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Red Hot Chili Peppers

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Datum: 06.05.2006

Red Hot Chili Peppers mit Doppelalbum

Hier spielen Gottheiten auf dem Mars

Bad Oeynhausen (ml)    Nach dem Jupiter folgt nun der rote Planet und damit die Fortsetzung der Stadium Arcadium-Rezension. Wenn man das Album als zwei einzelne CDs betrachten müsste, ist der Mars sogar besser als der Jupiter.

Die CD steigt ein mit dem Lied Desecration Smile, welches mit einem ruhigen Bass-, Gitarren-, Schlagzeugintro in die CD einleitet. Auch Anthony hält sich erstmal zurück, was jedoch umso schöner klingt. Auch der Refrain ist sehr
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melodiös.
Auch sehr ruhig beginnt Tell Me Baby mit einem wirklich sehr leisen Gitarreninto. So denkt man gar nicht, dass Tell Me Baby das wohl funkigste Stück auf dem ganzen Album wird. Schon beim Vorhören der kommenden Singleauszüge fiel mir auf, dass es das Lied fast schon purer Funk ist. Gerade durch den Slapping-Bass, die Single Note Lines der Gitarre und dem abgehackten Gesang wird der Funk hier besonders unterstützt.
Hard to Concentrate gehört dagegen wirklich zu den alternativen Stücken der CD. Überhaupt nicht mainstreamkonform, aber das macht das Lied auch absolut interessant und sobald die Peppers mal ne neue Richtung ausprobieren oder ein Lied auf den Markt werfen, wird es mainstreamkonform. Ist nur eine Frage der Zeit, bis wir mehr davon hören. So ist dieses Lied sehr geprägt durch sehr dunkle und traurige Töne.
21st Century. Bisher eher bekannt als Filmproduktionsfirma, gibt es jetzt auch Lieder namens 21st Century. Und zwar sehr RHCP-stylige crossovermäßige Funk-Rock-Lieder. Hier ist mal wieder was für Leute, deren Lieblingsalbum Californication. Wieder mal gespickt mit einem dieser Göttergitarrensoli, zu denen man sich ins Delirium Luftgitarre-spielen kann.
Sehr poppig geht es mit She Looks To Me weiter, welches sich auch wieder in einem Delirium-Solo am Ende verliert. Alles in allem sehr gut abgerundetes Lied.
Rock pur. Readymade. So ist man es von den Red Hot Chili Peppers gewohnt, wenn sie mal grad keinen Funk machen. Und gerade John ist wieder mal absolut abwechslungsreich, was das Lied angeht. Da wird zwischen Effekten gewechselt und das Riff in tausend verschiedenen Versionen gespielt. Extrem toll kommt im Refrain übrigens der Backgroundgesang.
If, der wohl kürzeste Songtitel, den ich kenne. Dieses Lied klingt original wie Road Trippin' Plugged statt Unplugged.
"Make You Feel Better" makes you really feel better. Schon allein der Einstieg vom Schlagzeug und dem verzerrten E-Gitarren-Akkord verleiht dem Lied einen ziemlichen Drive. Und dann noch dieser schnelle Beat-Rhytmus von Chad (um sich auch mal zum Schlagzeuger zu äußern) verleiht dem Lied nochmal eine gewisse Würze. Dass das Lied in der Beat-Musik seinen Ursprung gefunden hat wird nochmal durch den Walking Bass im Mittelteil unterstützt.
Um zu einem Rock-Pop-Lied zurück zu kommen, folgt als nächstes Lied Animal Bar. Sehr poppig ist die Strophe. Sehr aggresiv rockig der Refrain. Und gerade dieses typische Rock-Pop Lied verwandelt sich am Ende noch einmal in einen Exzess des E-Gitarristen. In eine Hymne, die nur von E-Gitarren gespielt werden will.
So Much I, typischer RHCP-Sound. Mehr muss man nicht sagen, oder?
Und auch Storm In A Teacup hört sch nach typischem RHCP-Sound an. Um es zu vergleichen mit anderen Liedern, klingt es, wie Around The World mit abgewandeltem Refrain und weiterentwickeltem Sound.
Und um mal wieder ein wenig Jazz rein zu bringen. We Believe fängt sehr jazzig und vermischt sich mit sehr leichtem Funk weiter. Auch hier kommt zwischendurch John Frusciante mit einem, mehr als einfühlsamem, Solo zum Zug.
Turn It Again kann man getrost in die Spalte Alternative stecken. Es klingt eigenwillig, abwechslungsreich und anders. Und gerade das macht das Lied so gut. Beendet wird das Lied, wie fast immer mit einem Frusciante-Solo. Sehr gut gelungen.
Ruhig klingt das gesamte Album mit Death Of A Martian aus, welches am Ende mit einem No Regrets (Robbie Williams) - ähnlichen Sprechgesang ausklingt und nochmal sehr monumental wird.
Bleibt jetzt nach zwei langen Artikeln nur noch das Fazit: Mit Stadium Arcadium haben die Red Hot Chili Peppers, wie auch schon das Video von Dani California andeutet, eine Zeitreise durch die Musikgeschichte der letzten 60 Jahre, wie auch eine Zeitreise durch das Repertoire der eigenen Bandgeschichte gemacht. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass es sich hier nur um abgekupfertes Material handelt. Das Album versprüht seinen eigenen Charme, neben vielen Elementen, die man schonmal bei den Red Hot Chili Peppers gehört hat, gibt es auch viele neue Elemente, die auf die alten Elemente aufbauen. Damit muss man sich das Album praktisch kaufen, weil es sich um eine Art Best-Of handelt, welches zu 100 Prozent aus Neuerscheinungen besteht. Und um noch dicker aufzutragen, werfe ich jetzt noch ein Zitat von Flea hinterher:

Stadium Arcadium ist unser Meisterwerk. Es umfasst alles, was wir zu bieten haben. Und wenn du diese Platte nicht magst, magst du die Peppers nicht - was auch OK ist. Aber wir habe das Beste gegeben, was in uns steckt.