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Tortuga Bar

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Datum: 20.08.2009

Reingehört bei Tortuga Bar

An einer Bar in Tortuga...

Bad Oeynhausen (ml)    ...wird garantiert Indie-Rock gespielt. "Narcotic Junkfood Revolution" heißt das Werk. Tortuga Bar die Band. Mit dabei die OWL-Indie-Legende Mark Kowarsch, bekannt durch Bands wie Speed Niggs, Sharon Stoned und Elektrosushi.

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Mitgewirkt haben an dem Album bis auf die Bandmitglieder Mark Kowarsch und Alexandra Gschossmann auch zahlreiche Gastmusiker. Man denkt schon, dass das Album ohne diese Gastmusiker gar nicht funktionieren würde. In jedem Lied ist mindestens ein Star der Indie-Szene untergebracht.

Gleich mit dem Gastauftritt von Nagel (Muff Potter) fängt das Album dann auch mit "Likely To Be Dropped" an. Very british, so ist es nicht nur auf Englisch gesungen, sondern es klingt auch nach englischen Indie-Hits. Natürlich kommt auch der Gastauftritt des Sängers einer Band, die sich nun leider auflösen wird, sehr gut durch.
Während "Likely To Be Dropped" allerdings jedoch leicht ins Langweilige abrutscht, da gefühlte 2 Minuten lang nur noch der Liedtitel wiederholt wird, darf man sich mit "Don't Tell" auf eine sehr viel abwechslungsreichere Fortsetzung freuen, die sich auch vom Albumopener deutlich abhebt.
"Don't Tell" relativ langsam und ruhig wird nun abgelöst von "Halle Berry". Nein, das Lied heißt nur so. Die Schauspielerin singt hier nicht mit. Phillip Boa und David Cunningham dürfen Tortuga Bar bei dieser sehr tanzbaren Nummer unterstützen. Nach einem wenig abwechslungsreichen und nach einer langsamen Nummer der erste Kracher des Albums. Hier wird gezündet und der Hörer sollte von nun an auch voll da sein.
Im Grunde ist das Album ein regelrechtes Stelldichein an Stars der Indie-Szene. Gisbert zu Knyphausen gibt seine Unterstützung in "Storm". Die langsamste Nummer des Albums, eine Ballade, wie sie besser nicht sein könnte. Zugleich auch die stärkste Nummer. Vielleicht nicht tanzbar, aber musikalisch irgendwo bei Simon & Garfunkel, Bob Dylan und Neil Young angesiedelt. Dieser Song braucht keinen Vergleich mit Indie-Größen, wie Bright Eyes oder José González zu scheuen.
Herausstechend ist auch "Foolish Me", welches nicht nur elektronisch klingt, sondern wohl auch im weitesten Sinne elektronisch ist. Anschließend könnte "Fake It" einem "Shake It" von der Tanzbarkeit wieder sehr gute Konkurrenz machen, so hört man dann auch Textschnipsel, wie "Crystal Speed" heraus. Um die Schiene nach "Foolish Me" und "Fake It" nicht zu verlieren, darf zu "Addicted" (süchtig nach der Droge aus "Shake It"?) gleich weiter getanzt werden. Und trotz drei tanzbaren Nummern lässt sich keine wirkliche Struktur erkennen. Das Album bleibt abwechslungsreich.
Dieser Eindruck eines abwechslungsreichen Gesamtwerks wird durch "Columbine Community", eine offensichtliche Ode gegen den Gebrauch von Waffen, weiter verstärkt. Nino Skrotzki (Virginia Jetzt!) steht der Tortuga Bar hier unterstützend zur Seite.
"Uh Huh" ist für den Übergang zum tanzbaren zuständig. Ein sehr kurzes, sehr schnelles Lied, welches zu "Bika" überleitet. Von keinem anderen unterstützt als Peter Brugger (Sportfreunde Stiller), ist "Bika" nicht nur tanzbar, sondern bringt auch Stil mit, den man nur von den Sportis gewöhnt ist. Wie hieß es noch so schön? "Wir waren nie bei einem Casting, uns hat niemand wer gefragt. Wir können auch nicht singen, haben wir auch nie gesagt..." (Sportfreunde Stiller - 1. Wahl). Man muss auch nicht singen können, wenn das Gesamtbild stimmt. Dieses stimmt hier klar und definitiv. Auch das einzige Lied, dem man den Einfluss der Gastmusiker heraus hört.
"Sweet Sage" ist eine psychedelische Überleitung zum Schluss des Albums "Feel The Love".
Dieses klingt, wie ein Country-Song, eines bekifften Cowboys, im positivsten Sinne des Wortes. Country mochte ich ohnehin nur bedingt, dieses wird jedoch mit einem "Wanted Dead Or Alive" (Bon Jovi)-ähnlichen Gitarrenriffs eingeführt. Die relativ komische, unenthusiastische, Art dazu zu singen, macht das Lied jedoch erst richtig interessant. Wie könnte es anders sein, taucht in der Mitte dieses Liedes dann auch noch ein Mundharmonikasolo auf, welches die "Feel The Love" perfekt macht.

Mit "Narcotic Junkfood Revolution" haben Tortuga Bar ein sehr abwechslungsreiches Album veröffentlicht, welches man auch unbedingt als Gesamtwerk sehen sollte. Beachtlich ist dabei die Liste an Musikern, die mitgewirkt haben, von Nagel über Gisbert zu Knyphausen zu Peter Brugger ist alles mit dabei, was in der Indie-Szene Rang und Namen hat.