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Volkspark Dutzendteich



Datum: 03.06.2010

Rock im Park 2010

4 Tage tolles Wetter, tolle Musik und tolle Menschen

Nürnberg (m2w)    Mit einem fulminanten Start hat die Festivalsaison in Deutschland am vergangenen Wochenende in Nürnberg ihren Auftakt gefunden. Hier ging eines der beiden Zwillingsfestivals Rock im Park oder am Nürburgring Rock am Ring, dieses Jahr mit einem viertägigen Line-Up, über die Bühne.

Festivalgalerie


Donnerstag

Und pünktlich zu Festivalbeginn am Donnerstag hatte auch der Wettergott ein erbarmen und sich als Rock’n’Roll-Fan geoutet. Verlief die Anreise noch in strömendem Regen und auf matschigen, aufgeweichten Campingplätzen, kamen rechtzeitig zum Festivalauftakt mit Turbostaat die ersten Sonnenstrahlen hervor. Reagierte das Publikum zu Turbostaat noch etwas verhalten – hinter vielen Besuchern liegt eine lange Hinfahrt, manche sind schon, obwohl es eigentlich nicht erlaubt ist, Mittwoch morgens angereist – wurde das Potenzial der Masse zu Rage Against The Machine, die den ersten Höhepunkt des Festivals boten, schlagartig in die Energie umgesetzt, die Konzerte und Festivals zu etwas ganz besonderem, machen.
Es ging nach oben, nach unten, nach links und nach rechts. Spätestens jetzt hat die Achterbahnfahrt, in die sich die rund 60.000 Festivalbesucher mit 4-Tages-Bändchen gestürzt haben, begonnen.
Zu dieser Achterbahnfahrt zählt neben der ständigen Beschallung durch gute Musik, sowohl vor den Bühnen, als auch auf den Campingplätzen durch die Nachbarn, auch die praktisch nicht vorhandene Hygiene über vier Tage Festival, wenig Schlaf, lange Laufwege und immer die falschen wetterabhängigen Utensilien.
Auf dem Zeppelinfeld, auf dem vor 70 Jahren noch die schlimmsten Verbrechen der Menschheit, begangen wurden, wird dieser Tage, wie jedes Jahr seit Mitte der 90er ein friedliches Festival veranstaltet. Ein Festival welches unterschiedlichste Kulturen vereint, die alle nur eines im Kopf haben: Rockmusik und gute Shows. Shows, die den augenscheinlich teuren Preis von bis zu 170 Euro pro Ticket, schnell relativieren.
Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass man vor der Bühne auch mal eine Gruppe aus gefühlten 20 Israelis trifft, die alle nur wegen diesem einen Festival nach Europa geflogen sind. So ist doch auch Rage Against The Machine eine Band, die in jedem Lied eine ganz eigene Revolution, eine friedliche und kulturell offene Denkweise, ausruft.
Ihr absolutes Highlight heben sie sich bis zum Schluss auf: „Killing in the name of“.


Freitag

Dass die kommenden Tage anstrengend werden zeigt der Wetterbericht. Dem Festivalbesucher reicht dazu der Blick aus dem Zelt. Gleißender Sonnenschein eröffnet den Freitag und die Temperaturen steigen schnell zur 30-Grad-Grenze. Die Behausungen der Campingplatzbewohner gleichen nun eher einer Sauna als einem Kühlschrank, den man auch bei warmen Tagen nachts erwarten kann. Frei nach dem Motto „Nur die harten kommen in den Garten“ türmen sich auf dem Campingplatz mit der Nummer C4 jetzt schon die ersten Müllberge. Die Geruchsbelästigung durch Urin in der Nähe irgendwelcher Gebüsche wird auch immer unerträglicher. Von den Festivalbesuchern interessiert das die wenigsten. Wer hier ist, stellt sich auf vier Tage Chaos ein. Außenstehende würden sofort den Katastrophenschutz rufen.
Glücklicherweise wird dieser nicht benötigt. Das Zusammenspiel zwischen privaten Sicherheitsdienstleistern, Polizei, Feuerwehr und Sanitätern funktioniert an diesem Wochenende perfekt, so dass es, bis auf eine geringe Zahl an Diebstählen in den Bühnenbereichen und auf den Campingplätzen, keine besonderen Vorkommnisse auf dem Festivalareal gab. Einzig und allein der Todesfall eines Festivalbesuchers, der in der Nähe eines S-Bahnhofes von einem Zug erfasst worden ist, überschattet den Tag. Dies liegt jedoch nicht im Machtbereich des Veranstalters und auch die meisten Besucher kriegen davon nichts mit.

