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Eupen Musik Marathon
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Datum: 26.06.2010

Open Air

Musik Marathon in Eupen

Eupen (m2w)    von Sven Droste/Petra Hetfeld

Am Samstag dem 26.06.2010 beginnt der Eupen Musik Marathon 2010 mit, wenn man in Sportjargon bleiben will, einem Prolog. Aus dem ehemaligen Tag der Musik ist seit 2 Jahren ein zweitägiges Event geworden. War noch im letzten Jahr mit Joe Jackson eine internationale Größe Headliner des ersten Festivaltages, so startet man in diesem Jahr europäisch. Das Lineup wird von Belgischen und Deutschen Acts und bestimmt und ist leider von einem dunklen Schatten überzogen. Für die Band Hallo Kosmo die für den heutigen Tag gebucht war, musste ein Ersatz gefunden werden, da der Schlagzeuger der Band tragischer Weise wenige Tage vor dem Festival bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Bilder vom Samstag
Bilder vom Sonntag


Auf Startplatz 1 des Prologs stehen Caterplan. Die Musik der Band um den Sänger und Keyborder Jochen Debey ist im Stile des New Wave der 80er und 90er Jahre einzuordnen. Nach einer Reformation der Band in diesem Jahre sind neben dem Bassisten Thomas Reynders, mit Frank Henke ein neuer Gitarrist und Sebastian Euthin ein Schlagzeuger hinzu gekommen.

Die Staffel übernehmen dann die aus Eupen stammenden The Cable Bugs. Rockabilly in seiner feinsten Art im sorgt für erste Bewegung vor der Bühne an diesem warmen noch frühen Abend. Jedoch haben auch Mark Dittrich (Gesang, Gitarre), Kalle Boston (Schlagzeug), Bernd Lorch (Gitarre) und Ralph Offermann (Kontrabass) auch mit dem von den Temperaturen etwas trägen Publikum zu kämpfen, das sich noch gemütlich auf den Wiesen des Stadtparks niedergelassen hat. Unbeeindruckt von dieser Tatsache überzeugen die vier mit Ihrer Rock 'n' Roll Show. Songs aus eigener Feder und Stücke von Johnny Cash und anderen Größen des Genres sind wild durcheinander zu einer mitreißenden Show vermischt. Nach einer Zugabe ist die letzte Show dieser Kapelle in dieser Zusammensetzung zu Ende. Bernd Lorch hat heute seinen letzten Auftritt mit der Band gespielt. Um die Zukunft der Band muss man sich jedoch keine Sorge machen, sie machen weiter, wenn sie eine passende Verstärkung gefunden haben.

Als nächstes im Starterfeld stehen die Bikinians bereit. Die Band wurde von den Brüdern Vincent (Gesang) und Jean-Yves Lontie (Gitarre) 2007 gegründet. Verstärkt werden die beiden durch Jean-François De Schutter (Bass) und Giacomo Panarisi (Schlagzeug). Ohne ihm zu nahe treten zu wollen, letzterer erinnert ein wenig an Animal aus der Muppetshow und dass nicht nur wegen seines Aussehens. Mit fortschreitender Zeit und schwindenden Temperaturen schaffen es die vier mit ein wenig Action auf der Bühne Bewegung ins Publikum zu bringen. Jean-Yves fegt wild mit der Gitarre über die Bühne, so dass er irgendwann bei einem Solo auf dem Hosenboden landet. Die Bikinians präsentieren Songs von Ihren beiden bisher veröffentlichen EPs Roller Coaster und Rhinocirrhosis. Als Zugabe gibt es noch etwas Lagerfeuerromantik, die beiden Brüder alleine, nur mit einer Gitarre.

