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Konzertbericht

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Eric Sardinas

Locations
Stattbahnhof



Datum: 03.11.2011

Eric Sardinas in Schweinfurt

Eric Sardinas und Big Motor geben Gas im Stattbahnhof

Schweinfurt (m2w)    Eric Sardinas spielte letzte Woche ein Konzert im Schweinfurter Stattbahnhof.


Für 20:30 war das Konzert ursprünglich angekündigt, doch der Stattbahnhof in der Alten Bahnhofstraße mag sich nicht so recht füllen. Vollkommen unverständlich, hat sich doch einer der Hoffnungsträger des Bluesrock angekündigt. Entsprechend großformatige Plakate waren rechtzeitig im Stadtbereich von Schweinfurt verteilt worden. Gegen 21:15 beginnt dann das exklusive Konzert des Powertrios um den Ausnahmegitarristen Eric Sardinas.

Es ist nicht einfach die obligatorische Werbetour für sein gerade erschienenes Album Sticks And Stones. In Schweinfurt liefert er ein rundum gelungenes Paket aus facettenreich vorgetragenen Bluesnummern aus seinem gesamten Oeuvre ab. Das Publikum ist restlos begeistert vom einundvierzigjährigen Texaner aus Fort Lauderdale.
Fotos zum Konzert
Homepage von Eric Sardinas
Mehr als hundert Minuten schweißtreibende, aber eben immer auch betont einfühlsame, Musik liefert er zusammen mit Levell Price am Bass und Chris Frazier am Schlagzeug ab. Der Draht zu den Zuhörern ist schnell hergestellt, bestätigt er doch immer wieder, sich zu freuen, mit den Freunden seiner Musik diesen Abend im Stattbahnhof gemeinsam feiern zu können. Musik als eine Form der Kommunikation zwischen Künstler und Zuhörer heute Abend springt der Funke jedenfalls über. Natürlich mag hier auch Eigenmotivation eine Rolle spielen. Seine Tour dürfte anderswo in Deutschland und Europa hoffentlich besser ausgebucht sein.

Mitten im Konzert verlassen seine musikalischen Mitstreiter kurzzeitig die Bühne, damit der Meister eine Mississippi-Blues-Nummer als Solist vortragen kann. Der Gitarre, seiner Dobro Resonatorgitarre, entlockt er unglaubliche Töne. Er selbst wird zum Lautmaler. Mit dieser Stimme und seiner Fingerfertigkeit an dem Saiteninstrument hatte er gar keine andere Wahl als Bluesmusiker zu werden. Keiner im Alten Bahnhof von Schweinfurt muss nun mehr zwingend zum Mississippi reisen. Die hingebungsvolle Bluesnummer von Eric hat all die von uns dort vermuteten Stimmungen auf den Punkt gebracht. Danach dreht das Trio wieder auf, das Gaspedal ist durchgetreten, das Bodenblech schon spürbar. Manches Mal fühlt man sich gar an die älteren Stücke von ZZ Top, der texanischen Band mit den Rauschebärten, erinnert. Einen weiteren Höhepunkt an Intimität erreicht der Auftritt, als Sardinas sich, lediglich begleitet von seiner Gitarre, unter das Publikum mischt, welches ihn sofort wie einen faszinierenden Straßenmusikanten einkesselt. Hier nun auch wieder Momente der Stille, der Raum zwischen den gespielten Noten, der eine ganz besondere Atmosphäre entstehen lässt.

Sofort wird die Maschine wieder angeschmissen - Gas geben und wieder bremsen -,  der Big Motor läuft heute Abend wie geschmiert. Sowohl Chris Frazier, der bereits mit Whitesnake und einem anderen Gitarrenvirtuosen, Steve Vai, zusammen gespielt hat als auch Levell Price, der Bass von Eric, bekommen ihre Freiräume zum exaltierten Spiel auf ihren Instrumenten selbstverständlich zugestanden.

Nach zwei Zugaben verlässt die Band die Bühne. Eric steht noch für einen Plausch und Autogramme bereit. Im Hintergrund läuft passend und der Stimmung nach dem Konzert gerecht werdend, Johnny Cash's "When A Man Comes Around".

Vor wenigen Jahren noch war Eric Sardinas mit Band noch Vorgruppe von Johnny Winter. Längst erwachsen geworden, wünschen wir Eric nun das Durchhaltevermögen des mittlerweile sehr gebrechlichen Johnny.
Ein Auftritt in der Essener Zeche Zollverein steht am kommenden Wochenende bevor. Vielleicht wird er vom WDR-Rockpalast-Team aufgezeichnet. Für die Daheimgebliebenen wäre es nur mehr ein Appetitmacher für das nächste Mal, ein adäquater Ersatz für ein Livekonzert mit Eric Sardinas  And Big Motor sicherlich nicht.

von Gerald Langer