Traditionell spielen die ersten Bands des Tages auf der Alterna Stage. Eine relativ konventionelle Bühne, die dieses Jahr im Gegensatz zu den letzten Jahren Videowalls bietet. Das Programm orientiert sich heute an namhaften Größen, aber auch unbekannten Gruppen der Rockmusik.

Eröffnen dürfen den Freitag die Dänen von Carpark North (zu den Fotos). Sie gelten als Geheimtipp und somit bleibt der Platz vor der Bühne zu dieser Band leider noch relativ leer. Auf den Campingplätzen ist dafür gerade beste Grillzeit oder Zeit sich zu sonnen.
Der Festivaltag startet gemütlich.

Schon bekannter dürften hingegen die Cancer Bats (zu den Fotos) sein, deren Markenzeichen todessehnsüchtiges Geschreie ist. Noch im vergangenen Jahr gingen sie mit Billy Talent auf Tour und konnten dort erste Erfolge verbuchen. Im vorderen Wellenbrecher der Alternastage bilden sich jetzt schon die ersten Circle Pits und liefern für Menschen, die sich da nicht mitten rein stellen, beeindruckende Bilder.

Ein Festival, welches aus mehreren Bühnen besteht erzwingt auch bei den Besuchern eine regelrechte Planung ihres Erlebnisses. Es müssen Laufzeiten eingeplant werden und eventuell muss man auch einkalkulieren, dass man Bands sehen muss, die man nicht sehen möchte, um bei einer anderen Band vorne stehen zu können.
Auf dem Weg von der Alternastage zur Centerstage begegnen einem viele solcher Menschen. Zwischen Verkaufsständen, hauptsächlich aus gastronomischen Bereichen, bewegen sich die Menschenmassen, wie ein Fluss, zu den Bühnen. Das ist am frühen Nachmittag noch nicht so viel. Wenn allerdings die Headliner spielen und zu Ende gespielt haben, wird es auch noch einmal auf den Wegen eng. Ein Gegen-den-Strom-Schwimmen wird dann fast unmöglich.

Möchte man nun zu Pendulum, lohnt sich ein Weg über die Steintreppe der Centerstage. Auch wenn die Sicht, dieses Jahr leider durch einen Banner versperrt wird, ist der Blick, der sich darunter zu den Menschenmassen vor der Bühne und darüber zur Bühnenkonstruktion selbst auftut, ein beeindruckender. Pendulum zeigen zugleich auch die Bandbreite, die ein Festival, welches den Namen „Rock“ im Titel trägt, mittlerweile hat. Schon längst nicht mehr ist alles, was hier spielt, nur noch Rockmusik. Auch Pop, Hip Hop und elektronische Klänge lassen sich in das persönliche Festival Line-Up mit einplanen. Pendulum machen Musik der letzten Sorte und covern auch The Prodigy, die im Jahr zuvor sogar noch Centerstage Co-Headliner waren.

Eine Band des Hip Hop-Genres schließt sich auf der Alternastage an. Dizzee Rascal (zu den Fotos). Sie können schon zu dieser Zeit sehr gute Stimmung machen und wissen mit ihrer Live-Qualität zu überzeugen.

