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Datum: 18.07.2013

Serengeti Festival 2013

Raus aus dem Lokalteil

Schloss Holte-Stukenbrock (as)    "Das Festival, dem man beim Wachsen zusehen kann" hieß unsere Überschrift zum Serengeti 2012. Und daran hat sich nichts geändert. Die achte Auflage des Open Air ist erneut ein ganzes Stückchen größer geworden. Das Gelände wurde neu sortiert und mit Chase And Status, Broilers und Seeed erneut angesagte Headliner eingeladen. Das Serengeti will mehr als nur OWLs Nummer 1 zu sein.

Auf Seeed haben alle gewartet. Wer wird wohl der Headliner des Serengeti Festivals 2014? Foto: Marcel Linke

Ostwestfalen sind nun nicht für ausgelassene Stimmung und Weltoffenheit bekannt, doch ein langes Wochenende im Jahr steht die Senne Kopf. Das Serengeti Festival ruft und sie kommen in Scharen. Der folgende Bericht beschreibt keine Tatsachen, sondern Meinungen. Er beginnt mit dem wesentlichen – Den Bands – und kommentiert zum Schluss das Festival als Ganzes. Dabei wird an Kritik nicht gespart
Fotos zum Festival

Serengeti Festival 2014
Termin: 10. - 13. Juli 2014
Schneller-Tiger-Ticket inkl. Zelten ab 69,90 Euro
Schneller-Tiger-Ticket ohne Zelten ab 59,90 Euro
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Donnerstag: Serengeti Warm Up Party. Kassierer Nackt, Fitti schwach.

Schon im vergangenen Jahr hat das Serengeti eine Warm Up Party angeboten. Dieses Jahr sind wir dann auch wirklich hingefahren. Das ganze findet im Zelt statt. Auf der Bühne MC Fitti und Die Kassierer.

MC Fitti (Fotos) beginnt mit zehnminütiger Verspätung und steht trotzdem vor einem relativ leerem Zelt. So läuft das mit dem Hype. Alle reden drüber, keiner geht hin. Die Leute, die da sind feiern dafür hart. Fitti macht auch eine solide Show, spielt Songs wie "Schöne Mädchen", "Whatsapper" und "30 Grad". Allerdings ist das erschreckend langweilig. Irgendwie hat man bei ihm doch mehr erwartet. Eine übertriebene Ausnutzung von Hilfsmitteln und Gags beispielsweise. Bis auf ein bisschen Glitzerkonfetti kommt da aber nichts. Man sollte fast meinen, dass er sich selber für einen richtigen Musiker hält, der wegen der Musik und nicht wegen dem Image dort steht, wo er steht. MC Fitti ist ein Phänomen, aber ein Rapper ist er nicht. Stukenbrock tanzt den Roflcopter, ich geh woanders hin: Yolo und so.
Die Kassierer (Fotos) machen schon vor dem ersten Lied alles klar. "Ficken ist besser als in die Hände zu klatschen" ruft Sänger Wölfi und Ostwestfalen stimmt unter Beifall ein. "Saufen, saufen, jeden Tag nur saufen" und schon ist das Publikum überzeugt. Ansagen solcher Natur werden authentisch dargeboten, indem die Kassierer die ganze Show über Bier trinken und rauchen. Wölfi wird dabei sichtlich besoffener und muss im Verlauf des Konzertes auf Spickzettel zurückgreifen, um seine eigenen Texte nicht zu vergessen. Das finde ich gut, das sollte man immer so machen. "Komm mach die Titten frei, damit wir wichsen" bzw. "komm mach den Pimmel frei, damit wir lutschen" – was soll man bei so viel lyrischer Raffinesse noch sagen? Natürlich gibt es auch Penis zu sehen. Wölfi steht dort mal oben ohne, mal unten ohne und auch eine Zeit lang komplett nackt. Insgesamt bieten die Kassierer eine starke Show, die auf die Dauer zwar anstrengend, aber nicht langweilig wird.


