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Low Key Orchestra
Tom Blackwell
Young Rebel Set

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Kleine Freiheit

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Konzertbericht



Datum: 18.09.2025

Das fühlte sich gut an

Young Rebel Set spielten in der Kleinen Freiheit Osnabrück

Osnabrück (ml)    Eine der Lieblingsbands kommt mit neuem Sänger auf Tour. Bauchgrummeln ist da auch bei den Fans definitiv erlaubt. Zu häufig war es in der Vergangenheit schon so, dass der Besuch eines Konzerts einer Band mit neuem Frontmann oder neuer Frontfrau der Letzte gewesen ist. So viel sei verraten: Hier definitiv nicht.

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Young Rebel Set spielten im Rahmen ihrer Reunion-Tour in der Kleinen Freiheit Osnabrück. Foto: Marcel Linke

Angekommen in der Kleinen Freiheit ist alles etwas kleiner als zuvor bei Young Rebel Set. Es sind weniger Besucher da. Ich hatte viel Zeit um mit dem Young Rebel Set-
Fotos zum Konzert
Homepage von Low Key Orchestra
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Merchandiser Bob an seinem Stand vollkommen unbehelligt zu reden. Er ist ein alter Schulfreund der Band und macht den Job hier zum ersten Mal. Dafür hat er sich extra Urlaub von seinem eigentlichen Beruf als Zahntechniker genommen. Als alter Schulfreund kann er die Band auch sehr gut beurteilen. Und er meinte schon vorab, dass es sehr gut wird und dass sich die Band allerdings auch die Entscheidung mit neuem Sänger auf Tour zu gehen vorher nicht leicht gemacht hat.

Hier muss ich dann etwas in die Vergangenheit ausholen. Young Rebel Set gründeten sich Ende der 00er-Jahre im nordenglischen Stockton-on-Tees. Nach Release ihrer Debütsingle "If I Was" wurde sehr schnell Thees Uhlmann auf sie aufmerksam, flog rüber und nahm sie beim Grand Hotel van Cleef unter Vertrag. Bei dem Label sind sie bis heute. Vor rund zehn Jahren erfolgten die vorerst letzten Konzerte als Band. Sänger Matthew Chipchase veröffentlichte einige Solo-Songs und spielte eine Solo-Tour. 2019 wurde dann angekündigt, was für viele ein Grund zur Freude war. Anfang 2020 wollte die Band Reunion-Konzerte geben. Dazu kam es nicht. Im Dezember 2019 starb Matthew Chipchase im Alter von 35 Jahren an einer Überdosis Drogen. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder.

Wir spulen fünf Jahre in die Zukunft. Es ist Ende 2024 und Young Rebel Set geben in ihrer Heimat ein Benefiz-Konzert mit wechselnden Sängern. Man ist sich schnell einig, dass sich das gut anfühlt und man vielleicht irgendwie wieder weiter machen möchte. Anfang 2025 dann die Nachricht: Wir wollen die Band neu starten. Am Gesang ist nun Tom Blackwell aus Liverpool dabei, der selber schon ein paar Solo-Lieder veröffentlicht hat.

Er wird an diesem Abend in der Kleinen Freiheit nicht nur mit Young Rebel Set auftreten, sondern auch in einem kurzen Set seine eigenen Songs vorstellen. Und das macht er schonmal gut. Nur er mit Gitarre. Es passt jetzt schon irgendwie. Die Stimme, der britische Akzent und der Respekt, den er an einem Abend wie diesem ausstrahlt.

Die Umbaupause sind heute sehr kurz. In der Kleinen Freiheit findet nach dem Young Rebel Set-Auftritt noch eine Party statt. Aber es ist natürlich auch einfach, wenn die Musiker einfach nur ihre Gitarre ein- und wieder ausstöpseln müssen. Als nächstes spielt ein alter Bekannter. Sönke Torpus steht auf der Bühne. Young Rebel Set hat er schon viele Jahre mit seiner Band Torpus & The Art Directors begleitet. Torpus & The Art Directors gibt es nicht mehr. Sönke Torpus hat nun aber eine neue Band gegründet: Low Key Orchestra. Da er bei Young Rebel Set allerdings nur im Vorprogramm unterwegs ist und die Bühnen gerade etwas kleiner sind, hat man sich darauf geeinigt nicht die komplette Band mitzunehmen. So steht Sönke da als Low Key ohne Orchestra (sorry, der musste sein) und spielt Songs einer Platte, die noch nicht veröffentlicht ist und in die man noch nicht rein hören kann. Das, was man aber hört, klingt schon sehr gut. Und ein bekanntes Lied spielt er dann doch noch: "White Flag" von Dido.

