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Datum: 25.04.2010

Wortwechsel mit den Donots

Die Donots im Interview (2/3)

Bielefeld (m2w)    Vor dem Konzert der Donots im Forum Bielefeld, haben André und Marcel mit dem Bassisten Jan-Dirk Poggemann über das Album "The Long Way Home", über das Plattenlabel Solitary Man Records und über Konzerte und Festivalauftritte der Donots in Deutschland und Japan gesprochen.

Die Donots im Interview (1/3)
Die Donots im Interview (3/3)
Homepage der Donots


Marcel: Wie André schon sagte, gibt es euch jetzt richtig lange. Also 17 Jahre und vor 10 Jahren hattet ihr den Durchbruch gehabt. Was waren denn in allen den Jahren eure Höhen und Tiefen?
Jan-Dirk: Höhen gibt es immer immer wieder. Sei es irgendwie ein geiles Festival, was man spielt, sei es eine Tour in Japan, was für uns immer wieder eine geile Erfahrung ist, oder jetzt die Tour zum Beispiel, weil bis jetzt waren, glaube ich, 7 von 8 Konzerten ausverkauft. Gestern war natürlich scheiße. Das war wirklich ein Tiefpunkt, weil Guido einen Allergieschock hatte, nicht mehr atmen konnte und ins Krankenhaus musste. Ansonsten war ein Tiefpunkt die Zeit nach Got The Noise, wo wir uns von GUN Records lösen wollten, weil wir überhaupt nicht mehr zufrieden waren mit der Repräsentation. Die Kommunikation untereinander hat überhaupt nicht mehr funktioniert, die wollten in eine ganz andere Richtung, als wir wollten. Das hat sehr genervt, weil wir haben zwei Jahre nur gekämpft mit Anwälten, obwohl es vorher hieß, wenn ihr gehen wollt, werden wir euch keine Steine in den Weg legen. Aber Pustekuchen, weil da die BMG dran war und die wollten uns nicht gehen lassen. Dann war das richtig ätzend. 2 bis 3 Jahre konnten wir nichts machen, uns waren die Hände gebunden. Wir konnten kein neues Album machen, wir konnten auch keine neue Tour machen, wir haben hier und da ein paar Festivals gespielt, das wars. Wir haben dann andere Sachen gemacht, wie zum Beispiel andere Bands produzieren, damit wir wenigstens was zu tun hatten. Das hat aber schon ein bisschen genervt. Wir haben uns damit auch ein bisschen ins Aus geschossen. Wir mussten uns wirklich mit der Coma Chameleon wieder zurück in die Köpfe der Leute holen. Wenn man einfach so vier Jahre von der Bühne verschwindet, da denken sich dann auch viele, dass sich das mit den Donots erledigt hat. Der Großteil lag daran, dass GUN Records uns da auch wirklich Steine in den Weg gelegt haben und das hat sehr genervt. Wir haben auch mehr gefeiert, als wir da weg waren, als als wir ihn gekriegt haben. Das ist auch ein bisschen vielsagend.

André: Dann hast du auch mehrere Aspekte, die ich noch fragen wollte. Zum einen, mir ist aufgefallen, dass Got The Noise ein bisschen anders war. Damals schon, da hab ich dieses Video gesehen und dachte, für die Donots ist das ein bisschen dick aufgetragen. Das bestätigt dieses Bild, was ich habe, dass das ein bisschen von der Plattenfirma aufgezogen war.
Jan-Dirk: Die Plattenfirma würde wohl sagen, wir waren eine sehr anstrengende Band. Wir haben nie alles mit uns machen lassen. Wir haben immer viel gekämpft. Das Problem ist aber, die sind erst mal der Geldgeber, also finanzieren die Platte usw. . Wir haben dann irgendwann gesagt, Singleauswahl könnt ihr machen, weil wir finden alle Songs, die auf dem Album sind, gut. Wir haben sie ja auch selber drauf gepackt. Ihr könnt dann auswählen, mit welchen Songs ihr am besten arbeiten könnt. Dass die dann immer wieder die einfachen Pop-Punk-Songs ausgewählt haben, hat uns irgendwann auch genervt. Das war bei Got The Noise auch wieder so. Beim Video ist es auch ein paar Mal vorgekommen. Man kriegt drei Ideen vorgesetzt und muss sich für die am wenigsten beschissene entscheiden. Dann hieß es, wenn ihr keins nehmt, dann drehen wir keins. Ist natürlich auch scheiße. Direkt nach dem Got The Noise-Video, haben wir eigentlich gedacht, es ist zwar auf dicke Hose, aber es verarscht das ganze auf dicke Hose etwas. Ebenso, wie das Big Mouth-Video, was auch überhaupt nicht so umgesetzt wurde, wie wir uns das vorgestellt haben. Danach hatten wir ein Meeting und haben gesagt a) entscheiden wir, welches die nächste Single ist, b) wollen wir Videodrehbücher sehen und wir fangen jetzt schon an uns Sachen rein zu holen, damit das nicht wieder so ein Scheiß wird. Wir haben uns dann dazu entschieden Good-Bye Routine rauszubringen, was ein sehr untypischer Song für uns ist. Eine untypische Single und ein untypisches Video, wie wir finden. Der Schulterschluss von der Plattenfirma war, dass sie die Promo an sich gerissen haben und praktisch nichts gemacht haben. Wir sind über die Jahre hinweg auch mit mehreren Radioredakteuren befreundet und eine Radioredakteurin hat mich angerufen und meinte, wieso sie nicht mit der neuen Single Good-Bye Routine bemustert worden sind. Das ist ein großes Radio im Norden gewesen, was einfach bemustert werden muss und schon immer wurde. Und ich so, Wie das kann doch nicht sein, ihr habt keine Promos gekriegt? Und sie so, Nee, überhaupt nicht. Wir wissen überhaupt nicht, dass es diese Single überhaupt gibt. Ich habe allerdings das Video gesehen auf MTV und habe mich gewundert, was da los ist. Das war halt GUNs Art und Weise uns zu sagen, wenn ihr die Single auswählt, dann läuft das eben so. Das war spätestens der Zeitpunkt, wo wir gesagt haben, jetzt reicht es aber, das wars. Jetzt sind wir unsere eigene Plattenfirma und sind mit jedem Video mehr als zufrieden.

