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Serengeti Festival

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Kmpfsprt
Moop Mama
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Tim Vantol & Band
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Safari Park



Datum: 15.08.2014

Serengeti Festival 2014

Regenzeit in der Savanne

Schloss Holte-Stukenbrock (as)    In den letzten Jahren brannte die Sonne erbarmungslos auf die Serengeti und verwandelte die Senne in einen staubigen Acker. Das war teilweise unangenehm, aber wie wir jetzt wissen weit besser als kalter Wind und beständiger Regen. Doch auch das typisch ostwestfälische Wetter konnte die täglich rund 12.000 Besucher nicht daran hindern mit den diesjährigen Headlinern Casper, Biffy Clyro und Jan Delay durchzudrehen.

Biffy Clyro sind das Highlight des Serengeti Festival 2014. Foto: Marcel Linke

Los geht das neunte Serengeti Festival am Freitag. Denn die Warm Up-Show - in den letzten Jahren immer gut
Fotos zum Festival
Homepage vom Serengeti Festival
besucht - wurde gestrichen. Sehr Schade! Noch schlimmer finde ich aber, dass auch an den drei Festivaltagen bei den Bands gespart wurde. Spielten 2013 noch 43 Künstler*innen, sind 2014 nur noch 34 Acts zu bejubeln. Wohlgemerkt zum gleichen Preis. Das dadurch etwas dünne Line Up stößt bei so einigen Besuchern sauer auf. Ob im Gegenzug die Qualität der Bands gestiegen ist, könnt ihr in den folgenden Zeilen herausfinden.


Freitag: Er darf, er darf, er darf tun was er will: Casper krönt ein Quasi-Heimspiel mit Feuerwerk

The Hitch
auf der Mainstage verpasst, weil die Presse-Schlange zu lang war, steuern wir erst das Palastzelt an. Dort eröffnen Fuck Art Let's Dance! (Fotos) die Zweite von zwei Bühnen. Wie gewohnt werden die Bands abwechselnd und ohne Überschneidungen spielen, was es erlaubt jede Band anzusehen. Das Zelt ist zu der frühen Stunde bereits ordentlich gefüllt und Fuck Art bedanken sich für das zahlreiche Erscheinen mit einem gelungenen Indy-Rock Aufritt, der mich nicht begeistert, aber auch nicht verscheucht. Das Zelt wird erst verlassen, als auf der großen Bühne Eskimo Callboy (Fotos) sehr, sehr laut werden. Die Jungs aus Castrop-Rauxel haben im letzten Jahr noch im Zelt gespielt und dort ordentlich abgeliefert. Zur Belohnung nun die Mainstage. Dort ist leider der Sound noch nicht richtig wach geworden und der Bass scheppert und dröhnt durch das gerade erst verdaut werdende Mittagessen. Von etwas weiter weg, lässt sich das besser aushalten und im Laufe des Sets können die Probleme unter Kontrolle gebracht werden. Auch mit sauberem Sound ist das krasses Geballer, was dem Publikum jedoch gut gefällt. Spielt hier gerade der neue Serengeti-Resident? Das Erbe der H-Blockx und Skindred ist noch offen.

Nachdem Razz (Fotos) das Zelt zum schmusen und auf der Stelle tanzen animieren konnten, geht es auf der Hauptbühne mit einer Legende des Emocore weiter. Taking Back Sunday (Fotos) sind noch immer unterwegs und spielen eine Mischung aus den alten Hits und den neuen Rocksongs. Leider leidet der Gig erneut unter schlechtem Sound. Die so wichtige Stimme von Frontmann Adam Lazarra ist viel zu leise abgemischt, was bei den neuen Songs doch schade ist. Bei den alten Songs ist es weniger schlimm: "Liar", "Cute without the E" und "Make Damn Sure" kann eh jeder mitsingen. Die Stimmung vor der Bühne ist mittlerweile angeheizt und voll ist es auch geworden. Während East Cameron Folkcore (Fotos) im Zelt zwar nicht irisch, aber mit Folk auf den nächsten Hauptbühnen-Act einstimmen können, warten viele gespannt auf Flogging Molly (Fotos). Auch dieses Mal lohnt sich das Warten. Flogging machen das, was sie immer machen. Wer es mag feiert, wer es nicht mag wird zumindest ein wenig von der guten Laune angesteckt. Irish Folkrock kommt auf Open Air-Festivals immer gut an, aber das Serengeti liebt es. Vor der Bühne tobt der Mob und die Meute singt fröhlich mit.
Vor dem großen Abschluss gibt es im Zelt noch einen Leckerbissen für Experimentierfreudige. Moop Mama (Fotos) machen etwas, was wohl nicht so viele andere Bands machen: Was die Münchener selbst als Urban Brass bezeichnen, ist nichts anderes als Blaskapellen-Hip Hop! Eine sehr interessante Sache. Funktioniert live auch wunderbar. Sollte man mal reinhören. Ehrlich.