Rockig wird es auf der Alternastage dann mit Bad Religion (zu den Fotos). Da stehen Rockstars auf der Bühne, die nicht wie solche aussehen. Der musikalischen Qualität der Punkrockurgesteine tut dies keinen Abbruch. Die Jahre auf Tour sind den Musikern ins Gesicht geschrieben. Einige von ihnen sehen schon aus, wie Rentenempfänger, der Stimmung auf der Bühne und im jungen Publikum schadet dies jedoch nichts. Nur die Musik hat sich über die Jahre hinweg weiter entwickelt. Das letzte Studioalbum wurde 2007 veröffentlicht. Dieses Jahr folgte ein Live-Album und so sieht dann auch die Setlist bunt gemischt über die Hits der Band aus 30 Jahren Rockgeschichte aus. Da darf dann auch zum Abschluss „Sorrow“ nicht fehlen.
Einzig und allein die Kenntnisse in Sachen Fahnenkunde müssen aufgefrischt werden. So war man sich nicht sicher, ob der eine Konzertbesucher mit der Fahne nun aus Tschechien oder Costa Rica kommt.

Nach den Rockopas von Bad Religion dürfen die Herren von Gogol Bordello (zu den Fotos) die Bühne stürmen. Ihr Stil ist von den traditionellen Klängen der Sinti und Roma inspiriert und so wirkt dann auch ihr Outfit auf einen. Gespickt mit Punkrock ergibt sich eine Mischung aus Musik, die an Flogging Mollys Folk Punk erinnert und auch ein dementsprechend begeistertes Publikum hinterlässt.

„Wir könnten Freunde werden“. So schrieb schon Thees Uhlmann über eine Band, die nach Gogol Bordello auf der Alternastage folgte und im Rahmen eines der Standardwerke der deutschen Bandbiographien schon 1999 bei Rock im Park, als die Centerstage noch im damaligen Frankenstadion, heute EasyCredit-Stadion, stand, waren. Die Rede ist von Tocotronic (zu den Fotos). Diese gaben sich dieses Mal mehr als rockig. Kommen sonst ihre Studioalben etwas ruhiger und poppiger rüber, kann man bei ihrem Live-Auftritt im Park schon fast sagen, dass sie sich sehr gut in das gesamte Alternastage-Line-Up eingliedern. Und so spielen sie sich auch einmal komplett durch ihre gesamte Bandgeschichte und lassen in den kurzen 55 Minuten Spielzeit keinen Hit aus. So gibt es dann neben einigen Liedern der beiden aktuellen Alben, auch Klassiker, wie „Let there be rock“ gespielt. Selbst Bewegung auf der Bühne war kein Fremdwort, womit sich die große Bühne dann auch gut ausfüllen ließ.
Anschauen sollte man sich diese Band aber definitiv doch noch einmal in einem kleineren Rahmen, in dem die Atmosphäre eine ganz andere ist.

Ganz langsam setzt der Sonnenuntergang ein und kann somit die erste Abkühlung schaffen. Die ersten Sonnenbrände sind schon am Freitag verteilt und die letzten Bands betreten die Bühne. Auf der Centerstage haben Rise Against nach einem tollen Auftritt, vor einer Menschenmenge, die leider größtenteils nur auf Rammstein wartetete, das Zepter abgegeben. Wer jetzt eine international bekannte Band sehen möchte, kann zur Alterna Stage wechseln.

Da spielen The Hives (zu den Fotos) und geben vor dem zahlreich erschienenen Indie-Publikum wirklich alles. Von Anfang bis Ende gibt es für Sänger Pelle Almqvist kein Halten mehr. Schon beim dritten Lied steht diese Rampensau nicht mehr auf der Bühne, sondern findet den Weg über die Boxen ins Publikum rein. Von „Hate To Say I Told You So“ über „Walk Idiot Walk” bis hin zu „Tick Tick Boom” und „Won’t Be Long” spielt die Band wirklich alles, was das Herz eines Indie Rock-Fans begehrt.

