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Datum: 02.08.2025

Zeitreise in die Vergangenheit

Wolfgang Niedeckens BAP präsentieren Lieder ihrer ersten Alben

Halle (Westf.) (ml)    "Kein Song, der jünger ist als 40 Jahre." - Das ist die Ansage und das Leitmotto von Wolfgang Niedecken zu  diesem Konzertabend von BAP in der OWL Arena in Halle (Westfalen). Ein Abend der das Publikum mit auf eine Zeitreise hin zu den Alben "für usszeschnigge" und "vun drinne noh drusse" nimmt.

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In bestern Spiellaune zeigten sich Wolfgang Niedeckens BAP in der OWL Arena in Halle (Westfalen). Foto: Marcel Linke

Die Idee eine Tour, hauptsächlich mit den beiden Durchbruchsalben aus den Jahren 1981 und 1982 zu füllen kam Wolfgang Niedecken schon während der "Schließlich

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Unendlich"-Konzerte zum letzten Studio-Album "Alles fließt". Auf der Tour wurden zwar sehr viele neue Songs gespielt. Die Raritäten, die teilweise schon seit 30 Jahren nicht mehr auf den Setlisten der Band standen, kamen beim Publikum allerdings sehr stark an. Und so war dann die Idee für diese Tour geboren, die die Band nun schon im dritten Jahr in Folge auf die Bühnen Deutschlands führt.

Und was für Kontraste die Band auf dieser Tour hat. Erst zwei Tage vor ihrem Konzert in der OWL Arena haben sie noch einen gefeierten Auftritt beim Wacken Open Air auf der Hauptbühne vor 10.000en Besuchern gegeben. Vor rund 3.000 Besuchern spielt die Band nun im vollständig bestuhlten Tennisstadion Ostwestfalen-Lippes.

Auf die Bühne kommt die Band mit "Diss Naach ess alles drin". Und nein, der Autor dieses Textes hat keinen Schlaganfall beim Schreiben, aber natürlich übersetzen wir keine Songtitel aus dem Kölschen ins Hochdeutsche und die Dichte kölscher Songtitel war auf den alten Alben von BAP höher als auf den folgenden Alben der Band.
Der Song ist auf alle Fälle der Auftakt für ein abwechslungsreiches, sehr kurzweiliges Konzert. Eine ruhige Nummer als Eingang, abgelöst von einem schnellen, sehr rockigen "Südstadt, verzäll nix", bevor sich bei "Nemm mich met" das Publikum von seinen Sitzen zum Tanzen erhebt.

Die Hitdichte der ersten Alben ist relativ hoch, aber aufgrund des Alters der Alben natürlich auch die Raritäten-Dichte. So wurde das Eddie Cochran-Cover "Wo mer endlich Sommer hann" mit Bassist Werner Kopal als Helmut-Kohl-Imitator vor dieser Tour zum letzten Mal in den 80er Jahren gespielt.
Andere Lieder, wie "Nit für Kooche" sind allerdings mittlerweile auch schon überholt:

"Oh, nit für Kooche, Lück,
Bliev ich Karneval he.
Nä, ich verpiss mich hück,
Ich maach nit met dobei."

Mit deutscher Übersetzung:
"Nicht mal für Kuchen
Bleib ich Karneval hier.
Ich verpiss mich lieber,
Ich mach nicht mit dabei."

Niedecken hat zugegeben, dass er die Stunksitzung doch jährlich besucht und Rosenmontag hat man ihn in Köln auch schon auf Umzugswagen Kamelle werfen sehen.

Eine weitere Rarität ist der "Müsli Män", der eine Verwandlung zum Punk macht. Punkrock können BAP übrigens auch und spielen "Müngersdorfer Stadion" von der Zeltinger Band in einer Punkrock-Version. Vielleicht ja auch schon ein Hinweis auf das 50-jährige BAP-Jubiläum nächstes Jahr an genau diesem Ort: Dem Müngersdorfer Stadion in Köln.
Zu "Wellenreiter" darf dann das Publikum zur Abwechslung mal vollständig selbst singen. Im Alter von 74 Jahren darf Wolfang Niedecken auch durchaus mal seine Stimme schonen. Dabei keimt ein wenig Stadionatmosphäre auf, wobei ich hier gespannt bin, wie das nächstes Jahr in Köln klingt.