André: Der zweite Punkt. Das eigene Label Solitary Man Records gehört euch allen in Europa. In Japan machen das Ingo und Guido.
Jan-Dirk: Nee, fast. Hier in Europa sind wir das alle. Wir 5 und unser Manager Florian. In Japan ist das Ingos Ding, der das zusammen mit unserem japanischen Verlag macht. Und zwar kam das so zu Stande, dass Ingo mit denen sehr oft über Musik und Bands, wenn wir da waren oder auch wenn wir hier waren und die gemailt haben. Und ihm ist irgendwann aufgefallen, dass immer, wenn er europäische Bands nennt, es so hieß, kenn ich nicht, kenn ich auch nicht. Wie klingen die denn? Und Ingo musste denen immer Platten rüberschicken, weil Motoko, die da für uns arbeitet, hat immer gesagt, ich finde die Sachen hier nicht, ich kann sie auch nicht importiert kriegen, ich finde sie einfach nicht. Da hat Motoko irgendwann gesagt, Weißt du was, die ganzen Sachen, die du mir vorgeschlagen hast, die finde ich so gut und die würden hier auch so gut funktionieren. Können wir das nicht so machen, du kennst die meisten Bands, kannst du die nicht ansprechen und wir versuchen die hier über ein eigenes Label zu lizensieren?. Und das haben wir dann auch gemacht. Jetzt haben wir halt Dropkick Murphys, die Beatsteaks, The Toy Dolls und zuletzt Placebo gemacht. Das ist halt geil, da freuen wir uns auch irgendwie. Wir können anderen Leuten helfen mit ziemlich wenig Aufwand und das freut uns halt, dass es noch mal einen zusätzlichen Markt gibt, wo wir ein bisschen anschieben können, weil wir halt zufällig Glück haben, dass es für uns einigermaßen gut läuft. In Europa machen das aber nur wir und wir machen auch nur uns, weil das schon unfassbar viel Zeit in Anspruch nimmt. Das reicht schon vollkommen.

André: Wie erklärst du dir, dass deutsche Bands in Japan so viel Erfolg haben und das sogar Japaner Deutsch mitsingen.
Jan-Dirk: Weiß ich auch nicht. Bei uns ist es ja so, dass wir Englisch singen. Was aber auch nicht leicht für die ist. Es ist sehr lustig, wenn Japaner von sich behaupt, dass sie Englisch sprechen. Viel Spaß, das heißt nicht gleich, dass du die auch verstehst. Ich weiß gar nicht warum. Ich kann es nur von uns sagen, dass wir sehr viel Spaß und Energie raus hauen, wenn wir live spielen. Da stehen die Japaner total drauf, weil die ein sehr geregeltes und normiertes Leben haben und sich dann halt freuen, die Sau raus lassen zu können bei Konzerten. Da hast du ein Publikum, was, bis hinten in die letzte Reihe, einfach hüpft und tanzt und springt. Da ist keiner, der einfach nur guckt, sondern die lassen wirklich alles raus. Ich glaube da geht es ein bisschen um Frust- und vielleicht Aggressionsabbau. Ich glaube, das können sie sehr gut gebrauchen. Und das kann man bei unseren Live-Shows eigentlich sehr gut machen.