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Konzertbericht

Bands
CassMae
Enno Bunger
Projektor

Locations
Skaters Palace



Datum: 25.02.2016

Flüssiges Glück für Ohren, Herz und Augen

Enno Bunger verzaubert das Skaters Palace

Münster (dd)    Kuschelig ist es im Vorraum vom Skaters Palace, vorne neben der Bar eine kleine Bühne, das rote Keyboard wartet nur auf Enno Bunger. Die Bühne steht voll mit Instrumenten und Lampen, gleich wird es dort bestimmt mindestens so kuschelig wie davor. Noch schnell eine Cola holen und sich einen Platz suchen. Ich stehe vorne, schräg neben der Bühne, auf einem kleinen Podest und habe perfekte Sicht. Die Vorfreude könnte größer fast nicht sein.

Enno Bunger spielte ein sehr atmosphärisches Konzert im Skaters Palace Münster. Foto: Marcel Linke

Enno Bungersetzt sich vors Mikrophon, begrüßt das Publikum und stellt seinen ersten Support vor.
Fotos zum Konzert
Homepage von Enno Bunger

CassMae aus Duisburg begleitet sich selber am Keyboard.
Gerade mal 13 Jahre ist sie jung und doch füllt sie den ganzen Raum. Mit geschlossenen Augen würde man ihr Alter nie erraten, sie klingt viel erwachsener. Die blinde Sängerin singt auf englisch und deutsch über Selbstfindung, Identität, tapfer sein und Probleme, mit denen sie zu kämpfen hat.
Souverän leitet sie das Publikum von Song zu Song, alle hängen an ihren Lippen und bedanken sich mit tosendem Applaus.
Mit einem zuckersüßen Zahnspangenlächeln verbeugt sie sich und winkt, während sie von der Bühne geht.

Der zweite Support sind Projektor, die ebenfalls Enno beim Konzert begleiten werden. Vor Kurzem erschien ihre neue EP „Vow“, sehr elektronisch, sehr ruhig und einfach perfekt zum weit weg Träumen.
Eingelullt in einer Soundwolke lasse ich mich einfach treiben und tanze vor mich hin. Viele andere tuen es mir gleich.
Hier rächt sich meine Position so weit vorne, der Bass ist wummert, der Gesang verschwindet leider darin. Zu Hause werde ich mich definitiv noch einmal in Ruhe deren Musik widmen.
Beide Supports passen perfekt zu Enno, auch wenn sie sehr unterschiedlich sind.

Jetzt wird es auch auf der Bühne kuschelig, Enno Bunger, ganz in schwarz, stellt sich hinter sein rotes Keyboard und beginnt den Auftritt mit „Renn!“.
Die Bühne verschwindet im Nebel, sein Gesicht wird von einer Neonlampe erleuchtet, die am Mikrophonständer befestigt ist. Hinter ihm Glühbirnen in goldenen Lampenschrimen, Aufleuchten im Takt.
Nachdem die In-Ears schon den zweiten Auftritt in Folge Probleme machen die Bitte, die Handys in den Flugmodus zu schalten. Insgesamt spielt er viel vom neuen Album „Flüssiges Glück“, erschienen Oktober 2015. Aber auch altes darf nicht fehlen, „Regen“ und „Abspann“ von „Wir sind vorbei“ (2011) sind dabei, genau so wie „Pass auf dich auf“ von „Ein bisschen mehr Herz“ (2010).
Zwischen den Stücken immer wieder Anekdoten, zum Beispiel eine Situation bei der seine Musik im Supermarkt lief, während er einkaufen war. „ein echter Kassenschlager!“.
Projektor ergänzen Enno perfekt, aber auch alleine sorgt er für Gänsehaut. „Am Ende des Tunnels“ spielt er alleine.
Nachdem „Wir sind vorbei“ seine Trennung thematisiert strahlt das neue Album „Flüssiges Glück“ genau dieses aus. Wie Honig, goldgelb und süß singt er über die Liebe, vom Scheitern und wieder Aufstehen, Melancholie in seiner schönsten Form.
Aber auch Klartext darf nicht fehlen „Wo bleiben die Beschwerden“, ein Stück so wichtig zu singen, wie schon lange nicht mehr. Es geht gegen die zunehmend rechte Einstellung in der Bevölkerung, um die Willkür des Staates und soll die Gesellschaft aufrütteln. „Die, die proklamieren sie sind das Volk sind nicht das Volk sondern voll daneben!“ lautet Ennos Kommentar dazu.

Enno fesselt, wie gebannt schaut das Publikum zu, bei den schnelleren Stücken wird getanzt.
Viel zu schnell gehen die neunzig Minuten um und machen Lust auf mehr davon.
Wer die Möglichkeit hat, Enno Bunger live zu sehen sollte auf jeden Fall zu seiner Tour gehen oder alternativ zu Bosse’s Tour „Engtanz“, dort spiel Enno nämlich den Support.