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Datum: 11.08.2011

Open Flair 2011

Line-Up top, Orga flop!

Eschwege (m2w)    von Marcel Linke - Lange Laufwege, ein überfüllter Campingplatz und ebenso überfüllte Dixi-Klos haben dieses Jahr das erste ausverkaufte Open Flair geprägt. Auch ein grandioses Line-Up konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass an vielen Ecken und Enden die Organisatoren des Festivals mit 20.000 Besuchern überfordert waren.

Homepage zum Open Flair
Fotos zum Festival


Das Open Flair Festival findet auch dieses Jahr wieder verteilt im Norden der hessischen Stadt Eschwege statt. Inmitten einer Seenplatte und einer mittelalterlichen Altstadt spielen nun schon seit über 25 Jahren national und international bekannte Musiker auf.

Neben einem großen Campingplatz gibt es mehrere Festivalplätze. Einer auf der Insel Werdchen, umströmt von der Werra, der neben der Indoor-Bühne E-Werk auch die Hauptbühne und eine Nebenbühne beherbergt. Mehrere hundert Meter weiter befindet sich das Kleinkunstzelt, in dem hauptsächlich Comedy-Programm statt findet. Vor dem Zelt gibt es Kinderprogramm. Neu eingerichtet wurde die Seebühne.


Grandiose Shows

Auf der Seebühne startet dieses Jahr das Festival schon am Donnerstag. Neben Royal Republic sind für den Warm-Up-Tag auch We Butter The Bread With Butter und 5 Bugs angekündigt. Nur noch zu besetzen ist eine Lücke, die von einem Special Act ausgefüllt werden soll.

Gemunkelt wurde schon den gesamten Tag. Die Informationen verdichteten sich auf Clueso und dieser wurde tatsächlich wenige Stunden vor seinem Auftritt auch offiziell bekannt gegeben. Zu spät, als dass es die meisten anwesenden Fans noch auf regulärem Weg mitbekommen könnten. Verbreitet wurde die Information per Mundpropaganda und so war der Platz vor der Seebühne dann sogar erstaunlich voll mit Clueso-Fans, die zum ersten Mal sein Discostress-Projekt kennen lernen durften. Das sind weiterhin die Songs von Clueso, aber in elektronischem Gewand. Mit viel Bass und Stilelementen der Minimal Music verfremdet lauschten die meisten Festivalbesucher eher andächtig, als wie üblich laut mitzusingen.
Wem die Clueso-Songs in dieser Interpretation nicht gefallen haben, der soll beruhigt sein. Nach unseren aktuellen Informationen soll es das Discostress-Projekt nur für die restlichen Open Air-Konzerte von Clueso geben.

Tolle Shows gab es auch am Freitag zu erleben. An diesem Tag spielten neben den fantastischen Vier, den Subways und Itchy Poopzkid auch noch Disco Ensemble auf. Sie spielen auf der Nebenbühne auf dem Hauptgelände. Der Boden ist ausgelegt mit Stroh und dieses fliegt sowohl durchs Publikum als auch Richtung Bühne. Die Band, sichtlich überrascht, hat daran aber auch ihren Spaß, den man ihr sichtlich anmerkt.

Sichtlich Spaß haben auch The Subways. Sie spielen eine solide Show. Eine Show, die auf deutschen Festivals mittlerweile allseits bekannt ist. Inklusive Crowdsurfing von Billy und Aufforderungen zum größten bisher gesehen Circlepit. Aber auch inklusive dem neuen Song "We don't need money to have a good time" und alten Klassikern, wie "Rock'n'Roll Queen". Obwohl sie 90 Minuten spielen durften ging es für die Subways schon nach 70 Minuten von der Bühne.

Beim Aufbau der fantastischen Vier ist das klar. Ein riesiges Banner hüllt die Bühne ein und macht eine Sicht auf das Treiben dahinter unmöglich. Die Fantastischen Vier hüllen ihr Publikum ganz in "Fanta-Sie". Gespielt wird jedoch eine festivaltaugliche Setlist mit zahlreichen alten Hits, wie "Sie ist weg", "MfG", "Tag am Meer" oder "Der Picknicker".
Mit "Troy" wollen sie zum Schluss dann auch nochmal ihre Beziehung zum Open Flair klar machen und freuen sich schon auf das sechste Mal in Eschwege.

