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Chuck Ragan

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Datum: 31.01.2014

Live At Skaters Palace (VÖ: 31.01.2014)

Mit Chuck Ragan von Punk zu Bruce

Münster (ml)    Im August durften wir einem besonderen Konzert beiwohnen. Chuck Ragan lud in den Skaters Palace nach Münster ein. Zu seiner Band gehören standardmäßig Jon Gaunt an der Geige und Joe Ginsberg am Bass. In Münster wuchsen sie jedoch um Drummer Dave Hidalgo Jr. von Social Distortion und Todd Beene von Lucero an der Steel Guitar. Auch die Liste der Gastmusiker las sich mit Tim Vantol, Josh Mann von den Paper Arms und PJ Bond beeindruckend. Fünf Monate später wird es dieses Konzert nun als limitierte Pressung auf Schallplatte geben. Nur 1.500 Stück werden ihren Weg zu den Fans finden.

Chuck Ragan spielte im August 2013 im Skaters Palace. Das Konzert gibt es ab 31. Januar 1.500 Mal auf Schallplatte zu erwerben. Foto: Marcel Linke

Mit „For Goodness Sake“ fängt dieses besondere Album an. Zwar entspricht dies nicht der ursprünglichen Setlist, die zuvor schon einige Songs hatte, aber der Einstieg ist ein toller.

Chuck Ragans Stimme ist vollkommen unverwechselbar aus einer Mischung aus Whiskey, Reibeisen und Zigarettenrauch. Rau und trotzdem gefühlvoll. Nur wenige Musiker schaffen diesen Spagat. Bruce Springsteen gehört dazu und genau an den Boss erinnert auch Chuck Ragan. Mit anderen Worten, würde Springsteen heute seine Karriere starten, wäre er wohl zu erst Punkrocker gewesen.

Der Eindruck bestätigt sich zu „It's What You Will“. Ragans Mundharmonika gibt hier den Ton an und unterstreicht diesen Bruce Springsteen Sound nochmal. Insgesamt klingen die Chuck Ragan Arrangements mit Band sehr an das, was er in den Jahren zuvor mit der Revival Tour geleistet hast. Ein erfrischendes Bild und langsam eingeführt mit „Bedroll Lullaby“ wird durch die Steel Guitar erzeugt.

Gerade durch diesen vollen Klang, bestehend aus Bass, Gitarre, Schlagzeug, Mundharmonika und Steel Guitar kann das Set mit einer unheimlichen Abwechslung aufwarten, wie es für diese Art von Musik schon fast unüblich ist. Chuck Ragan ist einfach ein klasse Künstler. Die Qualitäten von ihm und seiner Band fallen einem bei diesem Mitschnitt sogar noch einmal mehr auf, als live vor Ort.

Als Punkrocker ist es klar, dass Chuck Ragan auf alle Fälle gute schnelle Musik machen kann. Als Folk-Musiker kann er das aber auch. Die Balladen stehen dem aber auch in Nichts nach. Wohl einer der vielseitigsten Musiker, die es gibt.

Zu „Rotterdam“ wird dann auch Tim Vantol auf der Bühne begrüßt. Chuck Ragan und Tim Vantol, eine klasse Kombination. Im Refrain setzt er ein und übernimmt den höheren Backgroundgesang. Ein toller Kontrast zur rauchigen Stimme von Chuck Ragan.

Durch das Arrangement mit Schlagzeug wirkt eine Vielzahl der Songs sehr tanzbar. „Do What You Do“ zum Beispiel, welches die erste Hälfte mit einem Fiddle-Spiel von Jon Gaunt beendet.

„Don't Cry“ lässt das ein wenig die Punkattitüde durchscheinen, jedoch könnte auch dieser Song aus der Feder von Bruce Springsteen sein. Es ist auch nicht verwunderlich, dass Springsteen immer öfter mit Punkrockern, wie The Gaslight Anthem oder den Dropkick Murphys zusammen arbeitet. Er ist Vorbild vieler amerikanischer Musiker und seine Songs verkörpern das Bild der Arbeiterklasse. Genauso kommen die Songs von Chuck Ragan auch im Skaters Palace rüber. „Drag My Body“ ist auch ein solches Meisterwerk, in dem Ragan wohl den gesamten Schmerz eines komplettes Lebens allein im Refrain verarbeitet.

„Meet You In The Middle“ (auch zu Hören auf Soundcloud) ist durch die Backgroundchöre schon fast so poppig geraten, dass es ohne Probleme auch ein Publikum in einem Stadion mitreißen könnte. Davon ist Chuck Ragan zwar noch weit entfernt, aber was nicht ist, kann noch werden, auch wenn Ragan wohl eher nicht die Ambition hat irgendwann wohl mal ein Stadion zu füllen. In Clubs wie dem Skaters Palace scheint er sich heimischer zu fühlen.

Nach dem sehr tanzbaren Song kommt mit „The Boat“ nochmal ein vergleichsweise ruhiges Lied, bevor man zu „California Burritos“ noch ein letztes Mal auf die Tische steigen kann.

Obwohl der Sound stellenweise sehr an Springsteens Musik und hier speziell an die Ausflüge mit der Sessions Band erinnert, schafft es Chuck Ragan immer seinen eigenen Stil zu wahren. Das „Live At Skaters Palace“ ist die Essenz, das Best-Of, des jahrelangen Schaffens des Hot Water Music-Sängers. Es darf eigentlich in keinem Pub dieser Welt, aber vor allem in keinem qualitativ hochwertigem Plattenschrank fehlen.