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Konzertbericht

Bands
Jan Plewka

Locations
Rosenhof



Datum: 15.01.2010

Rio Reiser lebt

Kein Halt mehr für Jan Plewka

Osnabrück (ml)    Nachdem Selig letztes Jahr auf großer Reunion-Tour waren, geht es Anfang des Jahres 2010 auch weiterhin mit den Projekten von Jan Plewka weiter. Dieses Mal nicht mit Zinoba oder Tempeau. Wie schon in den Jahren zuvor ist er auf Tour mit dem Repertoire von Rio Reiser und Ton, Steine, Scherben. Letzten Freitag hat er dann auch einen Stop im Rosenhof gemacht.

Bilder zum Konzert
Die MySpace-Seite


Das Publikum, welches sich heute im komplett bestuhlten und auch ausverkauften Rosenhof einfindet ist bunt gemischt. Von Jung bis Alt ist alles dabei. Von Schülern, Studenten bis hin zur 68er-Generation sind alle gekommen, um Jan Plewka und Band dabei zuzusehen, wie sie die Lieder von Rio Reiser performen.

Erzählen muss man hier niemandem mehr, dass Jan Plewka zum Reiser-Repertoire passt, wie kein anderer. Vor genau einem Jahr ist er schonmal im Rosenhof aufgetreten. Auch dieses Mal wird es ein fulminanter Auftritt, der dem König von Deutschland würdig ist.
Nachdem sich das Publikum auf den Plätzen eingefunden hat, ging es mit etwas Verzögerung los.
Ohne, dass man irgendwelche Musiker auf der Bühne sehen konnte, erklang eine Akkustik-Gitarre und dazu der Gesang von Jan Plewka mit dem Lied "Stiller Raum". Und das war es auch. Der Raum war still - die Atmosphäre eher wie im Theater als auf einem Konzert.
Schnell wurde klar von wo die Musik kommt. Jan Plewka war samt Gitarre an der Bar, die sich draußen vor dem Konzertsaal befindet und hat dort das Konzert begonnen.
Langsam kam er dann in den Zuschauerraum, den er und seine Band während der nun folgenden Konzerte auch komplett ausnutzen sollten.
Zu "Halt dich an deiner Liebe fest" ging er dann auf die Bühne. Komplett ohne Mikrofon, welches er erst ab der zweiten Hälfte des Liedes benötigte, als seine Band einsetzte.
Ganz schnell kam man dann auch zum Ton, Steine, Scherben-Repertoire. So zum Beispiel mit "Keine Macht für Niemand", bei dem dann auch das sitzende Publikum die Fäuste in die Höhe streckte. Die Textsicherheit konnte das Publikum dann im Refrain von "Rauch-Haus-Song" beweisen, während dem die Band um ein künstliches Lagerfeuer herum saß.
Es geschieht selten, dass eine Band auf einem Konzert mehr Meter zurück legt als das Publikum. Hier schon. Für "Der Turm stürzt ein", auch noch aus Ton, Steine, Scherben-Zeiten, ging die Band mit Spendendose durchs Publikum ("Spendet bitte. Das ist sehr wichtig hier. [...] Hier geht es um unser Bier. Wir haben schon alles auf der Fahrt von Hamburg nach Osnabrück versoffen.").
Für einen Outfitwechsel nutzte Jan Plewka die "Irrenanstalt". Hier verließ er die Bühne, während ein Film zur Musik der Band abgespielt wurde, in der man augenscheinlich die gesamte Zeit Plewka hinter der Bühne beobachten konnte. Zurück kam er mit seiner, schon von Selig-Konzerten, bekannten roten Hose, dem weißen Hemd und den Lederstiefeln.
Zu "Unten am Hafen" saßen nur noch Jan Plewka und Lieven Brunckhorst, der Mann an den Tasten auf dem Sofa, welches auf der Bühne steht. Zusammen mit der restlichen Band dachte sich Lieven Brunckhorst jedoch, dass es wohl besser ist Jan Plewka das Akkordeon-spielen beizubringen, was dieser dann auch erfolgreich gelernt hat, und verschwand mit dem Rest der Band von der Bühne auf ein Bier an der Bar. Etwas schüchtern, aber für das geschauspielerte "erste Mal" hat Jan Plewka alles aus dem Akkordeon raus geholt, was sich raus holen ließ und begeisterte damit auch mit dem eher ruhigen Stück das Publikum.
Auch die DJ-Empore im Rosenhof wurde für ein Stück als Bühne genutzt und so blieb kein Quadratmeter im Saal von der Band unbetreten. Auch Träume gehen heute Abend in Erfüllung. Für den Rio Reiser-Klassiker "Für immer und dich" holte Jan Plewka eine Frau, ungefähr Mitte 20, auf die Bühne, die gegen Ende des Liedes sogar mit ihm Kuscheln durfte. Später hat sie Jan noch einen Text auf die Bühne gebracht, den er dann vorgesungen hat.
Nach "Somewhere over the Rainbow" folgte im Hauptteil nur noch "Junimond", welches, gespielt auf einem Reggae-Beat, auch das noch sitzende Publikum zum Stehen brachte.

Den Zugabenteil startete die Band mit "Alles Lüge". Gefolgt von dem schon gespielten Lied "Der Turm stürzt ein", dieses Mal komplett plugged und dem auch schon gespielten Lied "Keine Macht für Niemand" beendete man die Zugaben.
"Nach Hause" bildete dann den Abschluss eines großen Abends. Zum Finale ließ es sich auch Plewka nicht nehmen nochmal ins Publikum zu gehen und stellvertretend für den gesamten Saal, die komplette erste Reihe per Handschlag zu verabschieden.

Nein, eine Kopie von Rio Reiser ist Jan Plewka nicht. Auch keine Imitation. Jan Plewka ist er selbst und versteht es dabei wie kein anderer Rio Reiser wieder aufstehen zu lassen. Mit Liedern, die so klingen, wie im Original, aber auch mit eigenen Interpretationen bringt die Band das Ton, Steine, Scherben-Liedgut sogar ins 21. Jahrhundert, ohne dabei an Ernsthaftigkeit zu verlieren.
Würde Rio Reiser noch leben, ihm würde die Darbietung gefallen.