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Konzertbericht
Vainstream

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Hatebreed
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K.I.Z.
Of Mice & Men257ers
Silverstein
Stick To Your Guns
Trash Talk

Locations



Datum: 05.07.2014

Vainstream Rockfest 2014

... und dann kam Trash Talk

Münster (as)    Erneut war der Wettergott gnädig und spendierte einen sonnig-warmen Sommertag, der Münster und das Gelände am Haverkamp für 15000 Besucher zum kleinen Gitarren-Paradies werden ließ. Sagte ich klein? 22 Bands auf 4 Bühnen, Headliner wie Heaven Shall Burn, Hatebreed und K.I.Z ... das ist ganz großes Kino! Und dann war da noch Trash Talk.

Die Dropkick Murphys rissen als grandioser Abschluss des Vainstream Festival 2014 die Hauptbühne ab. Foto: Danny Kötter

Wie im letzten Jahr ist das Vainstream bereits im VVK ausverkauft, doch glücklicherweise merkt man davon in diesem Jahr weniger. Das Gelände wurde erweitert, die Warteschlangen halten sich in Grenzen. Ein guter Anfang.
Da dieser Bericht seine Schlüsse oft im Vergleich mit dem Vainstream 2013 zieht, empfiehlt der Autor eine kurze Lektüre zur Einstimmung: http://www.music2web.de/index.php?id=278&show=1278&action=read 

Also Vainstream 2014, was ging da so?

Das Gelände:
Hier an Details gefeilt und dabei sind einige sehr clevere Ideen umgesetzt worden. Den Sonnenbrand-2-Go Erfahrungen des verganenen Jahres wurde durch die Bereitstellung von "Schattenplätzen" Tribut gezollt. Eine gute Sache, wenngleich dort nicht allzu viele Menschen Platz finden konnten. Ein ähnliches Bild im Biergarten.
Wo wir von Bier sprechen: Das kostet noch immer 2 Wertmarken, bedeutet 2,50 €. Das ist weiterhin ein guter Kurs, leider wurde vom Massenrabatt Abstand genommen. Wer sich entschließt 50,00€ zu investieren, bekommt nur noch 40 Wertmarken. Im letzten Jahr gab es dafür noch ein paar Marken extra. Schade drum! Noch blöder ist, dass noch immer kein Becherpfand eingeführt wurde. Wie im letzten Jahr sieht das Gelände am Abend aus wie ein gelber Sack von innen. Kein Schritt ohne auf einen kaputten Becher zu treten, oder einen noch nicht ganz kaputten Becher vom Schuh zu kratzen. Liebes Vainstream, das ist blöd. Vermeidet Müll, nehmt Pfand!

Die Bühnen sind im Groben gleich geblieben: Die großen Brocken "EMP Stage" und "DESPERADOS Stage" stehen weiterhin in nebeneinander im Zentrum des Geschehens. Die kleine Bühne am anderen Ende heißt nun "Relentless Energy Stage". Neu im Programm ist die "Club Stage". Eine grandiose Sache die angrenzende Sputnikhalle zu nutzen, um etwas Clubatmosphäre anzubieten. Noch eine grandiose Idee: Fußball gucken im Sputnik-Café.

Die Bands:
Eröffnet wird das Vainstream dieses Jahr von Annisokay (Fotos) aus dem Raum Leipzig-Saale. Die junge Band sprang für die erkrankten Breakdown of Sanity ein machte das ganz ordentlich. Bury Tomorrow (Fotos) und BlessTheFall (Fotos) brachten die Menge in Stimmung. Nur die Hitze sorgte dafür, dass nicht jetzt schon alle ausrasten. Wie bestellt, sorgt ein leichter Regen für die notwendige Abkühlung. Da die Sonne nicht verschwindet und das Nass schnell trocknet, kann die Regenjacke im Rucksack bleiben.
Dann schlägt die Stunde der Hardcore-Bands: Stick To Your Guns (Fotos) und Comeback Kid (Fotos) zeigen dem Publikum wo das Gaspedal ist und drücken kräftig drauf. Ja, das funktioniert auch auf einer Open-Air Bühne. Druckvoll und geradeaus setzen sie die Menge in Bewegung. Positiv auch, dass CKs neue Songs wie "Wasted Arrows" wunderbar zu den Klassikern "Broadcasting" und "Wake the Dead" passen. Die haben es nach all den Jahren immernoch drauf.

Auf der Relentless Stage eröffnen die 257ers (Fotos) und es ist überraschend voll. Und überraschend viele Menschen singen mit. Die 3 Rapper aus Essen haben sich mit ihrer sehr eigenen Art eine enorme Fanbase erarbeitet und genießen heute den Lohn. Ein sehr interessanter und unterhaltsamer Auftritt. Neben mir in der Menge stehen K.I.Z. und auch denen scheint es zu gefallen.

