Home

Taglist:

Allgemein
Rezension

Bands
Manic Street Preachers

Locations



Datum: 01.05.2007

Reingehört bei den Manic Street Preachers

Manic Street Preachers - Sie sind wieder da (VÖ: 04.05.2007)

Bad Oeynhausen (ml)    Mehr als 3 Jahre mussten wir auf ein neues Album von den Straßenpredigern aus Wales warten. Doch jetzt sind sie mit "Send Away The Tigers" zurück und geben uns innerhalb von 38 Minuten und 10 Liedern die geballte Manic-Street-Preachers-Power, die einige Fans schon sehr vermisst haben.

Send Away The Tigers bei Amazon
Homepage der Manic Street Preachers


So ist das Album, was uns hier jetzt vorliegt, wieder etwas lauter, etwas schneller und auch etwas dreckiger, als die restlichen Alben nach dem Verschwinden von Richey James. Gerade, nachdem Lifeblood sehr poppig geworden ist und eine gewisse Aggressivität vermisst wurde, ist diese nun wieder da. Mit verzerrten, lauten E-Gitarren, gut gesetzten Breaks und Fills, sowie hymnischen Refrains ist man wieder vorne mit dabei.
Das Album fängt direkt mit dem Titellied "Send Away The Tigers" an, in dem es um eine fehlgeleitete Vorstellung von Befreiung und um den Gedanken, von einer Fehlentscheidung verfolgt zu werden, geht.
Herausstechen dürfte "Your Love Alone Is Not Enough". Auf diesem Track, welcher auch die erste Single des Albums ist, ist Nina Persson von den Cardigans zu hören. In dem sehr melodischen Lied geht es darum, dass sich ein Land nicht nur auf ein Element (Religion, Liebe, Demokratie) verlassen kann, sondern alle braucht, um zu funktionieren. In dem Song geht es aber auch um Menschen und um das Manics-Thema (seit Richey James verschwinden) Selbstmord.


Aus dem Pressetext zum Album:

Vermutlich werden einige Leute glauben, dass es auch um Richey geht. Er war in einer erfolgreichen Band, wenn er gewollt hätte, hätte er eine nette Freundin haben können, wir alle mochten ihn. ... Wir haben natürlich keine Ahnung, ob er sich umgebracht hat oder nicht. Aber da ist eine Textzeile: I could have seen for miles and miles/I could have shown you how to smile/I could have shown you how to cry... es ist einfach dieses Gefühl des Bedauerns. Die Ungewissheit, ob wir nicht vielleicht mehr hätten tun können.



"Indian Summer" kann man danach wieder als Lichtblick deuten. Schon allein die Melodien und das Arrangement sind sehr hell, freundlich, aber auch nachdenklich gestimmt. Auch das Thema ist ungewöhnlich für die Manics gewählt: Freundschaft und der Stolz darauf nach einer solchen Karriere noch Freunde geblieben zu sein.
Auch "The Second Gread Depression" ist ein solches Lied. Jedoch stimmt hier die Melodie und vor allem der Text nicht ganz so freundlich, sondern doch eher nachdenklich.
"Rendition", sehr schnell und auch sehr rockig, handelt von Amerika. Dem Amerika, welches es mal war und dem Amerika, welches es jetzt ist. Dem Amerika für das Jack Lemmon, der Schauspieler, stand und das man respektierte und das Amerika, welches sich über das geltende Gesetz stellt und Menschen in Guantanamo auf dem Territorium des größten Feindes Kuba foltert. Auch schon der Trommelschlag am Anfang des Liedes klingt wie der Einmarsch einer fremden Macht in ein anderes Land.
"Sweet Child O' Mine" von Guns'n'Roses hat ein sehr starkes Gitarrenintro. Ähnlich klingt der siebte Track auf dem Album "Autumnsong", zumindest das Intro davon. Es hand davon "jung zu sein und eine Verbindung zu etwas herzustellen, das man liebt [...] sei es ein Mädchen oder eine Platte, die man am liebsten zwanzig Mal hintereinander abspielen würde." Und genauso klingt das Lied. Man könnte es zwanzig Mal ohne Probleme hintereinander abspielen, ohne das einem langweilig wird. Ein sehr qualitativ hochwertiges E-Gitarren-Solo versüßt den "Autumnsong" dann auch noch richtig und stimmt auf warme Herbstgefühle, auf buntes Laub auf den Straßen und eine goldene untergehende Herbstsonne ein.
"Imperial Bodybags". Ja, der Song grooved. Rockabilly pur. Die Stray Cats spielen wieder gemeinsam. Man könnte schwören, Brian Setzer hat hier mitgewirkt. Hat er aber leider nicht. Gerade dieser Song richtet sich aber gegen das Bild des "amerikanischen Idioten". Auch amerikanische Familien trauern, wenn ein Familienmitglied im (Irak-)Krieg gefallen ist.

Das Album, welches von Chris Lord-Alge (Green Day, My Chemical Romance) abgemischt wurde ist ein sehr sozialkritisches Werk. Es ist sehr abwechslungsreich und hat sowohl sehr rockige als auch einige ruhige Songs.
Wer es sich ganz anhört, kommt sogar in den Genuss eines Hidden Tracks, des John-Lennon-Klassikers "Working Class Hero".
Auf alle Fälle haben die Manic Street Preachers mit "Send Away The Tigers" wieder ein Album abgeliefert, was ihre wahre Größe aufzeigt.