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The Checks

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Datum: 17.11.2007

Reingehört bei The Checks

The Checks jagen Wale (VÖ: 23.11.2007)

Bad Oeynhausen (ml)    Jedoch nicht im echten Leben. Dort machen sie nämlich Musik. "Hunting Whales" heißt die Debüt-Platte der 20 Jahre alten Jungs aus Neuseeland.
Bluesrock bzw. 60-Jahrer-Rock ist die Schublade in die man sie einordnen kann.

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Deutsche Homepage von The Checks


Und so klingen sie auch. Einfach nicht wie heutige Musiker, sondern wie die Musiker, die Woodstock bekannt gemacht hat. Eine Mischung aus Jimi Hendrix, Cream und Joe Cocker in seinen frühen Jahren eben.
Und so klingen The Checks auch nicht gerade, wie eine Combo, die gerade mal den Schulabschluss hinter sich gebracht hat, sondern definitiv wie eine Reinkarnation genannter Altmeister. Blues muss dreckig sein, das haben die Neuseeländer sehr gut begriffen. So sind die E-Gitarren etwas dirty angespielt, der Gesang klingt nach gutem alten Reibeisen und die E-Gitarrensoli sind so geil und dreckig zugleich, dass Jimi Hendrix stolz auf sein geistiges Erbe sein kann, welches er heutigen Musikergenerationen vermacht hat.

Natürlich darf man auf so eine Band sehr schnell aufmerksam werden. So zum Beispiel Michael Stipe. Der Sänger von REM hat ein Demo des an Creedence Clearwater Revival erinnernden "Tired From Sleeping" auf einer Magazinbeilage gehört und die Band als Support auf die REM-Neuseeland-Tour mitgenommen.
Nun ist Neuseeland leider ein sehr isoliertes Land, zumindest was die Musikszene betrifft. Wie es der Zufall so wollte, hat Conor McNicholas vom NME seine Ferien in Auckland verbracht. Dort sah er eine große Ansammlung von Menschen, die für Karten einer Band anstanden, von der er noch nie gehört hat. Natürlich wollte er wissen, wer diese Band war. Beeindruckt von ihnen gabe er ihnen die Chance außerhalb ihres Heimatlandes bekannt zu werden, indem er ihnen einen Platz auf der NME New Music-Tour 2005 anbot.

Mittlerweile sind The Checks nach London umgezogen und haben dort ihr erstes Album "Hunting Whales" aufgenommen. Ein Rock'n'Roll-Album, wie man es sich besser nicht wünschen kann.
Die Wurzeln des Rocks waren viel zu lange tot. Ab mitte der Siebziger hat der Pop nämlich Einzug gehalten. Punk und Metal sind zu hart und auch die Musiker, die den Bluesrock geprägt und gelebt haben, sind entweder aus den Radiosendern verschwunden oder haben ihren Stil der Zeit angepasst.
Erst in den letzten fünf Jahren geht der Trend mit dem Indie-Rock wieder zurück richtung purem Rock. Auch wenn es im Bereich Indie sehr viele interessante Crossover gibt, gibt es gerade hier auch die Bands, die sich wieder daran wagen Lieder im Oldschool-Stil zu schreiben.
The Checks überzeugen damit ihr gesamtes Album lang und dies sehr konsequent. So schafft es der Sänger zu klingen, wie eine Mischung aus Joe Cocker und Eric Clapton, das Schlagzeug ist schlicht gehalten, der Bass spielt Rockläufe, Standardriffs und klingt dreckig und gerade die E-Gitarre klingt noch mehr nach Jimi Hendrix als die vom Red Hot Chili Peppers-Gitarrist John Frusciante, der ja derzeit von der Musikindustrie und Musikpresse als Hendrix-Reinkarnation gehandelt wird.



Hunting Whales - Wale jagen - ist ein Begriff für einen Menschen, der nach Liebe jagt, und über die Wut, die er empfindet, bei seinem Versuch etwas zu fangen oder zu zähmen, das er nicht kontrollieren kann. Es ist völlig sinnlos "Wale" einzufangen, weil sie sich sowieso nicht zähmen lassen. Gefühle wie Liebe können nur auf natürliche Weise und zu unerwarteten Zeiten entstehen. - Ed Knowles, Sänger von The Checks



Perlen gibt es zahlreiche auf dem Album. Und so ist es eher lästig hier jetzt über das Liedmaterial zu schreiben. Einzelne Anspieltipps sind Mercedes Children, Take Me There, Tired From Sleeping, Don't Wait, Hunting Whales und Memory Walking. Vor diesem Hintergrund sollte man sich das Album dennoch dringend als Gesamtwerk zu Gemüte führen. Es lohnt sich.

Mit "Hunting Whales" haben The Checks das wohl heißeste Debütalbum des Jahres aufgenommen und ohnehin das heißeste Debüt im 60er-Jahre-Rock, mal abgesehen von den Originalen.