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Datum: 29.05.2026

Trink aus! Wir müssen gehen

Die Toten Hosen veröffentlichen ihr letztes Album

Düsseldorf (ml)    Es ist ihr letztes reguläres Studioalbum. Die Toten Hosen haben am vergangenen Freitag „Trink aus! Wir müssen gehen“ veröffentlicht. Auf dem Album sind nicht nur 16 brandneue Lieder. 25 weitere Songs hat die Band zusammen mit deren Originalinterpreten gecovert.

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Die Toten Hosen haben am vergangenen Freitag ihr letztes Album veröffentlicht. Es zeigt noch einmal die gesamte musikalische Breite über 44 Jahre Bandgeschichte auf. Foto: Donata Wenders

1982 formierten sich Die Toten Hosen aus ihrer Vorgängerband ZK Im selben Jahr spielte die noch neue Band auf dem Abschiedskonzert von Soilent Grün, der Vorgängerband von Die Ärzte. Die Geschichte beider Bands ist eng miteinander verwoben.
Aber das kommt unerwartet und ist gleichzeitig so genial: „Hier sind die Hosen“, das Intro zum letzten Album, wird von niemand anderem als vom Chefarzt Farin Urlaub persönlich gesungen. Nicht Campino, nicht Kuddel, nein Farin. Es ist eine Hommage, eine Verneigung, an das Lebenswerk einer Band, die diese mit den folgenden 15 Liedern gekonnte zu Ende bringt und sich mit den darauffolgenden 25 Songs dann bei ihren eigenen Idolen und Freunden verneigt.

Nach Farin Urlaub übernehmen Die Toten Hosen dann selbst das Zepter auf ihrem neuen Album. „Wir waren nie weg“ zeigt dann ungefähr die Richtung auf ihrem letzten Album auf. Die über 40 Jahre Bandgeschichte Revue passieren lassen, zeigen, dass die Band bis zum Schluss alles gibt und dennoch einen Blick auf die Zielgerade werfen, die jetzt noch kommt. Es ist eine dieser schnellen, lauten Nummern der Band, mit viel Chören, rebellisch, ein „Bonnie & Clyde“-Nachfolger?

„Die Show muss weitergehen“ war die erste Single des aktuellen Albums. Eine Mutmachhymne, die wieder mit dem Ende der Band spielt, aber vor allem Menschen, denen es nicht gut geht, bei denen es nicht gut läuft, Mut zusprechen soll, dass auch wieder bessere Tage folgen können. Deuten wir den Song im Sinne des letzten Bandalbums erwähnte Bassist Andi Meurer noch vor kurzem im Tagesthemen-Interview: „Wir haben ja erstmal nur gesagt, das letzte Album.“ und auch Campino stimmte zu: „Diese Schlussakzente sind noch nicht ausüberlegt.“.
Das gibt Hoffnung, dass es auch nach Abschluss der kommenden Tour mit einzelnen Konzerten und vielleicht sogar einzelnen Songs weiter geht.

Denn „Schlechte Nachbarn“ zeigt, wie wichtig die Band heute noch immer ist. Ein Song, der einerseits den Rechtsruck in der Mitte der Gesellschaft zum Thema hat und andererseits aufzeigt, dass gerade die aufgeräumten Nachbarschaften, in denen nach außen heile Welt gespielt wird, doch sehr AfD-nah beziehungsweise rechts sind.

Mit „Lass mal nicht machen“ haben Die Toten Hosen eine sehr poppige Rock’n’Roll-Nummer auf ihrem Abschlussalbum untergebracht. Es ist ein ironischer Text, der etliche Tabus aufgreift und abschließt: „Komm lass mal nicht machen oder vielleicht doch.“.

Bandhistorisch gesehen dürfte „Was früher einmal war“ auf diesem Album wohl die Nummer schlechthin sein. Wir erinnern uns in die 80er Jahre zurück: „Wort zum Sonntag“ hat die Band veröffentlicht:

Wir sind noch keine sechzig
Und wir sind auch nicht nah dran
Und er dann werden wir erzählen
Was früher einmal war

Das ist jetzt der Fall. Die Bandmitglieder sind alle über 60:

Ich dreh die Zeit zurück
Für einen halben Tag
Um heute zu erzählen
Was früher einmal war

Es ist die Fortsetzung, die der Song von damals endlich verdient hat. Und nein, liebe Die Toten Hosen, ihr seid nicht anders. Ihr verkörpert immer noch dieselben Ideale mit denen ich euch 1992 als kleiner Stippi im Alter von 6 Jahren durch den Song „Sascha … ein aufrechter Deutscher“ kennengelernt habe. Ihr seid älter geworden, man passt Meinungen kontinuierlich an, die Welt um einen herum verändert sich ja auch, aber wenn was ist haltet ihr nicht den Mund, ihr seid zur Stelle. Vielleicht nicht mehr auf Krawall gebürstet, talkshow-sprengend im Fernsehen, aber das liegt auch an der gereiften Erkenntnis, dass man so als Sprachrohr wesentlich mehr erreichen kann.

