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Datum: 30.07.2008

Wortwechsel mit Culcha Candela

Interview mit Itchyban

Bad Oeynhausen (ml)    Im Vorfeld der Parklichter hatte ich mit Itchyban von Culcha Candela ein Telefoninterview gehabt.
Dieses könnt ihr hier hören, oder in diesem Artikel lesen.

Foto: David Cuenca

Homepage von Culcha Candela


Hallo Itchyban. Kommen wir erstmal auf die Parklichter zu sprechen. Das ist ja jetzt das Festival, weswegen wir dieses Interview hier machen. Und zwar spielt ihr da in einem Kurpark. Habt ihr vorher schon einmal in einem Kurpark gespielt?
Nee, noch nicht. Wir haben schon diverse Gelände gerockt, aber noch keinen Kurpark.

Was stellt ihr euch denn vor, wie euer Publikum sein wird?
Naja hoffentlich, werden es nicht nur ältere Menschen sein, die da zur Kur lang laufen, sondern viele verschiedene bunte Menschen, die gerne eine gute Party. Dann wird das Konzert auch 1A werden.

Wie alt sind denn so eure ältesten Fans?
Da hab ich schon ganz unterschiedliche Sachen erlebt. Im Durchschnitt sind unsere Fans zwischen 15 und 75 Jahre alt. Es kommen auch schon Großeltern mit ihren Enkelkindern zu unseren Konzerten. So etwas habe ich schon öfter erlebt. Es ist Musik für die ganze Familie und man kann es bedenkenlos jedem empfehlen.

Ihr macht ja vor allen Dingen massenfähige Musik.
Wir machen vor allen Dingen massenfähige Musik? Danke für das Kompliment.

Um jetzt mal auf eure Musik zu kommen. Da sind ja einige politische Texte mit dabei. Entstehen die im Songwritingprozess eher zufällig oder eher geplant?
Das ist genauso wie mit allen anderen Songs. Wenn man versucht das irgendwie zu zwingen, gelingt es meistens nicht. Genauso wenig, wie man sagt, wir machen jetzt mal einen Partysong und dann 1, 2, 3, lass uns jetzt mal etwas über Party schreiben, dann wird das schon was. So geht das halt nicht. Meistens ergeben sich die Themen mit dem Instrumental zusammen. Allerdings kann ich dir sagen, ernste Geschichten sind viel leichter sogar, als Partytracks. Ein gutes Partylied zu schreiben, ist auf jeden Fall schwerer als gute Geschichsten zu erzählen.

Zu eurem Songwritingprozess generell. Ihr habt ja eine sehr große Combo in der deutschen Musiklandschaft. 6 Sänger und 1 DJ. Wie schreibt ihr die Songs? Schreiben immer verschiedene Leute die Songs, oder gibt es feste Leute, die die Songs schreiben, oder schreiben alle an einem Song?
Das ist ganz unterschiedlich. Es ist gut in der Gruppe, dass wir ganz viele verschiedene Leute sind und meistens der eine was kann, was der andere nicht kann. So ergänzt man sich dann. Wenn einer eine Idee hat für den Refrain, dann kommt der andere mit der Melodie und dann kommt der mit dem Text, danach wird sowieso noch 12 Mal dran gepfeilt. Es passiert aber selten, dass wir zu siebt an einem Blatt Papier sitzen. Das stimmt.

Wie kommt dein Künstlername Itchyban zu Stande?
Itchyban ist Nummer 1 auf Japanisch. Ich war mal in der Schule und hatte einen Schulkameraden, der war halt Japaner und der hat mir einen Spitznamen gegeben. Ich hab ihn dann gefragt, was das heißt und er sagt, das heißt Nummer 1. Und ich dann, ist ja cool, das bin ich. Es kommt daher, ich versuche immer das beste zu geben, immer on top zu sein. Mich anzustrengen, die Nummer 1.

Auf deiner Künstlerseite bei Culcha Candela steht unter anderem, dass du Ghostwriter bist bei einer Punkband namens "Die Rohrkrepierer". Wie kommt so ein Engagement zu Stande und seit wann haben Punkbands Ghostwriter?
Es ist ein Scherz. Der Text ist auf jeden Fall mit sehr viel Ironie zu genießen.

