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Datum: 01.12.2007

Wortwechsel mit Kilians

Kilians Interview - dritter Teil

Bielefeld (ml)    Dies ist der dritte Teil unseres Interviews mit Simon und Arne von den Kilians.
Wir haben mit ihnen unter anderem über die Einslive Krone gesprochen.

Erster Teil des Interviews
Zweiter Teil des Interviews
Homepage von den Kilians


Am kommenden Donnerstag seid ihr bei der Einslive Krone. Wie rechnet ihr euch dort eure Chancen aus?
Arne: Sehr gut.
Simon: Wenn man so will, sind wir der MSV Duisburg der Nominierten. Immer für einen Aufstieg gut, aber auch immer für einen Abstieg. Wir hoffen natürlich, dass wir gewinnen. Wenn man sich die anderen Nominierten anguckt, möchte man niemandem zu Nahe treten. Ich will mir nicht anmaßen darüber zu urteilen, aber ich glaube da sind keine Nominierten dabei, die sich selber so darüber freuen würden. Ich würde auch lieber für eine junge Band, gerade für eine junge deutsche Band wählen, weil es heißt ja auch etwas. Es gibt immer die Einschränkung, dass eine deutsche Band gut klingen kann für eine deutsche Band, aber nie so cool sein kann, wie eine Amerikanische oder Britische. Das wäre nicht nur für uns wichtig, sondern auch für die Generationen, die damit aufwachsen müssen, mit anderen verglichen zu werden.
Arne: Ansonsten machen wir uns auch einen schönen Tag da. Wir können da hin gehen, uns hin setzen,...
Simon: Roter Teppich, Fotos und danach After-Show-Party. Im Hotel untergebracht.


Schön viele Leute treffen?
Simon: Ja, was natürlich auch spannend ist, aber wir sind auch nicht so Leute, die unbedingt auf andere zugehen. Klar würde ich gerne mal mit Herbert Grönemeyer kurz einen Plausch halten. Ich würde mich jetzt aber nicht aufdrängen wollen. Vielen würde ich auch gerne aus dem Weg gehen. Revolverheld oder so, die muss ich nicht kennen lernen, weil ich auch immer schlecht über die rede.

Ich glaube Tokio Hotel sind dieses Mal nicht dort.
Simon: Doch die sind da. Die werden den Preis übergeben. Wenn ihr zuschaut und falls wir gewinnen sollten, wird irgendwas lustiges im Bezug auf Bill und mich geschehen. Die waren ja letztes Jahr bester Newcomer und jetzt sind sie das deutsche Aushängeschild der Homoerotik.

Dann hoffe ich, dass ihr gewinnt. Darauf freue ich mich schon.
Simon: Das wird der krönende Abschluss.
Arne: Es würde auch nicht die Falschen treffen, ohne jetzt zu eingebildet zu sein. Wir haben 120 Konzerte gespielt. Natürlich macht das alles Spaß, aber es ist auch Arbeit gewesen. Wir haben uns der Sache bisher hingegeben und wenn wir den Preis kriegen würden, würden wir uns nicht schämen.
Simon: Wir würden uns freuen, weil dadurch kommen wieder viele Neider. Die sagen dann einfach: Ihr hättet es nicht verdient. Und dann sagen wir: Hey, das haben wir für euch getan. Das ist auch euer Preis. Das ist doch für die junge Musikerschaft. Die, die ehrlichen Rock machen wollen. Eben nicht so ein Rock/Pop mit tollen Frisuren, tollem Aussehen und langweiligen Geschichten und die die damit dann nach oben kommen. Wir sind die Handwerker, Künstler eigentlich auch, aber eher Handwerker. Wir sind mehr Jungs, die so aufgewachsen sind, dass man manche Sachen auch mal einfach anpacken muss und den Mund aufmachen muss, sich nicht alles gefallen lassen muss. Ich bin sehr gespannt auf die Veranstaltung, weil da ja auch viele Prominente sind. Es ist glaube ich spannend zu sehen, wie man behandelt wird, oder was passiert, wenn man auf dem roten Teppich steht und dann auf einmal kommen Silbermond, nein, Tokio Hotel, nehmen wir das Beispiel wieder. Da wird man wahrscheinlich zur Seite gedrückt.
Arne: Wahrscheinlich wird denen zugewunken und wir denken, wir wären gemeint und hinter uns stehen Tokio Hotel.
Simon: Aber es ist gut, dass wir sagen können: Nö, wir sind eingeladen, wie jeder andere auch hier. Wenn wir uns daneben benehmen, dann haben wir unsere Aufgabe erfüllt. Das haben wir uns fest vorgenommen, dass wir uns daneben benehmen wollen. Das ist ja auch alles eine Heuchelei.