Es bleibt nicht viel Platz, um Dinge nochmal sagen zu können. Sowohl Die Toten Hosen als auch Campino wollen gewisse Dinge aber nicht unerwähnt lassen. Da ist zum Beispiel mit das wichtigste Utensil der Band: der Proberaum. In der schnellen Punkrocknummer „Keine Macht den Proben“, die für den Titel doch erstaunlich sauber gespielt wird, geht es um genau dieses Zimmer: „Ein Hoch auf unseren Proberaum“ singt die Band.
Campino ist zuletzt in den Schlagzeilen gelandet, weil er vor kurzem noch einmal Vater geworden ist. Was man vielleicht auch weiß ist aber, dass er einen 22-jährigen Sohn hat. Diesem widmet er das Lied „Glück“, in dem er das Erwachsenwerden seines Sohns seit der Geburt und seine eigene Vaterrolle reflektiert. In dem sehr ruhigen Song spielt Kuddel Akustikgitarre, deren Linie stellenweise wie die aus „Draußen vor der Tür“ klingt, indem Campino das Verhältnis zu seinem eigenen Vater reflektiert.
Für Die Toten Hosen darf „Düsseldorf“ nicht fehlen. Ihrer Heimatstadt hat die Band auch noch einen Song gewidmet: „Düsseldorf, ich komme immer wieder. Ganz egal, wie weit der Weg auch ist.“. Vielleicht wird es das für die Stadt Düsseldorf, was „Bochum“ von Herbert Grönemeyer für die gleichnamige Ruhrmetropole ist. Immerhin singen Die Toten Hosen: „Düsseldorf, selbst Herbert wär hier lieber und ist traurig, dass er in Bochum sitzt.“

Und dann gibt es noch die sehr ernsten Lieder, ernste Lieder, die Die Toten Hosen seit spätestens den 90ern immer und immer wieder machen und ich muss es hier schreiben: leider auch machen müssen. „Was ist mit uns los“ behandelt die Unzufriedenheit der Ewiggestrigen: „Du sagst, du willst dein Land zurück, ich verstehe nicht, was du meinst. Das dritte Reich von Hitler oder Deutschland in zwei Teilen?“ – „Ja, wenn die Welt wirklich eine Scheibe ist, sind schon zu viele Kratzer drauf.“ – „Was ist bloß los, dass wir wegschmeißen, wonach die halbe Welt sich sehnt?“ Und man weiß genau, dass Die Toten Hosen damit die Demokratie meinen, die beim Rechtsruck zunehmend unter die Räder kommt.
„Kein Blatt zwischen uns“ behandelt die andere Seite. Es ist ein Mutmacher für diejenigen, die sich dem Rechtsruck entgegenstellen, die Zivilcourage zeigen, die dort hinschauen und helfen, wo andere weggucken.

Den Abschluss des Hauptalbums macht dann „Trink aus“: „Wir steigen aus, hier ist Endstation. Im Kopf nur Bilder, die sich ständig wiederholen.“
Es ist die gesamte Geschichte der Band in vier Minuten Musik zusammengefasst. Von den ersten Konzerten im Ratinger Hof, über das erste Nummer-1-Album, Besuchen in Buenos Aires, das 1000. Konzert bei dem Rieke Lax gestorben ist und welches einen sehr tiefen Einschnitt bei der Band hinterließ, bis zur Zielgerade auf der sie sich jetzt befinden.

Und glücklicherweise geht es noch weiter. Ein Bonusalbum „Alles muss raus!“ gibt es auch noch. Für dieses haben sich Die Toten Hosen Gastmusiker ins Studio eingeladen, um deren Songs zu covern.

