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Konzertbericht

Bands
Apologies, I Have None!
Japandroids
The Gaslight Anthem

Locations
Mitsubishi Electric Halle



Datum: 01.04.2013

The Gaslight Anthem in Düsseldorf

40 Mal und immer noch gut

Düsseldorf (ml)    Es ist der Abend des Ostermontags. Nach drei Feiertagen, in denen man übermäßig viel gegessen hat, hatte man in Düsseldorf bei The Gaslight Anthem die Chance, den Speck wieder abzutrainieren – wenn man sich in der Halle richtig positioniert hatte...

Bereit für die Stadionbühnen dieser Welt: The Gaslight Anthem Foto: Mark Haake

...einen Moshpit gab es nämlich nur in sehr kleiner, persönlicher Variante direkt vor dem Mikrofon von Brian Fallon. Aber dazu später mehr.

Zwei Klasse Supports und ein lahmes Publikum

Bevor The Gaslight Anthem die Bühne betraten, durften erst einmal ihre zwei Vorgruppen ran. Apologies, I have none machten den Anfang. Für einige Leute in der Mitsubishi Electric Halle ist die junge Band aus London kein unbeschriebenes Blatt mehr. Erst drei Wochen zuvor waren sie in Deutschland und haben auch einen Halt in Köln eingelegt.

Fotos vom Konzert
Homepage von The Gaslight Anthem
Homepage von Japandroids
Homepage von Apologies, I Have None


Leider ist es zu Beginn ihres Sets noch recht leer in der Halle. Schade, denn viele verpassen einen wirklich grandiosen Opener. Gut allerdings für die zahlreichen mobilen Bierverkäufer, die einen jede Minute anquatschen, ob man ein Bier trinken möchte. Und auch wenn Apologies, I have none es nicht schaffen, das ohnehin sehr reservierte Publikum mitzureißen, überzeugen können sie trotzdem mit ihrem charmanten Indie-Rock.
Musikalisch sind sie The Gaslight Anthem dabei nichtmal unähnlich. Einzig und allein die Stimme von Brian Fallon fehlt und wird durch den britisch akzentierten Gesang von Dan Bond ersetzt.

Nach einer kurzen Umbaupause übernehmen die kanadischen Japandroids. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein Duo bestehend aus Sänger/Gitarrist und Drummer sind. Damit treten sie genau in die Fußstapfen der White Stripes, auch wenn am Schlagzeug keine bezaubernde Meg White sitzt. Die E-Gitarre und das Schlagzeug stimmen genauso wie der Gesang, der sowohl von Brian King an der E-Gitarre als auch David Prowse an den Drums kommt. Während King energiegeladen mit der E-Gitarre über die Bühne hopst, kanalisiert Prowse seine Energie ins Schlagzeug und bricht prompt den Kick der Bassdrum durch. Wo andere Bands jedoch Drumsticks vorhalten, haben die Japandroids ein Ersatzkick gelagert, so als ob es öfters mal passiert, dass der Fußtritt das Zeitliche segnet.

Wie sich zeigt haben die Booker ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Vorgruppen gehabt. Den meisten Anwesenden gefällt es - und das, obwohl das Publikum trotzdem alles anderes als mitgerissen wirkt. Spart man sich hier die Ressourcen für den Hauptact oder möchte man nur den mittlerweile ziemlich nervenden und schon den gesamten Abend aufdringlichen Bierverkäufern die Chance geben ihre Verkaufsquote zu erreichen?
The Gaslight Anthem kommen zum Guns'n'Roses-Intro "Paradise City" auf die Bühne und endlich verschwinden auch die Bierverkäufer. Das Intro geht zu Ende und die Band spielt "High Lonesome" an. Ein toller Start in ein tolles 90-minütiges Konzert, welches nur wenig Songs vom neuen Album, dafür umso mehr Lieder der ersten zwei Alben beinhaltet.

Ein Blick zurück

Eine wahre Fan-Setlist. Schnell schließt sich "The '59 Sound" an. Wahrscheinlich die Schlüsselkomponente in der Karriere der Band. Bruce Springsteen wurde auf die Jungs um Brian Fallon aufmerksam und performte diesen Song schon zusammen mit der Band im Londoner Hyde Park und beim Glastonbury Festival.

Schnell hat es die Band zu Ruhm geschafft. Schon mit ihrem ersten Album wurden sie zum Geheimtipp, konnten aber damals nichtmal die kleinen Clubs füllen. An Clubgigs, wie noch 2008 im Forum Bielefeld auf einer Visions Party vor 200 Besuchern ist nun gar nicht mehr nicht mehr zu denken.

Und trotzdem besteht der harte Kern derjenigen im Publikum, die noch den Punk im Stadionrock dieser Band zelebrieren, einen Moshpit bilden und gelegentlich zum Crowdsurfen in den Graben fliegen, schätzungsweise trotzdem nur aus jenen 200 Personen, die dies schon damals in den kleinen Clubs taten.
Das ist nicht so toll für die Band und auch nicht so toll für die eingefleischten Fans, da sich der Rest des Publikum doch eher wie eines gibt, welches mal gekommen ist, um die Band zu begutachten. Gut ist das allerdings für die Musikindustrie, die mit The Gaslight Anthem eine Band gefunden hat, die vielen den Glauben in den Rock'n'Roll wieder gegeben hat.

Über "Old White Lincoln", "Boomboxes & Dictionaries" und "1930" arbeitet sich die Band durch ihren Backkatalog und schwelgt in Erinnerungen an ein Konzert mit Social Distortion in der Mitsubishi Electric Hall in Düsseldorf. Ein Konzert, nach dem Mike Ness persönlich Brian Fallon auf seinem Handy angerufen hat, um ihnen zu gratulieren, dass sie verdammt nochmal rocken. Für The Gaslight Anthem ein genauso cooles Ereignis, als würden sie heute den Support anrufen.

40. Jubiläumskonzert für einen Fan im Publikum

Dass man keine schlechte Band ist, merkt man auch daran, dass es Fans gibt, die einen schon zum vierzigsten Mal besuchen. So auch ein Mädel in der ersten Reihe. Und weil das ein Jubiläum ist und sich The Gaslight Anthem um ihre Fans kümmern, gibt es auch ein Geschenk. Das unterschriebenes Trommelfell wird dem glücklichen Fan von Brian Fallon höchstpersönlich überreicht.
Zusätzlich wird ihr noch ein besonderer Song gewidmet: "Wherefore Art Thou, Elvis?" von der "Senor and the Queen"-EP.

Mit "45", nach "American Slang" - die zweite Hitsingle von Gaslight Anthem in Deutschland, "Too Much Blood", "Great Expectations" und "Keepsake" leutet die Band nach knapp 75 Minuten das vorläufige Ende ihres Gigs in Düsseldorf ein.
Bis dahin haben The Gaslight Anthem, wenn man mal von wenigen Patzern in den E-Gitarren absieht, alles gegeben. Das Publikum aber nicht. Trotzdem ziehen die Jungs aus New Brunswick ihr Programm durch und kommen wieder.
Die Zugabe wird mit "Howl" eingeleitet und wo "Here's Looking At You Kid" schon allein einen tollen Schlusspunkt setzen würde, legen The Gaslight Anthem mit "Backseats" noch einen oben drauf.