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Vainstream Rockfestival 2025

Zwei Tage voller Lärm, Leidenschaft und legendärer Momente

Münster (jr)    Den meisten Leser*innen dürfte das Vainstream Rockfestival ein Begriff sein. Seit seiner Gründung im Jahr 2006 hat sich das Festival zu einem festen Bestandteil im Terminkalender vieler Musikfans entwickelt. Jahr für Jahr zieht es Tausende ins Hansaviertel am Haverkamp in Münster und auch 2025 war keine Ausnahme.

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Frank Turner badet beim Vainstream-Festival in der Menge Foto: Julia Rissling

Die Wurzeln des Festivals liegen traditionell im Metal, Punk, Hardcore und Rock und genau diese Mischung begeistert von Anfang an. Waren es 2011 noch rund 11.000 Besucher,

Fotos vom ersten Tag
Fotos vom zweiten Tag
Homepage vom Vainstream

stieg die Zahl 2024 schon auf 18.000. In diesem Jahr war das Festival erneut komplett ausverkauft, was an zwei Tagen etwa 36.000 feierwütige Besucher*innen bedeutet hat. Ein klarer Beleg dafür, wie beliebt das Vainstream mittlerweile ist und natürlich ein Event, welches wir euch nicht vorenthalten wollen!

Bevor wir in die Highlights einsteigen, geben wir allen, die das Festival noch nicht besucht haben oder sich nicht mehr genau erinnern können einen kurzen Überblick: Wie gewohnt fand das Event im Hansaviertel am Haverkamp statt. Auf vier Bühnen (Murder-Stage, EMP-Stage, GreenHell-Stage und More-Core-Stage) traten insgesamt 51 Bands auf.
Ja richtig gehört, vier Bühnen das bedeutet auch: Zeitmanagement ist das A und O! Wir empfehlen besonders Festival-Neulingen die offizielle App des Veranstalters, um den Überblick zu behalten. Doch selbst mit bester Planung lassen sich Überschneidungen nicht vermeiden. Wer sich zwischen zwei Lieblingsbands entscheiden muss, braucht starke Nerven oder flinke Beine. Auch wir mussten Kompromisse eingehen und fokussierten uns am ersten Tag auf die EMP- und Murder-Stage. Aber wir sind überzeugt, dass das keine schlechte Wahl gewesen ist.

Tag 1 – Von schwedischem Punk bis walisischem Metalcore

Leider verpassten wir wegen längerer Wartezeit an der Ticketvergabe die ersten Acts des Tages. Darunter leider auch Montreal, was wir besonders bedauern. Für uns ging es deshalb los mit der schwedischen Punkband The Baboon Show, die direkt für Stimmung sorgte. Sängerin Cecilia Boström suchte gleich zu Beginn die Nähe zum Publikum vor allem beim Song „You Got a Problem Without Knowing It“ und später auch bei „Radio Rebelde“. Ein wirklich fulminanter Einstieg in das Wochenende!

Im Anschluss ließ es die australische Metalcore-Band Polaris krachen. Bereits mit der Aufforderung „Jump, jump!“ brachte Sänger Jamie Hails das Publikum dazu der Schwerkraft zu trotzen. Mit den Songs „Nightmare“ und „Lucid“ sorgte der Frontmann für eine ausgelassene Stimmung unter den Fans. Der Auftritt musste leider kurz wegen eines medizinischen Notfalls unterbrochen werden, doch Band und Festivalbesucher reagierten vorbildlich und ermöglichten eine reibungslose Versorgung der verletzen Person. Ein Moment, der Respekt verdient.

Danach ging es direkt weiter mit Millencolin, den schwedischen Punkrock-Veteranen, mit „Black Eye“, „Fox“ und „No Cigar“  lieferte die Band genau das, was sich die Fans erhofft hatten: einen souveränen, energiegeladenen Auftritt.

Ein echtes Highlight des Tages war der Auftritt der legendären schwedischen Hardcore-Punk-Band Refused, die 1992 gegründet wurde und mehrere Comebacks hinter sich hatten. Sänger Dennis Lyxzén bewies, dass er auch mit über 50 Jahren nichts von seiner Energie eingebüßt hat. Zu „The Shape of Punk to Come“ und „Rather be dead“ wirbelte der Sänger über die Bühne, das Mikrofon schwingend wie Indiana Jones seine Peitsche. Besonders eindrucksvoll: sein klares Statement gegen Hass und Intoleranz. Ganz klare Worte, welche in der heutigen Zeit wichtiger denn je sind. Mit „New Noise“ endete der starke Auftritt der Band.