Freitag: Doppeltime Lektionen von Watsky

Heute bin ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist, eine lustige Sache. Der Bus kommt pünktlich am Bahnhof SHS an und nimmt uns mit zum Festivalgelände. Die Fahrt wirkt wie ein Klassenausflug, wohl aber eher wie eine Mannschaftsfahrt. Von der Haltestelle sind es noch ein paar Kilometer bis zur Bühne, wo Montreal (Fotos) schon warten. Ich schau mir die ersten Songs vom Marlboro Spähposten an. Von hier kann man das ganze Gelände überblicken. Dort ist zu dieser frühen Stunde noch nicht viel los. Vor der Bühne gibt es immerhin schon etwas Pogo. Bei His Statue Falls (Fotos) geht erst auch nicht mehr. Die spielen im Zelt und das wird nur langsam voll. Zu der glatt polierten Mischung aus Pop und Breakdown-Mukke lässt sich das Publikum dann aber doch zu Circle Pit und Wall Of Death anstiften. Mit "Give It Up" endet ein kraftvoller und tighter Auftritt. Ich behaupte aber einfach mal, dass HSF ohne dieses Elektrogedudel ne ganze Ecke cooler wären. Der nächste Act auf der Tentstage heißt Watsky (Fotos). Vorher nie davon gehört, konnte der junge Rapper aus San Francisco mich vollkommen begeistern. Ich hab selten so präzise und gleichzeitig lockere Double Time Parts gehört. Das fesselt direkt vom ersten Ton. Für die Liveperformance hat sich George Watsky einen Drummer, Gitarre, Keyboard, Trompete, sowie eine Backgroundsängerin mitgenommen. Leider kommt der Soundmann hinter diesem Doubletime-Gewitter nicht hinterher. Die Stimme ist teils zu leise, teils zu undefiniert. Man versteht kaum etwas, was in diesem Fall sehr bedauerlich ist, schließlich ist Watsky mehrfacher Poetry Slam Champion. Der Stylo-Champion des gesamten Festivals ist Watskys Keyboarder, der den kompletten Gig mit umgeschnallten Rucksack absolviert.
Weiter im Zelt geht es mit Eskimo Callboy (Fotos). Eigentlich wollte ich schlecht über diese Band schreiben, aber das geht nicht. Der fast übertrieben fette Sound macht Bock, die Lichtshow trägt ihren Teil dazu bei. Zum ersten Mal ist das Zelt annähernd voll und fast alle machen mit. Sympathisch macht die Band, dass sie auf dieses ganze Partycore-Gehabe verzichten, keine Bälle ins Publikum werfen und nicht auf der Bühne auf Trampolinen rumspringen. Ein Imagebruch zum Guten. Die Jungs nehmen sich mittlerweile nahezu ernst und das steht ihnen. Als letzten Song gibt es dann ein Skrillex Cover und nicht Katy Perry...Ich hasse sie doch.
Zur Abwechslung verschlägt es mich nach diesem Zeltfest vor die Mainstage. Dort sieht man die großen alten Männer des HC: Suicidal Tendencies (Fotos)! Das ist so etwas wie die Essenz von Hardcore und damit auf einer riesen Festivalbühne ungünstig aufgehoben. Wer kann, sollte sich das nochmal in einem Club anschauen. Heimischer fühlen sich auf diesen Bühnen sicherlich Skunk Anansie (Fotos). Zumindest Sängerin Skin verfügt über jahrzehntelange Erfahrung und macht davon Gebrauch. Mit Glitzeranzug und Flammenhintergrund ballert ein dicker Sound aus den Boxen. Dazu eine Stimme mit Power (die leider viel zu leise abgemischt wird!). Man merkt sofort, dass die Band Bock hat heute hier zu sein. Die einsetzende Dunkelheit lässt die Lichtshow wirken, auf der Leinwand hinter der Band laufen Videoclips oder verrückte Motive. Wenn Skin redet, ist ihre Stimme furchtbar quietschig. Wenn sie singt, klingt das fast nach 80s Powermetal – Starck. Die großen Hits "Weak As I Am" und "Hedonism" folgen aufeinander, danach passiert nicht mehr viel und bis zum Ende bleibt ungeklärt, warum der Drummer zwei Bassdrums aufgebaut hatte. Den heutigen Headliner markieren Chase And Status (Fotos). Es ist seltsam, dass man ohne große Probleme bis zur ersten Reihe vorgehen kann. Die Erweiterung der Festivalgröße macht vieles angenehmer. Chase And Status bringen den Dub-Weltuntergang in die Serengeti. Dieser Bass ballert wirklich ordentlich und die Drum and Bass-Einflüsse kicken Arsch. Nach der grandiosen Single "Time" ist dann aber leider schon Schlafenszeit.

