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Konzertbericht

Bands
Kid Simius
Marsimoto

Locations
Ringlokschuppen



Datum: 13.12.2015

Marsimoto und Kid Simius raven im Ringlokschuppen

Green Bielefeld

Bielefeld (as)    Rappaz im Nebel: So könnte der Film heißen, der von dieser Tournee erzählen möchte. Die Marsimoto-Crew taucht die Bühne des Bielefelder Ringlokschuppens für üppige drei Stunden in bunte Farben und rauchige Zustände. Dabei wurde es nicht nur Green, sondern vor allem ziemlich verrückt.

Marsimoto tauchte den Ringlokschuppen in nebliges Grün. Foto: Tim Danielsmeyer

An diesem Sonntag ist die Schlange vor dem Ringlokschuppen länger als üblich. Der Grund für den großen Andrang
Fotos zum Konzert
Homepage von Marsimoto
heißt Marsimoto und das riecht man auch. Vor der Bühne ist es schnell gefüllt und das Gedrängel erstreckt sich bis zum hinteren Ende des Konzertsaales. Um die pünktlich erschienenen Besucher bei Laune zu halten, eröffnet Dead Rabbit den Abend mit einem kurzen HipHop-MashUp-Remix-Set. Hier ein bisschen Zugezogen Maskulin, dort ein bisschen Ami-Zeug und eine Prise Marsimoto als Krönung. So läuft Bielefeld langsam warm. Doch zu kurz gedacht: Nach einer viel zu langen Umbaupause - die mit Reggea Musik nervte - betrat mit Kid Simius ein Act die Bühne, der mit HipHop nun eher weniger zu tun hat. Der junge Spanier präsentiert dicke Elektrobeats und Unmengen an Lichteffekten. Dazu viel Nebel, aber ganz selten Vocalsamples. Es wird geraved im Schuppen und die Menge klatscht gerne mit. Auf der Bühne wird die Musik ebenfalls gelebt, denn José und sein ihn unterstützender Mitmusiker gehen in die Vollen und tanzen, als würden sie es so meinen. Das Set ist ziemlich abgefahren in seiner Mischung aus Elektro, Trap, Minimal, Drum&Bass (unzutreffendes bitte durchstreichen) und live gespielter E-Gitarre. Das ist der neue "Synth"kretismus; ja warum denn nicht?


"Ich komm in Frieden und du guckst Dawson's Creek"

Donnergrollen und Lichtblitze kündigen von seiner Ankunft, doch als Marsimoto schließlich die Bühne betritt ist von ihm Nichts zu sehen. Auch alles andere ist erst einmal unsichtbar, hinter einer immensen Nebelwand verborgen. Aus den grünen Wolken heraus singen die Sirenen "La Saga", dann explodiert etwas und "Illegalize It" pumpt uns entgegen. Die Lichtshow überrascht und flashed wortwörtlich und metaphorisch. Nach kurzem Kampf gewöhnen sich die Augen an das Schauspiel und sehen Marsi in seinem grünen Ganzkörper-Lackfolienanzug. Die Maske schimmert im flackerndem Strobo-Licht. Als Bühnenbild steht ein gewaltiger, okolytischer Kopf mit Laseraugen bereit, der in seiner stillen Anmut für den nötigen Respekt sorgt. Der DJ wird unterstützt von einem Schlagzeuger und auch Saitenzupfer sind auf der Bühne vertreten. Der Mittelpunkt ist und bleibt bei dem ganzen Spiel jedoch zu jedem Zeitpunkt Marsi, der sich gekonnt in Pose wirft. 
Während der Beat grooved, wackeln im Publikum die Arme. Darüber streut der Zauberer von Ost clevere Reime und gekonnte Wortspiele. Der Sound ist fett und die Lichtshow beeindruckend, aber irgendwie ist es kurzlebig, wenn du nicht drauf bist. Trotz Sympathie dem Künstler gegenüber, zeigt die Mitte des Konzertes viel Redundanz. Gut, dass sich Marsimoto steigert und mit den Hits anfängt: "Mir ist kalt" findet Applaus, genauso wie "Indianer" für welches sich Marsi extra einen hübschen Kopfschmuck aufsetzt. Das erste Highlight und Bielefeld zeigt sich begeistert. Der nächste Lichtblick erfolgt bei "Für Uwe" zu dem echte (!) Feuerzeuge geschwenkt werden.
Ein toller Moment in einem von Feuerzeugbenzin erleuchteten Saal zu stehen. Der Höhepunkt ist dann "Wellness". Der Hit profitiert klar von der Liveband und wird so zum vielleicht stärksten Song des Abends. Mit "Grünes Haus" endet das reguläre Set. Ein ordentliches Finale, doch natürlich lässt Bielefeld niemanden ohne Zugabe gehen. Und die wird großzügig. 10 Jahre Marsimoto und der erste Besuch in Bielefeld werden gefeiert mit Klassikern wie "Halloziehnation", "One Love Song" oder "Chillen". Green Bielefeld ist angekommen. "Absinth" baut eine intensive Atmospähre auf, die von der immer noch leicht übertriebenen Lichtshow untermauert wird. Zum Grand Finale scheint die Marsimoto-Crew alle Lichter in Gebrauch zu nehmen, die sie auf der ganzen Welt finden konnten. Strobo-Laser-Lunatics zu "Der Döner in mir" und "Eine kleine Bühne": Es wurde wild, bevor sich der Ring der Nebelungen dann doch schloss und Marsi im Grün verschwand.