser zum Konzert von Fettes Brot und zum Benefizkonzert der Sparkasse Münsterland Ost.

Nun muss man nicht mehr lange warten, bis die Vorgruppe Kraftklub auf die Bühne geht. Sie versuchen das Münsteraner Publikum, welches sich zu einem Teil in der Halle und zu einem anderen Teil noch auf den Gängen an den Garderoben befindet, mit ihrer charmanten Mischung aus Indie, Hip Hop, Funk und witzigen Texten zu überzeugen. Stellenweise gelingt das auch. Ein Großteil der Münsterländer ist jedoch noch am Auftauen von den kalten Temperaturen, die draußen herrschen. Und so fällt dann nur der Applaus richtig gut aus.
Einem größten Teil des Publikums dürften Kraftklub noch unbekannt sein. Die Band, die jedoch schon vor einem Monat im Skaters Palace Münster gespielt hat, dürfte mit Songs, wie "Liebe" oder "Scheissindiedisco" jedoch so weit überzeugen und eines Tages selbst als Headliner auf der Bühne der Halle Münsterland stehen.


Der Umbau zwischen den Bands geht schnell. Dennoch wir die Umbaupause zu einer regulären Pause verlängert und um kurz vor 9 gehen dann die Brote, die Helden des Abends auf die Bühne.
Unüblich ist jedoch der Start mit "Nordisch By Nature", der sämtliche "Ohne Nordisch geh'n wir nicht nach Haus"-Chöre des Publikums von vornherein unterbindet.
Der Saal bebt schon jetzt. Ob die Rentenempfänger in der kleinen Congress-Halle das mitbekommen ist jedoch ungewiss. Bei der Lautstärke, die von vorne aus den Lautsprechern dröhnt, kriegt man vom Benefizkonzert der Sparkasse jedoch nichts mit.

Fettes Brot haben eine sehr hohe Hitdichte. Und so wird direkt im Anschluss das allseits bekannte "Bettina" gespielt. Natürlich, wie alle Songs des heutigen Abends in der aufgepeppten, neuen Version.
Aber auch für Dialoge zwischen Publikum und Band sind die Brote bekannt. Und da der Band nichts zu Münster einfällt, wird auf Klischees rum geritten: "Wer ist heute mit seinem Skateboard oder Fahrrad hier?".
Auch ein Dank an die Fans für das ausgiebige Anklicken der Band auf den Seiten der 1LIVE Krone darf nicht fehlen. Von diesem Preis haben Fettes Brot gleich zwei mit nach Hause gebracht.

Schnell folgen Lieder wie "Da draußen" oder "Lauterbach", welches von einem ominösen Klopfen eingeleitet wird. Eine Erklärung dieses Klopfens haben die Jungs von Fettes Brot natürlich auch: Die Kanzlerin klopft an die Tür. Es macht ihr aber niemand auf. Dass die Brote keine Konservativen sind erklärt dann auch die abschließende Bewertung: Sie kriegt keine Luft, weil sie sich im Würgegriff von Münster befindet.
Wie auch auf dem Album "Brot" geht "Lauterbach" direkt in "Können diese Augen lügen" über. Hier wird zu erst Unheilig parodiert mit: "Wir sind geboren um zu lügen."
Und neben dem obligatorischen Aufzählen anderer Musiker ("Nie gehört!") werden am heutigen Abend auch Fußballmannschaften und Studiengänge aufgezählt.

Obwohl Fettes Brot ganz und gar nicht konservativ eingestellt sind, sind sie, wie so oft besungen für ausgiebige "Kontrolle" ("Kontrolle ist gut, Kontrolle ist besser."). Wo könnte man hinkommen, wenn alle schaltragenden Ausländer mit ausgebeulten Jackentaschen, frei und unbehelligt mit ihren Koffern und Rucksäcken einfach so Richtung Bahnhof spazieren würden?
Und damit gerade das unterbunden werden kann, wird es auch in Zukunft auf Fettes-Brot-Konzerten Nacktscanner geben. Das alles auf Anordnung des Innenministeriums. Die besten Bilder werden natürlich prämiert und die Protagonistinnen in den Nightliner der Band eingeladen.

Neben ihren bekannten Songs, spielen Fettes Brot aber auch eher unbekannte Songs, wie zum Beispiel "Yasmin". Der unbekannteste Brote-Songs, der an dem Abend gespielt wird, ist ein Cover und ist gar nicht von den Broten.
"Herr Richter, bitte verurteilen sie mich nicht zu 3 Jahren Superpunk." - "Doch, das haben sie sich verdient.". Was nun folgt ist eine Huldigung an die Lieblingsband der drei Jungs: Superpunk. Von dieser Band, die auch schon mehrere Male im Vorprogramm der Brote waren, covern sie "Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf die Knie zwingen".

Nach knapp 75 Minuten verabschiedet sich die Band mit dem Hit "Jein" und einem radschlagenden Björn Beton von der Bühne.

Die Zugabe beginnt mit "Ich bin müde", welches mit der Original-Version von Rio Reiser eingeleitet und auch ausgeleitet wird.
"Amsterdam" beendet den ersten Zugabenteil und kündigt langsam das Ende des Abends an.

Dieser wird dann auch mit einem der ältesten Lieder der Band eingeleitet: "Schlecht" von der 1994 erschienenen "Mitschnacker"-EP.
Klar darf zum Abschluss ein Lied nicht fehlen. "Schwule Mädchen" sorgt nochmal dafür, dass sich alle mit einem Schlusssport (ja richtig, Sport) voneinander verabschieden dürfen.

So bleibt nur ein großer Wehrmutstropfen an diesem Abend. Ist man normalerweise von Fettes Brot eher zweistündige Shows gewöhnt, wurde das ohnehin sehr kurzweilige Konzert dieses Mal auf 90 Minuten verkürzt. Das lässt natürlich bei der Hitdichte der Band einige Wünsche offen.