Unaufhaltsam führen die Wege schon während des Hives-Konzertes Richtung Centerstage. Egal, ob man die Musik mag oder nicht, auf einem Festival nimmt man sie mit: Rammstein. Bei der gesamten Presse sind sie durch ihre harten Konzertfotoverträge und ihr abmahnfreudiges Verhalten in Ungnade gefallen. Dass die Show dennoch einmalig ist, können selbst Berichterstatter und Leute, die die Musik nicht mögen, nicht abstreiten. Von vorne bis hinten scheint jeder Schritt durchgeplant zu sein. Die Bühne mutiert zu einer Feuerwerkskörperabschussbasis. So kriegen selbst Besucher, die das Konzert nur vom hinteren Rand des Zeppelinfeldes sehen können, eine einmalige Show dargeboten. Vorne schafft es Till Lindemann durch die verschiedenen Outfits, die in ihrer Stückzahl Madonnas Kleiderschrank locker das Wasser reichen können, zu beeindrucken. Im Stechschritt geht es durch einige Lieder und so wird da schon die Frage aufgeworfen, ob das jetzt an diesen Ort passt oder nicht. Nennen wir es eine Persiflage. Auch hinterher kann man sich bei einigen Effekten nicht sicher sein, was real ist und was nicht. Nicht real war definitiv der Keyboarder, dessen „Leiche“ in der Badewanne versenkt wurde, aber wie real oder auch nicht real war die Szene in der ein vermeintlicher Konzertbesucher in Brand gesetzt wird, dreimal über die Bühne läuft, gelöscht wird und hinterher von Securities abgeführt wird? Mit ziemlicher Sicherheit war es ein Stuntman, aber besteht nicht doch eine geringe Möglichkeit, dass selbst bei einem durchgeplanten Pyrogewitter ohne Möglichkeit zur Improvisation ein paar ungeplante Szenen auftauchen?

Über diese Frage lässt sich später noch weiter philosophieren. Fakt ist, dass es jetzt auf der Alternastage den krönenden Abschluss des Freitag Abends gibt. Musiker von Weltklasse gehen hier auf die Bühne. Die Them Crooked Vultures (zu den Fotos). Zu nennen gibt es da in der Grundbesetzung Josh Homme (Queens of the Stone Age) am Gesang und der E-Gitarre, Dave Grohl (Foo Fighters, Nirvana) am Schlagzeug und John Paul Jones (Led Zeppelin), der alle restlichen Instrumente bedient, wie es scheint. Live begleitet sie außerdem noch Queens of the Stone Age-Gitarrist Alain Johannes. Da kommen gefühlt mehrere hunderte Jahre an Rockgeschichte zusammen und genauso geht es dann auch los.
Schon das Album ist musikalisch so absolut genial, dass man sich bei Eric Clapton und anderen Rock- und Bluesurgesteinen nicht mehr viel abgucken muss. Live werden die Lieder, die sich auf dem Album befinden zusätzlich noch mit minutenlangen Soli gekrönt mit denen sich die Musiker noch mal mehr zu Legenden machen, wenn sie nicht schon welche sind.


Samstag

Festivaltag 3 steht vor der Tür. „Schon?“ werden sich einige Leute fragen. Ja, schon. Wer jetzt noch keine Dusche gesehen hat, sollte dies dringend nachholen. Tut man dies nicht, darf man sich zu den geschätzten 30 Prozent an Hardcore-Festivalbesuchern zählen, die auch vor den mittlerweile immer höher werdenden Müllbergen auf C4 und anderen Campingplätzen nicht zurück schrecken, die nicht davor zurück schrecken ihre Notdurft überall, nur nicht in die dafür vorgesehenen Dixies oder WC-Container zu entrichten. Das ist Festivalfeeling, hier darf jeder ausklinken. Andere Leute nennen da auch Begriffe, wie Steinzeit und Neandertal.
Wer sich heute nicht mit Sonnencreme eincremt, wird den Tag auf alle Fälle mit einem Sonnenbrand beenden. Auch der Autor dieses Artikels hatte einen leichten Sonnenbrand davon getragen, obwohl die Haut so sonnenresistent ist, dass dies noch nie zuvor in seinem Leben geschehen ist.

Immerhin reagieren die Securities und so gibt es gerade in den vorderen Wellenbrecherbereichen eine ausreichende Wasserversorgung.

Kann man sich die ersten Bands auf der Alterna- oder Centerstage, je nachdem wo man campt, noch vom Zelt aus anhören, zieht es viele Besucher gerade zu Slash aus ihren Zelten richtung Centerstage. Und das ist auch okay so, immerhin tritt da einer der weltbesten E-Gitarristen auf, den man dann in Ranglisten auch immer in Höhen sieht, in denen sonst Eric Clapton, Mark Knopfler, Jimi Hendrix und Santana das Sagen haben. Höhepunkt ist die „Sweet Child of mine“-Version des ehemaligen Guns’n’Roses-Gitarristen.

