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Konzertbericht

Bands
Brian Fallon
Good Old War
Jared

Locations
Fabrik



Datum: 20.04.2016

Brian Fallon in Hamburg

I am on a cover of a magazine

Hamburg (ml)    Gestern war es auch endlich für uns so weit. Brian Fallon kam zum Tourabschluss in die Fabrik Hamburg. Nachdem der The Gaslight Anthem-Frontmann ein grandioses Debütalbum veröffentlicht hat durften wir uns nun ein Live-Bild davon machen. Das Ergebnis verraten wir am Ende des Artikels.

Brian Fallon macht nicht nur gute Musik. Er unterhält sich auch gerne mit dem Publikum. Foto: Marcel Linke

Brian Fallon hat heute zwei Support-Bands mitgebracht. Damit führt er eine Tradition fort, die schon The Gaslight Anthem inne hatten. Auf vielen Konzerten konnte man bei dieser Band noch zwei weitere Live-Acts erleben.

In Hamburg macht Jared den Beginn. Normalerweise ist er mit der Band The Scandals auf Tour. Heute Abend ist er solo unterwegs. Das passt. Die Fabrik ist ein vergleichsweise kleiner Club. Obwohl über 1.000 Personen rein passen kommt Wohnzimmeratmosphäre in Industrieoptik auf, was auch an der Empore liegt, die über der Bühne verläuft.
Jared solo klingt dank seiner rauhen Stimme und der Punkrockattitüde in seinen Songs ein wenig wie Frank Turner, wenn dieser Songs ohne seine Band schmeißt. Ein guter Start in den Abend.

Ein wenig ruhiger sind die Musiker Good Old War. Das Philadelphia-Duo, bestehend aus Keith Goodwin und Dan Schwartz, klingt musikalisch etwas nach Simon & Garfunkel. Damit klingen Good Old War auch ein wenig mehr nach Folk als nach Punk. Aber, wie wir bereits im Vorbericht erwähnten ist das mit Brian Fallons Scheibe ja genauso. Und eigentlich auch mit The Gaslight Anthem. Der hörbare Punkeinfluss der ersten beiden Alben ist sehr solide handgemachter Rockmusik gewichen.
Und so könnte man meinen, dass sowohl Jared als auch Good Old War nicht ganz zufällig ausgewählt worden sind. Mit ihrer Single "Tell Me What You Want From Me" verabschieden sich die beiden dann vom Hamburger Publikum.

Um halb zehn ist es dann endlich so weit. Brian Fallon geht auf die Bühne. Das erstmal ohne Musik, sondern mit dem fabrikeigenen Veranstaltungsmagazin auf dessen Cover er sich befindet. Stolz wie bolle würgt er dann gekonnt humoristisch auch einen Fan ab: "Ich entscheide, wann ich das Konzert starte. Ich bin auf dem Cover eines Magazins.". Das startet er dann aber auch ziemlich schnell mit "Nobody Wins".
Nahtlos fügt sich "Rosemary" an. Damit sind die Weichen für den Abend gestellt. Ein starker Auftakt für das Konzert von Brian Fallon bei dem er durch seine Band The Crowes begleitet wird. Diese besteht aus Mitgliedern von The Gaslight Anthem und Brian Fallons Projekten The Horrible Crowes und Molly and the Zombies.
Anders als bei The Gaslight Anthem gibt Brian Fallon dies nun auch die Gelegenheit sich etwas mehr in den Mittelpunkt zu stellen, was bei ihm bedeutet, es werden Geschichten erzählt. Spannende Tourstories zu seinen Marihuana-Erfahrungen bis hin zu Entstehungsgeschichten seiner Songs ("Steve McQueen" ist bei einem seiner Bandkollegen abgekupfert) wechseln sich ab.
Ebenso ist das dann aber auch mit den Songs. Allein mit den Liedern von seinem Solodebüt könnte er den Abend nicht füllen und so werden dann auch Songs der The Horrible Crowes und von Molly and The Zombies gespielt. Die Songs, wie zum Beispiel "Sugar" oder "Ladykiller" passen sehr gut ins Set von Brian Fallon.
Aber auch das Katy Perry-Cover "Teenage Dream" ist in der Version von Brian Fallon & The Crowes besser als das Original.
Textsicherer ist das Publikum dann aber doch auf den Songs von Brian Fallons Soloalbum, wie dem ruhigen "Honey Magnolia" oder dem country-lastigen "Open All Night".
Alle Songs sind aber geprägt durch die Stimme von Brian Fallon. Und fast ist es so, dass man The Gaslight Anthem nicht mehr vermisst. Der Musiker, der mit Hamburg seine europäische Lieblingsstadt gefunden hat ist aber ohnehin so prägend für den Sound seiner Hauptband, dass sich das Konzert in der Fabrik problemlos ausverkaufen ließ. Und zwar ohne, dass das Solodebüt veröffentlicht wurde.
Hier sind heute Abend hauptsächlich die Fans und dafür bedankt sich Brian Fallon dann auch sehr herzlich, dass ihm so ein Vertrauen entgegen gebracht wurde, bevor es mit "Behold The Hurricane" von The Horrible Crowes ohne Zugabenpause, von der Fallon überhaupt nichts hält, in den wohlverdienten Tourabschluss geht.

Angesichts des Erfolgs ist für uns sogar ein großes Fragezeichen geblieben: Wird es The Gaslight Anthem irgendwann nochmal geben? Es wäre natürlich schade um die Band. Andererseits entwickelt sich Brian Fallon gerade dahin, wo ihn die Musikpresse und auch wir ihn schon jahrelang hingeschoben haben: zu einem würdigen Nachfolger von Bruce Springsteen, der aus Altersgründen wohl auch nicht mehr ewig touren wird. Mit seiner Gruppe The Crowes hat er sich seine eigene E-Street-Band schon aufgebaut. Und auch The Gaslight Anthem-Songs wurden auf der Tour gespielt.
Wir sind gespannt, wie sich Brian Fallon weiter entwickelt. Man sieht ihm in den kleinen Clubs die Freude förmlich an, wenn er mit dem Publikum auf Tuchfühlung gehen kann. Man muss sich überraschen lassen, wie groß seine Ambitionen sind.