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Datum: 03.08.2018

Watt en Schlick Fest 2018

Sommer, Palmen, Sonnenschein was kann schöner sein?

Varel/Dangast (sd)    Naja, was kann schöner sein? Wie wäre es mit einem kleinen Festival, als Ersatz für die fehlenden Palmen? Wie wäre es mit dem wahnsinnig kuscheligen Watt en Schlick Fest oben im hohen Norden, am Jadebusen der Mutter Natur?

Flowin Immo beim Watt en Schlick Fest 2018 - Dangast Foto: Sven A. Droste

Das Watt en Schlick hat alles was es braucht. Strand, ganz viel Herz, dazu ein feines Line-Up und noch echtes Glück mit dem Wetter. Wo im Letzten Jahr noch mit Sturmwarnung die Show von Bilderbuch unterbrochen werden musste, herrschte in diesem Jahr nur eitel Sonnenschein. Und wem das dann zu viel Sonne wurde, der hatte die Gelegenheit kostenlos natürlichen Sonnenschutz aufzutragen. Schlick ist immer genug da, für alle und da geht, bei ordnungsgemäßer Anwendung, auch kein einziger Sonnenstrahl durch.
 
Das Setup des Festivals hat ich etwas vergrößert. Man hat sich am Strand breiter gemacht, das Zirkuszelt etwas weiter von der Standbühne weg gestellt und die Futtermeile an den Hafen verlegt, so dass alles etwas mehr Raum hat. So ist in diesem Jahr die maximale Ausdehnung erreicht und das Festival kann hier kaum noch weiter wachsen. Eigentlich ist das was gutes, denn so bleibt der Charme und die Gemütlichkeit, die das Watt en Schlick ausmacht, erhalten.

Im Jahr 2018 trifft man alte Bekannte, Flowin Immo, der immer da ist und die Paletten Bühne hostet. Nicht ohne seine schon legendäre Improvisation mit Loopdeck und Freestylerap, logisch.

Auch Fatoni, der kurzfristig für den erkrankten Ahzumjot - gute Besserung - einspringt, ist wieder da, und liefert erwartungsgemäß ab. Beim Heimspiel im Zelt geht 's heiß her. Es scheint ihm hier zu gefallen, den man sieht ihn auch am nächsten Tag noch über das Festival streichen oder bei einem Jam mit Kollegen.

Die Parcels aus Neuseeland sind 2018 auf der großen Bühne am Strand und genießen das Wetter und die Aussicht. In bester Laune spielen sie ihr Set und verbreiten damit großartige Stimmung. Im Sand wird getanzt was die Flip-Flops hergeben.

Sowieso alle, die auf der Strandbühne stehen sind beeindruckt vom Ambiente. Wo gibt es das schon? Freier Blick von der Bühne aufs Wasser, sofern es denn da ist. Die erste die in diesen Genuss kommen darf ist am Freitagnachmittag Jade Bird. Die junge zarte Engländerin, wirkt bei ihrer solo Show zuerst etwas verloren auf der großen Bühne. Das legt sich aber schnell und so wie die Sonne sie anstrahlt, so strahlt sie zurück und begeistert die, die sich schon für den ersten Gig des Festivals versammelt haben.

RDGLDGRN, aus Washington DC nehmen in Ermangelung an Wasser, es ist mal wieder Ebbe, am Nachmittag ein Bad in der Menge und lassen die Leute im heißen Sand tanzen zur Musikmischung aus Afro-Beat, Indie-Rock und Old School-Rap. Trotz der Farbgebung im Namen sind die US-Musiker aber nicht der Weltmusik, sondern eher den Washingtoner Wurzeln des Hardcore zugewandt.

Einen speziellen persönlichen Höhepunkt setzte die Lesung von Selim Özdoğan. Autor von wunderbaren Büchern, wie Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist oder Ein gutes Leben ist die beste Rache. Seit seinem Debüt, dem Buch mit dem toten Pferd sind ein paar Jahrzehnte vergangen in denen der Kölner das ein oder andere Werkverfasst hat. Seine Lesung im Zelt ist Spannend und witzig, Selim Özdoğan hat einen wunderbaren schrägen Humor, der sich auch quer durch seine Werke zieht. Leider ist die Lesung schlechter besucht als sie es sein sollt.

