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Konzertbericht

Bands
Lou Reed
Metallica

Locations
1LIVE-Studio



Datum: 11.11.2011

Lou Reed und Metallica

Intimer Gig von zwei Rocklegenden

Köln (m2w)    Am 11.11.2011 traten im Rahmen der 1LIVE-Radiokonzertreihe die Musiklegenden Lou Reed und Metallica auf, um vor einem Publikum von 400 Leuten ihre Kollaboration "Lulu" zu präsentieren. Karten für dieses Event gab es lediglich im Vorfeld des Konzerts beim Sender zu gewinnen, was der Exklusivität dieses Abends und der Euphorie des Publikums enorm diente.

Zu Beginn wurden den Gästen am Eingang des WDR Produktionsgeländes Bändchen sowie Eintrittskarten ausgehändigt, auf denen kurze Instruktionen und Anweisungen für den Abend zu finden waren, da das Konzert live ins Internet und Radio übertragen wurde, und man Sorge tragen wollte, dass dieses reibungslos funktionieren würde.

In kleinen Gruppen wurde das Publikum nach und nach zum 1LIVE-Studio gebracht, in dessen Foyer die neugierige Menge ein paar Snacks und Getränke zu sich nehmen konnte. Gegen 20 Uhr wurde das Publikum über 4 Eingänge in das Studio geleitet und ihren Plätzen und Rängen zugewiesen. Bereits beim Betreten spürt man ein gespanntes Knistern in der Luft und eine Wohnzimmeratmosphäre, wie man sie sich für einen solchen Abend nur wünschen kann.

Kurz vor 21 Uhr erscheint 1LIVE-Moderator Manuel Möglich um einige letzte Regieanweisungen zu geben, und mit der
Homepage zu Lulu
Bitte, doch bereits vor Aufnahmebeginn zu applaudieren und für Stimmung zu sorgen. Das lässt sich das Publikum nicht 2x sagen, als nur wenige Augenblicke später Lars Ulrich den Platz an seinem Drum-Set einnimmt, Lou Reed mit den restlichen Jungs von Metallica die Bühne betritt und sie mit "Iced Honey" den Abend eröffnen.

Bereits vor den ersten Akkorden sieht man den Musikern ihre Anspannung förmlich an. James Hetfield, seines Zeichens Rampensau par excellance, wartet nervös Kaugummi kauend auf das einzählen seines Schlagwerkers. Doch nach wenigen Sekunden spürt man, wie die Anspannung nach und nach weniger wird, und sich die Jungs immer mehr der Musik hingeben. Was sich ab diesem Moment abspielte, ist nur schwer in Worte zu verpacken. Das Zusammenspiel und die Harmonie zwischen der Sprech-Stimme Lou Reed's und dem keifenden, bellenden Gesang von James Hetfield ist so unvorstellbar, streckenweise verstörend aber gleichzeitig mitreißend.

Fernab jeglicher musikalischer Gesetzmäßigkeiten, wie Akkordfolgen, Harmonien und Strukturen gleicht das dargebotene einer absoluten musikalischen Anarchie, und stellt den Zuhörer vor die schwierige Aufgabe seine Hörgewohnheiten völlig neu auszurichten. So arbeitet Lou Reed größtenteils mit Geräuschen, wie Verzerrungen und Rückkopplungen, welche er mit seiner Gitarre erzeugt, und Metallica sind musikalisch nur schwierig zu identifizieren. Dennoch brilliert speziell Lars Ulrich mit einem ungewohnt unkonventionellen, freiem und ausladenden Drumspiel, welches in dieser Form sicherlich dem ein oder anderen Metallica-Song der jüngeren Vergangenheit gut getan hätte.
Es folgen "The View" und das knüppelharte "Mistress Dread". Metallica-Fans, welche das 2003er Album "St. Anger" bis heute nicht verdaut haben, fangen spätestens jetzt an schwer zu atmen, obgleich Metallica in diesem Song am ehesten wiederzuerkennen sind. Doch dieses Song-Monster, randvoll mit Stakkato-Riffs, treibenden Doublebass-Drums und Reed's unrhythmischen Sprechgesang, packt den Zuhörer an der Kehle und lässt ihn erst nach nicht weniger als 6 Minuten wieder durchatmen.

Nach diesen ersten 3 von insgesamt 7 Songs, ist es nun an der Zeit zu plaudern. Lou Reed und Lars Ulrich nehmen gemeinsam mit Moderator Manuel Möglich als erstes Platz, auf der Sofaecke links von der Bühne. Etwas zögerlich folgen Kirk Hammett, Rob Trujillo und James Hetfield. Es folgt eine illustre Unterhaltung, bei der Metallica und Lou Reed Fragen des Moderators, aber auch des Publikums beantworten, welche die Möglichkeit hatten ihre Frage an die Herren im Vorfeld auf der Homepage von 1LIVE zu stellen.
Es geht um die Entstehung von "Lulu", das Zusammentreffen von Lou Reed und Metallica, James Hetfields Rolle als "Background"-Sänger, die Freiheit aus gewohnten Strukturen auszubrechen, sich neuen Dingen zu öffnen. Neuland haben Metallica ebenfalls betreten, als es um die Aufnahme der Platte ging, welche innerhalb von weniger als einem Monat abgeschlossen war. Lars Ulrich erwähnte, dass es bei einer Metallica-Scheibe für gewöhnlich schon einen Monat dauere, bis das Studio ausgesucht sei und weitere zwei Wochen bis das Equipment ausgebaut sei. Das Lou Reed als schwieriger Interviewpartner bekannt ist, bekommt  Moderator Manuel Möglich bei der Aussage zu spüren, dass sich Metallica in den letzten 20 Jahren mit Veröffentlichungen wie "St. Anger", "S & M", "Load" und "Re-Load" häufig neu zu erfinden versucht haben. Lou Reed entgegnet ihm, dass er ihn für ein "One-Trick-Pony" halte, da Metallica einfach Metallica seien und keinen Grund haben sich neu zu erfinden. James Hetfield ergänzt unter dem Beifall der anwesenden Metallica-Fans, dass es ihm egal sei, was die Leute über ihre verschiedenen Veröffentlichungen denken, oder ob sie den Anforderungen der Fans gerecht werden oder nicht.
Noch bevor diese Diskussion weiter in die Kontroverse führt, lenkt Moderator Manuel Möglich wieder auf das wesentliche, wonach alle gieren: Musik!

Nun geht's weiter mit "Dragon", ein Stück welches nach Lars Ulrich Ankündigung "nicht nur schwer zu spielen, sondern auch schwer anzuhören ist". Mit 9:30 Min. Spielzeit die längste und komplexeste Nummer des Albums. Im Anschluss daran folgt "Junior Dad" mit einem kurzen "Frustration"-Zwischenspiel, welches gleichzeitig das viel zu frühe Ende dieses Abends einläutet.

Zum Abschluss dürfen sich die Ohren der Zuhörer wieder auf gewohnte Klänge einstellen, als das Quintett um Lou Reed den Velvet Underground-Klassiker "White Heat, White Light" zum Besten gibt. Leider ist der Abend mit etwas über 70 Minuten deutlich schneller beendet, als die angekündigten 90 Minuten. Gerne hätten Metallica ebenfalls einen ihrer Klassiker auspacken können. Nichtsdestotrotz bleibt dieser Abend ein absolut unvergessliches Ereignis, an das man sich noch lange und gerne zurück erinnern wird!

von Markus Ebbert