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Datum: 09.07.2025

30M Projekt Pulse Iran - live

NIYAZ und MAKAN ASHGVARI tanzen die Sonne zurück in Hamburg

Hamburg (jms)    Elektrisierende Beats, magische Stimmen, warme Kaval-Längsflötenklänge und ein Cello erfüllen das Knust in Hamburg mit den orientalischen Klängen der legendären iranischen Musikgruppe NIYAZ feat. AZAM ALI. Was für ein magischer Dialog zwischen Tradition und Moderne, was für ein lebendiges die Grenzen überschreiten.

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NIYAZ bringen hypnotische Mantras, magische Momente der Befreiung ins Knust. Foto: jms

Das dritte Konzert aus der Reihe PULSE IRAN von 30M Records schenkt Hamburg eine wundervolle Plattform für die kulturelle Vielfalt der Stadt. Schon der Beginn ist magisch. Alle warten gespannt vor der Bühne auf den Auftritt von Support Makan Ashgvari, da erklingt a Capella ein Tenor von hinten. Die Stimme bewegt sich durch den Raum, das
Fotos von Niyaz feat. Azam Ali
Fotos von Support Makan Ashgvari
Publikum bildet ein Spalier für sie und mit tief bewegendem zu Tränen rührendem Gesang zelebriert Makan Ashgvari so seinen ersten Song BAHAR-E DELKASH. Setzt sich dann einfach und elementar reduziert mit akustischer Gitarre auf den für ihn auf der Bühne stehenden Stuhl.  

Widmet den zweiten Song KOOLE BAR den afghanischen Flüchtlingen aus dem Iran, die brutal abgeschoben werden und den Einwanderern in den USA, die brutal von der ICE abgeschoben werden. Widmet das Lied allen Flüchtlingen und Einwanderern in der Geschichte, auch in Deutschland. Erzählt, dass er vor Kurzem aus dem Iran nach Berlin gezogen sei, dann begann am 13.06.25 das 12 Tage dauernde Drama des israelischen Angriffs auf das iranische Atomprogramm und auf Posten des Regimes in Tehran und anderen Städten Irans. Mit schlimmen Zerstörungen und Toten in der unschuldigen Zivilbevölkerung, der dadurch erzwungenen verzweifelten Flucht von Millionen Menschen aus der 20Mio-Metropole Tehran, dem tagelangen Verlust der Verbindung zu den Angehörigen im Land und der gigantischen Sorge um die Liebsten. Die Sorgen und der Kummer durch diesen Schrecken steht zu Beginn vielen ins Gesicht geschrieben, viele wirken zu Beginn angespannt und voller Schmerz.

Deshalb stand der Abend lange Zeit auf der Kippe, wie kann man unter solchen Umständen feiern? Aber nach langen Diskussionen entschieden die Künstler:innen, 30M Records und das Knust, doch das Konzert stattfinden zu lassen, trägt 30M Records-Gründer Matthias Koch ganz zu Beginn vor. Makan Ashgvari sagt, das er hofft, dieser Abend bringt die Sonne zurück. 

Seinem ersten Song folgen KOOLE BAR, BAD BORO und NAZANDE BALA. Noch sitzt Makan Ashgvari auf seinem Stuhl. seine akustische Gitarre und sein sooo warmer zarter intensiver Tenor füllen den Raum mit Schmerz, Hoffnung und Liebe. Beginnt dann so auch MIRAGHSAM, steht mitten im Song auf und stellt sich an den auf der Bühne für ihn aufgebauten Laptop, entlockt ihm zu seinem Gesang einen langsam immer intensiver werdenden Beat. Das Publikum beginnt vorsichtig, MIRAGSHAM mitzusingen. Immer intensiver, ein regelrechtes Mantra MIRAGHSAM entsteht, die Gesichter hellen sich auf, der Beat wird immer intensiver, der Gesang wird immer stärker - MIRAGHSAM heisst nämlich ICH TANZE - danke für die Übersetzung in diesem Moment. Das Publikum tanzt zum Beat. Was für ein magischer Moment der Befreiung, die Sonne geht auf, Hoffnung und Freude erfüllen den Saal.

Vielleicht ist es eine Über-Interpretation, aber im Mullah-Iran ist es ja leider den Frauen verboten, zu tanzen, in der Öffentlichkeit (vor Männern) zu singen, das Fussball-Stadion bei Männer-Spielen zu besuchen, Rad zu fahren und vieles für uns im freien Westen so selbstverständliches mehr. Tanzen ist dort ein Akt der Rebellion, zb. posteten viele der unfassbar mutigen Iranerinnen aus Protest und in Solidarität Tanz-Videos, als vor wenigen Jahren mehrere  junge Iranerinnen verhaftet, wohl gefoltert wurden und dann verschwanden wegen ihrer sehr bekannten Insta-Chanels mit in unseren Augen völlig normalen Tanz-Choreo-Videos zu aktuellen Hits. MIRAGHSAM ist also wohl auch ein Teil dieses Widerstands, Tanzen ist ein Akt der Rebellion und ein Moment des Aufstands. MIRAGHSAM wurde so der Abend. Wie kraftvoll.