Das Freitagabendprogramm auf der Strandbühne bestreiten 2 Acts, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Zum einen Gisbert zu Knyphausen, Song-Poet und Songwriter, zum anderen Haiyti, laut Zeit die aufregendste Rapperin Deutschlands. Zum einen klassischer Gitarrenpop mit einer Spur Melankolie und Tiefgang, zum anderen modern und laut von Trap bis Dancehall. Beide Knyphausen und Ronja Zschoche alias Hayiti ziehen ihr Publikum in ihren Bann und bieten mitreißende Shows mit Blick aufs Meer.

Das war aber noch nicht, ein schönes Betthupferl und Kontrastprogramm zu Hayiti Performace liefert Johnny Rakete auf der kleinen Palettenbühne. Old School Beats und gewitzte Rhymes des Fürthers sind eine Freute für jeden Liebhaber des gepflegten Raps. Johnny Rakete ist jemand, der immer Weiß wo sein Handtuch ist.

Das Watt en Schlick Fest 2018 ist ein Sommerurlaub mit Musik, quasi mit eingebautem Soundtrack, den man chillend konsumieren oder auch tanzend mitfeiern kann.

Für manch einen ist es sogar die Geburtstagsfeier. Drangsal zum Beispiel feiert am Samstag seinen Geburtstag mit seiner Band und dem Publikum im Zelt. Geschenke gibt es für alle. Drangsal teilt seinen Kuchen und den Champagner, den er von der Watt en Schlick Crew bekommen hat. Dazu Musik und Drangsal und Band drehen zur Feier des Tages richtig auf. Herzlichen Glückwunsch!

Zur Nacht auf der Strandbühne: Fat Freddy's Drop mit ihren fetten, Bläser gesättigten Sound. Es groovt, so dass der Strand wackelt.

Aber mit Groove und Beats kennt sich das Gelände ja eh schon aus, denn Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi orakeln da schon am frühen Abend bemerkenswert herum und trotz kleinerer Schwierigkeiten mit der Gitarrentechnik finden alle Weissagungen ihre Ohren und Füße.

Noch etwas früher stellt sich im Zelt der junge Pariser Rapper KillASon ganz allein auf die Bühne und feuert nur seinen Laptop im Rücken einen Beat nach dem anderen ab. Der Mann hat eine Präsenz auf der kleinen Bühne, die auch ohne weiteres größere füllen kann.

Sonntags geht’s auch wieder quer durch alle Genres. BSMG, Black Super Man Group oder Brüder schaffen mehr gemeinsam, ein Herzblut-Project der Rapper Megaloh, der auch im Vorjahr solo auf der gleichen Bühne stand, Musa und dem Produzenten Ghanaian Stallion. Ein Gig mit erhobenem Zeigefingerzum Nachmittag. „BSMG soll ein Statement sein“, sagt Megaloh, das zum Ziel hat, ein neues Selbstverständnis afrikanischer Identität zu schaffen. Ein Auftritt mit viel Swag und viel Botschaft.
 
Nach BMSG geben sich Kat Frankie und Joan As Police Woman, die man in unseren Breiten eher selten live zu sehen bekommt, die Ehre auf der Strandbühne. Kat und Band ganz in Rot und Joan genießen das Bad in der Sonne sichtlich. Es ist ein seht relaxter Tag, der sich am Abend zu seinem Höhepunkt erhebt.

Tocotronic, Legenden der Hamburger Schule geben sich die Ehre und liefern zum Abschluss des Festes ein großes Konzert ab. In den etlichen Jahren Bandgeschichte haben die Vier Hamburger schon diverse Indi-Hits gesammelt und geben diese natürlich zum Besten, aber auch ihr aktuelles Album kommt nicht zu kurz. Eine gute Mischung aus altem und neuem und ein guter Abschluss für ein tolles Fest.

Watt en Schlick 2018, it's a wrap. Es war wieder sehr schön bei Dir. Auf Wiedersehen bis nächstes Jahr.
 
(ph)