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Konzertbericht

Bands
3 Feet Smaller
Atlas Losing Grip
ZSK

Locations
Faust



Datum: 10.02.2012

Raise your voice

Politpunk mit ZSK in Hannover

Hannover (m2w)    An einem Freitagabend laden die Wahl-Berliner von ZSK in die Faust nach Hannover ein. Hier beziehen sie in ihren Ansagen und ihren Liedern deutlich Stellung zum Thema Rechtsextremismus. Schon mit der Wahl ihrer Supportbands sprengt die Band die Landesgrenzen, so sind 3 Feet Smaller aus Österreich und Atlas Losing Grip aus Schweden mit dabei.

ZSK begeistern nicht nur musikalisch, sondern auch mit ihren politischen Aussagen. Foto: Marcel Linke

Eigentlich sollte es heute Abend um 20 Uhr losgehen, doch als ich um 19.30 Uhr die 60er Jahre Halle der Faust
Fotos zum Konzert
Homepage von ZSK
Homepage von Atlas Losing Grip
Homepage von 3 Feet Smaller
betrete, stehen 3 Feet Smaller aus Wien bereits auf der Bühne und unterhalten ihr Publikum mit schnellen und energiegeladenen Rocknummern.  Der Funke ist bereits übergesprungen, die Band hat einen guten Teil des Publikums bereits fest im Griff. Mitsingspiele werden gemeistert und trotz der frühen Uhrzeit entsteht ein ordentlicher Moshpit. Die Band erklärt, dass sie grade mal eine ¾ Stunde vor ihrem Auftritt angekommen ist. Von der vorherigen Hektik ist jetzt keine Spur mehr. Souverän spielt sich die Band durch ihr Set, das um 19.50 Uhr endet.

Mit einem lauten Gitarrenriff verschaffen sich Atlas Losing Grip Gehör. Um kurz nach acht steht die Band auf der Bühne und schafft es alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Mit ihrem melodischen Punkrock haben sie das hannoversche Publikum schnell auf ihrer Seite. Die Gitarren werden bis zum Anschlag aufgedreht und eine energiegeladene Show beginnt. Auf der Bühne wird geschwitzt, gespuckt, gesprungen und gepost. Begleitet werden diese Bilder von dem schmächtigen Sänger, Rodrigo Alfaro, mit den muskulösen Oberarmen, dem Nasenring und dem irren Blick. Er schreit in sein Mikro als ob es kein Morgen gäbe. Hier heißt es nach einer halben Stunde: Runter von der Bühne, das Set ist beendet. Und das Publikum? Das ist bereit für den Headliner des heutigen Abend: ZSK.


Punks singen lauthals Schlagermusik

Jetzt wird die Umbaupause etwas länger, doch um kurz nach 21 Uhr ertönt das Intro vom Band. "Für mich soll’s rote Rosen regnen" von Hildegard Knef. Textsicher begleitet das Publikum den Schlager. Und das, obwohl hier eigentlich niemand gekommen ist, um Schlagermusik zu hören. Die Verstärker werden laut gedreht, ZSK stürmen auf die Bühne, um mit ihrem Opener "Wer? Wann? Wo?" eine ganz andere Richtung anzugeben. Von jetzt an kennt das Publikum kein Halten mehr. Es hat sich ein großer Moshpit gebildet, das Publikum und die Band geben Vollgas.  Das folgende "Was wir wollen" wird kurz unterbrochen, um die Besucher willkommen zu heißen und um die Regeln des Abends klarzustellen. "Wenn jemand hinfällt hebt ihn auf und schüttet Bier in ihn rein" erklärt Joshi. Das ist eine der wenigen nicht-politischen Ansagen des Abends. Pünktlich zu "Küsst die Faschisten" entern  Stagediver die Bühne. Aber auch vorne wird es immer enger. So kommt es vor, dass die Security auch hier aktiv werden muss und vorne einen Konzertbesucher auf die Bühne zieht und nach hinten bringt. Joshi kommentiert: "Er wollte ohnmächtig werden. Hätte ich ihm mal Wasser gegeben.". Spricht es und verteilt jetzt und im Laufe des gesamten Konzertes Wasser in die Menge.


Politik und Anekdoten prägen Ansagen

Während der Proben für die Reunion Tour ist ein neuer Song entstanden. Er hört auf den Titel "Herz für die Sache" und findet, wie auch schon auf den letzten Konzerten, einen festen Platz in der Setlist. Zwischendrin wird noch der neue Drummer, Mathias, vorgestellt, der auch direkt ein Drumsolo zum Besten gibt. Da ein gemeinsamer Start bei dem folgenden "Was uns noch übrig bleibt" nicht gelingt, wird das Publikum gebeten, im Countdown die Band einzuzählen. Das funktioniert bestens, so dass das kurz darauf kommende "Keine Angst" nach einem Fehlstart der Band ohne Aufforderung vom Publikum eingezählt wird.

Neben sehr viel guter Musik gibt es heute Abend auch jede Menge politische Ansagen und auch kleine Anekdoten aus der Vergangenheit. So erzählt Joshi, dass er bei den Chaostagen im Jahr 1995 schon einmal in Hannover war. Und dort am Hauptbahnhof von einer Polizistin verhaftet wurde. Damals musste er sich mit seinem Schülerausweis ausweisen. Trotzdem bleibt ihm die Stadt in guter Erinnerung und sagt "Hannover ist immer eine Reise wert". Im weiteren Verlauf des Konzertes berichtet Joshi, dass in Dresden der größte Naziaufmarsch Europas stattfindet, doch seit zwei Jahren wird er erfolgreich durch Gegendemonstrationen verhindert. In Kürze findet der Naziaufmarsch wieder statt, es fahren Busse aus der gesamten Republik nach Dresden, um die Gegendemonstranten vor Ort zu kriegen. Hingehen ist Pflicht!

Zurück zur Musik. "Riot Radio" beendet den ersten Teil des regulären Sets. Es folgen Zugaberufe aus dem Publikum, irgendwann verstummen sie und stattdessen wird ein Countdown aus dem Zuschauerraum eingeleitet. Joshi kommt alleine zurück auf die Bühne, um "Und trotzdem weiter" und "Und genau da gehen unsere Wege auseinander" auf der Akustikgitarre zu performen. Danach findet sich die komplette Band wieder auf der Bühne ein, um im gewohnt lauten Sound "One day" anzustimmen. Da "One day" als letztes Lied angekündigt wird, kommen jetzt massenweise Stagediver auf die Bühne, um sich ein letztes Mal vom Publikum tragen zu lassen. Und als es doch noch einen letzten Zugabeblock gibt, lässt es sich Joshi nicht nehmen und geht selber, während "This is our answer",  crowdsurfen. Das absolute Finale wird danach mit "We are the kids" gefeiert.

von Britta Flachmeier