Auf der Alternastage darf sich im Programm Kate Nash (zu den Fotos anschließen. Süß, zerbrechlich und mit einer engelsgleichen Stimme verkriecht sich die Frau, die sich auch vom Aussehen her nicht verstecken muss, etwas hinter ihrem Piano. Nebenbei, wo ist eigentlich die Lena-Manie hin, die einem noch bis Anreise zum Festival gefolgt ist? Plötzlich verschwunden, oder ist unter einer Anzahl von Festivalbesuchern, die einer mittleren Stadt entsprechen, nicht einer dabei, der Lena hört? Egal, Kate Nash steht auf der Bühne. Die Original-Lena. Sie spielt zwar nicht „Satellite“, aber dafür hat die deutsche Kate Nash von der englischen Kate Nash im Rahmen von Stefan Raabs Castingshow „Unser Star für Oslo“ ja immerhin „Foundations“ und „Mouthwash“ gecovert. Der Funke will trotzdem nicht auf das Publikum überspringen. Dies kann entweder an der poppigen Musik liegen. Dies kann aber auch daran liegen, dass Kate Nash sich zwar unglaublich gut darauf versteht mit ihrer Band kleine Clubbühnen auszufüllen, dies jedoch, da sie nur hinter ihrem Piano sitzt, auf einer Festivalbühne nicht funktioniert.

Mehr Leben auf der Bühne kehrt dafür wieder zu Kasabian (zu den Fotos) ein. Sowohl vor, als auch auf der Bühne spürt man, wie die Festivalbesucher merklich in Bewegung kommen. Über die 50 Minuten, die Kasabian zur Verfügung stehen, läd sich die gesamte Energie auf, um zur Single „Club Foot“ schlagartig zu explodieren. Als hätten sämtliche Besucher nur darauf gewartet, dass dieser Klassiker einer Band kommt, die mit der Bandgründung im Jahr 1997 ja doch schon älter ist als der Ruf, der ihnen voraus eilt.

Für Fans von gepflegtem Indie-Pop dürften Kasabian das erste richtige Highlight des Tages gewesen sein. Der absolute Höhepunkt in der Sparte Indie wird jedoch mit den Editors (zu den Fotos) erreicht, die sich mit Kasabian direkt die Klinke in die Hand drücken.
Durchweg spielen die Editors sich schnell zurück in die Herzen der Fans vor der Bühne. Von den anwesenden Besuchern im vorderen Wellenbrecherbereich wird auch niemand früher gehen, nur um rechtzeitig beim Samstagsheadliner auf der Centerstage zu erscheinen. Lieber wird den Songs des aktuellen und dem Vorgängeralbum zugehört, die den erfolgreichen Weg der Band mitbegründen. Gerade live kann Sänger Tom Smith immer wieder durch seine Stimme mit einer Bandbreite zwischen The Cure, REM und Joy Division überzeugen, aber auch die anderen Musiker auf der Bühne machen einen fantastischen Job. Wenn Bassist Russell Leetch zu „Smokers outside the hospital doors“ seine Stimme durch einen Vocalizer jagt und damit einen Chor nachahmt, klingt dies original wie auf dem Album. Mit einem kleinen Feuerwerk (große hatte man mit Rammstein zur Genüge gehabt), in Form von Feuerfontänen verabschieden sich die Editors zum Lied „Papillon“ von der Bühne. Genial, immer wieder.

Während Kiss gerade eine ihrer fantastischen Shows auf der Centerstage als Headliner spielen, dürfen sich die Besucher, die sich vor der Alternastage eingefunden haben auf eine weitere Unplugged-Show der Sportfreunde Stiller (zu den Fotos) gefasst machen. In fast 90 Minuten Spielzeit wird das Publikum zwar nicht zum sonst, auch bei den Sportfreunden üblichem Pogo, getrieben, aber gut für Jan Delay angeheizt. Mit Anspielungen Richtung Kiss (ohnehin in „Lass mich nie mehr los“) aber auch in der Bitte nach einer Lautstärke, dass Gene Simmons taub wird, schaffen es Sportfreunde noch einmal die Herzen etwas mehr für sich zu gewinnen. Wer es bisher vermisst hat, hat hier dann auch endlich „54, 74, 90, 2010“ in einer Unpluggedversion bekommen. Und so geschieht es dann auch, dass Rock im Park in astronomischen Höhen (letzter Stand 7:0) gegen den Ring gewinnt.