Samstag: Bengalozünden mit den Broilers

Los geht's mit den Monsters Of Liedermaching (Fotos). Das "Alf"-Intro lässt Herzen höher schlagen. Darauf folgt mit "Marzipan" schon der erste Hit und die Fans sind eingestimmt. Trotz der frühen Stunde (13:30) ist es schon recht voll vor der großen Bühne. Die Monsters sind ein gern gesehener Gast auf dem Serengeti. Dieses Jahr dürfen sie sogar am Samstag und am Sonntag spielen. Genügend Songs haben sie dafür locker. So strotzt der erste Teil des Konzertdoppels bereits vor Knallern und bringt die Menge in Bewegung. Es gibt Pogo und Sattelschlepper-Circle Pit. Dazu läuft man im Kreis und ruft "Ich wiege 30 Tonnen". Besonders toll die Publikumsperformance bei "Der Ruderer". Der komplette Innenraum sitzt auf dem Boden zwischen den Wellenbrechern und rudert im Takt. Als Pensen dann singt "Es muss nicht immer Ficken sein und das hat nen Grund: Nimm ihn in den Mund!" muss sogar der grimmige Security lachen. Ja, die Monsters erheitern. 70 Minuten lang und morgen nochmal. Sehr gut!
Etwas später auf der Mainstage spielen Skindred (Fotos). Die finde ich immernoch überflüssig, wie sonstwas. Aber man muss ihnen schon zugestehen, dass sie die Menge bewegen. Vier Jahre in Folge spielt die Band bereits das Sergengeti Festival und es gibt sicher kaum jemanden, der den Publikumsliebling nicht gesehen hat. Die arrogante Art von Sänger Benji stört mich weiterhin, aber anscheinend sonst keinen. Höhepunkt des Konzerts ist der "Newport Helicopter", der einfach nur beeindruckend aussieht. Dazu zog sich nahezu das komplette Publikum das Shirt aus und wedelte damit kräftig über dem Kopf. Vor der Bühne war es brechend voll, ein gelungener Act. Nach Skindred bleibe ich vor der Bühne stehen, um bei Funeral For A Friend (Fotos) ganz vorne zu stehen. Das hätte ich mir sparen können, denn so schade es ist: Es bleibt das komplette Konzert über sehr leer. Es ist zwar super heiß um 16:30, dennoch ist das richtig traurig. Mir blutet das Herz, wenn ich zwischen den Songs hinter mich schaue und kaum jemanden in Bewegung sehe. Schon seit 12 Jahren ist diese Band unterwegs und der Auftritt ist wirklich gut. Während bei den diesjährigen Clubshows fast nur Songs vom aktuellen Album "Conduit" gespielt wurden, finden sich heute auch Klassiker wie "Street Car", "Bullet Theory", "Escape Artist Never Die" und auch "Juneau" auf der Setlist. Sänger Matthew wirkt auch nicht gerade glücklich über die Leere vor dem Graben. Die Jungs auf der Bühne geben trotzdem Vollgas. Matthew springt und tobt zu den schnellen Gitarrenläufen seiner Kumpanen. Dass er dabei ein "More Than Life"-Shirt und eine "H2O" Hose trägt ist kein Zufall. FFAF haben sich stärker dem Hardcore geöffnet und das steht ihnen sehr gut.
Als etwas später Danko Jones (Fotos) die Bühne erobert, wird der Sound direkt lauter und drückender. Der Kanadier schwitzt Blut und Rock'n'Roll. Danko peitscht die Menge und yes, we kiss on the first date! Die Fans rufen "Ausziehen", aber Danko versteht kein deutsch. "That doesn't sound like my name". Nachdem er über die Bedeutung informiert wurde, freut er sich. Ausziehen ist dann aber doch nicht drin. Der Spießer. Im Zelt geht es weiter mit Großstadtgeflüster (Fotos). Ging das beste Outfit gestern an den Keyboarder von Watsky, geht der Preis für das Schlimmste eindeutig an Frontfrau Jen. Ihr Hüftschmuck, eine Mischung aus Fell und Zotteln, provoziert. Doch auf der Bühne zeigt sie Power und das Zelt füllt sich. Lila blaues Bühnenlicht und ein wummender Bass animieren zum Hüpfen. Musikalisch klingt das irgendwie so, wie Jennifer Rostock als die noch scheiße waren.
Den Headliner am Samstag geben die Broilers (Fotos). Noch während des ersten Songs ist direkt alles voll mit Menschen. Aus allen Ecken kommen sie springend und tanzend angeeilt. Die Band beginnt mit Ska-inspirierten Songs und lässt die mitgebrachten Bläser ihre Wirkung zeigen. Die Bühne wird dazu in blaues Licht gehüllt und mit viel Nebel verdichtet. Am Firmament strahlt ein Fast-Vollmond und man könnte sicher auch Sterne sehen, wenn die Masse nicht so viel Staub in die Luft tanzen würde. Mit viel Spielfreude fesseln die Broilers das Publikum und zack wird der erste Bengalo gezündet (sagt man jetzt "typisch"?!) Ein großer Erfolg für die Security... "Das wird ein harter Weg" raus aus dem Stereotype-Image der Band. Die Fans feiern die Broilers und geben vor der Bühne mächtig Gas. Im Gegensatz zur Singstimme von Frontmann Sammy, empfinde ich seine Erzählstimme als sehr angenehm. Der Mann darf mir gerne was vorlesen. Insgesamt ist das ein guter Auftritt, die Leute sind zufrieden. Ich bleib aber dabei: Nix für mich.

