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Parklichter

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Kurpark



Datum: 03.08.2018

Parklichter 2018

Radikale Reduktion

Bad Oeynhausen (as)    In diesem Jahr versuchte es der Parklichter-Konzertfreitag mit einem neuen Konzept: Statt den bisherigen drei Bühnen gab es nur noch eine Hauptbühne und eine DJ-Area. Das Theater blieb unbespielt. Bei hochsommerlichen Temperaturen kamen ca. 5000 Besucher um SDP, Bausa und Co. zu sehen.

SDP waren Headliner bei den diesjährigen Parklichtern. Foto: Marcel Linke

Was hatten wir für gute Jahre mit unseren Parklichter. Selbst wenn uns die Headliner nicht zusprachen, gab es doch
Fotos zu den Parklichtern
Homepage der Parklichter
immer irgendeine Band die wir vorher nicht kannten und nachher liebten. Mit dem Theater im Park gab es zudem eine Bühne, die einen ganz speziellen Charme eigen hatte. Nun ist das jedenfalls Vergangenheit. Das neue Konzept setzt auf eine prominent besetzte Hauptbühne und zur Zerstreuung gibt es Live DJs. Wie finden wir das?

Zunächst zur DJ-Bühne. Vor der Wandelhalle legten also HE.WILL, THE WOLLIUM und DIRK SIEDHOFF auf. Laut Staatsbad kam das super an. Ich habe dort während des Konzertes selten mehr als ein paar Leute gesehen. Mag sein, dass sich das nach SDP geändert hat. Dirk hat gute Sachen gespielt und die Illuminationen sahen toll aus. Leider hat der Sound fies gestreut und den Ton der Hauptbühne von manchen Stellen im Park gestört. An den Bierbänken konnte man so gleichzeitig beide Bühnen hören: schon nervig. Noch schlimmer empfand ich allerdings die Wassersituation. Es war mal wieder ein sehr heißer Tag und mehr als 0,5 Liter Wasser durften nicht mit aufs Gelände. Dort gab es dann aber keine Wasserstelle, um sein Pack wieder aufzufüllen. Stattdessen wurden kleine 0,2 Flaschen ohne ersichtliches Konzept verschenkt. Diese natürlich limitiert und nicht für alle zu haben. Kann das die Lösung sein? Die viel gelobte Dusche rettet hier nichts. Durch Beobachtung habe ich dann rausgefunden, dass die Bierwagenkräfte auch Leitungswasser rausgeben. Muss man erstmal wissen. Und dann muss man noch dran kommen. Die Wagen waren mal wieder unterbesetzt und kamen dem Andrang meist nicht hinterher. Gratis Leitungswasser ist doch eigentlich schon lange Standard?

Zu den Künstlern: Contest Winner wurde Jonas Platin ein Kind des Raps aus Löhne. WUNDERWELT haben viel versprochen, aber wirklich überzeugen konnten sie mich nicht. Der Hit "Freiheit = Gold (Hey Boy!)" kommt mit fettem Synthiebeat und eigentlich stimmt die musikalische Mischung auch. Über 30 Minuten konnte mich das allerdings nicht fesseln. Ganz anders als KAAS, der mich schon am Haken hatte als er mit Lederjacke und offenen, langen Haaren auf der Bühne auftauchte. Im Zuge der "Zucker EP" hat er etwas an seinem Image geschraubt und gibt hier den Rocker. Sein "König in der Disko" ist dank tollem Gitarrenspiel der beste Song des Tages (ich mein das ernst). Auch Kaas hat nur 30 Minuten Spielzeit und trotzdem schafft er es uns alle mit Vielseitigkeit zu verwirren. Was für ein wilder Ritt über den Orsons-Knaller "Ventilator" und dem klassischem Kaas "Wunderschöne Welt" zurück zum Orsons-Wunderwerk "Schwung in die Kiste". Im Verlauf wird die Cap rückwärts aufgesetzt und zum ersten Mal kommt heute Stimmung auf. Der Kurpark hebt die Hände und freut sich auch über Wochenende. WEEKEND war schon 2014 im schönen Bad Oeynhausen und das hat uns damals schon gefreut. Dieses Mal hat er Dobbo als Backup dabei und natürlich wieder DJ Rolf. Christoph ist ein Rapper mit Rollendistanz und das macht die Sache spannend. Eine Line wie "Ich bin der beste - das ist eure Schuld" spielt intelligent mit der Idee des nur so reingerutschten Außenseiters, der zwar nicht gut ist, aber eben besser. Und plötzlich hat dieser Wiegand doch mehr Technik als die Amisch und flowed dir ein solides Set entgegen. 35 Minuten wieder etwas eng bemessen, aber Spaß hat es gemacht mit "Life is a Bitch II" und dem bejubelten Finale "Schatz du Arschloch". Wir erleben gerade den unterhaltendensten Teil des Tages.