La Vela Puerca sind der erste richtig große Act am Samstag. Die Band kann nicht nur mit ihrem eingängigen Ska überzeugen. Die Uruguayer können sogar erstaunlich gut Deutsch sprechen mit ihrem Publikum. Das überzeugt nicht nur, das macht die Band sogar sehr sympathisch.

Eines der größten Highlights an diesem Abend sind auch die Dropkick Murphys. Irish Folk-Punk. Die Dropkick Murphys sind zusammen mit Flogging Molly die Aushängeschilder dieser Musikrichtung. Nur noch eine Spur härter, was man auch vor der Bühne am Publikum merkt. Der Moshpit zieht sich über die komplette Publikumsbreite vor der Bühne. Selbst seitlich an den Rändern kommen die Crowdsurfer geflogen.

Während Iggy Pop noch einmal gehuldigt werden kann sieht die Seebühne währenddessen eine großartige Performance von Bonaparte, die es schaffen zu jedem Song ihre Outfits zu wechseln. Diese Outfits sind nicht etwa regulärer Natur, wie man es aus dem Kleiderschrank kennt. Da werden die Musiker dann tatsächlich als Computer verkleidet, mit Gasmasken bestückt und Pferde dürfen den Dirigenten spielen. Genauso verrückt, wie die Outfits ist auch die Musik der Band. Top Show, klasse, aber eigenwillige Musik!

Eine Top Show und eigenwillige Musik liefern auch Eläkeläiset ab. Hinter dem Namen, der beim Aussprechen schon Kopfschmerzen verursacht, beim Tippen auf der Tastatur allerdings zu wahren Verkrampfungen führt, steckt eine Gruppe an Finnen, die den Humppa in der Welt bekannt machen wollen. Humppa ist eine finnische polka-artige Volksmusik und weil man damit allein keinen jugendlichen Festivalgänger überzeugen kann wurde der von der Band kombiniert mit Rockmusik, Coverversionen von bekannten Musikstücken und eigenwilligen Texten. Wenn die Übersetzung hier und da nicht passt werden einfach Schimpfwörter, der Name der Band oder der Begriff "Humppa" eingefügt. Das gefällt natürlich und gerade auf einem Festival, auf dem sich neben eines Moshpits auch diverse Polonaisen bilden, die es teilweise sogar schaffen Mini-Circlepits um den FOH-Turm zu bilden.

Auch der letzte Tag auf dem Open Flair hat noch einmal ein ordentliches Musikprogramm zu bieten. Die Seebühne wurde abgestellt, so dass es vor der Hauptbühne richtig voll wird. Das kommt den Monsters of Liedermaching zu Gute, die seit 2004 durchgängig auf dem Open Flair spielen, jedoch das erste Mal auf der Hauptbühne. Zum Abschluss ihrer Show steigen sie in Schlauchboote und lassen sich von der Menge zur Nebenbühne tragen, wo sie Das Pack ankündigen.

Eine gute Ska-Show liefern auch Talco ab, die mit Good Charlotte und Bullet For My Valentine umzingelt sind von einer Möchtegern-Rockband und einer echten Rockband. Bei der echten Rockband, Bullet For My Valentine, ändert sich das Publikum wirklich schlagartig. Man hat sie sonst die gesamte Zeit nicht gesehen, aber vor der Bühne stehen auf einmal nur noch Metalhead, die aber auch so schnell weg sind, wie sie da waren.

Den Rise Against, der Headliner am Sonntag, macht kein Metal, sondern Punkrock. Sie spielen eine sehr gemischte Setlist, die natürlich auch Songs vom Album "Endgame" enthält. Gefeiert wird alles vom Publikum. Von "Prayer of the Refugee" bis "Satellite". Eine Verschnaufpause gibt es nur zu "Swing Life Away" und "Hero of War", den ruhigen Stücken von Rise Against. Schon kurz darauf geht es wieder laut weiter und Rise Against beenden für viele, die nicht mehr zu Pendulum bleiben, den Abend mit "Give It All".


Fehlplanungen auf dem Open Flair

Ein Festival besteht allerdings nicht nur aus der Musik, sondern aus der Summe seiner Einzelteile. Dazu gehören auch Laufwege, das Camping, besonders die sanitären Anlagen und Reduzierung von Warteschlangen. Dieses Jahr war das Festival ausverkauft. Schlagartig kamen 20.000 Besucher, so viel wie noch nie zuvor (bis zu 15.000 davor). Zu viel und vor allen Dingen auch zu viel für die Vorbereitung der Veranstalter. Denn die waren mit der Situation an etlichen Ecken und Enden komplett überfordert.