Schon immer waren BAP übrigens politisch. "Deshalv spill mer he" ist ein Song, der sich sehr kritisch gegen die Zensur im DDR-Regime richtet und dafür gesorgt hat, dass die Band dort nicht mehr auftrat, denn genau dieses DDR-Regime wollte BAP diesen Song auf einer geplanten Tour verbieten. BAP sagten "Nein" und ließen die Tour platzen. Und auch gegen den NATO-Doppelbeschluss hat BAP damals bei den Demos mitgewirkt. Daraus entstanden ist das Lied "Zehnter Juni" mit der Textzeile: "Plant mich bloß nicht bei euch ein." - Ein Song gegen die damalige Wehrpflicht, ein Song der so für Wolfgang Niedecken allerdings keine Gültigkeit mehr hat und den er für sich umdenken musste.
Hier hat er sich in die Lage der russischen Männer versetzt, die kurz nach Beginn des Krieges vor dem Regime Putin geflohen sind, um für diese sinnlose "Spezialoperation" und die damit einhergehende "Teilmobilmachung" nicht eingezogen zu werden.
Der politische Teil geht dann auch mit "Kristallnaach" weiter. Hier findet es Wolfang Niedecken aktuell erschreckend, wie sich die Welt gerade in längst überwunden geglaubte Zeiten zurück entwickelt. "Wir dürfen die Kipppunkte unserer Demokratie nicht verpassen. Und gleiches gilt auch für die Klimaziele." - Wie recht er hat.

Es folgt nun auch für die Band der Teil, wo sie sich auf der Bühne hinsetzen dürfen. Absolutes Highlight die Geschichten von "Jupp". Nun geht das Konzert langsam in Richtung Zielgerade. Schon über 2 1/2 Stunden stehen auf der Uhr. "Alexandra, nit nur do" spielt die Band, natürlich darf der absolute Klassiker "Verdamp lang her" nicht fehlen, bei dem wirklich jeder mitsingen kann und dann geht es in die Zugabenpause.

Nach dieser kommt die Band dann nochmal zurück. Wir bewegen uns schon auf die drei Stunden zu. Frauenname mit vier Buchstaben: "Anna" wird gespielt. "Ne schöne Jrooß" darf auch nicht fehlen. Und zum The Troggs-Cover "Wahnsinn" ("Wild Thing") wird dem Publikum dann noch erklärt, was eine Ocarina ist. Diese wird von The Troggs gespielt und natürlich hat die bezaubernde Anne de Wolff eine gekauft und sich schnell das Spielen darauf beigebracht.
Insgesamt gefällt die Musikerzusammenstellung. Diese werden zu "Jraaduss" in der Reihenfolge ihres Bandbeitritts erwähnt. Urgestein Werner Kopal am Bass ist seit 1996 dabei, seit 1999 bedient Michael Nass die Tasten. Zuerst als Gast seit 2006 und dann ab 2014 in der festen Bandbesetzung Multiinstrumentalistin Anne de Wolff, sie brachte ihren Mann Ulrich Rode an der Gitarre im selben Jahr mit. Der jüngste Musiker der Band, geboren im Jahr 1983, ist Schlagzeuger Sönke Reich, der auch seit 2014 dabei ist. 

Grandios ist die zuletzt dazu gekommende Bläsersektion. Seit 2018 bzw. 2022 dabei sind Axel Müller, Franz Johannes Goltz und Benny Brown. Alle drei sind zusammen mit Ulrich Rode auch regelmäßig als Backing Band bei "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" zu sehen. Sie kamen nach den Aufnahmen zu "Lebenslänglich" dazu. Das Album wurde teilweise mit Bläsern in New Orleans aufgenommen. Keyboarder Michael Nass hat abgewunken, als sich die Band überlegt hat, ob man die Bläser live vom Keyboard einspielen könnte. Und so ist die Band BAP in ihrer heutigen Besetzung entstanden.

Die Zeitreise geht nun langsam zu Ende. Das Konzert in der OWL Arena ist es nun nach kurzweiligen 3 Stunden und 15 Minuten mit einem grandiosen letzten Chor beim Refrain von "Jraaduss". Aber Highlights für die Band sind schon geplant.

Erstmal geht es für Wolfang Niedecken auf Solotour. Am 09.11.2025 und am 10.11.2025 macht er mit seinem Programm "Zwischen Start & Ziel" einen Stopp im Rosenhof Osnabrück.

Und dann folgt das Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen der Band nächstes Jahr im Müngersdorfer Stadion in Köln:
Wann: Freitag, 10.07.2026, 18 Uhr
Wo: RheinEnergieSTADION, Köln
Tickets: ab 69,50 Euro auf eventim.de (Werbung)

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