Sonntag: Seeed zieht

Auch dieser Tag beginnt mit den Monsters of Liedermaching (Keine Fotos!). Es ist ein schöner Start in den Festivaltag. Im Vergleich zu gestern fällt auf, dass besonders Pensen anscheinend eine lange Nacht hinter sich hat. Seine Stimme klingt rauchig versoffen und erinnert stark an Bela B. Nach dem Hit-Feuerwerk am Samstag hat man sich fast gefragt, was am Sonntag denn bloß noch kommen sollte. Aber schon nach dem Opener "Tod in der Nordsee" war diese Frage vergessen. Besonderheiten bilden die tolle Glockenspieleinlage bei "Die reine Poesie", der Saloontür-Move bei "Türen", das jeden umfassende Hinsetzen-Aufspringen bei "Schönheitschirurgie" und die Neuerfindung eines "Nicht von Kugeln erschossenen Pelikan"-Moves. Die Monsters haben sich schon schöne Dinge einfallen lassen, schließlich war heute auch das Fernsehen da (WDR Rockpalast) und "hinter jeder Kamera steht ein Kamerad". Im Kontrast zu dem ruhigen Biergartenflair der Monsters stehen Hoffmaestro (Fotos). Mit vier Sängern bietet die Band Abwechslung pur. Eigentlich genau die richtige Musik für einen sonnigen Nachmittag. Aber heute ist es einfach zu heiß für die hektisch schnellen Spring-Passagen der experimentierfreudigen Schweden, die ihre Musik selbst als SKANK-A-TRONIC PUNKADELICA bezeichnen. Ruhiger machen das die Herren von Triggerfinger (Fotos). Diese drei Gentleman bringen Stoner/Blues-Rock in die Savanne und rocken damit genauso, wie sie grooven. Bekannt geworden durch das Lykke Li Cover, müssen sich die Belgier mit ihren eigenen Songs nicht dahinter verstecken. Gute Show.
Eine sehr gute Show gibt es kurz danach im Zelt. Adept (Fotos) zerlegen dort Alles. Die Tentstage ist zu diesem Zeitpunkt eine sichere Zuflucht vor der erbarmungslosen Sonne. Diesen Schutz muss man allerdings gegen abgestandene, stickige Luft eintauschen. Adept ist das voll egal, sie zerstören den letzten Rest an Kondition. Die härteste Band des Festivals kommt mit dickem Sound, wummernder Bassdrum und einer bemerkenswerte Leistung von Frontmann Robert Ljung um die Ecke. Der shoutet, growled und singt dann makellos clean. Dazu teils richtig fiese Breakdowns und schnelle Ufftas. Die Songs treiben, sind catchy und vor allem tanzbar. So ist es bei aller Unwahrscheinlichkeit nicht überraschend, dass trotz der ekeligen Hitze der Moshpit eröffnet wird. "Links und rechts, alle fucking zusammen" schreit uns Ljung entgegen, läuft.
Kettcar (Fotos) lassen es ein paar Gänge ruhiger angehen. Zurück aus dem Dunkel des Zeltes wirkt der Platz vor der Mainstage wie eine andere Welt. Übertrieben hell und das sieht (oder eben nicht) Marcus Wiebusch ebenso. Der muss sich aus dem Publikum eine Sonnenbrille ausleihen. Er bekommt eine in Neon-gelb. Sehr elegant, Graceland Baby. Das Set heute wirkt recht schwer. "Balkon gegenüber", "48 Stunden" und "Balu" hinterlassen ein melancholisch drückendes Gefühl in der Magengegend. Ich weiß wieder, warum ich das früher so oft gehört habe. Aber es geht auch rockiger: "Money left to Burn" und "Ich danke der Academy" lassen das Publikum tanzen. Als Sahnehäubchen auf dieses schöne Konzert gibt es die Hitsingle aus dem Jahr 2002: "Landungsbrücken Raus". Noch ein letztes mal winken und ich bin raus. Und zwar ab zurück ins Zelt zu Disco Ensemble (Fotos). Egal wo und wann ich diese Band sehe, sie geben Vollgas auf allen Positionen. Die Turbo-Finnen hauen ordentlich was raus. Die Lichtshow von "We Might Fall Apart" benötigt besser eine Epilepsie-Warnung. Dieses Tempo halten sie das komplette Set durch. Flackerndes Licht, schnelle Gitarren und maßvoller Einsatz von Synthi und SPDS überzeugen auf voller Länge. Der Hit "Drop Dead Casanova" ist weiterhin einer der besten Livesongs überhaupt, selbst wenn Sänger Miikka den Refrain nich mehr shoutet.