Dann ist es soweit: Casper (Fotos) macht keine halben Sachen, denn alles endet, aber nie die Musik! Der Lokalheld, der in diesem Hinterland seine Jugend verschwendet hat, gibt der Heimat das, wonach die Heimat verlangt. Mittlerweile sind seine Konzerte Best Of-Modellagen seines Schaffens. Der Fokus liegt zwar auf Hinterland, aber auch XoXo-Songs finden Platz im Set. In den neunzig Minuten ist auch Zeit für "Halbe Mille", "Casper, Bumayé!!!" und "Rock'n'Roll"! Ein netter Mix aus der mittlerweile langen Hip-Hop Geschichte des Benjamin Griffey. Er ist als Musiker gewachsen und auch als Entertainer. Ein Ritt zwischen "Mittelfinger hoch" und "Ariel" ist nicht einfach. Und wenn dann bei "Hinterland" das Feuerwerk zündet, müssen auch auch alte Fans anerkennen, es ist anders aber gut, anders.

Samstag: Biffy walzen alle Radiorock-Vorurteile weg

Ein neuer Tag beginnt mit Tim Vantol & Band (Fotos). Der gute Mann spielt Folkrock der rockigen Sorte. Leider schon wieder leichte Soundmatsche seitlich vor der Bühne. Bass zu laut, Stimme zu leise. Gut, dass Tim auch Songs nur mit der Gitarre und sogar ganz ohne sein Mikrofon performed. Selten eine so melodiöse Schreistimme gehört. Als der Sound dann passt, wird es voll vor der Bühne. Tanzende Menschen passen gut zu diesem Auftritt. Im Zelt wird nicht getanzt, sondern gemoshed. Dort legen Brutality Will Prevail (Fotos) alles in Trümmer. Was diese Band da für ein Brett abliefert ist bemerkenswert. Unglaublich groovy und gleichzeitig hart und mitten ins Gesicht. Nur ist kaum jemand anwesend, um Zeugnis abzulegen. Vor der Bühne nur ein paar Halbstarke, die unbeholfen rumhampeln. Auch bei Deez Nuts (Fotos) will es nicht wirkich voll werden. Die Publikumslieblinge von 2012 spielen gewohnt souverän und auch die Songauswahl lässt nicht zu wünschen übrig. Einzig an Bewegung mangelt es. Erst bei "Band Of Brothers" dreht die Menge auf und gönnt sich einen ordentlichen Circle Pit. War nur leider schon der letzte Song.

Zurück im Zelt kann man sich Black Lips (Fotos) anschauen. Die spielen fröhlichen Rock mit Saxophonbegleitung. Schnell und tanzbar, aber mir gefällt das nicht so sehr. Das Zelt ist auch nur viertelvoll und die Stimmung bleibt im Rahmen. Ein ganz anderes Bild bietet sich bei SDP (Fotos). Die bunte Mischung aus poppigem Hip-Hop, dicken Elektrobeats und fetzigen Gitarrensoli begeistert das Serengeti vom ersten Song an. Ohrwurm-Refrains wie der von "Als ich Mädchen noch scheiße fand" oder "Die Nacht von Freitag auf Montag" kann jeder mitsingen. Die Stimmung ist hier vielleicht ausgelassener als bei jedem anderen Auftritt des Festivals. Denn SDP machen Spaß, trotz und eben weil die komplette Show duchgeplant ist. Jede Ansage ist wohl überlegt, jeder Move sitzt. Was auf Platte langweilig und steril wirkt, entfaltet sich live zu einer kurzweilig überaus unterhaltsamen Nummer.

Musikalisch können die Mighty Oaks (Fotos) voll punkten. Folk-Bands sind ja ohnehin ziemlich im Kommen. Das beweist auch die international zusammengewürfelte Band aus Berlin, die zu ihrem 1LIVE-Radiohit "Brother" das Publikum bittet doch möglichst viele Personen auf die Schultern zu nehmen. Das ist in einem sehr gut gefüllten Zelt nicht nur eine klasse Idee, sondern sieht auch noch super aus.
Die Guano Apes (Fotos) sind auf der Hauptbühne dann das nächste Highlight. Sandra Nasic macht das ganz gut. Mit der aktuellen Single "Close To The Sun" gestartet, werden mit "Open Your Eyes", dem Alphaville-Cover "Big In Japan" und dem Klassiker "Lords of the Boards" schnell weitere Hits der Band nachgeliefert.

