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Konzertbericht

Bands
Distance in Embrace
Escapado

Locations
JZ Kamp



Datum: 19.11.2010

Escapado: Der Phoenix von der Nordsee

Bielefeld (m2w)    von André Siekmeier

Escapado spielten vergangenen Freitag im JZ Kamp in Bielefeld. Im Vorprogramm wurden sie von Distance in Embrace unterstützt.

Bilder zum Konzert
Homepage von Escapado
Homepage von Distance in Embrace


Dieser Abend beginnt anders als erwartet und beinahe katastrophal. Nicht nur, dass das Kamp mit grob 50 von maximal 600 Besuchern verdammt leer aussieht, nein auch der Sound bereitet dem geneigtem Hörer Kopfzerbrechen. Die Snare klingt nach einer Tom, die Gitarren matschig und der Gesang ist falsch abgemischt. Dieser Zustand macht es "Distance in Embrace" nicht unbedingt leichter das Publikum in Fahrt zu bringen. Erst beim dritten Song "My very own heart" scheinen die technischen Schwierigkeiten behoben und "DIE" sind endlich im Kamp angekommen. An die guten alten Zeiten erinnert – der Song stammt vom 2005er Debüt "The Consequence Of Illusions" – geht es ab diesem Zeitpunkt bergauf. Unterstützt von einer unbändigen Energie und ihrer immernoch schwer vergleichbaren stage performance rocken die vier Mindener ein 45minütiges Set bestehend aus Tracks der drei bisher veröffentlichten Alben, sowie einem neuem Song. Die Band zieht jedes Register und schafft es dadurch ein wenig von der obligatorischen Bewegungsunlust des ostwestfälischen Publikums abzulenken. Es zeigen sich erste Regungen auf der Tanzfläche. Es tritt sogar der seltene Fall ein, dass einer Vorband eine Zugabe abverlangt wird. Mit "Tomorrow seems quiet far" verabschieden sich "Distance in Embrace" und überlassen die Bühne nach dieser grundsoliden Aufwärmeinheit dem vermeintlichen Headliner "Escapado".

Anscheinend haben "Escapado" nicht nur ihren alten Sänger Helge, sondern mit ihm auch eine spürbare Menge an Fans verloren. Denn der VVK zur Show lief schleppend und die Abendkasse konnte das nicht auffangen. Auch wenn sich der Saal deutlich füllte, das Kamp blieb relativ leer.
Als "Escapado" die Bühne betreten ist die Skepsis im Publikums spürbar. Was ist aus "Escapado" geworden? Es wurde viel gesprochen, viel gelobt und viel zerredet. Doch entscheidend ist auf der Bühne:
Schon der erste Song "Petenwell" ist als Antwort auf eben jene Fragen zu verstehen. "Ich bin dir fremd, ich weiß es – doch wer wird seinem Anspruch schon gerecht?" heißt es hier. Damit das auch von Beginn an klargestellt ist. "Escapado" sind tot, lang lebe "Escapado"!!!
Die vier Nordlichter machen das sogar wirklich gut. Eine gesunde Mischung der Songs vom neuem Album "Montgomery Mundtot" und alten Krachern, wie "Verbindung", "Kommando Mosfet" und "coldblackdeathbloodmurderhatemachine" bringen das Publikum in Bewegung. Dabei scheut Felix, der neue Mann am Mikrofon, auch nicht den direkten Vergleich mit Ex-Sänger Helge. Auch wenn er dieses Duell nur verlieren kann, wurden die alten Songs nicht umgeschrieben und so originalgetreu wie möglich intoniert. Der Unterschied ist groß genug, um zu sehen wie sich alte Fans enttäuscht abwenden. Aber der Unterschied ist auch groß genug, um neue Fans zu gewinnen.
Schon nach ein paar Songs hat man sich eh an die neue Situation gewöhnt und das Kamp feiert mit. Die Wogen der Argwohn haben sich geglättet. Zwar ist die Stimmung bei den alten Songs weitaus besser als bei den neueren, aber ist das nicht auch bei anderen Bands so?
Wie der Phoenix von der Nordsee erhebt sich hier eine neue Band aus den Trümmern einer Legende. Sie trägt zwar den alten Namen, aber ein neues Gesicht. Und das steht ihr gut!
Wer es schafft die Vergangenheit abzuhaken und hinter sich zu lassen, der findet hier viel Gutes. Die neuen Escapado sind technisch ausgereifter und rocken trotzdem wie zuvor. Auch wenn die Songs von Initale heute erneut ihre Größe bewiesen haben, so brauchen sich die neuen nicht verstecken. Der oft gehörte Turbostaat-Vergleich hinkt, sobald man live dabei war. Escapado bleiben härter, dreckiger und lauter. Alle die aufgrund der neuen Platte zu Hause geblieben sind, haben ein gutes Konzert verpasst. "Escapado" sollte man auch weiterhin auf seinem Zettel haben. Nach einer kurzen Zugabe verabschieden sich die vier Flensburger mit dem Titeltrack "Montgomery Mundtot" und wir schreien lauthals mundtot...