Bosse (Fotos) shoutet auch nicht. Und er spielt auch nicht mehr Gitarre. Ein ungewohntes Bild. Dafür hat er seine Entourage: Zwei Gitarren, Bass, Drums, Keyboard, Sängerin mit Keyboard und sogar eine Trompete hat er dabei. Axel Bosse kann sich dann auf den Gesang konzentrieren. Das Set beginnt mit "Kraniche" der Titeltrack zum aktuellen Album. Dieser Song ist wunderschön, wirkt aber mit all den verwendeten Instrumenten überladen. Darunter leidet der Charme sehr. Das Konzert ist trotzdem klasse, aber vielmehr als Event, als Show, und nicht als der emotional intensive Moment der es hätte sein können. Mitmach-Spielchen und Sing Sang mit dem Publikum halten die Menge bei der Stange. Für mich hat das ein Geschmäckle. "Yipi" unterstreicht mein Argument. Denn für diesen Song greift Axel zur Acoustic Gitarre und wird nur minimal begleitet. Direkt bekomme ich eine Gänsehaut! Ein Großteil des Publikums empfindet ähnlich und der Applaus ist immens. Wäre doch das ganze Konzert so gewesen. Schöne Momente gibt es trotzdem einige. Wenn 10.000 Leute "Schönste Zeit" ganz alleine singen. Bosse, es ist schön, dass du da bist. In Frankfurt/Oder oder hier in der Savanne.
Dann wieder im Zelt forme ich das "O", aber seltsamerweise bin ich der Einzige. Die Orsons (Fotos) sind im Gebäude und verzichten auf Vergangenheit. Nicht ein einziger Song von den ersten beiden Alben wird gespielt. Gott sei Dank auch nicht das scheußliche "Horst und Monika". Statt dessen wurden "Rosa, Blau oder Grün", "100K" und sogar "Was labersch Du?" zelebriert. Mit zwei Backgroundsängerinnen und den vier MCs Tua, Kaas, Maeckes und Plan B tummeln sich 6 Stimmen auf der Bühne. Einmal mehr eine schwer lösbare Arbeit für den Mischer. Ist es bei deutschem Rap doch nicht verkehrt die Texte zu verstehen, wird genau das zum Problem. Im Verlauf des Konzertes wird das besser, leider haben wir dadurch schon viele ausgefuchste Wortspiele verpasst. Mit "Vodka Apfel Z" und "Jetzt" gibt es zum Schluss zwei weitere Höhepunkte, wobei sich das Zelt immer schneller leert. Jeder Song bringt Seeed näher. Der durch die Abwanderungen zur Hauptbühne entstandene Platz wird von den Orsons optimal ausgenutzt. Ein fast die komplette Breite des Zeltes umfassender Massen Side-2-Side Choreo-Tanz wurde erfolgreich umgesetzt und dann mit einem Mörderbeat in eine große Tanzfläche verwandelt. Ganz exklusiv für die echten Fans. Kurz nachdem die Orsons die Bühne verlassen haben, ist das Zelt bereits wie leergefegt. Dann mal der Masse hinterher zu Seeed (Fotos). Seeed zieht. Und zwar viele. Vor der Bühne ist es so voll, wie bei keinem anderen Auftritt an diesem Festivalwochenende. Der große Headliner aus Berlin liefert ab. Hoch professionell an den Instrumenten und in der Choreo. Irritiert bin ich durch die zahllosen Remixe, die Seeed ihren Songs vorherschicken. So gibt es etwa ein "Dickes B" auf M.I.A.s "Paperplanes" Beat. Zweifelt die Band an ihrer Vielfältigkeit? Mit Songs wie "Molotov", "Augenbling" und "Music Monks" ist diese eigentlich sichergestellt. Das Publikum ist zufrieden. Kleine Kinder tanzen auf Müllcontainern, alte Männer tanzen kiffend auf der Stelle. Teile schwingen, Typen finden's geil. Seeed gehen ab, das Serengeti geht steil. Sogar noch etwas mehr als Peter Fox solo seinen Megahit "Alles Neu" performed und dazu Cold Steel (Percussion Experten, bekannt durch die Peter Fox Tour) zu sich auf die Bühne holt. Dann probieren Seeed etwas seltsames. Liegt das Phänomen "Harlem Shake" doch bereits Jahre (umgerechnet in Internetzeit) zurück, stören sich Seeed nicht daran und probieren es direkt mit dem gesamten Festival. Was Skindred am Samstag als "Newport Helicopter" bezeichneten wirkt gegen das hier, wie Kindergeburtstag. Unzählbare T-Shirts kreisen über den Köpfen der Menge. Das sieht sehr beeindruckend aus. Seeed dürfen meinetwegen weiter Harlem Shake machen.