Habt ihr auch einen Live-Auftritt bei der Krone?
Simon: Ich glaube nicht, bisher habe ich jedenfalls noch nichts gehört. Ich weiß auch gar nicht, wer da spielt.
Arne: Kate Nash.
Simon: Ich mag Kate Nash schon, wenn du dann aber auf so einem beknackten Stuhl sitzt, an einem Tisch und dann kommt die nervige Moderatorin, Miriam Boes, die ist ja super witzig. Es wird lustig, es wird ein ganz toller Tag, weil es einfach sehr angenehm ist. Das ist totale Publicity für uns, gerade dieser Medienrummel der da statt finden wird. Kameras und Fotografen. Das ist jetzt nicht unbedingt unser Metier. Deswegen ist es sehr lustig, dass wir dabei sein dürfen. Da wird sich der WDR auch im Nachhinein wünschen, dass er was anderes nominiert hätte.
Arne: Das ganze wird dann aber auch erst am nächsten Tag ausgestrahlt. Vielleicht werden wir auch einfach raus geschnitten (lacht).


Am Freitag haben die ja auch nur 90 Minuten drin. Ich glaube, die Krone geht länger.
Simon: Ja, leider. Also 90 Minuten sind schon heftig. Da sitzen und nichts machen. Man muss sich diese Veranstaltung ja angucken. Letztes Jahr weiß ich, da hab ich da ab und zu mal hingeschaltet. Ich wollte nur sehen, wie Tomte beste Band wurde. Dann wurde es Juli. Was hat die Frau gesagt? "Wir sind die beste Band geworden, weil wir die beste Band sind!" Das hat mich so aufgeregt, unglaublich. Ich meine Juli und diese ganzen Spaßbands. Das ist fast noch schlechter, sich darüber aufzuregen. Das ist unehrliche Musik. Das ist so inszeniert. Jeden Popsong und jede deutsche Metapher einmal auslutschen. Das ätzt irgendwie tierisch in den Ohren.
Arne: Man kann es ja nicht mehr ignorieren.
Simon: Ihr werdet es ja eh nicht verwenden.


Och, wer weiß!
Simon: Ich hab Interviews gegeben und durchgelesen. Da dachte ich mir nachher so, wo sind die guten Sachen geblieben?

Normalerweise stellen wir unsere Interviews ungeschnitten online. Wobei ich glaube, dass ich es dieses Mal vielleicht doch noch vorher zur Vorlage schicke.
Simon: Ich habe ein Interview gelesen. Das war haargenauso getippt, wie er es gesagt hat.
Arne: Man konnte es lesen und wusste genau, wie er es gesagt hat. Er redet ja schon sehr eigen.
Simon: Man musste sich das mal rot markieren und ich glaube man hatte extrem viele rote Flecken.


Das sind ja aber auch die authentischsten Interviews.
Simon: Ja klar, so etwas lese ich auch gerne durch.

Es ist ja allemal besser als der Bildstil, wo alles, was dem Redakteur nicht reinpasst, raus gekürzt wird.
Simon: Am besten sind immer noch Fernsehinterviews. Da merkt man auch, wer die Guten sind. Oasis kann man momentan leider schon vergessen, aber die Interviews sind immer noch top.
Arne: Gestern habe ich abends nach 12 ein Interview mit Liam gesehen.
Simon: Super, also das ist reichlich Entertainment, was Liam Gallagher und Noel da so bringen. Musikalische ist sicherlich einiges verloren gegangen.
Arne: Er sagt, er kann auch keine guten Songs mehr schreiben, weil er mittlerweile zu viel Geld hat. Da ist er ehrlich.
Simon: Das ist auch das Gute. In England ist es ja Gang und Gebe, dass man sich in Statements gegenseitig disst. Und hier in Deutschland dann, hey man, sprich doch nicht schlecht über andere Künstler. Man muss sich doch darüber auslassen, dass zum Beispiel Max Buskohl, dass das großer Mist ist. Denn dadurch, dass jetzt die Band gepusht wird durch seinen Ausstieg. Sonst wird es doch niemanden interessieren. Andere Bands, die viel besser sind, kriegen nie im Leben so viel Aufmerksamkeit, wie der Typ in den letzten Monaten. Das ist halt hier das Problem. In jeder Stadt hier haben wir eine riesige Indieszene, da sollte man sich mehr mit den Nachwuchsbands beschäftigen, die nicht unbedingt bei einer großen Plattenfirma sind.


