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Allgemein
Konzertbericht

Bands
Franz Nicolay
Moneybrother

Locations
Kleine Freiheit



Datum: 18.04.2013

Moneybrother und Franz Nicolay in Osnabrück

Storytellers

Osnabrück (mer)    Obwohl ohne Band und lediglich mit spartanischer Bühnendeko wussten die beiden Songwriter Anders Olof Wendin aka Moneybrother und Franz Nicolay das Publikum in der Osnabrücker Freiheit sehr gut zu unterhalten. Somit eine Win-Win-Situation für beide Seiten denn, wenn man ohne Band tourt, bleibt auch mal was von der Gage übrig.

In Plauderlaune: Moneybrother - Foto: Mark Haake

Storytellers nannte sich eine Konzertreihe des Musiksenders VH1, welche das Pendant z
Bilder vom Konzert
Homepage von Moneybrother
Homepage von Franz Nicolay
u MTVs Unplugged-Reihe bilden sollte. Trotz der Teilnahme zahlreicher musikalischer Schwergewichte wie z.B. Ringo Starr, Meat Loaf oder Johnny Cash, konnte die VH1-Reihe nie solch eine Popularität genießen wie die Unplugged-Sessions von MTV. Bei den Storyteller-Gigs sollte neben dem besonderen Arrangement von bekannten Songs der jeweiligen Künstler der Fokus auch auf interessanten Geschichten und Stories liegen, welche die Künstler aus ihrem Nähkästchen plauderten. Auch wenn das Musikfernsehen an diesem Abend keine Aufzeichnung in der Kleinen Freiheit vorgenommen hat, ein Storyteller-Abend wurde es dennoch.

So wünscht man sich seinen Support

Support Franz Nicolay war unter anderem eine zeitlang Mitmusiker einer der am meisten unterschätzten Rockbands unserer Zeit – The Hold Steady. Dementsprechend vertraut mit einem gewissen Rockstarhabitus, betritt der New Yorker mit einer satten Stunde Verspätung die Bühne der Kleinen Freiheit. Es scheint ihm jedoch keiner Übel zu nehmen, denn das Publikum in der Kleinen Freiheit zeigt sich von Beginn an sehr aufmerksam und aufgeschlossen. Sowieso scheinen auch viele Besucher allein wegen des Supports den Weg nach Osnabrück auf sich genommen zu haben. Und sie wurden nicht entäuscht.

Nicolay spielt sich durch einen ganzen Soundpark von Instrumenten. Akkordeon, Banjo, Gitarre wechseln sich von Lied zu Lied ab. Die Darbietung kommt insgesamt sehr folklastig daher und man könnte sich das Ganze auch hervorragend am frühen Abend in einer schottischen Hafenkneipe vorstellen. Zwischen oder auch inmitten der Songs gibt Nicolay zahlreiche Anekdoten preis und überzeugt das Publikum mit einem wunderbaren Humor und einer stets präsenten Selbstironie. Nach 30 Minuten Spielzeit hat Nicolay scheinbar den kompletten Saal auf seiner Seite, denn jetzt sind alle Anwesenden damit beschäftigt, mitzusingen und mitzuschunkeln. So wünscht man sich aus Musikersicht seinen Support. Die Stimmung langsam gesteigert und am Höhepunkt erfolgt die Staffelübergabe.

Wir haben doch keine Zeit – keine Umbaupause, Bühne frei für Moneybrother

Auch wenn man sich aus Konsumentensicht natürlich immer lieber einen Künstler in voller Bandstärke ansieht, der Vorteil von einem Abend mit zwei Solomusikern ist definitiv das Fehlen von nervigen Umbaupausen. So konnten sich nur die ganz flinken im Publikum zwischen den beiden Gigs mit einem neuen Bier bewappnen um pünktlich zu Moneybrothers Intro wieder auf ihrem Platz zu stehen.

Dancing to keep from crying bildet den Auftakt der Moneybrother Hitshow an diesem Abend. Das aktuelle Album "This is where life is" ist zwar auch vertreten, bildet aber keinesfalls einen Schwerpunkt im heutigen Set. Und wenn ein Musiker sogar darauf verzichtet, seine aktuelle Single (Unbeliveably Good) zu spielen, dann scheint er an diesem Abend wirklich das zu machen, worauf ER Bock hat – und spätestens ab dem zweiten Song, die Zuschauer auch. "Just another Summer" bringt das Publikum in der Osnabrücker Freiheit bereits zum mitsingen. "We die only once" oder auch "Reconsider Me" bilden bereits frühe Höhepunkte des Konzertes und lassen die Niedersachsen als äußerst textsicher erscheinen. Immer wieder kann das Publikum einige Parts von Anders Wendin übernehmen, welcher sich sichtbar erstaunt zeigt, wie gut das Spiel mit dem Publikum und seinen Songs an diesem Abend funktioniert. Noch vor wenigen Tagen beim Tourauftakt in Stuttgart mussten sich die Moneybrother-Fans doch mehrfach bitten lassen mitzusingen.

Sichtbar motiviert und angeheizt vom großartigen Publikum holt Anders Wendin beim Song "It might as well be now" eine junge Frau aus dem Publikum auf die Bühne. Was ein Magic Moment hätte werden können, geht leider völlig nach hinten los. Die junge Dame aus der ersten Reihe ist dann doch nicht so textsicher wie vermutet und verzichtet gänzlich darauf, den weiblichen Part zu übernehmen. Charmant rettet Wendin die Situation und gibt den Song solo. Lange Zeit über die Situation nachzudenken, blieb eh nicht. Zwischen den Songs gab der Schwede immer wieder Anekdoten des Tourlebens preis. Unglückliche Liebesbeziehungen, die Strapazen mit einer Band zu touren oder die Begegnung mit einem gebrauchten Kondom in einem Hotelzimmer liefern, trotz ihrer stets innewohnenden Tragik, äußerst unterhaltsame Geschichten, die das Konzert schon fast auf ein Olli Schulz Liverlebnis heben.

Nach einer Stunde Spielzeit hält es Wendin dann auch nicht mehr alleine auf der Bühne aus und er holt sich Franz Nicolay zurück. Die Chemie zwischen den Beiden ist absolut stimmig und sie spielen sich die Bälle auf der Bühne zu wie derzeit Bastian Schweinsteiger und Frank Ribery im Mittelfeld der Bayern. Wendin an der Gitarre und Nicolay am Akkordeon geben noch die letzten Hits von Moneybrother und Nicolay und spätestens bei „It´s been hurting all the way with you, Joanna“ ist auch bis in die letzte Ecke des Saales jeder Besucher mit seiner eigenen Sangeskunst beschäftigt.