Es folgt noch ZANJIR (CHAIN) und zu AHVAZ verlässt er die Bühne, während der Song im neuem Video auf der Saal-Leinwand läuft. Krass, diese  langsame intensive Transformation von Akustik zu elektrischem Dance und dieser warme Tenor. Magie pur. Sein neues Album WE DANCE IN ANGER erscheint am 18.07.2025 auf 30M Records:

"Ich sprach über mein neues Album "IN RAGE WE DANCE", und wie es mit den Gefühlen zusammenhängt, die meine Leute besonders in den letzten Jahren empfinden, und wie wir durch Wut und Verzweiflung tanzen. Ich sagte, dass wir die Kerzen anzünden müssen, indem wir uns einfach treffen und zusammen sind. Als menschliche Wesen müssen wir andere menschliche Wesen unterstützen, besonders in diesen Zeiten. Entzündet die Kerzen bis zu dem Tag, an dem die Sonne aufgeht."

Pause, Umbau, es bleiben nur die beiden Stühle für Iman Ali Torkian am Cello und Sinan Cem Eroglu am Kaval & Kopuz und die grosse Elektronik-Keyboard-Wall für Gabriel Ethier. Keine der sonst oft üblichen Monitorboxen am vorderen Bühnenrand. Die ganz grosse Knust-Bühne für die iranische Musiklegende Azam Ali.

Der Auftritt von NIYAZ beginnt, die Bühne ist in blauen Nebel gehüllt, die elektrisierenden Beats und Azam Alis magische Stimme fühlen den Raum mit Sonne, ihre Lichtstrahlen aus sich ständig drehenden Scheinwerfern bringen Leben in das Blaue. Azam Ali beginnt den Abend mit dem Hinweis, dass sie die letzten Tage sehr krank war, aber es dank eines tollen Arztes doch ins Konzert geschafft hat. Also nicht viel Reden, Euch tanzen lassen.

Ein Song geht in den anderen über, verschiedenste Sprachen, hypnotische Mantras in türkisch, persisch, arabisch. Die warmen analogen Klänge von Cello, Lafta & Kopuz und vor allem der türkischen Kaval-Längs-Flöte kongenial und intensivst gespielt von Sinan Cem Eroglus vermischen sich mit Gabriel Ethiers elektronischen Sounds zu einem magischen Tanz. Azam Ali erfüllt die Bühne in ihrem majestetischen grünen Samtkleid und orientalischem Schmuck mit grossen Gesten und magischem Gesang. Und plötzlich steht Makan Ashgvari mit im Publikum, in der ersten Reihe und tanzt den Abend ganz beseelt mit. Wundervoll. Was für ein grandioser Tanz durch die Musik des Orients.

Fast zum Schluss kündigt sie in einer längeren Rede einen besonderen Song an, RAYAT AL SUMUD von ihrem palästinensischen Freund Naser Musa. Sie sagt "Dieses Lied ist etwas ganz Besonderes, weil es eigentlich kein politisches Lied ist. Es heißt RIOT-AL SUMUT. Sumut ist eine Philosophie, die in Palästina entstanden ist. Eine Philosophie des gewaltlosen Widerstands. Sumut bedeutet, dass manchmal die beste Art des Widerstands darin besteht, einfach zu existieren und zu leben und seine Wurzeln tief in der Erde zu lassen, ohne Gewalt. Es wäre eine Schande für mich als iranische Frau, auf der Bühne zu stehen, wenn ich für ZAN ZENDEGI AZADI marschieren und dabei nicht an die Frauen in Palästina denken würde. Für die Frauen im Iran, für die Frauen in Palästina, für die Menschen in Freiheit im Iran, für die Freiheit in Palästina. Inshallah, wir werden Freiheit in Palästina haben. Inshallah, wir werden Freiheit haben im Iran.

Eine Solidaritätserklärung mit der Zivilbevölkerung, vor allem den Frauen Palästinas, eine Botschaft an das palästinensische Volk, das, so auf ihrem Instagramm "auch wenn unsere Führer sie im Stich gelassen haben mögen, wir, die Menschen der Welt, es nicht getan haben. FRAU. LEBEN. FREIHEIT. für die Menschen in Iran und Palästina. Freier Iran. Freies Palästina. Menschlichkeit zuerst."

Dann noch der Hit SABZA BA NAZ (The Triumph of Love), Zugabe, Band-Vorstellung, zwei Songs, Grande Finale.
"We will come back with more".

KHELI MAMNOON - DAAANKE für diesen magischen Abend.
Danke für die schönen, vertrauensvollen und sehr persönlichen Gespräche
vor und nach dem Konzert,
Danke für die liebe Songtitel-Assistenz
und den wichtigen Gedankenaustausch dabei.

Das konzert war die richtige Entscheidung. Wenn wir den Terroristen, Terror-Regimen und Faschisten erlauben,
uns das Feiern, das Tanzen, die Musik, Kunst, Kultur zu verbieten, lassen wir sie gewinnen.
Dem Druck nicht nachzugeben und zu leben, zu lieben ond zu tanzen ist der GUTE Widerstand.

Love trumps Hate - diese Tage haben das wieder bewiesen, 
was für ein Glück.

MIRAGHSAM - Wir tanzen!


Tourplan
03.07.25 Köln, Lutherkirche
05.07.25 Rudolstadt, Rudolstadt-Festival
09.07.25 Hamburg, Knust
10.07.25 Berlin, Gretchen
11.07.25 Amsterdam, De Duif
12.07.25 London, Rich Mix
to be continued...


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