Und dann ist es vorbei das Serengeti Festival 2013. Vier Tage, die viel zu schnell vorbei sind und unzählige Eindrücke hinterlassen. Während ich diesen Bericht tippe, wird mir bewusst, wie viele Bands ich eigentlich doch gesehen habe (nicht jede davon habe ich hier erwähnt). Wie schon letztes Jahr hatten wir sonniges Wetter ohne Regen und es hat viel Spaß gemacht. Trotzdem folgt nun der angekündigte Kritikteil:

Die Serengeti-Leitung hat die Initiative ergriffen und kräftig expandiert. Das Gelände ist größer, die Bühnen sind größer. Seit dem Aus des "Area 4" Festivals gilt es die Karten neu zu verteilen. Dem Serengeti genügt es anscheinend nicht seinen Status zu sichern. Hier hat man große Pläne. Raus aus dem Lokalteil, hinein in die internationale Musikpresse. Schauen wir uns die Umsetzung mal genauer an.
Die Mainstage wurde im Vergleich zum Vorjahr um 90° gedreht und auch der Rest das Geländes wurde neu arrangiert. Der Bereich, der früher Zeltplatz war, gehört nun zu großen Teilen dazu. Durch diese Erweiterungen ist es vor den Bühnen nicht mehr so drängelnd voll. Man kann zumindest tagsüber entspannt bis nach ganz vorne gehen, ohne einen Menschen zu berühren. Der Vorteil: Gute Sicht zu fast jeder Zeit. Der Nachteil: Es sieht vor der Bühne (bis auf wenige Ausnahmen) IMMER leer aus. Mehr Platz geht ein mit weniger Atmosphäre. Der Charme des "Man trifft alle, die man kennt" verliert sich und ist spätestens Sonntag komplett weg. Die Öffnung zum großen Publikum wird den alteingessenen Festivalgängern nicht so gut schmecken. Auch alle Camper sind dieses Jahr unzufrieden. Egal wen man nach einer Meinung fragte, die Topantwort war "Die Wege sind viel zu lang". So sehen das auch Kathi und Vanessa. Außerdem merken sie an, dass viel zu wenig Mülleimer auf dem Gelände zu finden sind. Das haben wohl einige genauso gesehen und am Sonntag stehen zusätzliche Container auf dem Gelände. Die zweite große Kritik bringt Marie auf den Punkt: "Warum darf man bei 30° nur 0,5 Liter Wasser auf das Gelände nehmen?" Auch ich finde, dass man da ruhig mal die Anweisungen ändern kann, wenn man auf das Wetter schaut. Die Sonne brannte ohne Pause. Sonntag war nicht eine Wolke zu finden, dennoch blieben die Securitykräfte erbarmungslos und schickten kleine Mädchen mit 1 Liter Tetrapacks wieder weg. Unverantwortlich. Das Hitzemanagement lief alles andere als optimal. Es gab nichtmal umherziehende Eisverkäufer, wie auf anderen großen Festivals. Man war also dem offiziellen Ausschank ausgeliefert, der mit 3,50 pro Cola dann doch viel zu teuer ist.