Als wenig später endlich Turbostaat (Fotos) die Bühne im Zelt betreten, bekommt das Serengeti einen weiteren Höhepunkt geschenkt. Die Bühne liegt in Nebel und Lichtern versunken. Wie Schemen im Watt umgeben sich die Nordlichter mit einer geheimnisvollen Aura. Wir Zuschauer lauschen, nur um dann von dieser unverwechselbaren Stimme nicht mehr losgelassen zu werden. HUSUM VERDAMMT! Eine wirklich gute Songauswahl garantiert ein sehr intensives Konzert. "Wir können alles und Alles können wir sein", "weil wir Schwäne waren". Danke Turbostaat, das ihr immernoch da seid.

NOFX (Fotos) sind auch immernoch da. Seit unglaublichen 31 Jahren. Fat Mike und seine Bande sind der Beweis, dass Punkrock jung halten kann. So stehen NOFX noch immer für viele schlechte Witze und ebenso viele gute Punksongs. "Sticking In My Eye", "Leave It Alone" und "Franco Un-American" machen immernoch Spaß, bilden aber nur das Rahmenprogramm für die eigentliche Show. Es ist einfach unnachahmlich, wie Mike und Eric sich selbst, das Publikum und die ganze Welt beleidigen. Man muss sich im Klaren sein: "This is not a Kinder-Show!" und jeder kriegt sein Fett weg. Außer fiesen Sprüchen können die beiden aber auch sehr gut zweistimmig singen. NOFX sind immernoch eine gute Live-Band. Und während draußen umgebaut wird, dürfen dann auch Egotronic (Fotos) mit ihrem "Raven gegen Deutschland" im Zelt beweisen, dass sie eine gute Liveband sind.

Und wo wir gerade bei guten Livebands sind: Biffy Clyro (Fotos)! Die Schotten schicken eine gewaltige Soundwalze über die Savanne. Wummernder Bass über treibenden Drums, dazu ein vor Energie platzendes Gitarrenspiel. Gelegenheits-Radiohörer haben damit sicher nicht gerechnet. Progressiv-Rock mit ordentlichem Bums statt easy listening. Die Position als Headliner ist dabei absolut berechtigt, denn Biffy ist die bestbesuchte Band des Festivals. Natürlich fehlen die Hits "Many of Horror", "Who's Got A Match" und "Black Chandelier" nicht, doch geht es drei Ecken härter und schneller zur Sache. Unterstützt von einer aufwendigen Lightshow geben die drei Musiker alles. Springen, rocken, schreien. Sind dabei teils ruhig, teils episch und dann wieder brutal. Eine Achterbahn, mit Vollgas in die Nacht und der Schweiß tropft aus jeder Pore.
 

Sonntag: Jan Delay trotzt dem Wetter mit erhobenen Mittelfinger

Nach Tell You What Now (Fotos) mit Kmpfsprt (Fotos) in den Tag zu starten, ist musikalisch gesehen eine grandiose Sache. Diese Band macht sich gerade daran den deutsch-sprachigen Punkrock zu retten. Kraftvoll, melodisch und trotzdem rotzig geben die Kölner vom Start an mächtig Dampf, auf dass schon beim ersten Akkord die Saiten reißen. Das weckt Erinnerungen und macht Hoffnungen auf die Zukunft. Bassist Dennis trägt ein Marathonmann-Shirt. Eben diese beiden Bands stehen an der Spitze der Post-Muff Potter-Generation. Es keimt wieder in der Asche.
Über Truckfighters (Fotos) soll Josh Homme einmal gesagt haben, dass sie die beste Band sind, die je existiert hat. Ganz so gut sind sie dann doch nicht, aber der groovige Stoner Rock der drei Schweden kann auf der Hauptbühne durchaus überzeugen. Im Zelt warten derweil Alle auf Claire (Fotos). Vier Minuten Verspätung und ein Vier-Minuten-Intro sind ein schmaler Grad, um Spannung aufzubauen. Dann aber entführt eine sphärische Stimme, unterlegt von dicken Elektrobeats, in eine andere Welt. Auf der in weißen Nebel getauchten Bühne unterstützt eine Beamer-Präsentation ein eigentümliches Bild. Alles wirkt so leicht und zerbrechlich. Musik in Watte gepackt. Zart und fern. Versuche aus diesem Schleier auszubrechen scheitern. Claire sind eigen, harmlos und trotzdem irgendwie schön.

