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Konzertbericht

Bands
Bosse
Silly

Locations
Tonhalle



Datum: 03.12.2010

SILLY „ALLES ROT“ Tour 2010

München (ml)    von Johannes Kliemt

München, 03. Dezember 2010. Es ist kalt, Schnee fällt und liegt bereits seit Tagen reichlich auf den Straßen. Die S-Bahnen der Stadt passen sich dem Schneeflockentanz an. Sie fahren unregelmäßig, da sich doch die eine oder andere Flocke mal wieder in eine Weiche verirrt hat.
Aber den Autos geht es nicht besser. Auch sie kämpfen sich durch den Flockenwirbel und kämpfen um die spärlichen Parkplätze.
All das kann aber die Silly Fans nicht abschrecken, zur Tonhalle in die Kultfabrik (ehemals Kunstpark Ost) zu kommen. Die Halle ist gut gefüllt, das Publikum gut gemischt. Man entdeckt die Generation, die mit Silly groß geworden ist, aber auch die ganz jungen sind da. Der jüngste Fan war wohl 8 Jahre, wie bei Facebook zu lesen war.

Bilder zum Konzert
Homepage von Silly
Homepage von Bosse


Als Support spielte Axel Bosse aus Hamburg. Viele kennen ihn mit Band aber jetzt ist Schluss mit dem Lärm. Axel Bosse spielt unplugged. Er versteht es mit seinen Songs ordentlich Stimmung in die Münchner Tonhalle zu bringen. Er animiert die Fans zum Mitklatschen und bringt den Saal mit kleinen Gesten zum Lachen. Mit dem Titel „Murphys Gesetz“ verabschiedet er sich von den Münchnern, die sich mit tosendem Applaus bedanken.

Nach kurzem Umbau geht das Licht aus und ein weißer Vorhang wird in blaues Licht getaucht über den das Silly Logo flimmert und das Intro beginnt. Dann endlich fällt der Vorhang und Anna, Jäcki, Uwe und Ritchie werden in blaues und rotes Licht getaucht. Dazu kommen zur Verstärkung noch drei Gastmusiker. Basti Reznicek bedient die Drums. Daniel Hassbecker die zweiten Keyboards und Herr Petereit (Reinhard Petereit) zupft die zweite Gitarre. Wer die Namen richtig gelesen hat wird festgestellt haben, dass da die Söhne von Ritchie und Uwe mit auf der Bühne stehen.

Richtig los geht es dann mit dem Titel „Nackter als du“ vom aktuellen Album „ALLES ROT“. Die Tonhalle kommt ordentlich in Stimmung. Man sieht begeisterte Gesichter, Menschen die Mitklatschen, Mittanzen und Mitsingen. Und hier sind alle mit dabei. Von 8 bis 50+ wird gerockt. Alle scheinen die Texte und Melodien förmlich eingesogen zu haben. Die Leute werden mitgenommen auf eine Reise durch die Silly Welt von neuen und alten Songs. Dazwischen gibt Anna ein kleine Episode zum Besten. Kollegen hätten sie vor München gewarnt. München sei schwierig, die Tonhalle nicht voll zu bekommen und das Publikum erst... Nix da! Die Münchner haben Anna und die Silly’s ganz schnell vom Gegenteil überzeugen können. Anna war auch sichtlich erleichtert und konnte die Meinung der „lieben“ Kollegen schon zu Anfang gar nicht mehr nachvollziehen.
Nachdem der Saal ordentlich „durchgerockt“ war, gab es eine kleine a capella Session zum durchatmen. Eingeläutet mit dem legendären Song „Mont Klamott“ ging es weiter mit Titeln wie „Verlorene Kinder“, „Asyl im Paradies“ und dem sehr emotionalen Song „So ne kleine Frau“. Man konnte vielen ansehen, dass sie sehr bewegt waren und sicher hatte der eine oder andere bei diesen Songs, die charismatische, leider viel zu früh verstorbene (1996) Sängerin der Band, Tamara Danz vor Augen.
Vorbei mit der „Ruhe“. Es wurde weiter der Saal gerockt und das Publikum ist nicht zu halten.
Zum Schluß gibt es den Titelsong der aktuellen CD „ALLES ROT“ zu hören. Aber die Leute lassen die Band natürlich so nicht davonkommen. Laut wird nach einer Zugabe verlangt. Silly lässt sich auch nicht lange bitten. „Battaillion d’ Amour“, einer der alten Silly Songs, wird gespielt und auch ein Song, den Anna zusammen mit Axel Bosse singt, ist dabei.
Zum endgültigen Schluß wird der Titel „Sonnenblumen“ a Capella gespielt. Eine kleine Reminiszenz an Tamara Danz. Man sieht es den meisten an, dass sie die Bedeutung des Songs verstehen.

„ALLES ROT“ das erste Album der Silly’s nach 14 Jahren. Mit Anna Loos, die manch einer vielleicht als Schauspielerin kennt, als Frontfrau, startete Silly neu durch und das genau so erfolgreich wie vor Jahren. „Alles rot, das Gegenteil von tot“ wie es im Titelsong heißt. Genau das hat die Band eindrucksvoll bewiesen. Silly sind längst nicht mehr nur die Kultband aus dem Osten. Sie sind schon längst angekommen und allen Kritikern zum Trotz waren und sind gerade Konzerte im „Westen“ ausverkauft. Allen die Silly eine Art Ostalgie andichten wollten, wurden damit Lügen gestraft.
Silly, das sind hervorragende Musiker, die ihr Handwerk verstehen. Silly das ist nicht nur außergewöhnliche Musik. Silly das sind auch außergewöhnliche Texte. Alltägliches wird in wunderbare Poesie gepackt und verantwortlich dafür ist wieder Werner Karma, der schon früher die Texte, immer gespickt mit versteckten Botschaften, für Silly geschrieben hat.

Fazit: Ein gelungener Abend. Ein grandioses Konzert für das es sich allemal gelohnt hat, durch den Schnee in die Tonhalle zu kommen.

Wer übrigens mehr zur Silly Geschichte erfahren möchte, dem kann ich ein tolles Buch, „Tamara Danz“ - Legenden - von Alexander Osang, empfehlen. Leider längst vergriffen und nur selten zu finden.