Fehlplanung 1: Auto am Zelt

Heißt es auf der Homepage noch, dass man sich bei der Anfahrt auf das Festival entscheidet, ob man gegen einen geringen Aufpreis neben dem Auto zelten möchte, konnte man bereits am Donnerstag nachmittag zur Hauptanreisezeit nicht mehr mit demselbigen auf den Campingplatz. Wenn die Kapazitäten dafür begrenzt sind sollte man das auch so auf die Homepage schreiben.
Stattdessen wurden die Autofahrer, die jetzt ankamen auf einen Parkplatz geleitet, der von hinten nach vorne aufgefüllt wurde und die Laufwege noch so geplant, dass man erst einmal am mittlerweile vollen Auto-Campingplatz vorbei musste um auf den ebenfalls vollen Campingplatz zu kommen.


Fehlplanung 2: Camping-Kapazitäten

Wobei ein voller Campingplatz sogar noch gut gewesen wäre. Spätestens dann, wenn Rettungswege zugecampt werden, wie es auf dem Open Flair der Fall war, hätte man früher reagieren müssen und Reserveplätze aufmachen müssen. Dies sollte man dann auch kommunizieren. Bis zuletzt hatten zumindest wir keine Information darüber, was jetzt Reserveplätze sind und was schon unter Wildcamping einzustufen war. Immerhin hat man auf Rettungswegen aufgestellte Zelte auch nicht mehr abgerissen.
Insgesamt hätte man sich das Öffnen von Reserveplätzen sogar ersparen können, wenn man gleich von vornherein verhindert hätte, dass Besucher Traktoren mit Anhängern mitbringen, so groß wie Zwei-Zimmer-Wohnungen. Gefühlt jedes Zelt hatte seinen eigenen Pavillon und diejenigen, die keinen Pavillon hatten, hatten sich Discozelt-Aufbauten gegönnt.
Pech für Leute, die am Donnerstag kommen, denn am Dienstag standen diese Aufbauten schon, als es noch genügend Kapazitäten gab.
Und obwohl es groß angekündigt war, wurde sowohl bei der Bändchenausgabe für den Campingplatz als auch am Eingang nicht einmal überprüft, ob derjenige, der rauf wollte auch eine gültige Zugangsberechtigung zum Festival hat. Denn offiziell ließ es sich nur damit campen.


Fehlplanung 3: Die Bändchenausgabe

Davon gab es eigentlich zwei. Eine für den Campingplatz. Da ging alles fix. Und eine für das Festivalgelände. Hier hatten alle Besucher das Vergnügen durch ein Nadelöhr in Form eines abgesperrten Weges gehen zu müssen mit zwei Schleusen, eine zum entwerten des Tickets und eine zum Anlegen des Bändchens. Diese hätte man zusammen ziehen können, so dass man dafür die doppelte Anzahl an Schleusen hätte aufmachen können. Denn was dahinter abging war alles andere als schön.
Wenn man zu den Stoßzeiten sein Bändchen haben wollte, hatte man das Vergnügen bis zu 3 Stunden in der Schlange zu stehen. Da fragt man sich dann auch zu Recht, wieso es diese nicht schon zur Camping-Einfahrt gegeben hat.


Fehlplanung 4: Laufwege

"Das Festival in Eschwege ist bekannt für seine kurzen Wege." - So steht es auf der Homepage des Open Flair geschrieben. Dies mag sein, wenn man es schafft einen der heißbegehrten Autostellplätze auf dem Campingplatz zu bekommen. Dies mag auch sein, wenn man Eschweger ist und nicht campen muss. Denn eine halbe Stunde zwischen Auto und Zelt und nochmal eine viertel Stunde zwischen Zelt und Hauptbühne hat nicht wirklich etwas mit kurzen Laufwegen zu tun. Ein Festival, mit 20.000 Besuchern so zu entzerren ist schon eine Kunst. Solche Laufwege ist man sonst von Festivals, wie dem Hurricane gewohnt, aber nicht in einer Größenordnung, wie die vom Open Flair.