Für Metalcore-Fans ging es Schlag auf Schlag weiter: The Ghost Inside aus Kalifornien, mussten 2024 noch ihre Nordamerika-Tournee aus gesundheitlichen Gründen absagen, nun drehten die Amerikaner auf dem Vainstream richtig auf. In kurzer Zeit feuerten sie mit einer eindrucksvollen Performance 12 Songs ab, darunter „Avalanche“ und „Engine 45“.

Von der Westküste geht es zur Ostküste Amerikas: die Band A Day To Remember lieferte eine energiegeladene Show und machten ihrem Bandnamen alle Ehre. Neben Songs wie „Downfall of Us All“ und „Miracle“ flogen Wasserbälle und sogar Toilettenpapier durch die Menge. Ob das eine humorvolle Anspielung auf die Pandemie in Deutschland gewesen ist? Wer weiß!

Um nicht direkt mit der Tür ins Haus zu fallen: Es geht um eine Band aus Wales. Ja, ich weiß für viele von euch reicht das schon als Hinweis. Aber ein bisschen Spannung muss sein. Also gut, ihr habt es erraten: Es ist Bullet for My Valentine. Die 1998 gegründete Metalband war übrigens schon beim allerersten Vainstream 2006 dabei und traten bereits zum vierten Mal beim Festival auf. Man könnte also fast sagen: die Band gehört zum Inventar des Vainstream-Festivals dazu. Wie zu erwarten, ließen sie nichts anbrennen. Mit 15 Songs heizten sie dem Publikum so richtig ein, sodass die Stimmung absolut am Kochen war. Die Setlist ließ kaum Wünsche offen, darunter Klassiker wie „All These Things I Hate (Revolve Around Me)“, „Hand of Blood“ und „Waking the Demon“. Ein besonderer Moment war ohne Frage „Tears Don’t Fall“, einer der wohl bekanntesten Songs der Band. Das war nicht nur ein musikalisches Highlight, sondern auch ein Song, der bei vielen Fans Gänsehaut erzeugt hat.

Tag 2 – Noch mehr Bühnen, noch mehr Krach

Am zweiten Tag wollten wir uns nicht nur auf zwei Bühnen beschränken und entschieden uns, auch die Morecore-Stage mitzunehmen was für uns mehr Stress, für euch aber mehr Content bedeutet. Win-win, oder?

Los ging es mit 100 Kilo Herz aus Leipzig, eine Punkband mit Trompete und Saxophon, die sich durch ihren ganz eigenen Sound abhebt. Trotz der frühen Uhrzeit (14 Uhr) und noch müder Festivalbesucher, wussten die Jungs zu begeistern, mit den Liedern „Drei Jahre ausgebrannt“, „Dreck und Glitzer“ und „Happy Hour“ wurde richtig Stimmung gemacht.

Dank eines schnellen Sprints zur Murder-Stage war es uns noch möglich einen Teil von Swiss & Die Andern mitzunehmen. Die Hamburger Punkrockband ist bekannt für ihre politischen Texte, etwa mit dem neuen Antikriegssong „Ficken bis ein Baby kommt“. Kontroverse Band? Sicher. Aber auch energiegeladen und mitreißend.

Auf der Nachbarbühne ging es im Anschluss weiter mit Stick To Your Guns, die mit den Songs „Amber“ und dem neuen Track „Invisible Rain“ vom Album „Keep Planting Flowers“ die Fans des Hardcore-Genre begeisterten.

Die nächste Band braucht eigentlich keine große Vorstellung mehr: Zebrahead haben sich in der Punk-Rock-Szene längst einen ganz eigenen Sound und Ruf erarbeitet. Die kalifornische Truppe legte ohne große Umschweife mit dem Song „All My Friends Are Nobodies“ los. Und als wäre das nicht schon ein starker Einstieg, veranstaltete die Band noch ein Ruderwettbewerb mitten auf dem Publikum. Da geriet selbst die kleine Bar auf der Bühne zur Nebensache. Später folgte noch der Song „Anthem“, bei dem nochmal ordentlich mitgegrölt und gefeiert wurde. Ein mitreißender Auftritt, der völlig zu Recht mit lautem Applaus belohnt wurde.