Was man vor den großen Bühnen nicht gemerkt hat, ist der große Andrang auf die Clubstage. Durch die Wahl an Bands auf der Center- und Alternastage, konnte Heaven Shall Burn die härteren Rocker bekommen, was dann dazu geführt hat, dass die Clubstage zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen solchen Andrang hatte, dass in der Arena Nürnberger Versicherung, sämtliche Sitzplatzränge freigegeben worden sind. Das nennt sich Erfolg. Hier kriegen Bands teilweise mehr Publikum ab, als weitaus bekanntere Bands in anderen Hallen. Glaubt man den Zahlen auf Wikipedia, passen zu Konzerten 11.000 Besucher in diese Halle.

Auf der Alternastage interessiert der große Andrang auf der Clubstage, der selbst zu den genialen Punkrockern der Broilers nicht aufhört, niemanden wirklich. Jan Delay (zu den Fotos) heizt hier nochmal die Stimmung ordentlich auf. Die Sonne ist schon während den Sportfreunden endgültig verschwunden, so dass es kühl genug für Sport der feinsten Sorte ist. Schon in den ersten Liedern ist das Publikum voll aufgefordert mitzumachen.
Da tut es dann auch nichts zur Sache, wenn auf einmal das In-Ear-Monitoring-System ausfällt und das Konzert deshalb unterbrochen werden muss. Man erzählt dem Publikum einfach Witze. Herrlicher Entertainer, der Typ. Das In-Ear-Monitoring-System kann bei solchen Einlagen ruhig öfter ausfallen. Und natürlich wurde die Zeit, die durch die Reparatur benutzt werden musste, hinterher noch hinten angehängt. Alles genehmigt durch eine sehr spontane Aktion der Stadt und des Veranstalters.


Sonntag

Ein neuer Tag mit neuen Überraschungen. Langsam wird es Zeit sich von diesem Festival, einer Welt in der alles anders ist, als draußen im Alltag, zu verabschieden. Es hat was von Urlaub mit Musik. Wer nach zwei sonnengetränkten Tagen jetzt noch genügend Trinkwasservorräte hat, darf sich glücklich schätzen. Alle anderen müssen in diesen ersten heißen Tagen des Jahres eine Wasserstelle aufsuchen, sich bei ihren Zeltnachbarn durchschnorren, oder in einem der vielen Survival Supermärkte auf dem Festivalgelände oder Tankstellen um das Volksparkgelände Dutzendteich einkaufen gehen.
Auch heute sollte man nicht die Sonnencreme vergessen, denn die Sonne brennt wieder unaufhörlich.

Nachdem es vom Samstag nur Berichte von der Alternastage gab, wird es am heutigen Sonntag nur noch Berichte von der Centerstage geben. Das Line-Up macht es mit Gentleman, Gossip, 30 Seconds to Mars und Muse aber auch möglich.

Gerade Gentleman versteht es seine Fans zu beglücken. Neben Liedern vom Album „Diversity“ steigt die Stimmung vor allem bei seinen Klassikern, wie „Different Places“ oder „Superior“. Nachdem die Security gerade am heutigen Tag die Reihen mit Wasser vollspritzen, ließ es sich auch der Reggae-Musiker nicht nehmen einen Abstecher ins Publikum zu wagen und dort persönlich neben Hände abklatschen auch Wasser zu verteilen.

Bis Muse muss man sich heute noch gedulden. Erstmal darf sich Beth Ditto Gossip über das warme Wetter beklagen. Sie versteht es mit dem Publikum zu spielen und nimmt sich auch immer mal wieder Menschen aus der Masse heraus, die sie direkt anspricht. Gefühlsmäßig hat sie zudem deusche Wurzeln oder ist einfach nur zu oft in Deutschland unterwegs. So unterhält sie sich mit dem Publikum in schätzungsweise 50 Prozent ihrer Ansagen in einem, für amerikanische Verhältnisse, sehr guten Deutsch.
Als sie dann noch „Heavy Cross“ und „Standing in the way of control“ spielt gibt es für die Menge auch kein Halten mehr und sie überzeugt mit einer perfekten Setlist.

