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Konzertbericht

Bands
Mark Berube
Sophie Hunger

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 06.05.2016

Supermoon Tour im Ringlokschuppen

Sophie Hunger verzaubert Bielefeld

Bielefeld (as)    Sophie Hunger wollte eigentlich eine längere Pause einlegen, aber stattdessen schrieb sie "Supermoon": Ein großes Glück für uns! Nach ihrer Rückkehr aus Kalifornien ließ die große Tournee nicht lange auf sich warten und unser Bielefeld fand erneut Berücksichtigung. Unterstützt von Mark Berube als Support und ihrer Liveband entführte Sophie den RLS in andere musikalische Sphären.

Die bezaubernde Sophie Hunger spielte im Ringlokschuppen Bielefeld. Foto: Thomas Weiss

Obwohl ich es in meinem Vorbericht vorausgeahnt hatte, überraschte es mich dann doch die Bühne im kleinen Saal
Fotos zum Konzert
Homepage von Sophie Hunger
Homepage von Mark Berube
des Ringlokschuppens zu finden. Sogar ohne Bühnengraben. Sophie Hunger bleibt wohl doch ein Geheimtip, ein Juwel der Feuilleton-Spalten und arte-Zuschauer. Auch der kleine Saal ist nicht ausverkauft, aber doch gut gefüllt. Das Publikum verteilt sich locker vor der Bühne auf welcher Mark Berube zur Eröffnung auftritt. Der junge Kanadier ist Solo unterwegs, wechselt selbst zwischen Gitarre und Klavier hin und her. Er ist zum ersten Mal in Bielefeld und freut sich darüber. Deutschland kennt er gut und spricht sogar überraschend fließend deutsch. Viele seiner Anekdoten erzählt er in der Landessprache, was dem Publikum imponiert. Musikalisch fährt Berube einen sehr entspannten Kurs zwischen Folk, Jazz und Freiheit. Starke Momente hat er, wenn die reduzierte Atmosphäre durch kurze chaotische Geistesblitze aufgebrochen wird. Wenn er auf die Tasten hämmert und die Songs zur Achterbahn werden. Damit wird das Leonard Cohen Cover "First We Take Manhatten" für mich zum besten Song im Set. Gute 45 Minuten performed Mark Berube an diesem Abend und Bielefeld applaudiert großzügig.

Dann wird es ernst: Sophie Hunger betritt die Bühne und die Stimmung ist verwandelt. Es ist schwer nicht ins Schwärmen zu geraten, denn dieser Auftritt sitzt. Sophie trägt ein schlichtes schwarzes Kleid, dazu Strumpfhose und Stiefeletten mit leichtem Absatz. Das hat Klasse und lenkt nicht davon ab, um was es auf dieser Bühne geht. Hier wird ein heute musikalisches Sahnehäubchen präsentiert: Ein Konzert - keine Show. Garant dafür ist die stark besetzte Band mit Bass, Keyboard, Gitarre und Schlagzeug. Besonders macht diese Combo - neben dem mehrstimmigen Gesang - der Einsatz von Klarinette und Flügelhorn. Diese ungewohnte musikalische Vielfalt gehört zu den Stärken eines Hunger-Konzertes.

Die zweite große Stärke ist die Liebe zur Musik, die sich alle Musiker teilen. Diese Gesichter strahlen Freude aus und auch Einigkeit. Während Keyboarder Alexis Anérilles ein Wahnsinss-Klaviersolo abliefert, steht Sophie daneben und feiert ihn sogar noch mehr, als es das Publikum tut. Gitarrist Geoffrey wird nach seinem Solo sogar umarmt. Sophie lebt die Bühne, darum macht das Zuschauen hier sehr viel Spaß. Während der Songs legt sie sogar diesen entschleunigten Schweizer Charme ab, der ihre Ansagen so sympathisch macht. Bevor wir zum Wesentlichen kommen, muss noch schnell der Bühnenaufbau und die Technik gelobt werden. Die Installation diverser Leuchtmittel verwandelt die Bühne je nach Bedarf in eine andere Welt. Licht- und Soundmischer sorgen dabei für ein sorgenloses Zuschauerdasein. Starke Leistung.

Nun: die Songs. Für Menschen, die Popkonzerte gewohnt sind, ist die Musik vielleicht zu sperrig. Für Jazzfans eventuell zu stringent. Für alles dazwischen ist dieses Konzert eine unterhaltsame Reise durch verschiedene Einflüsse. Chaos, Sehnsucht und Melancholie - Liebe, Freude und Wut. Nur einen Bruch voneinander entfernt. Lässt du dich darauf ein, entführen sie dich ins weit weit weg, wo du glücklich sein wirst. "Die ganze Welt" ist so ein Song, der Gänsehautpotential mit sich bringt. Die gehauchten Satzenden, der groovige Bass und dazu die heulende Gitarre. Ein Synthi-Beat, der an "Bliss" von Muse erinnert und genau das tut: Seeligkeit verheißen. Die Kinnlade ist noch nicht geschlossen, dann setzt es den nächsten WoW-Moment: "Purple Rain" wird angespielt und alle sind erst gerührt und dann begeistert. Überraschungen sind auch in Ostwestfalen willkommen.

Es fegt, wie die Schweizer sagen. Ob Sophie nun alleine am Klavier sitzt, wie bei "le vent nous portera" oder "Walzer für Niemand" oder die ganze Band sich in Improvisationen verliert: Es fegt. Bielefeld lässt sich daher nicht mit nur einer Zugabe abspeisen. Zum regulären Set kommen 3 Songs dazu, um dann -durch nicht endenden Applaus angestachelt- noch zum Finale "Train People" zu schenken. Das macht 90 ausgezeichnete Minuten Livemusik. Vielen Dank, Sophie Hunger & Band.