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Konzertbericht

Bands
Art Brut
The Lovely Eggs

Locations
Kleine Freiheit



Datum: 14.09.2011

Art Brut in Osnabrück

Eddie Argos is out of control

Osnabrück (ml)    Nachdem Art Brut im Mai ihr viertes Album Brilliant! Tragic! veröffentlichten, fanden sie nun den Weg nach Osnabrück in die kleine Freiheit, wo sie vor kleinem Publikum einen trotzdem grandiosen Auftritt hinlegten.


Nur schwer füllt sich die kleine Freiheit dieses Mal. Nachdem der Konzertsaal zu einem guten Drittel mit Menschen gefüllt war sollte der Besucherstrom schon stoppen. Verwunderlich, wenn man bedenkt, dass mit Art Brut heute eine
Fotos zum Konzert
Homepage von Art Brut
doch nicht ganz unbekannte britische Indie-Rock-Band nach Osnabrück gekommen ist. Außerdem sind sie eines der Aushängeschilder des Art Punk, eine Musikrichtung, die mit zu den frühen Wurzeln von R.E.M. gehört.

Bevor Art Brut auf die Bühne gingen, versuchten sich erst einmal The Lovely Eggs dort und gaben ein schräges und erstaunliches Konzert. Mit ihrer unbeschwerten, humorvollen und grenzenlosen Art Rockmusik neu zu interpretieren, passen sie zum Hauptact, wie wahrscheinlich keine andere Band. Ihre Lieder kombinieren sie teils mit einfühlsamen, teils aber auch recht sinnlosen Text. In Fuck wird ein Scheiß drauf! (wortwörtlich) eingebaut und mit Texten, wie Es gab eine Olive, die Olive war im Öl, das Öl war auf dem Tisch, der Tisch war im Raum, , die Welt war im Universum und das Universum war in den Sternen möchte man sich auch nicht zu ernst nehmen. Es passt, denn Art Brut sind sicherlich auch keine Band, die sich zu ernst nehmen und dem Publikum, selbst den Skeptikern unter ihnen gefällt es.

Nach einer kurzen Umbaupause stürmten Art Brut dann förmlich auf die Bühne. Gerade für Sänger Eddie Argos gab es dann kein Halten mehr und er verließ die kleine Bühne um näher am mehrere Reihen weiter hinten stehenden Publikum zu sein. Das Eis zu diesem wurde durch ihren Opener Formed a Band zugleich auch ihre erste Single direkt gebrochen.
Generell spielten Art Brut eine sehr gemischte Setlist, die sogar einen Schwerpunkt auf das erste Album, ihr erfolgreichstes Album, legte und das obwohl als folgender Song Axl Rose gespielt wurde. Einen großen Unterschied hört man zwischen neuen und alten Songs allerdings auch nicht heraus. Art Brut sind ihrem Stil über die letzten 7 Jahre treu geblieben.
So treu, dass man sich sogar traut, den Tanzflächen-Hit My Little Brother direkt als dritten Song zum Besten zu geben. Neben einer hohen Spiellaune, bei so wenig Publikum sehr überraschend, ist gerade Eddie Argos sehr in Erzähllaune. So klärt er darüber auf, dass sein jüngerer Bruder jetzt 29 Jahre alt, nicht mehr länger außer Kontrolle, sondern mittlerweile Lehrer ist. Dafür scheint Eddie Argos umso mehr außer Kontrolle zu sein. Denn er verschwindet mit seinem Mikrofon und seinem Mikrofonständer, so weit im Publikum, wie es das Kabel seines Mikrofons zulässt.

Von nun an steht er regelmäßig im Publikum, singt die Songs der Band und erzählt seine Geschichten. Aber auch auf der Bühne macht jeder sein Ding. Mikey Breyer nimmt das Schlagzeug auseinander, Gitarrist Jasper Future nimmt die Bühne so auseinander, wie Eddie Argos das Publikum. Zusammen mit Ian Catskilkin liefert Jaspert Future eine Show ab, die schon allein für sich ein ganz großes Ausrufezeichen setzt. Allein die Bassistin Freddy Feedback steht etwas abseits in der Ecke vor ihrem Bassverstärker, liefert von dort jedoch auch eindrucksvolle Riffs ab und hat sichtlich Spaß am Konzert.
Spaß, der sich auch auf das Publikum überträgt. Denn dort wird mittlerweile auch ausgelassen getanzt. Natürlich zu den alten Songs, wie Emily Kane, als auch zu den neuen Songs, wie Sealand, mit dem Art Brut nach knapp 70-minütiger Spielzeit das Hauptset beendeten.

Zurück kamen sie mit Good Weekend, welches auf ihrem ersten Album erschienen ist und wohl den Höhepunkt des kurzen Zugabensets bildete bevor die Besucher mit Post Soothing Out endgültig in die Nacht entlassen wurden.

Obwohl nur 70 Besucher den Weg in die kleine Freiheit gefunden haben, war es dennoch ein beeindruckender Abend für alle Seiten. Ein so kleines Konzert geben Eddie Argos und die anderen Bandmitglieder, obwohl es mit den letzten drei Alben nicht so gut geklappt hat, wie mit dem ersten wahrscheinlich trotzdem selten. Dafür haben sie es souverän und mit viel Spaß an der Sache über die Bühne gebracht.