Die nächste Band ist zugleich die erste französische Formation, die wir euch hier vorstellen dürfen: Landmvrks, eine 2014 gegründete Metalcore-Band aus Marseille. Der Frontmann Florent Salfati gab direkt vom ersten Ton an alles und steckte das Publikum sofort mit seiner Energie an. Direkt nachdem ersten Song, forderte der Sänger die Menge auch schon zum Crowdsurfen auf. Wir haben auf dem Vainstream schon einiges gesehen, aber was dann folgte, war eine regelrechte Crowdsurf-Lawine: ein nicht enden wollender Strom an Menschen, die sich nach vorne tragen ließen. Die Security kam ordentlich ins Schwitzen, und die Fotografen? Die wurden im Graben fast begraben. Was die Interaktion mit dem Publikum angeht, war das definitiv eine mitreißende Performance, wie man sie so schnell nicht vergisst.

Ein persönliches Highlight war der britische Sänger Frank Turner, der erneut mit seinem Folk-Punk-Stil für Gänsehaut sorgte. Besonders die Lieder „Do One“, „Get Better“ und „Photosynthesis“ sorgten für einen starken Kontrast aber genau dieser Mix macht das Vainstream eben auch aus. Am Ende ließ sich Frank auf Händen durchs Publikum tragen. Sympathischer Typ, starker Auftritt oder um es mit vier einfachen Worten („Four simple Words“) zu beschreiben „I want to dance“.

Danach ging es direkt zurück mit Hatebreed der Metallic-Hardcore-Band aus Amerika, legten mit den alten Klassikern „I Will Be Heard“, „Doomsayer“ und „Perseverance“ richtig los. Zum Schluss lieferte die Amerikaner mit „Destroy Everything“ das Motto für den Moshpit gleich mit. Oldschool-Hardcore at its best.

Daraufhin folgten Yellowcard. Die Jungs aus den USA stehen wie kaum eine andere Band für eingängigen Pop-Punk mit Violine, was ihrem Sound eine ganz besondere Note verleiht. Sänger Ryan Key schaffte es mit altbekannten Liedern wie „Lights and Sounds“, „Better Days“ und „Only One“, die Fans zu begeistern. Aber das Beste kommt zum Schluss: Natürlich „Ocean Avenue“, einer der bekanntesten Songs und ein Höhepunkt für viele Fans, zu Recht!  Ein perfekter Abschluss für einen starken Auftritt.

Zum großen Finale des Tages trat dann noch ein echtes Schwergewicht der Szene auf: Heaven Shall Burn. Die Metalcore-/Melodic-Death-Metal-Band aus Saalfeld hatte ihren großen Auftritt – und was für einen. Schon der dramatische Bühnenaufbau mit fallendem Vorhang ließ erahnen, dass hier nochmal richtig Gas gegeben wird. Und wer glaubte, die Sonne hätte tagsüber schon genug eingeheizt, wurde von der Feuershow eines Besseren belehrt. Die Setlist ließ keine Wünsche offen: Mit „Voice of the Voiceless“, „Black Tears“, „Endzeit“ und dem neuen Song „My Revocation of Compliance“ aus dem aktuellen Album Heimat, zeigten die Jungs, warum sie zu den ganz Großen gehören. Ein absolut würdiger Abschluss für unseren Besuch beim Vainstream 2025 intensiv, laut, emotional.

Fazit

Zwei Tage Ausnahmezustand, 36.000 Fans, 51 Bands, vier Bühnen das Vainstream 2025 war ein voller Erfolg. Ob Metal, Punk, Hardcore oder Rock für jede*n war was dabei. Die Stimmung war ausgelassen, friedlich und das Wetter optimal.

Wir hatten eine großartige Zeit und hoffen, euch mit unseren Eindrücken ein bisschen Festivalgefühl nach Hause gebracht zu haben.

Bis nächstes Jahr wir sehen uns im Pit!

Text M. Igelbrink / Fotos Julia Rissling

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