Das Serengeti hat heute eine weitere Legende im Line-Up: Die Nu-Metal Pioniere Papa Roach (Fotos). Mit dem Opener "Between Angels And Insects" sind die Weichen bereits gestellt und zum ersten Mal wird vor der Bühne kräftig Staub aufgewirbelt. Mit Hits wie "Broken Home" und "Getting Away With Murder" wird der Circle Pit angeheizt. Auch das etwas ruhigere "Scars" kann den Bewegungsdrang nicht mindern. Vor der Bühne wird getanzt, geschubst, Pogo getanzt und noch mehr Staub aufgewirbelt. Jacoby lässt es sich nicht nehmen sich das ganz aus der Nähe anzusehen und wagt einen Spaziergang durch die Menge. Als dann die Hymne "Last Resort" erklingt, gibt es kein Halten mehr.

Nachdem die Cloud Nothings (Fotos) ihr Konzert im Zelt gespielt haben, ist es nun Zeit für das Sonntags-Highlight. 18:30 Uhr ist nicht die richtige Zeit für eine Band, wie die Editors (Fotos). Es ist noch hell und so geht das aufwendige Video-Backdrop unter, obwohl dort wirklich verrückte Sachen passieren. Der Lichtereinsatz kann seine Wirklung genausowenig entfalten. Überhaupt sind die Songs der Briten um Sänger Tom Smith eher etwas für die Nacht. All the sparks will burn out in the end und was dann bleibt ist ein treibender Beat und eine verträumte Gitarre. Und diese Stimme, die durch ein stimmungsvolles aber auch schweres Set führt.

Die letzte Band im Zelt sind Augustines (Fotos) aus Brooklyn. Sie werden von einem dicken, bärtigen Mann als beste Liveband, die wir je gesehen haben angekündigt. Dicke bärtige Männer liegen selten falsch und obwohl ich bisher noch nie auch nur den Namen gehört habe, bleibe ich bis zum Ende. Weil es sich lohnt! Ehrlicher Rock mit einem charismatischen Sänger und einem Tausendsassa am Bass/Keyboard/Synthie/Zweite Gitarre/Vocals. Dass der Drummer nur Schlagzeug spielt, verwundert da fast schon. Ein schöner Abschluss für das Zelt. Mit einer solch guten Band hatte ich nicht mehr gerechnet und so ist es doppelt schön. Die Band verabschiedet sich mit einem charmanten "Gute Nacht, auf Wiedersehen, Tschus". Neben "Pilsener" die schönsten Worte, die sie auf Deutsch können.

Jan Delay & Disko No. 1 (Fotos) dürfen dann das Serengeti Festival 2014 abschließen. Im Gegensatz zu den Vorjahren ist es mittlerweile vergleichbar leer vor der Bühne. Viele Leute sind schon abgereist, nachdem Casper und auch Biffy Clyro gespielt haben. Dennoch macht Jan Delay Stimmung. Im Leoparden Look, ganz passend zum Nachbarn des Festivals, kommt er auf die Bühne.
Es regnet und das muss sich ändern. Damit den Leuten warme Gedanken kommen, hat Jan seine Setlist umgestellt und spielt so schon Hits, wie "Klar" und "Oh, Johnny" zum Anfang.
Aber auch der Rock hat Einzug gehalten. Auf die Musik von "Can't Stop" der Red Hot Chili Peppers gibt es den Song "Füchse". Blur's "Song 2" untermalt Jan Delays "Vergiftet". Jan borgt sich einges von anderen Künstlern, um das Publikum zu unterhalten. Auch das Das Bo-Cover "Türlich, Türlich". Als Finale gibt es dann etwas eigenes: "St. Pauli" ist ein guter Song und ein gelungenes Finale. 

Alles in Allem war das Serengeti-Festival auch in diesem Jahr einen Besuch wert. Gut, mit dem Wetter war niemand einverstanden, aber da kann man nunmal nix machen. Allerdings drängt sich die Frage auf, warum nicht mehr Bands spielen durften. In diesem Fall ist mehr nämlich mehr und wir hoffen, dass 2015 -beim großen zehnjährigen Festivalgeburtstag- noch eine Ladung Bands extra dabei sein wird. Denn die Auswahl hat jedes Jahr ein paar positive Überraschungen parat. Go4It