„51st State“ von New Model Army, gesungen mit Justin Sullivan, darf hier nicht fehlen. Einer der Punkrock-Klassiker der internationalen Musikgeschichte.
Mit den Labelkollegen von Feine Sahne Fischfilet haben Die Toten Hosen in Ska-Punk-Besetzung „Komplett im Arsch“ neu eingespielt. Mit den anderen Labelkollegen beziehungsweise nur Koljah von der Antilopen Gang wurde „Destroy“ gespielt und Sammy Amara von den Broilers als weiterer Labelkollege stand bereit, um „Meine Familie“ zusammen mit Campino zu singen.

Wenn man sein Album schon bei Münster aufnimmt, dann kann man sich natürlich auch direkt Münsteraner Musiker ins Studio einladen. Marian Gold von Alphaville spielte „Forever Young“ in einer Uptempo-Punk-Nummer neu ein und bewies mit einem Goldene Zitronen-Zitat Humor: „Willst du wirklich ewig Hippie bleiben? Für immer Punk!“

Aber auch unerwartete Kollaborationen gab es: „Ich liebe das Leben“ mit Vicky Leandros und „Immer nur geliebt“ mit Sven Regener von Element of Crime.

Und dann sind da noch die Kollaborationen, die von Anfang nicht ganz so klar waren, aber hoch gehandelt wurden. Wolfgang Niedecken von BAP ist schon seit sehr frühen Zeiten ein guter Freund der Band. „Kristallnaach“ hat die Band mit ihm neu eingespielt, wohl einer der wichtigsten Songs, den BAP je geschrieben haben.
Mit ihrem guten Freund Thees Uhlmann haben Die Toten Hosen „Junkies und Scientologen“ neu aufgenommen und wenn ich mir vorstelle, wie Thees und Campino zusammen im Studio waren und Thees die Textzeile: „Für FCSP, DTH und DvL“ (Für FC St. Pauli, Die Toten Hosen und Dirk von Lowtzow) singt, dann bekomme ich Gänsehaut.

Zum Abschluss des Bonusalbums geht es aber zum absoluten Anfang. Dahin, wo alles begann. „Immer wieder besetzt“ von ZK findet den Weg auf die Platte. Wer sich noch an den Anfang des Artikels erinnert: Es ist die Vorgängerband dieser grandiosen Düsseldorfer Combo, die sich als Freunde auf die Reise gemacht haben und nun ein Werk veröffentlicht haben, welches in meinen Augen bislang das beste Album des Jahres ist und den Titel vermutlich auch bis Ende des Jahres behalten wird.

„Trink aus, wir müssen gehen!“ zeigt noch einmal die gesamte Bandbreite einer Band auf, die über 40 Jahre ihren Stil zwar immer wieder etwas verändert hat, dabei jedoch immer ihren Punkrockwurzeln und auch sich selbst treu geblieben ist. Eine Band, die eine so bewegte Geschichte hat, dass ein einziges Biopic im Kino bei weitem nicht ausreichen würde, um diese Geschichte nachzuerzählen. Die ganzen Höhen und die Tiefen, die krawallige Anfangszeit in den 80ern, Sprachrohr gegen den braunen Mist seit den 90ern, mit JKP und KKT Förderer etlicher anderer richtig guter Bands. Und dabei, ich kann es so sagen, ich hatte schonmal die Ehre Campino nach einem Bruce Springsteen Konzert kurz zu sprechen, was mein absoluter Fanmoment inklusive Foto war, immer auf dem Boden geblieben ist, nie abgehoben ist und immer das machte, was sie für richtig gehalten haben.

Danke für die 44 Jahre grandioser Musik, die ihr der Welt beschert habt, von „Hofgarten“, über „Hier kommt Alex“, „Zehn kleine Jägermeister“ bis hin zu „Tage wie diese“. Und danke, dass ihr mich seit meinem sechsten Lebensjahr bis zu diesem Jahr in dem ich 40 werde, irgendwie immer begleitet und den musikalischen Soundtrack meines Lebens kreiert habt. Ich hoffe, dass nach 2027 noch nicht Schluss ist und wir mindestens noch die ein oder andere Zugabe, wenn auch nicht mehr in Albenform, sehen werden.

Vielen Dank für alles was mal war und was auf der kommenden Tour und vielleicht auch danach noch wird.

Alle Informationen zu der Tour 2027 bekommt ihr hier. Und zur bereichts ausverkauften Tour 2026 bekommt ihr die Informationen hier.

Das Album könnt ihr hier kaufen.

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