Gibt es diese Band denn überhaupt?
Der Name an sich ist ja schon der Scherz. Ein Rohrkrepierer ist ja etwas, was nie raus kommt. Deswegen, vielleicht sollte sich jemand so benennen. Also, wenn es die Band noch nicht gibt. Viel Spaß mit dem Namen.

Das könnte man ja wirklich mal machen.
Dann hast du ja eine Aufgabe vor dir.

Vielleicht hat eine Band ja Spaß daran, sich so zu benennen. Über so eine Internetseite, wie deine bei Culcha Candela wird das auf jeden Fall nochmal zusätzlich gepusht.
Okay, zur nächsten Frage. Vor ca. zwei Jahren habt ihr mit Bap zusammen für deren Album ein Lied aufgenommen. Wie sind Bap auf euch aufmerksam geworden und wie kam es dann zu dieser Kooperation?
Gute Frage. So weit ich den Geschichten folgen konnte, wurde Wolfgang Niedecken von verschiedenen Leuten angesprochen zur gleichen Zeit, die sich nicht kannten. Verschiedene Leute sind an ihn ran getreten und sagten, kennst du diese Band schon, die ist geil. Das letzte Mal war im Urlaub und da sind dann Leute auf ihn zugekommen und er immer, ja Culcha Candela hab ich schon gehört, kenn ich noch nicht. Dann hat er sich überlegt, dem muss ich mal nachgehen. Seine Kinder fanden das wohl auch ganz cool. Wir hatten dann ein Konzert in Köln und zu diesem Auftritt ist er dann gekommen und hat mit uns gesprochen, ob wir nicht mal zusammen einen Track machen wollen. So ist das zu Stande gekommen. Das war eine super geile Erfahrung, weil es eine klasse Band ist mit 30 Jahren Geschichte. Wir haben viel von denen gelernt.

Dieses Lied führt mich dann in eurer Geschichte auch auf eure Anfangszeit zurück. 2004 hättet ihr bei einem Umsonst & Draußen Festival in Vlotho auftreten sollen. Dies ist allerdings sprichwörtlich ins Wasser gefallen, weil es viel zu stark geregnet hat. Es findet mittlerweile wieder statt und zwar parallel zu den Parklichtern. Könnte man sich bei euch vorstellen, in kommenden Jahren wieder auf so einem Festival für relativ wenig Gage, was man damals gezahlt hätte, aufzutreten?
[i]Es kommt darauf an, warum nicht? Prinzipiell lassen wir uns alles offen, so weit es Sinn macht und so weit es der Terminkalender zulässt. Es ist jetzt nicht so, dass wir uns die Auftritte nur nach Gage raus suchen. Wir treten ja auch viel umsonst auf. Wir machen viel Benefizauftritte und man kann das nicht sagen, dass wir nur irgendwo auftreten, weil es mehr Kohle gibt. Das ist natürlich nicht der Fall! Das klären wir dann zusammen in der Runde mit unserer Booking Agentur und unserem Management[/url]

Was für Musik, bevorzugt von unbekannten Musikern hörst du derzeit?
Von unbekannten Musikern? Wenn sie nicht bekannt sind, woher soll ich sie dann kennen.

Ich meine jetzt Musiker, die nicht vorwiegend in den Charts sind.
Das muss dann schon sehr an mich heran getragen werden, damit ich die dann irgendwie höre. Ich höre halt gerne Radio und gehe gerne in Clubs. In Berlin haben wir super Radiosender, zwei Stück allein, die Hip Hop und Reggae am laufenden Bande spielen. Jam FM und Kiss FM, die hör ich mir gerne an und die spielen auch viele, schöne, neue Sachen.

Welche Künstler fallen dir da ein?
Die letzten guten Alben, fand ich, waren von Little Wayne und Sido.

Also auch ein wenig Aggro, oder überhaupt nicht?
Das Album ist kein Stück aggressiv. Da sind sehr gute Lieder drauf. Sagen wir mal so, ich finde die Hälfte der Lieder gut. Die andere Hälfte, diese Battletexte, das ist irgendwie Kinderkacke, aber anscheinend muss er das machen. Collie Buddz finde ich noch cool. Kennst du den?