Nach kurzen Modifikationen des Bühnensetup geht es weiter mit Showstar aus Huy. Die Band wurde kurzfristig, nach dem schon erwähnten tragischen Unfall, für das Festival nachverpflichtet. Christophe Danthinne, der Sänger der Band, betritt mit der Band die Bühne, um sie darauf direkt wieder in Richtung Publikum zu verlassen. Er nimmt das "Man muss die Leute abholen" wörtlich und schreitet durch die Reihen und versucht so die immer noch zwischen Bühne und Publikum bestehende Lücke zu schließen. Seine sympathisch, schräge Performance ist Dreh- und Angelpunk der Band. Er verlässt immer wieder die Bühne in Richtung Publikum, bearbeitet zusammen mit Didier Dauvrin das Drumset und singt Kopf an Kopf mit Gitarrist Laurent Van Ngoc. Ihr drittes Album Think Ringo ist im Februar erschienen und die Jungs haben sogar extra zur WM einen Song für Ihren Favoriten geschrieben, Uruguay. Der Letzte Song an diesem Abend ist jedoch ein alter, Get drunk von Ihrem ersten Album Showstar. Was wohl als Aufforderung zu feuchtfröhlichen feiern zu verstehen ist.

Den Endspurt des Abends legen dann Mayqueen hin. Wie der Name leicht erraten lässt, eine Tributeband, die das Werk der unvergleichlichen Queen auf die Bühne bringt. Danach erfolgt für den ersten Tag der Abpfiff.

Sonntag, der 27.06.2010. Im Gegensatz zum gestrigen Tag gibt es heute Programm auf insgesamt 10 Bühnen und Locations.

Es ist 14 Uhr als Mit Ohne Alles als erste Band des zweiten Tages auf der Bühne des Stadtparks tritt. Die fünf sympatischen jungen Sänger kommen aus der Nachbarstadt Aachen und machen Acappella-Musik. Erst vor kurzen erschien ihre erste EP "Für den kleinen Hunger". Sie unterhalten das sich sonnende Publikum mit charmant, witzigen Texten aus eigener Feder und auch die ein oder andere Coverversion wird zu Gehör gebracht. Die fünf sind perfekt aufeinander eingestimmt und je länger der Auftritt dauert, desto mehr Zuhörer finden sich im Stadtpark ein. Tobias Malms, Yannick Flaskamp, Karsten Patzer, Fabian Imdahl und Axel Sixt zeigen das man auch ohne Intrumente sehr schöne Popmusik präsentieren kann.

Der erste Umzug steht an. Auf der Hauptbühne steht die Show von Miss Platnum an. Ruth Maria Renner aka Miss Platnum und ihre achtköpfige Band haben heute wohl den undankbarsten Startplatz. Ihre Stagetime ist fast zeitgleich mit dem Anpfiff des Achtelfinalspiels Deutschland gegen England und man könnte fast meinen, dass man ihnen den Unmut darüber ansieht, als sie auf die noch spärlich besuchte Bühne kommen. Von Resignation ist aber keine Spur. Mit Solange Miranda-Wieland und Grace Risch an ihrer Seite, locken die drei Powerfrauen die Zuschauer aus den Schatten vor die Bühne des Werthplatzes. Nach der Hälfte des Sets verabschiedet sich die Balkanqueen kurz von der Bühne um sich, wie sie sag, mit einem Schnitzel zu starken. Während der Imbisspause verkürzt die Band die Wartezeit mit ein wenig Balkanfunk. Frisch gestärkt und neu gestylt kommt sie dann zurück um der gewachsenen Menge weiter einzuheizen. Nach etwa einer Stunde ist erst mal Schluss und Miss Platnum und die Band gehen von der Bühne, um mit Mercedes Benz und einer Coverversion von Alors on danse als Zugaben noch einmal vor das begeisterte Publikum zu treten. Ein ehrlich erarbeiteter Erfolg unter widrigen Bedingungen. Man kann sogar sagen ein deutlicher Sieg, genau wie später dann auch im Spiel Deutschland gegen England.

Kleiner Stellungswechsel. Im Stadtpark geht Habib Koité aus Mail mit seiner Band auf die Bühne. Seine Musik steht unter dem großen Banner Weltmusik. Neben den schönen gefühlvollen Songs ist wohl das Duell zwischen Habib Koité und Mahamadou Koné an den Talking Drums besonders sehens- und hörenswert.