Bei Architects (Fotos) zeigt sich leider das alte Vainstream Soundproblem. Ich weiß nicht, warum das nicht in den Griff zu kriegen ist. Ja, es war windig. Aber daran allein kann es ja nicht liegen. Im Zweifel bitte etwas lauter.
Architects spielen wie immer auf höchstem Niveau und Sam Carter zeigt, warum die Welt ihn für einen Ausnahmesänger hält: Er ist einer. Kurios wird es etwas in der Mitte des Sets, als just in der Sekunde als ein Crowdsurfer den Wellenbrecher überquert der komplette Bühnenstrom ausfällt. Sam kann sich das nur so erklären, dass der Crowdsurfer so awesome war, dass es zu viel für den Stromkreis wurde. Die logische Konsequenz für ihn: Mehr Surfen! Leider haben sie dann vergessen "Follow the Water" zu spielen. Das war schade.
Emmure (Fotos) waren kacke.

Auch die Fans von Silverstein (Fotos) mussten mit nicht ganz optimalen Sound auskommen. Dafür gab es vonseiten der Band ein gutes Programm. Neben neueren Songs, spielten sie alles wichtige von damals: "Smashed Into Pieces", "Smile In Your Sleep" und "My Heroine" setzen uns in die Zeitmaschine. In dieser bleiben wir noch etwas sitzen, bis wir im Jahr 1979 angekommen sind. Das nämlich ist das Gründungsjahr von 7seconds (Fotos). Die Band aus Reno gehört zu den Urvätern des Hardcore-Punk und ist immernoch hungrig. Mit "Leave A Light On" kam 2014 das erste Studioalbum seit 9 Jahren. Das Set endet mit dem Hit "Young Till I Die" - Das nehmen die Herren wörtlich.

K.I.Z. (Fotos)
schaffen es erneut zu begeistern. Die 45 Minuten Set flogen nur so davon, weil man Tarek, Nico und vor allem Maxim den Spaß ansieht und weil jeder verdammte Song ein Hit ist! "Urlaub fürs Gehirn", "Abteilungsleiter der Liebe", "Geld essen": Da kann jeder mitsingen. Zu "Der durch die Scheibeboxxer" fährt Nico stilecht mit Moped auf die Bühne. Was ein schöner Moment. Zum Ende geben die Berliner uns noch einen Ohrwurm für die nächsten Wochen mit. Wer hätte auch gedacht, dass die Hook von "Hurensohn" so perfekt auf die Melodie von Alphavilles "Forever Young" passt ?

Die Headliner machen dann das, was Headliner zu tun haben. Bring Me The Horizon (Fotos), Hatebreed (Fotos) und Heaven Shall Burn (Fotos) liefern ab. Professionell, souverän und mit technischer Raffinesse. BMTH verlassen sich auf imposante Rauchsäulen, die aus dem Bühnenboden schießen. HSB setzen zusätzlich auf das gute alte FEUER. Das sieht gut aus, das ist gut. Vor den Bühnen ist es gut gefüllt, der Sound schwächelt immer noch, aber die Stimmung ist prima. Hatebreed dampfwalzen alle Zweifel hinweg. "Destroy everything" hält Wort. HSB schließen ihr Set mit "Endzeit" und vergessen "The Weapon They Fear". Wir sind enttäuscht, aber nicht sehr. Wir haben gute Shows gesehen. Den Bands ist die jahrelange Erfahrung anzumerken, sie wissen was sie tun.

Und dann kam Trash Talk:
Zum Abschluss führte der Weg erstmals zur Club Stage in der Sputte. Während auf der Mainstage der etatmäßige Headliner - die Dropkick Murphys (Fotos) - die feierwillige Masse bespaßen und Rosentattoos nach Bosten shippen, sollte dort die californische Hardcore-Punk Band "Trash Talk" spielen. Was in den folgenden 40 Minuten passiert ist, ist mit dem einstudierten Bühnenchoreos des bisherigen Festivals nicht zu vergleichen. Es regierte das Chaos.
Sänger Lee Spielman ist ein Dirigent der Zerstörung, ein Meister des Unvorhergesehenen. Und genau so muss sich Hardcore-Punk anfühlen! Die Songs sind selten länger als 2 Minuten. Dafür voll mit Emotion, Kraft und Wut.
In der Sputnikhalle sind nur ein paar hundert Leute, aber es kocht. Circle Pit und Moshalarm, Stagedive und Singalong. Spielman wütet durch den gesamten Laden. Erklettert jede Möglichkeit, springt in die Menge und lässt sich tragen. Einen Song performed er auf der Theke stehend. Dann springt er - als wäre es nichts - hinter die Theke, geht an den Kühlschrank und verteilt Freibier. Das Personal ist so verdutzt, wie das Publikum.

Trash Talk sind die Antithese: Das ist live. Keine Pläne, keine Regeln. Nur Lust an der Musik.
Und so findet sich beim Finale der Show das halbe Publikum auf der Bühne. Bassist Spencer Pollard gibt irgendjemandem seinen Bass. Irgendjemand spielt den Bass. Diese Jungs sind verrückt, die gute Art.
Am Ende sind es Trash Talk die den Unterschied machen. In einer Reihe sehr guter Bands, bleiben sie echt. Wenn alles andere wie auf Platte klingt, bleiben sie im Gedächtnis. Der Headliner der Herzen.

Die Show geht dann noch weiter bis 1:00 (mit den großartigen The Black Dahlia Murder). Da sitze ich leider schon im Zug Richtung Heimat und freue mich auf das nächste Jahr. Im Ganzen ein enorm dichter Tag, mit vielen positiven Überraschungen. Wir können uns alle freuen auf "la decima": das Vainstream Rockfest 2015.