Und mal ehrlich: Ein Autoscooter auf einem Musikfestival? Was sollte das denn bitte. Niemand, der älter als 10 Jahre alt ist, hat dieses Angebot genutzt! Beim Verlassen des Zeltes habe ich jedes mal geschaut, was beim Autoscooter abgeht. Nicht einmal habe ich mehr als 4 Scooter in Bewegung gesehen. Am Sonntag fanden sich dort sogar zwei bezahlte (!) Autoscooterfahrer, damit überhaupt jemand unterwegs war. An diesem Tag habe ich versucht, im Schatten des Autoscooters Zuflucht vor der Sonne zu finden. Der Betreiber hat daraufhin die Musik so laut aufgedreht, dass ich mit den meisten anderen Leidensgenossen zum Aufbruch gezwungen wurde. Auf der Bahn befanden sich zu dem Zeitpunkt die beiden bezahlten Kräfte und 2 Kinder. Schausteller sind böse Menschen!
Und die Leute vom "FICKEN – Der Partyschnapps" Stand sind auch nicht cool. Dort lief Freitag Abend ein Song von den Onkelz. Da gehen wir nicht mehr hin.
Der Sound ist in den meisten Fällen sehr gut gewesen. Die Hauptbühne hatte kaum Probleme, das Zelt allerdings starke Probleme mit Rapmusik. Da sollte nachgebessert werden. Positiv aufgefallen ist mir, dass das Serengeti nicht die Meinung "Lauter = Besser" vertritt. Ein cleverer Gedanke.

Nochmal zum Thema Security. Die knuffigen Brummbären mit den Tattoos auf den trainierten Oberarmen waren zu jeder Zeit ein beliebtes Gesprächsthema. Sei es wegen viel zu lascher Eingangskontrollen. Nicht einmal ich wurde nach dem Bändchen gefragt und man hätte alles hineinschmuggeln können. Man hatte dann natürlich nichts dabei, es würde ja normalerweise draußen bleiben. Naja der Bengalo bei den Broilers hat auch seinen Weg aufs Gelände gefunden. Das hat man am Sonntag deutlich gemerkt. Die Kontrollen wurden schärfer und gewissenhafter. So wollte mir einer sogar das Feuerzeug abnehmen, dass am Marlborostand verschenkt wurde. Man könne ja damit auf die Künstler werfen. Ja man könne sich ja auch einfach ein neues von Marlboro holen, die haben ja genug. Da müssen die noch etwas üben.

Und so lautet dann auch mein Fazit. Das Festival dem man beim Wachsen zusehen kann, entwächst dem Lokalteil und will sich ganz oben etablieren. Dazu muss aber noch an einigen Stellen gefeilt werden. Das Potential ist da liebes Serengeti, viel Erfolg beim Üben. Wir sehen uns 2014!


Hier nochmal alle unsere Bandgalerien im Überblick:
Donnerstag: Die Kassierer, MC Fitti
Freitag: Balkan Beat Box, Chase & Status, Eskimo Callboy, His Statue Falls, Karamelo Santo, Montreal, Scherf & Band, Skunk Anansie, Strike Anywhere, Suicidal Tendencies, The Black Seeds, The Esprits, The Templeton Pek, Watsky
Samstag: Broilers, Danko Jones, Funeral for a Friend, Großstadtgeflüster, Irie Révoltés, Itchy Poopzkid, Mega! Mega!, Monsters of Liedermaching, Radio Havanna, Skindred, The Creepshow, Valient Thorr, Wirtz
Sonntag: Adept, Bosse, Die Orsons, Disco Ensemble, Dope D.O.D., Gasmac Gilmore, Hoffmaestro, Kettcar, Seeed und Triggerfinger.