Wieder zurück an der Hauptbühne steht der Auftritt von The BossHoss kurz bevor. Die Sonne brennt auf den Asphalt und jeder Tropfen Wasser wird vom Körper dankbar aufgenommen. Pünktlich um 18.00 geht es weiter im Programm. The BossHoss aus Berlin/Missisippi betreten die Bühne. Im Gegensatz zu Ihrem letzten Auftritt beim EMM 2007 hat sich Ihre Show ein wenig verändert, Ihr Programm besteht nicht mehr fast aus schließlich aus Coverversionen bekannter Songs im Countrygewand. Mit dem aktuellen Longplayer haben sie vermehrt eigene Stücke im Gepäck und schlangen auch etwas rockigere Töne an. Irgendwie an die Beatsteaks, die vor nicht allzu langer Zeit zum dritten Mal in Eupen zu Gast waren, erinnert fühlt man sich, als dann Alec Völkel zum Höhepunkt der Show auf seinem Surfboard auf die Menge heraus paddelt.

Während The BossHoss noch die Mainstage rocken, geben im Stadtpark die Customs ihr Repertoire zum Besten. Die Belgische Band um der Sänger mit dem klangvollen und langen Namen Kristof Marie August Albert Uittebroek wirken jedoch ein wenig hüftsteif, besonders wenn man noch ein paar Minuten zuvor die Berliner Cowboys bei ihren Hüftverrenkungen beobachtet hat.

20.15 Uhr, das nächste Highlight kündigt sich auf der Hauptbühne an. Fettes Brot sind zurzeit auf Festivaltour und waren gestern noch beim St. Gallen Open Air zu Gast. Als die drei Hamburger Jungs mit Ihrer achtköpfigen Band, dem Nerverkostüm, die Bühne geentert haben eröffnen sie mit Emanuela. Ab diesem Moment fegt eine steife Brise Hit für Hit über den Werthplatz. Fast Heimspiel in Eupen hat der Keyborder, Saxophonist und Mann mit der Mundharmonika Taco van Hettinga, der ganz in der Nähe aufgewachsen ist. Während seines Mundharmonikasolo fällt Doctor Renz vor Ihm auf die Knie und verharrt mit gefalteten Händen. Auch Pascal Finkenhauer ist Teil des Nervenkostüms und so erklingt An Tagen wie diesen mit seiner gewohnt markanten Stimme im Refrain. Das ganze Konzert wird von vom Rumgequatsche und den Kalauern der drei begleitet. Nachdem schon viele Tophits, zuletzt Jein, gespielt sind, herrscht zwischen Boris und Martin Uneinigkeit ob die Show jetzt schon zu Ende ist, oder sie noch einen raushauen sollen. Die Angelegenheit wird per Armdrücken gleich auf der Bühne geklärt. Boris gewinnt unter lautstarken Anfeuerungen aus dem Publikum und die Show geht mit Nordish By Nature, das eigentlich auf keinem Konzert der Brote fehlen darf, zu Ende.

Bei einem Abstecher in den Stadtpark findet man diesen jetzt in Tanzlaune vor, die von der Parov Stelar Band weiter angeheizt wird. Mit Ihrem Electroswing, einer Mischung von Jazz und Housemusik und einer quirligen Sängerin an der Spitze haben sie eine Party entfacht, die noch lange dauern soll.

Mit K's Choice geht der Musikmarathon 2010 auf dem Werthplatz in die letzte Runde. Nach 7jähriger Abstinenz meldet sich eine der erfolgreichsten belgischen Bands mit einem neuen Album auf der Bühne zurück. Sarah Bettens, die leider auf ihren kranken Bruder und Gitarrist Gert auf der Bühne verzichten muss, schafft es leider nicht, trotz des unglaublich fetten Rocksounds und beeindruckender Lightshow, den Funken im Publikum ankommen zulassen. Es zeigt sich, dass es nach so langer Abwesenheit ein hartes Stück Arbeit ist nicht nur auf die Bühne, sondern auch in die Herzen der Leute zurück zu kommen. Nach 2 Zugaben geht der 19 Eupener Musik Marathon zu Ende und zu den Klängen von Placebos Song to say Goodbye treten Besucher ihren Heimweg an.

Was bleibt ist die Erinnerung an ein abwechslungsreiches Festival, bei schönstem Wetter und einem legendären Sieg der deutschen Elf gegen die Englischen Kicker und die Vorfreude auf das nächste Jahr, wo zum 20. Geburtstag ein großartiges Lineup zu erwarten ist.