Nee, den kenne ich leider nicht.
Siehste. Der ist noch unbekannt für dich. Du musst mehr in nichtchartige Clubs gehen. Collie Buddz ist ein Typ von den Bahamas oder Bermudas, es fängt auf alle Fälle mit B an. Er ist ein weißer Reggae-Sänger, der macht super Dancehall-Reggaemusik. Wirklich ein sehr guter Sänger. Stimmlich sehr toll.

Nun zu einer Fanfrage: Vor einem Jahr habt ihr euer letztes Album raus gebracht, mit dem ihr jetzt auch schon auf Tour gewesen seid. Ist mittlerweile geplant ein nächstes Album raus zu bringen und kannst du einen ungefähren Zeitpunkt nennen?
Natürlich. Sommer 2009.

Eine weitere Fanfrage: Ihr habt mit dem letzten Album ein sehr hiphoplastiges Album gemacht. Ist absehbar, ob ihr wieder etwas mehr zum Reggae zurück kehren werdet, oder ob ihr euch in eine andere Richtung weiter entwickeln werdet?
Das kann ich dir nicht sagen. Ich denke, dass man beim nächsten Album auch hören wird, dass es Culcha Candela ist, aber es wieder etwas anderes sein wird.

Von der Bandgründung bist jetzt hast du ja alles mitgemacht. Was kannst du da anderen Bands empfehlen, die halt jetzt auch wenig erfolgreich sind, um erfolgreicher zu werden? Natürlich nicht unbedingt auf einem Niveau wie Culcha Candela.
Ja, warum denn nicht? Also das Niveau ist doch das einzig vernünftige. Wir haben ja auch noch Ziele zu erreichen. Es ist noch nicht aller Tage Abend. Ich kann dir sagen, Talent ist wirklich nur eine Sache und macht höchstens 50 Prozent unseres Erfolges aus. Die anderen 50 Prozent oder noch mehr sind harte Arbeit. Von nichts kommt nichts. Man wird auch nicht einfach so weg gesignt von der Straße. Man muss auf jeden Fall auf sich aufmerksam machen. Sich selbst einen Namen erarbeiten. Das haben wir gemacht in Berlin, wobei es durchaus nicht leicht ist, weil die Konkurrenz sehr groß ist. Wir haben unsere eigenen Partys gemacht damals, haben uns einen Hype kreiert und jeder hat sich gefragt in der Stadt, wer ist diese Gruppe? Und so sind die Leute zu uns gekommen. Anders schafft man es glaube ich nicht. Man muss sich definitiv anstrengen. Einfach mal so zu singen und so zu rappen reicht nicht. Sex, Drugs And Rock'n'Roll, also den skandalösen Rock'n'Roll-Lebensstil, den sollte man sich auch, bevor man anfängt, lieber abgewöhnen.

Eine Frage, die ich ganz am Anfang stellen wollte, habe ich mal nach hinten verschoben. Kannst du dich erinnern, was euer bisher größtes Konzert war, beziehungsweise was euer bisher bestes Konzert gewesen ist?
Unser größtes Konzert war mal vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Da waren 150.000 Leute. Unser bestes Konzert. Also definitiv ein Höhepunkt waren Summer Jam, Rock am Ring, Karlsruhe das Fest, Roskilde Festival...

Also ihr seid vor allen Dingen eine Festivalband?
Nein, es gibt auch schöne Clubgigs. Zum Beispiel in der Columbiahalle in Berlin. Das kam jetzt auf DVD raus. Das haben wir ja in Berlin aufgezeichnet und es war auch ein super Clubkonzert. Clubgigs sind eigentlich auch super. Festivals sind sehr imposant von der Menge her, weil auf einmal sehr viele Leute auf einmal vor einem stehen.

Ist irgendein Konzert in der Bandgeschichte von euch mal komplett in die Hose gegangen?
Nein.

Dann hoffen wir auch mal, dass es so weiter geht. Vielen Dank für das Interview.