Was könnt ihr denn Nachwuchsbands empfehlen, um vielleicht an so eine Stelle zu gelangen, wo ihr jetzt seid?
Arne: Ich glaube, wir sind jetzt echt nicht in der Position, um denen Tipps zu geben, womit es dann auch klappt. Einfach versuchen, zu spielen. Wenn man Spaß daran hat, zu spielen, hat man die größten Chancen irgend etwas zu schaffen. Es geht nicht darum, die meisten CDs an irgendeine Plattenfirma zu schicken. Das bringt nichts, es muss ja irgendwas dahinter sein. Wenn die Lust zu spielen da ist, sollte man halt spielen.
Simon: Das wichtigste ist, dass man nicht mit so einer Erwartung daran geht, dass man denkt, nur weil man auf der Bühne steht, eine Gitarre umgeschnallt hast, dass man deswegen unheimlich geil ist. Wir haben Bands getroffen, die sehr lustig und locker damit umgehen und sagen: Hey geil, wir haben jetzt irgendwelche Spielzeit und wir spielen jetzt einfach nur. Wir haben auch Bands getroffen...
Arne: Das ist von denen auch nicht böse gemeint. Aber viele geben halt das Klischeebild ab, was man irgendwie im Kopf hat, wenn es um das Musik machen geht. Gerade, wenn wir irgendwie Supportbands mitnehmen oder Support da ist, dann ist halt auch die Enttäuschung nicht direkt gegenüber uns erwähnt worden, aber man sieht dann, wie die dort sitzen. Wir freuen uns immer noch über jeden Gig, den wir spielen und tun es auch noch immer. Wir würden es nicht anders tun, wenn wir nur vor 10 Leuten spielen. Hinterher soll man dann auch nicht enttäuscht sein, wenn es mal nicht so geklappt hat.
Simon: Eben. Also das ist das Ding. Wir sind zwar jung, aber haben auch unsere Erfahrungen gesammelt. Wir haben wirklich alles gemacht. Wir haben gute Locations gehabt und extrem beschissene. Sobald jemand Eintrittsgeld bezahlt, hat er auch das Recht darauf, die weiß warum die das macht oder warum die das machen will. Wir haben auf jeden Fall sehr viel Spaß mit einigen Leuten auf Tour, aber bei vielen hat man gedacht, dass sei großes Rock'n'Roll-Geschäft. Das Problem bei diesen jungen Menschen ist, die sind so jung, die haben zu wenig gesehen. Wir sind zwar auch so jung, aber wir haben schon so viel gesehen. Mein Tipp noch, für alle Musiker ist, man soll immer gucken, wo man Konzerte spielen kann, sollte sich dann aber auch im Klaren darüber sein, dass wenn man in einer Kneipe spielt, dass es dann nicht unbedingt ein geiler Scheiß wird, sondern es wird eher lustig. Je nachdem, was man daraus macht.
Arne: Man muss sich dann selber auch nicht so ernst nehmen.
Simon: Wir sind auch nur ein bißchen Parodie, aber trotzdem macht es mal Spaß für 10 Sekunden in so eine Pose abzugleiten, wo man sich selber denkt, dass das wahnsinnig geil aussehen muss. Das macht Spaß. Aber wichtig ist, man darf sich vor allen Dingen nicht von irgendwelchen Leuten einlullen lassen, die meinen ich hab einen Laden und ich würde gerne ein Konzert machen. Weil das nimmt mittlerweile Ausmaße an, dass jeder Laden irgendwie meint, Konzerte veranstalten zu müssen. Weil viele sind einfach überhaupt nicht dafür ausgelegt. Da geht man auch als Zuschauer hin, mit dem Wissen, dass das nicht das Gelbe vom Ei sein wird. Wenn man da irgendwie raus schimmern lässt, dass man keinen Bock hat da zu spielen, dann ist es scheiß egal, ob es 20 oder 200 Leute sind, die dort sind. Dann werden die beim nächsten Mal nicht mehr kommen.


Kneipenkonzerte gibt es bei euch jetzt aber nicht mehr?
Simon: Wir haben dieses Jahr noch genug. Nächstes Jahr spielen wir aber in anderen Locations.
Arne: In ganz kleinen Läden zu spielen ist ja auch in Ordnung, aber man spielt ja schon mit der Absicht, Leute auf sich aufmerksam zu machen. Und wenn jetzt demnächst nicht mehr 20 Leute, sondern um die 80 kommen, dann kann man auch mit Recht behaupten, dass man einen anderen Laden nimmt. Damit diese Leute auch einen guten Sound kriegen.
Simon: Wir spielen aber im nächsten Jahr auch in Räumen, wo wir schon als Vorband dabei waren. In 3 Läden, in denen wir auch auf der Tomte-Tour gespielt haben. Da wird dann abzuwarten sein, ob das voll oder ob das leer wird. Das ist schrecklich, wenn man einen schönen Konzertsaal hat, der nichtmal halb gefüllt ist.


Okay, wir bedanken uns für das Interview. Weiterhin viel Erfolg mit der Musik.