Fehlplanung 5: Sanitäre Anlagen

Auch hier hat man gemerkt, dass das Festival am Ende seiner Kapazitäten ist. Zumindest was die sanitären Anlagen auf dem Campingplatz angeht. Wenn es für 20.000 Besucher nur Dixis auf dem Zeltplatz gibt ist das schon nicht toll, wenn diese aber dann auch nur einmal täglich gereinigt werden, so dass die Brühe schon an der unteren Oberkante steht ist das einfach nur eklig.
Auch die schätzungsweise 12 Duschkabinen pro Geschlecht, die dann auch noch Öffnungszeiten von 7:00-13:00 Uhr und von 17:00-22:00 Uhr hatten sind eine Planung, die nicht mit den tatsächlich benötigten Kapazitäten gerechnet hat, sondern mit dem was man als Wunschvorstellung vor Augen hat.
Einzig und allein die sanitären Anlagen vor der Hauptbühne waren in Ordnung. Batterien an wassergespülten Toiletten. So viel, wie es auf anderen Festivals nur Dixis vor der Bühne gibt.


Fehlplanung 6: Einlass zur Hauptbühne

Ähnlich wie zum Bändcheneinlass haben sich zu Stoßzeiten auch hier lange Schlangen gebildet. Dies lag nicht etwa von fehlenden Schleusen, von denen gab es genügend. An einigen wurde man entweder gar nicht oder sehr ausführlich kontrolliert. Die meisten Schleusen waren sogar leer, ohne Besucher. Das Problem lag davor. Auch hier wieder ein abgesperrter schmaler Weg, der für lange Schlangen davor sorgt, während sich am Schleusensystem die Security schon langweilen.


Fehlplanung 7: Das Kleinkunstzelt

Welches seinen Namen nicht wirklich verdient hat. Zelte haben nur eine begrenzte Kapazität. Bestuhlte Zelte noch viel weniger. Wenn allerdings zu Acts, wie Bodo Wartke oder Eure Mütter das Zelt voll ist, die doppelte Anzahl an Besuchern, die ins Zelt passen würden, aber noch draußen stehen, muss man sich ehrlich Gedanken darum machen, ob man die nicht irgendwo auf die Open Air-Bühnen legt und ins Kleinkunstzelt stattdessen wirklich kleine, unbekannte Kunst. Wir möchten uns nicht vorstellen, was abgegangen wäre, wenn Badesalz, die auf Grund einer Verletzung absagen mussten, hier aufgetreten wären.


Fehlplanung 8: Die Seebühne

Also nicht die Bühne direkt, aber der Platz davor ist hier fehlerhaft geplant. Schotterboden wohin das Auge sieht. Und das bei Bands, wie Royal Republic, den Donots oder Bonaparte. Klar tanzt die Masse ausgiebig Pogo. Nur hinfallen sollte man nicht. Schätzungsweise jeder der hingefallen ist und sich hat raus ziehen lassen müssen hatte irgendwelche Abschürfungen oder Platzwunden. Bei alldem sollte man auch nicht vergessen, dass sich Schotter hervorragend als Wurfgeschoss eignet.


Fehlplanung 9: Müllpfand

Auch wenn wir unseren völlig ohne Kontrolle wieder bekommen haben (wir hätten leere Müllsäcke abgeben können, haben unseren Müll, da wir mit der Veranstaltung ohnehin Ausgaben hatten und es nicht einsehen auch noch Müll aufzusammeln von zu Hause mitgebracht), gab es Leute, die ihren Müllpfand noch nichtmal mit Kontrolle wieder bekommen haben, obwohl alle Kriterien erfüllt waren. Es hieß dann nur: "Sorry, wir haben gerade kein Geld hier." oder "Sorry, ihr seid zu spät.". Man fragt sich, wieso da dann im Begriff Müllpfand die Silbe "Pfand" steckt. Zu Recht haben hier einige Leute ihren Müll wieder ausgekippt, aber diese Zusatzarbeit wird dann wohl ganz sicherlich nächstes Jahr auf den Ticketpreis drauf geschlagen.


Fazit

Das grandiose Line-Up im Jahr 2011 wird leider durch die sehr mäßige Organisation getrübt. Hier müssen die Veranstalter dringend ihre Hausaufgaben machen. Ansonsten ist ein Kommen von Auswärtigen wirklich nicht zu empfehlen. Bei T-Shirt-Preisen von 25 Euro kann man auch nicht sagen, dass es sich bei dem Festival um reine gemeinnützige, ehrenamtliche Arbeit handelt. Das grenzt für uns eher an Kommerz und Gewinnoptimierung. Flair sucht man auf dem Open Flair jedoch vergebens.

Bis zur Veröffentlichung des Artikels lag uns leider noch kein Statement der Veranstalter zu unseren Kritikpunkten vor.