Und in die ausgelassene Befindlichkeit stößt nun die ANTILOPEN GANG. Mit "Outlaws" zu beginnen ist keine schlechte Idee und "DIE KYNGZ SIND BACK!!!1" weckt dann auch die letzten Gäste auf. Die Antilopen machen mal wieder Spaß, mit Pizza, Band und Publikum-Mitmach-Aktionen. Die Menge freut sich und die Presse schreibt über "feinsten Punkrock", weil es zum Pogo kam und auch eine kleine Wall of Death zu sehen war. Aber Leute, wem soll das helfen? Diesem Festival fehlt eine Punkband und nicht eine HipHop-Combo die Punk nachspielt. Der Müllberg hat mir besser gefallen. Zudem kultivieren die Antilopen noch immer das Außenseiter-Dasein und wollen das System presslufthammern. Gleichzeitig unterlegen sie "Beate Zschäpe hört U2" mit einem Reggae-Beat und fordern Mitsingen ein. Partysongs die die Menge feiern kann. Die Gang ist arriviert - mich stört das nicht, aber was ist denn mit der realness? Zu loben ist der Vorschlag, dass "OI OI Oi eynhausen" doch vermehrt auf den "Enkeltrick" setzen sollte, hier gäbe es ja genug Rentner. Fand ich lustig. Über "Verliebt" habe ich mich auch gefreut und die Menge über "Fick die Uni". Worüber ich mich überhaupt nicht gefreut habe waren die 30 Minuten Pause bis Bausa. Und über den konnte ich mich auch nicht freuen. Wenn man nichts Gutes schreiben kann, schreibt man halt gar nichts; "Was du Musik nennst"... Nach diesem Erlebnis gab es zur Erholung 45 Minute Pause [!!!] bis SDP die verbliebenen Fans glücklich machten. Es gab Bälle für die Menge und Feuerwerk und Gitarensoli. Es wurde also abgeliefert. Mit der bunten Seite der Macht Zeit zu verschwenden war schliesslich das erklärte Ziel der meisten Besucher. Während diese das Konzert ihrer Helden genossen, war ich allerdings schon auf dem Weg nach Hause.

Ob 2019 nun Freude in mein Herz bringt, oder ob ich tatsächlich ein Jahr auslassen muss, werden wir erst erfahren, wenn die ersten Vorankündigungen veröffentlicht werden. Für mich war der Rückzug aus dem Theater ein Fehler. Die Reduktion der Auftritte mag eine wohlüberlegte Entscheidung sein, aber mir raubt es die schönen Momente, wegen denen ich den Parklichtern immer dankbar war. Ich denke nicht zurück an das zweite von vier Cro-Konzerten, oder zum dritten Mal SDP. Ich denke an Teesy und Neufundland, an The Love Bulöw. An BRKN, Tristan Brusch und Mine, oder an Phela, Lucy Rose und Ed Prosek. An Künstler neben dem Mainstream, die auf einzigartigen Bühnen für mich spielten.