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Konzertbericht

Bands
Bayside
Deer Tick
The Gaslight Anthem

Locations
Alsterdorfer Sporthalle



Datum: 01.11.2014

The Gaslight Anthem in Hamburg

Das ist nicht Bruuuce, das ist Brian Fallon

Hamburg (ml)    Zu Allerheiligen spielten The Gaslight Anthem in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg ein Konzert der Extraklasse. Hier stellten sie ihr neues Album "Get Hurt" vor. Begleitet wurden sie an dem Abend von Deer Tick und Bayside.

The Gaslight Anthem zeigen sich in bester Spiellaune zu Allerheiligen in der Alsterdorfer Sporthalle Hamburg. Foto: Kristof Linke

Zwei Vorgruppen und eine Band, die mit ihren mittlerweile fünf Alben einen langen Abend an Musik verspricht. Das ist
Fotos zum Konzert
Homepage von The Gaslight Anthem
Homepage von Deer Tick
Homepage von Bayside
die Erwartungshaltung an dieses Konzert und diese Erwartung wurde sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht nicht enttäuscht.

Dennoch scheint sich bei den beiden Vorgruppen zu Allerheiligen vorerst ein wenig Katerstimmung breit zu machen. Kein Wunder. Am heutigen Abend stehen nur US-Amerikaner auf der Bühne und die feiern natürlich traditionell einen Tag früher Halloween.

Bayside spielen so ein Standard-Punkrock-Set ohne große Ausreißer. Solide und gut, wenn auch schlecht ausgesteuert - es rauscht an allen Ecken und Enden - freuen sich viele umso mehr, als das Set zu Ende ist. Denn dies bringt den Hauptact immer näher.
Deer Tick, einen Tag zuvor noch als Familie Simpson verkleidet, sehen auf der Bühne etwas verkatert aus. Der Indie-Blues-Folk den sie machen ist leichter auszusteuern und so kommt kein Rauschen zurück, sondern ein glasklarer Sound. Das bluesige in ihrer Musik kommt zwar beim Publikum nicht wirklich toll an, da es zu ruhig ist. Es zeugt aber von einer musikalisch hochwertigen Klasse, die gerade mit dem Abschlussjam, bei dem fast jedes Bandmitglied einmal solieren darf, so richtig deutlich wird. Qualitativ super, passt aber leider besser zu Eric Clapton, als zu einer Band, die vormals aus dem Punkrockmilieu kam.

Und diese Band kommt pünktlich gegen 10 Uhr auf die Bühne und kündigt auch noch direkt an, keine Zugaben zu spielen: "Wir werden nicht so tun, als ob wir von der Bühne gehen, nur um dann wieder rauf zu kommen und noch ein paar Songs zu spielen. Dafür bekommt ihr ein Lied mehr. Deal?" - Deal.
Und so wird gespielt, was das Zeug hält. The Gaslight Anthem legen eine grandiose Setlist auf das Parkett, die nahezu 2 Stunden dauert. Man unterschätzt allerdings auch mittlerweile, wie weit die Band ist. Es werden Hits am laufenden Band produziert. Das aktuelle Album "Get Hurt" markiert die Entwicklung der Band von einer einstigen Punkrockband hin zu einer sehr soliden Rockband.

"Stay Vicious" von der neuesten Scheibe macht den Start bevor die Band ein Album zurückreist und "Handwritten" sowie das sehr schnelle "45" spielt.
Die meisten Songs der Band werden an diesem Allerheiligen von den beiden neuesten und den beiden ältesten Alben gespielt. Ihr Durchbruchalbum auf dem deutschen Markt "American Slang" mit der gleichnamigen Hitsingle lassen The Gaslight Anthem fast komplett aus. Dafür darf das Publikum zu Liedern, wie "We Came To Dance", "Drive" oder "Wooderson" richtig ausrasten. Ein Moshpit bildet sich zwar auch zu den Get Hurt-Songs bleibt dort aber trotzdem ruhiger als zu den alten Punkrocknummern.
Insgesamt verleihen Lieder, wie "Ain't That A Shame", "Get Hurt" oder "Sweet Morphine" dem Abend auch eine abwechslungsreich ruhige Note, wenngleich es auf dem aktuellen The Gaslight Anthem-Werk natürlich auch die klassischen Rocknummern gibt, wie "Red Violins", wo sich Brian Fallon auch ruhig mal die Seele aus dem Laib schreien kann.

Zum richtigen Auseinandernehmen der Halle sind dann aber doch die alten Alben gedacht. Neben "Sink or Swim" ist auch "The '59 Sound" besonders stark vertreten. Schon das Titellied begründet einen legendären Song in der Bandgeschicht. Kein anderer als Bruce Springsteen ist durch diesen Song auf die Band aufmerksam geworden und stand mit der Band dazu sogar auf der Bühne. Einen Fan, wie Bruce zu haben kann sehr viel wert sein, auch wenn die zwischenzeitlichen "Bruce"-Rufe in Richtung Brian Fallon dann doch für ihn und auch viele Anwesende etwas befremdlich sind.
Auch wenn The Gaslight Anthem stellenweise wie Bruce Springsteen auf Punkrock klingen, so haben sie sich doch ihren ganz eigenen Stil entwickelt. Und das ist gut so. Einflüsse ja, Kopien nein.

Kurz vor Ende des Konzerts kommen die Fans dann auch in den Genuss der Überraschung, die sie geplant haben. Benny Horowitz, Schlagzeuger von The Gaslight Anthem, hat am heutigen Abend Geburtstag. Als Brian Fallon das ansagt gibt es ein typisches deutsches Geburtstagsständchen ("Heute kann es regnen, stürmen oder schneien..."), rote Knicklichter, die die Halle in der Farbe des neuen Albums hüllen und vom Publikum gezündete Konfettikanonen, die zu Silvester auch als Tischfeuerwerk durchgehen.
Gerade hier merkt man die Nähe der Band zu ihren Fans. Brian Fallon war in die Nummer vorher eingeweiht und so wurden auch die Knicklichter von den Fans im Publikum mit einer klaren Ansage verteilt.

Der Abend neigt sich nun langsam dem Ende zu. "We're Getting A Divorce, You Keep The Diner" markiert nochmal einen vorläufigen Höhepunkt vom ersten Album, bevor mit dem traditionellen "The Backseat" das Konzert fast auf den Punkt zu Mitternacht beendet wird.