Nach Low Key Orchestra steigt die Spannung. Die Kleine Freiheit hat sich doch noch gut gefüllt. Weit über 100 Leute haben ihren Weg in den Club gefunden. Sie sind gespannt, wie es ist, im Jahr 2025 Young Rebel Set zu sehen. Und ich auch. Immerhin begleite ich die Band mittlerweile auch schon seit etlichen Jahren. Los geht es mit einem neuen, alten Song: "Anchorage". Er stammt aus den Solozeiten von Matty. Die Band hat das Lied zusammen mit Tom Blackwell neu aufgenommen. Und musikalisch klingt das von Young Rebel Set vorne auf der Bühne so, als hätte sich über die vielen Jahre nichts geändert. Im Anschluss kommen auch bekanntere Young Rebel Set-Hits, wie "Lion's Mouth" und "Walk On". Man hat die Lieder nicht umarrangiert. Sie klingen, wie vor 10 Jahren. Die Stimme ist neu und auch wenn Tom Blackwell mit seinem Gesang von der Tonlage sehr nahe an Matthew Chipchase dran ist, es klingt unterschiedlich, aber nicht unterschiedlich schlecht, sondern unterschiedlich gut. Tom Blackwell versucht Matthew nicht zu ersetzen, das geht auch nicht. Sein Gesang ist tatsächlich auch ein Stück klarer. Man versteht die Worte besser. Tom Blackwell tritt in große Fußstapfen, diese füllt er gut aus und bewahrt allerdings auch den notwendigen Respekt, den man vor den alten Songs haben muss. Er ist definitiv Teil dieser Band, die sich immer noch und wieder Young Rebel Set nennen kann.

Weiter hinten treffe ich Sönke Torpus und spreche kurz auch mit ihm über die neue Aufstellung auf der Bühne. Immerhin hat er die Band, wie weiter oben schon gesagt, auch schon jahrelang begleitet. Er kennt also die Musik als auch die Musiker. Und er ist ähnlicher Meinung. Tom Blackwell und die Band machen das sehr gut. Und zwar nicht nur in den lauteren Songs, wie auch "Borders" eines ist, sondern auch in den leisen Liedern, wie "One Law" und "Red Bricks". 

Das Publikum mag das auch. Die Band wird gefeiert, es wird mitgesungen, es wird mitgetanzt. Zwischendurch zieht sich Tom Blackwell auch mal gänzlich zurück und lässt den anderen Bandmitgliedern den Vortritt. So ist auch mal Schlagzeuger Luke Evans am Gesang. Das sehr kurzweilige Konzert geht mit "Precious Days", "Lash Of the Whip" und "Show Your Feathers & Run" langsam auf die Zielgerade. Es folgt noch eine kurze Zugabenpause. Dann kommen Young Rebel Set mit "Unforgiven" wieder und widmen das Lied "Bagatelle" dem verstorbenen Frontmann Matthew Chipchase. Aber auch eine Ansage in Richtung Publikum darf nicht fehlen. In Osnabrück war die Band schon sehr oft: "Wir haben uns hier und in Deutschland immer wohl gefühlt.". Vor diesem Hintergrund ist dann auch das Lied "Berlin Nights" entstanden.

Zum grandiosen Abschluss des Konzerts kommt dann auch Sönke Torpus nochmal auf die Bühne. Damit hat man dann alle Musiker des Abends nochmal zusammen. Gemeinsam mit Young Rebel Set verabschiedet er das Publikum mit "If I Was" und "Measure of a Man".

Generell habe ich immer Bauchschmerzen, wenn eine Band einen neuen Sänger oder eine neue Sängerin hat. Queen sind ohne Freddie Mercury definitiv nicht das gleiche, Nightwish ohne Tarja Turunen waren auch nicht mehr so wirklich gut und allen voran Jupiter Jones, die ich mehrere Male live gesehen hatte, fand ich mit ihrem Sänger, der Nicholas Müller zwischendurch ersetzt hat, auch nicht gut. Immerhin letztere sind wieder in alter Besetzung auf Tour.
Dann gibt es aber positive Beispiele: Linkin Park. Nach dem Tod von Chester Bennington ist die Band nun mit Emily Armstrong unterwegs. Und es passt. Natürlich wird sie Chester Bennington nicht ersetzen können, das will sie auch gar nicht, aber wenn man mit genügend Respekt vor dem alten Liedmaterial und vor der alten Art der Band an die Songs ran geht, von der Band auch gut integriert wird, das Zusammenspiel passt und man dann noch den Liedern etwas eigenes mitgibt ohne den Stil zu verändern, dann kann das auch sehr gut sein.
Und ebenso ist das bei Young Rebel Set, die ihren Sänger Matthew Chipchase unter ähnlich tragischen Umständen verloren haben, wie Linkin Park Chester Bennington. Tom Blackwell ist an diesem Abend in Osnabrück mit einer gehörigen Portion Respekt an die Songs von Young Rebel Set gegangen. Diese haben ihn aber super aufgenommen. Er hat den Liedern dabei noch ein wenig was von seiner eigenen Persönlichkeit, von seiner eigenen Stimme mitgegeben und dennoch klang alles sehr vertraut. Und das ist dann auch der Moment, wo meine Bauchschmerzen weg sind, wo ich weiß: Hey, das hier kann bestehen, das hier hat Bestand!

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Locations: Kleine Freiheit
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Datum: 18.09.2025