Das Festival neigt sich langsam dem Ende zu. 30 Seconds to Mars entern die Bühne. Eines der Festivalhöhepunkte. Gerade mit ihrem aktuellen Album „This is war“ welches von bombastischen Rockanteilen, im Stile einer rockigen Genesis-Version, nur so auseinander bricht kann sich die Band gut als Übergang zwischen den unkonventionellen Gossip und den perfektionistischen Muse einordnen. Sind die älteren Songs der Band noch Rocknummern mit deutlichen Emo-Anteilen, kann man das aktuelle Album, sowohl studiotechnisch als auch live direkt als Rockoper bezeichnen. Die Klasse von Green Days „American Idiot“ ist zwar nicht erreicht, aber man befindet sich auf einem guten Weg einen Platz in der internationalen Stadionbandszenerie des letzten und höchstwahrscheinlich auch diesen Jahrzehnts, die sich mehr und mehr von Rockurgesteinen zu jungen Alternative Rock-Bands ändert, einzunehmen. Dass die Fannähe stimmt, beweist Sänger Jared Leto zum grandiosen Abschluss „Kings and Queens“, bei dem er einigen Fans den Zutritt zur Bühne erlaubt, die dort zwar eigentlich mitsingen sollten, im Endeffekt aber mehr mit Fotos schießen beschäftigt sind.

Nun, nach 30 Seconds to Mars ist es endlich so weit. 40 Minuten Umbaupause haben uns getrennt. Dann darf auch der Videowallregisseur endlich an seinen Knöpfchen spielen und neben den beiden regulären Bildschirmen zusätzlich noch die, wabenförmig angeordneten, Monitore auf der Bühne steuern. Zu den Klängen von „MK Ultra“ kommen dann auch die sehnsüchtig erwarteten Muse auf die Bühne. Und schon jetzt lässt sich abschließend sagen, dass alleine zwei Headliner ausgereicht hätten, um bei Spiellängen, die denen auf ihren eigenen Konzerten annähernd gleich kommen und dem gesamteigenen Bühnenoutfit, welches sie mitbringen, den Preis von bis zu 170 Euro voll und ganz zu rechtfertigen. Aber nein, nach MK Ultra liegen noch weitere 85 Minuten Muse vor uns. Mit einer gekonnten Licht- und Lasershow beschwören die Musiker um Sänger Matthew Bellamy nicht nur die vollständige geistige Einnahme ihrer Fans herauf, sondern auch den lang erwarteten, Kühle spendenden, Regen, der aber leider auch den Startabbruch eines echten Muse-UFOs zu verantworten hat. Sie spielen sich einmal durch alle ihre Alben, so dass hinterher die Setlist neben den Songs „United States of Eurasia“, „Resistance“ und „Undisclosed Desires“ auch die Allzeitfavoriten „Starlight“, „Time Is Running Out“ oder „Supermassive Black Hole“ beinhaltet.
Den absolut krönenden Abschluss eines Festivals, welches man nur ungern verlassen möchte, weil man sich hier fühlt, als ob für vier Tage einfach mal die Zeit angehalten worden ist und man sich nur um wenige Dinge Gedanken machen muss, macht dann „Knights of Cydonia“. Nein, Muse muss man nicht erklären, wie Festivals funktionieren. Aber wenn die Band noch bekannter wird, werden sie bald zu groß und zu teuer für solche sein.

Petrus hat derweil seine Schleusen geöffnet und bringt Regen über das mittlerweile staubtrocken gewordene Festivalgelände. Einige Besucher reisen in der Nacht schon ab, einige halten es noch bis zum nächsten Morgen durch. Mit dem Regen schließt sich dann auch der Kreis zwischen einem grandiosen Start am Donnerstag und einem noch grandioseren Ende am Sonntag.

Rock im Park? Immer wieder.